Jeder neue Irrtum ein Angriff gegen die Wahrheit

Alle Irrtümer fließen aus der Zerreissung und Verstümmelung der Wahrheiten (1)

Jeder neue Irrtum ist ein Angriff gegen die Einheit der Wahrheit

Der Geist der Lüge ist der eigentliche Vater des famosen Grundsatzes: Divide et impera. Die Erscheinung einer neuen Form des Irrtums war jeder Zeit das Signal eines neuen Angriffs gegen die Einheit der Wahrheit.

Der letzte Kampf gegen diese göttliche Einheit dauert seit drei Jahrhunderten ununterbrochen fort. Er hat begonnen unter der Fahne des Protestantismus, in demselben Zeitpunkt, wo die christliche Einheit, nachdem sie Europa erobert hatte, durch Franciscus Xaverius auf den Weg Vasco de Gama`s wieder nach Asien vordrang und zugleich durch den Glauben des Christoph Columbus und eine Legion von Aposteln und Martyrern von der neuen Welt Besitz ergriff. Die ersten Verkünder des neuen Irrtums haben selbst seineTragweite nicht erkannt, allein dessen ungeachtet trug er den Keim jenes Vernichtungs-Krieges gegen das Christentum in sich, der heute offen erklärt ist.

Sie sagten vielmehr: wir wollen das Christentum zu seiner ursprünglichen Reinheit zurück führen, indem wir es auf die Bibel allein gründen; denn die allgemeine Kirche ist in Irrtum und Verderbnis gefallen!

So trennten sie, was Christus verbunden hatte: das geschriebene und das lebendige Wort, die heilige Schrift und die Kirche, das Gesetz und die das Gesetz bewahrende und vollziehende Autorität; aber indem sie dieselben trennten, vernichteten sie beide und leugneten, sie mochten wollen oder nicht, Jesum Christum selbst.

Denn was liest man im Evangelium?

Daß Jesus Christus einen allgemeinen und bleibenden Apostolat, eine wahrhafte Lehrautorität eingesetzt hat, mit der Verheißung des ununterbrochenen göttlichen Beistandes bis zum Ende der Zeit: Gehet hin und lehret; gehet hin und lehret alle Völker; geht hin und lehret alle Jahrhunderte; ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.

Man zeige mir also diese apostolische Autorität, man zeige mir sie seit Jesus Christus immer und überall lehrend, man zeige mir diese allgemeine, unveränderliche, unfehlbare Lehrautorität – oder man rede mir nicht mehr von der Bibel: denn ohne diese wäre die Bibel ein Buch voll falscher Verheißungen. Man zeige mir die von Christus so offenbar gestiftete, alle Länder und Zeiten umfassende Autorität – oder man rede mir nicht mehr von der Gottheit Christi; denn ohne die lehrende, allgemeine, unwandelbare, unfehlbare Kirche, wäre Christus nur noch ein Lügenprophet.

Das sagt die Vernunft.

Daher ist auch der Rationalismus, indem er die geschriebene Offenbarung und die Gottheit Christi – der da, nach des Apostels Wort, über Alles ist, Gott hochgelobt in Ewigkeit (1. Röm. 9) – leugnet, nur die traurige, aber logische Konsequenz des Protestantismus.

Das ist jedoch nicht Alles. Nachdem der Rationalismus die Offenbarung Gottes an den Menschen geleugnet und sich in seiner ersten Form während eines Jahrhunderts des Zweifels, Spottes und Hohnes aufgezehrt hatte, widerstand er nicht länger dem Bedürfnis nach Glauben, dem nun einmal die Menschheit sich nicht entschlagen kann.
Aber da er nicht umkehren, nicht zur verschmähten Wahrheit zurück kehren wollte, so nannte er die Zustimmung des Menschen zu seinem eigenen Gedanken Glauben, diesen Glauben aber Offenbarung!

Das achtzehnte Jahrhundert hatte gesagt: Es gibt keine Offenbarung. Das neunzehnte Jahrhundert versichert, daß Alles Offenbarung und daß jeder menschliche Gedanke göttlich sei!

Der Atheismus hatte den stummen Gott des Deismus verworfen und gerufen: Gott ist Nichts. Der Pantheismus antwortete ihm, daß Gott Alles und Alles Gott, der Mensch aber die höchste Selbstoffenbarung Gottes sei, und daß nur im Menschen Gott zum Selbstbewusstsein und zur stets fortschreitenden Erkenntnis seiner selbst komme. –
aus: Victor August Dechamps, Die Unfehlbarkeit des Papstes und das allgemeine Concil, 1869,S. 96 – S. 98

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