Heiliger Wunibald Abt von Heidenheim

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

18. Dezember

Der heilige Wunibald Abt von Heidenheim

Wunibald, Sohn des heiligen Königs Richard der Westsachsen in England und Bruder des heiligen Willibald (siehe: 7. Juli), wurde um 701 geboren. Auf einer Wallfahrt starb der Vater zu Lucca (722) und wurde in der Kirche zum heiligen Frigdian beigesetzt. Die beiden Söhne Willibald und Wunibald erwiesen ihm die letzte Ehre. Willibald pilgerte weiter nach Jerusalem, Wunibald nach Rom. Dort widmete er sich sieben Jahre den Wissenschaften und dem Fortschritt in den Tugenden. Sein Verlangen war, Gott dem Herrn als Priester zu dienen. Er empfing die Tonsur und kehrte in seine Heimat nach England zurück. Doch bald trieb ihn die Sehnsucht wieder nach Rom. Mit gleich gesinnten jungen Männern reiste er dahin und trat dort mit ihnen in den Orden des heiligen Benedikt, um ein stilles, gottgeweihtes Leben zu führen. Aber die damalige Zeit hatte große Apostel und eifrige Missionare nötig. Sein Oheim, der heilige Bonifatius, war mit dem heiligen Willibald und der heiligen Walburga mit der Bekehrung der noch heidnischen Deutschen beschäftigt. Er bewog nun auch Wunibald, das Kloster zu verlassen und an jenem Bekehrungswerk sich zu beteiligen. Wunibald reiste zu ihm nach Thüringen und wurde sein eifrigster Mitarbeiter. Bonifatius weihte ihn zum Priester – und reicher Segen strömte vom heiligen Wunibald aus – viele Heiden brachte er zum christlichen Glauben und Leben.

Willibald hatte den bischöflichen Stuhl von Eichstätt bestiegen und berief nun seinen Bruder Wunibald zu sich. Dieser erbat sich die waldreiche Gegen von Heidenheim (in Mittelfranken) als seinen Anteil, machte einen großen Teil der Wildnis urbar und erbaute ein Kloster für Benediktiner-Mönche und in der Nähe ein zweites Kloster für Benediktiner-Nonnen, dem er seine Schwester Walburga als Äbtissin vorsetzte. Das Missionswerk setzte er fort und bekehrte die nähere und entferntere Umgegend.

Eine Nonne von Heidenheim beschrieb das Leben des heiligen Wunibald, der das Benediktiner-Kloster daselbst vortrefflich leitete, und sagte von ihm: „Dieser Mann Gottes ließ sich weder durch Drohungen der Bösen, nicht durch heuchlerische Reden der Schmeichler berücken und von der betretenen Bahn ablenken. Allzeit unerschütterlich und stark im Glauben an den Herrn, hörte er nicht auf, durch seine Unterweisungen das Volk von der törichten Versunkenheit der Götzendiener abzuwenden. Weit und breit auf diese Weise die geheiligten Lehren durch die Völkerscharen aussäend, führte er Gott eine nicht unbedeutende Menge zu, – und nach des Erlösers überköstlichen Worten war er das lebendige Bild jener Schlangen-Klugheit, mit welcher er in einfältig geradem Feuergeist und in kräftiger Strafrede die verderblichen Handlungen der Verführer züchtigte und bestrafte, sie verweisend belehrte und überzeugend wieder besänftigte. Gegen die grimmigen Anfälle des bösen Feindes bewaffnete er sich mit dem Schild des Glaubens und mit dem Panzer der Gerechtigkeit, mit der Lanze des göttlichen Wortes, mit dem Schwert der Abtötung, mit dem Helm der Enthaltsamkeit; und gegen tausend drohende Künste des Satans kämpfte er Tag und Nacht mit den Pfeilen der Tugenden. Die Einfalt der Taube besaß er in einem so hohen Grade, daß er die Glut seines Eifers stets durch die süßeste Milde zu mäßigen verstand. Tief erfaßte er die Worte der heiligen Schrift, daß die Vorträge der Lehrer nach der Verstandes-Kraft der Zuhörer eingerichtet werden sollen: und so ward er allen alles, mitleidig gegen die Bedrängten, brüderlich wohltuend den Armen und führte alle auf die Bahn der Tugend, indem sie sich durch die sanfte Stimme seiner Frömmigkeit und Liebe angezogen fühlten; denn es steht geschrieben, daß nur derjenige, den man liebt, geneigtes Ohr und willige Herzen findet.

Zu solchen Bemühungen und sorgen kamen auch noch schwere Krankheiten. Drei Jahre vor seinem Tode litt der heilige Abt so sehr, daß alle Hoffnung auf Genesung verschwunden schien. Kaum hatte er sich etwas erholt, so begab er sich nach Würzburg 758 und zum Grabe des hl. Bonifatius nach Fulda. Dort lag er drei Wochen krank und kam nur mit größter Anstrengung nach Heidenheim zurück. Auch Monte Cassino wollte Wunibald besuchen. Man ließ ihn aber nicht mehr fort. Seinem Wunsche gemäß kam sein Bruder Willibald zu ihm, und sie nahmen von einander für dieses Leben Abschied. Mit engelgleicher Andacht empfing der heilige Wunibald die heiligen Sterbesakramente und richtete noch väterliche Mahnungen und rührende Worte an seine Religiosen, seine lieben Söhne. Dann erhob er seine Augen zum Himmel und entschlief mit dem Ruf: „In deine Hände übergebe ich meinen Geist!“ selig im Herrn am 18. Dezember 761. Gott verherrlichte sein Grab durch Wunder. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 987 – S. 988

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