Heiliger Peter von Tarentaise Bischof

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

10. Mai

Heiliger Peter von Tarentaise Abt von Tamies und Bischof

(Wert der Ehre)

Tarantas, (Tarentaise) liegt in Savoyen. Daselbst war ein Bischof namens Idrahel, welcher ein so sündhaftes Leben führte und dadurch so viel Unheil anrichtete, daß man ihn endlich absetzen musste. In dieser Zeit (1142) lebte ein ausgezeichnet gottseliger und gelehrter Abt in dem Kloster Tamies. Diesen hielt man für den tauglichsten, um wieder das Bistum aus einem Verderbnis zu bringen, und wählte ihn zum Bischof. Allein Peter, so hieß derselbe, konnte nur durch den hl. Bernard, seinen Oberen, und durch das Generalkapitel des Ordens dazu gebracht werden, diese Wahl anzunehmen. Als er aber nun zum Bischof geweiht und eingeweiht war, hielt er gänzlich dieselbe Lebensweise fest, wie er sie in seinem strengen Kloster gewöhnt war. So z. B. genoß er auch als Bischof gewöhnlich nur Brot und Gemüse; für ihn und für die Armen wurde gemeinsam gekocht, und wenn er einen Unterschied machte, so bestand dieser darin, daß er zuweilen den Armen bessere Speise bereiten ließ, als seiner eigenen Person. Der sein Leben beschrieben hat, zählt umständlich auf, wie gewissenhaft, eifrig und unermüdlich Peter das Amt eines Bischofs in allen Beziehungen geführt hat. Die verdorbene Geistlichkeit und verwilderte Bevölkerung wurde auch durch seineErmahnungen, seine Anordnungen und wohl ganz besonders durch sein Beispiel wieder auf einen guten Weg gebracht. Doch will ich das Ausführliche, wie Peter die hohen Pflichten eines Bischofs in apostolischem Geist ausgeführt hat, hier übergehen, da Ähnliches in dem Leben anderer heiliger Bischöfe schon vorgekommen ist. Hingegen will ich zeigen, wie das große Ansehen, welches sich Peter durch seine ausgezeichnete Tugend erwarb, selbst wieder so viel Gutes stiftete. Davon nicht zu reden, wie es ihm gelungen ist, lange Feindschaften und verhärteten Haß zu beschwichtigen: so brachte er seinen eigenen Landesherrn, den Grafen Humbert, dazu, den blutigen Krieg, welchen er gegen einen benachbarten Fürsten führte, durch einen Friedensschluss zu beendigen.

Dazumal herrschte in der katholischen Kirche ein höchst unglückseliger Zwiespalt; Kaiser Friedrich Barbarossa haßte nämlich den rechtmäßig gewählten Papst Alexander III., weil dieser gewissenhaft die Rechte der Kirche gegen den anmaßlichen Kaiser verteidigte. Der Kaiser ließ durch seine Anhänger einen andern Papst auf ungesetzliche Weise wählen und hoffte dadurch den rechtmäßigen Papst Alexander zu stürzen. Sehr viele Bischöfe hielten zu dem Gegenpapst oder getrauten sich wenigstens nicht sich ihm zu widersetzen, aus Furcht vor dem Kaiser. Peter war fast der einzige Bischof in jener Gegend, welcher nicht nur öffentlich gegen den unrechtmäßigen Papst und seine Anhänger predigte, sondern auch Viele wieder zur Einheit der katholischen Kirche zurück führte. Während aber der Kaiser Alle, welche zu Papst Alexander hielten, hart verfolgte, so achtete er dennoch den Bischof Peter so hoch, daß er ihm stets mit aller Ehrerbietung begegnete. Dem Kaiser wurden Vorwürfe gemacht von seinen Hofleuten, wie er diesen Bischof so ehren und auszeichnen möge, da derselbe doch den heftigsten Widerstand leiste gegen die Bestrebungen des Kaisers. Er, der Kaiser, habe doch schon Äbte, Bischöfe und Erzbischöfe vertrieben, selbst die ihm vorher sehr wert waren, wenn sie sich nicht fügen wollten: ob er sich denn von dem Bischof Peter verzaubern habe lassen, daß er ihm so viele Achtung bezeige? Der Kaiser gab zur Antwort: „Wenn ich mich bei den andern Menschen widersetzt habe, so will ich hier nicht anfangen, mich Gott zu widersetzen.“ Er wollte damit sagen, daß er den Bischof Peter nicht für einen gewöhnlichen Menschenhalte, wie die Anderen, sondern für einen wahren Mann Gottes.
Auch in andern Bistümern reiste Peter umher und predigte dem Volk, das durch seine untreuen Hirten vom Verband mit der katholischen Kirche sich lostrennen hatte lassen. Das außerordentliche Ansehen, in welchem der heilige Mann stand, bewirkte, daß ihm Alles in großer Andacht nachlief und zuhörte, und daß wieder Rückkehr zur Kirche und Einheit hergestellt wurde.

