Jesus erscheint den Jüngern im Abendmahlsaal

Jesus erscheint den Jüngern im Abendmahlssaal

Während die aus Emmaus zurück gekehrten Jünger noch redeten, da es schon spät am Abend war, und die Türen des Hauses, in dem die Jünger sich versammelt hatten, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und stand in ihrer Mitte (1) und sprach zu ihnen: „Friede sei mit euch! Ich bin es, fürchtet euch nicht!“ Sie, erschrocken und voll Furcht, meinten ein Gespenst zu sehen. Er aber sprach zu ihnen: „Warum seid ihr entsetzt, und warum steigen solche Gedanken in euren Herzen auf? Seht meine Hände und meine Füße, daß ich es selbst bin. Fühlt mich an und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich es habe.“ Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße und seine Seite. (2) Während sie aber noch vor Freude nicht glaubten und staunten (3), sprach er zu ihnen: „Habt ihr hier etwas zu essen?“ Sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisches und einen Honigkuchen vor. Nachdem er vor ihren Augen gegessen hatte, nahm er das übrige und gab es ihnen. (4)
Nun sprach er abermals zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Nach diesen Worten hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Empfanget den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen, und welchen ihr sie behalten werdet, denen sind sie behalten.“

Mit den klarsten Worten überträgt hier der Herr die Vollmacht, die ihm sein Vater gegeben, nunmehr auf seine Apostel. Diese Vollmacht Christi erstreckte sich aber, wie er schon früher so oft zu erkennen gegeben, darauf, die Menschen durch sein Wort, seine Gnade, seine Leitung und sein Beispiel überhaupt zu entsündigen und zu heiligen; sie begriff das gesamte Lehr-, Priester- und Hirtenamt in der Kirche in sich. Insofern erfüllte hier Christus einfach seine den Aposteln und besonders dem Petrus schon früher gegebene Verheißung. (Mt. 16,18; 18,18) Die unmittelbar folgenden Worte zeigen aber, daß er jetzt aus dieser allgemeinen Vollmacht eine darin eingeschlossene besondere Vollmacht ausheben wollte: er übertrug den Aposteln die besondere, für die Menschheit so notwendige Gewalt, nach seinem Beispiel und an seiner Statt den reuigen Sündern ihre Sünden zu vergeben. Hier setzte er also das heilige Sakrament der Buße ein. Christus sagt allgemein, ohne Ausnahme: „Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet“ usw.; ferner: „denen sind sie nachgelassen“ usw., d. i. in Wirklichkeit, vor Gott oder (wie er von der apostolischen Schlüsselgewalt sowie der des Bindens und Lösens bemerkt) im Himmel nachgelassen usw. Er erteilte zugleich unter dem sinnbildlichen Zeichen des Anhauchens den Heiligen Geist, d. i. dir zur würdigen Ausübung der Gewalt der Sünden-Nachlassung notwendige Gnade desselben; den Heiligen Geist selbst mit all seinen wunderbaren Gaben sollten sie erst am Pfingsttag empfangen. Dadurch, daß Christus den Aposteln und deren Nachfolgern die Gewalt verliehen, den Gläubigen die Sünden entweder nachzulassen oder zu behalten, hat er ihnen die Pflicht auferlegt, als Richter zu entscheiden. Das können sie aber nicht ohne Kenntnis der Sünden, und diese Kenntnis können sie nur erlangen durch das aufrichtige Bekenntnis von Seiten der Sünder selbst. Hier hat also der Heiland zugleich den Gläubigen die Pflicht auferlegt, ihre Sünden im einzelnen zu bekennen. Dieser sehr einfache und klare Sinn der Worte Jesu wird durch die beständige Überlieferung vollkommen bestätigt. (5)

(1) Jetzt endlich sollte ihr Unglaube dem Augenschein weichen!
(2) Dies setzt unbedingt die Annagelung auch der Füße voraus. Der Heiland bot ihnen also seine Hände und Füße mit den Wundmalen zum wirklichen Beschauen und Befühlen dar. Aus der ausdrücklichen Aufforderung Christi und seiner hierin klar ausgesprochenen Absicht, die Apostel durch ihre äußeren Sinne über seine Auferstehung zu vergewissern, läßt sich schließen, daß sie die Hände, Füße und Seite des Herrn wirklich befühlt haben. Hierauf deutet auch die Forderung des Thomas: „Wenn ich nicht (wie ihr) meinen Finger in den Ort der Nägel lege“ etc., und wohl auch die Beteuerung des hl. Johannes ( 1. Joh. 1,1): „Was vom Anfang war, was wir gehört, was wir mit unsern Augen gesehen, was wir beschaut, was unsere Hände befühlt haben vom Worte des Lebens, verkündigen wir euch.“ Denn obschon der Apostel hier ganz allgemein redet, so muß er doch die Zeit nach Jesu Auferstehung vorzugsweise im Auge haben, da sie hauptsächlich von entscheidendem Gewicht für die Frage war, ob Christus mit einem bloßen Scheinleib auf Erden geweilt habe oder nicht.
(3) Die ihnen vom Herrn so plötzlich bereitete Freude über seine Auferstehung war so überraschend und so außerordentlich, daß sie, ganz sprach- und regungslos, noch zweifelten, ob ihnen dieses unnennbare Glück in Wirklichkeit beschieden sei. Ähnlich erging es Jakob, als er hörte, daß Joseph noch lebe etc. (Gn. 45,26), und dem hl. Petrus, da er von dem Engel aus dem Kerker geführt ward. (Apg. 12,9)
(4) Dieses Essen sollte sie noch vollkommener von der Wahrheit seiner Auferstehung überzeugen. (Vgl. Apg. 10,41) – Der auferstandene Leib Jesu war, als bereits vergeistigt, irdischer Speise nicht mehr bedürftig; aber als wahrer Leib blieb er des Genusses derselben fähig.
(5) Vgl. Trid. Sess. XIV de Poen. Can. 3. In These 46 und 47 des Dekretes Lamentabili sane (des neuen Syllabus) werden zwei aus Loisys Schriften gezogene modernistische Sätze verurteilt, nämlich 46: „In der Urkirche wußte man nichts von einer Versöhnung des christlichen Sünders durch die Autorität der Kirche, sondern nur äußerst langsam hat die Kirche an eine solche Aufgabe sich gewöhnt. Selbst nachdem die Buße als kirchliche Einrichtung anerkannt war, wurde sie nicht mit dem Namen Sakrament belegt, da man sie als entehrendes Sakrament betrachtete.“ 47: „Die Worte des Herrn: Empfanget den Heiligen Geist; welchen ihr die Sünden … (Joh. 20,22-23) beziehen sich gar nicht auf das Sakrament der Buße, was immer die Väter von Trient darüber behauptet haben mögen.“ –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. II, Neues Testament, 1910, S. 597 – S. 599

Verwandte Beiträge

Mache einen recht bestimmten Vorsatz
Auferstehung Jesu ist historischer Fakt
Menü