Ein anderes Mal ging Peter gerade mit dem Plan um, seine paar Pferde, welche er als Bischof besaß, um seine Rundreisen zu machen, zu verkaufen; er wollte mit dem Erlös davon noch mehr Werke der Barmherzigkeit ausüben. Da kam ihm ein höchst wichtiger Auftrag, weshalb er seine Pferde nicht entbehren konnte. Der Papst schickte ihm nämlich durch einen eigenen Boten ein Sendschreiben, daß er möglichst schnell zu den Königen von England und Frankreich reisen solle und den Versuch machen, sie zum Frieden zu bringen. Der Papst hoffte nämlich, daß wenn diese Fürsten auf irgend einen Menschen hören, so müsste es der Bischof Peter sein, wegen des allgemeinen Rufes der Heiligkeit, in welchem er stand. Es war aber sehr viel daran gelegen, daß zwischen den beiden Königen der Friede hergestellt würde, indem der damalige Krieg zahllosen Menschen das Leben kostete, ganze Gegenden verwüstet und die Kirchen zerstört wurden. Aus Rücksicht darauf und in Gehorsam gegen den päpstlichen Befehl machte sich Peter auf die Reise nach Frankreich. Als der König Ludwig VII. hörte, daß Peter zu ihm komme, sandte er ihm einen der höchsten Staatsbeamten entgegen; dieser musste auch dafür sorgen, daß der heilige Bischof in allen Orten, durch welche er reiste, mit ganz besondern Ehrenbezeugungen aufgenommen wurde. Nachdem er mit dem König, dessen Schwiegersohn und dem Grafen von Flandern die Angelegenheit besprochen hatte, weshalb er gekommen war, reiste er nun fort, um auch den König von England aufzusuchen. Als bei der Zusammenkunft an der Grenze der Normandie der König den heiligen Bischof erblickte, stieg er vom Pferd und warf sich vor ihm nieder. Das Volk ergriff seinen Mantel und wollte denselben in Stücke zerschneiden, weil Jedermann etwas von einem so heiligen Mann besitzen wollte; allein der König, welcher gleichmäßig wie das Volk ihn für einen großen Heiligen hielt, wendete seine königliche Gewalt an und behielt den Mantel als eine kostbare Reliquie für sich selbst. – Der Zweck aber, weshalb Peter zu diesen beiden Königen gekommen war, wurde vollständig erreicht; er brachte es dahin durch die große Achtung, welche die Könige gegen ihn trugen, daß sie mit einander Frieden schlossen. Auch erlangte er von beiden Königen das wichtige Zugeständnis, daß sie gestatteten, in ihren Ländern Kirchen-Versammlungen zu halten, um dem rechtmäßigen Papst Alexander feierlich anerkennen zu lassen.
Auf der Rückkehr von einer andern Reise, wo ihn der Papst wieder gesandt hatte, Fürsten mit einander zu versöhnen, starb Peter im Jahr 1174.

In dem Leben dieses Heiligen zeigt sich so recht deutlich, welchen Wert die Ehre vor der Welt für den Christen hat und wozu sie gut ist. Der gewöhnliche Mensch hält ungemein viel auf Ehre; er fühlt sich gekränkt und sehr unglücklich, wenn er hört, man habe verächtlich von ihm gesprochen, oder wenn man ihm keine Achtung bezeigt – hingegen hoch in Ansehen stehen, das gilt ihm für ein großes Glück, und Mancher ist schon ein Narr geworden durch seine ruhmsüchtigen Träumereien. Aber was will denn der Weltmensch mit Ehre und Ruhm? Er will nichts, als das angenehme Gefühl, welches die Seele empfindet, wenn sie umständlich daran denkt, wie man da und dort ihm Respekt erwiesen hat; es ist eine Art von Selbstanbetung. Hingegen der wahre Christ will nichts von dieser geistigen Wollust; wenn ihm eitle selbstgefällige Gedanken aufsteigen, so schlägt er sie aus dem Sinn, wie unzüchtige Gedanken. Als Petrus Bischof war und ihm wegen dieser hohen Würde und wegen seines apostolischen Wandels und der Wunder, die auf sein Gebet geschahen, so große Ehre erwiesen wurde, war ihm solches so sehr zuwider und fürchtete er sich so sehr, an der Seele Schaden zu leiden durch diese Ehren-Bezeugungen, daß er heimlich entfloh und in Deutschland in ein strenges Kloster ging, wo man ihn nicht kannte und ihn als einfachen Mönch aufnahmen -später wurde er allerdings erkannt und genötigt, auf seinen Bischofssitz zurück zu kehren. –

Dennoch kann die Ehre vor der Welt einen sehr großen Wert haben, nämlich wenn sie nicht zur eigenen Eitelkeit benützt wird, sondern dazu, um Gutes zu wirken, wie der hl. Peter es getan hat. Wäre er nicht in so großem Ansehen gestanden, so hätte er nicht das große Werk ausrichten können, Frieden zu stiften zwischen Königen und Fürsten, und ganze Länder und Völker von dem Elend des Krieges zu befreien. Im Leben des hl. Klaus von der Flüe ist auch Ähnliches vorgekommen. Wenn du daher durch Gottes Fügung in Ehre und Ansehen stehst, so sieh dieses als eine Gnade an, als ein Talent, mit welchem du wuchern sollst; dein Ansehen soll nämlich deinem Wort, deinem Beispiel größeres Gewicht geben, wo es sich darum handelt, das Böse zu verhindern und das Gute zu fördern. Deshalb bist du auch schuldig, nicht nur das Böse, sondern auch den Schein des Bösen zu meiden, damit nicht dein guter Ruf und eben deshalb deine Wirksamkeit mehr oder weniger gestört werde. Deshalb sollst du dich auch verteidigen und rechtfertigen, wenn man dir Schlechtes nachlügt oder dich verleumdet, nicht sowohl darum, weil dir die Verleumdung weh tut, als vielmehr, weil du einen guten Ruf erhalten sollst, um für das Reich Gottes wirksam zu sein. Deshalb ist es aber auch eine so große Sünde, die Ehre seines Nebenmenschen zu untergraben; die Sünde ist um so größer, je mehr das Amt und die Stellung eines Mannes guten Ruf und Ansehen erfordert, wenn er für das Reich Gottes wirksam sein soll. Wer z. B. einem Seelsorger durch üble Nachrede den guten Ruf zerstört, der hat in die oft einzige Quelle, welche eine Gemeinde hat, um daraus für ihre Seelen Lebenstrank zu schöpfen, Unrat oder Gift geworfen und sie dadurch mehr oder weniger unbrauchbar gemacht. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 2 April bis Juni, 1872, S.186 – S. 191

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Category: Bischöfe
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