Heiliger Leonhard von Porto Maurizio

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

26. November

Heiliger Leonhard von Porto Maurizio Volksmissionar

An dem in der Geschichte der katholischen Kirche so denkwürdigen und für das Vatikanische Konzil so wichtigen 29. Juni 1867, an welchem der 1800ste Jahrestag des Märtyrertodes der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus zu Rom in großartigster Festlichkeit gefeiert wurde, hat Papst Pius IX. die Heiligsprechung des Bekenners Leonhard da Porto Maurizio, des Erzbischofs und Märtyrers Josaphat von Polozk, des Priesters und Märtyrers Petrus d`Arbues aus Spanien, der neunzehn Märtyrer von Gorkum, des Bekenners Paul vom Kreuz aus Ober-Italien, der Ordensschwester Maria Franziska von den fünf Wunden aus Neapel und der Jungfrau Germana Cousin aus Frankreich feierlich verkündet.

Leonhard wurde am 16. Dezember 1676 zu Porto Maurizio, einer zwischen Genua und Nizza gelegenen Seestadt geboren, und erhielt in der heiligen Taufe den Namen Paul Hieronymus. Schon als Knabe von zwei Jahren verlor er seine Mutter durch den Tod; doch sein gottesfürchtiger Vater Dominicus Casanuova ersetzte ihm den schweren Verlust und leistete den seltenen Beweis, daß auch Väter ihre Kinder ohne Mithilfe der Mütter in heiliger Unschuld und Frömmigkeit für den Himmel zu erziehen vermögen. Das Tugendleben des kleinen Paul trieb als erste, gar schöne Blüte die wunderliche Verehrung der Himmelskönigin. Oft führte er seine Schulkameraden in Prozession zu einem ild der göttlichen Gnadenmutter vor der Stadt draußen, betete mit ihnen, stieg dann auf eine Mauer und predigte ihnen, wie sie die liebste Mutter Jesu verehren, herzhaft um Gnade bitten und mit besonderer Sorge ihre Herzens-Reinigkeit bewahren sollten. – Seine wissenschaftlichen Studien betrieb er zu Rom unter Leitung der Jesuiten. Hier traten seine vielen und großen Geistesgaben glänzend hervor und, was diesem Glanz den höchsten Wert gab: er leuchtete allen Zöglingen durch seine demütige Bescheidenheit, gewinnende Sanftmut und zarte Gottesfurcht als anziehendes Muster voran. Im Alter von siebzehn Jahren wurde er schon mit dem Amt betraut, die Kleinen im Katechismus zu unterrichten und die in der Stadt müßig herum stehende Jugend an Sonn- und Feiertagen in die Predigten zu treiben – ein lästiges aber gedeihliches Amt.

Nach Vollendung der Studien bat er um Aufnahme in den Orden des hl. Franziskus von der strengen Observanz und erhielt den Namen Leonhard. Seine Genauigkeit in Beobachtung der heiligen Regel, seine Pünktlichkeit im Gehorsam, sein Eifer im Fasten und in der Selbstverleugnung bedurfte mehr der Mäßigung als der Aufmunterung; seine liebste Beschäftigung blieb das Gebet, namentlich die Andacht zu Maria: in den kurzen Erholungsstunden sprach er nur von erbaulichen Dingen, und besonders gerne von Maria, der Gnadenvollen.

Zum Priester geweiht, wurde er Professor der Philosophie, erkrankte jedoch bald sehr schwer. Fünf Jahre trotzte seine Krankheit allen Künsten und Versuchen der Ärzte. Da gelobte er mit Erlaubnis der Obern der seligsten Jungfrau Maria, sein Leben lang als Missionar an der Bekehrung der Seelen zu arbeiten, und erhielt gegen alle Erwartung eine sehr feste und dauerhafte Gesundheit.

Von da an war Leonhard 44 Jahre lang ohne Unterbrechung in Missionen für das Volk in fast allen Städten, Dörfern und Gemeinden Italiens. Unbeschreiblich groß waren seine Arbeiten und Anstrengungen; aber auch unbeschreiblich groß und schön waren die Früchte, die er in Millionen von herzen zur Reife brachte. Gott hat ihm die Wundergabe des Wortes verliehen. Seine Predigten waren voll glühender Liebe, reicher Lebenserfahrung und hinreißender Begeisterung, voll Salbung und erschütternder Kraft, vor der sich verstockte Sünder beugten. Papst Klemens XII. beauftragte den berühmten, im Dienst der Kanzel ergrauten Redner Barberini, daß er Leonhardo`s Predigten, die so viel Aufsehen erregten, anhören und ihm darüber berichten möchte. Der Bericht lautete:

Ich habe noch nie einen eifrigeren Prediger gehört, und der Eindruck dieser Reden ist ein unbeschreiblicher: ich selbst habe mich dabei der Tränen nicht zu erwehren vermocht.“

In Rom wohnte der große Papst Benedikt XIV. Selbst seiner Mission bei.

Leonhard hielt die Missionen ganz allein; stand er nicht auf der Kanzel, so fand man ihn sicher im Beichtstuhl. Er genoß so wenig und geringe speise, daß sein Leben ein fortwährendes Fasten war: er ruhte nur wenige Stunden auf hartem Boden von den Anstrengungen aus und züchtigte noch dazu seinen abgehärmten Leib mit scharfer Geißel. Vor jeder Mission betete er auf den Knien zu Jesus im heiligsten Altarssakrament und zur gütigen Mutter der Barmherzigkeit, und forderte die Leute auf, das Nämliche zu tun. Als er in Florenz die Mission hielt, herrschte dort die Pest, eine Seuche raffte das Vieh dahin, und eine große Hungersnot schien unvermeidlich.

Seine Predigten drangen wunderbar in die Herzen und erzielten eine allgemeine Besserung des sittlichen Lebens. Die Zahl der Zuhörer schwoll zu einer solchen Größe an, daß man sie über hunderttausend schätzte, und doch verstanden diejenigen, welche eine halbe Stunde weit von der Kanzel entfernt waren, jedes seiner Worte; aber auch Gott erbarmte sich des bußfertigen Volkes; die Pest und die drohende Hungersnot verschwand.

Der Großherzog Cosmus III., freudigst erstaunt über dieses herrliche Werk, schenkte dem wohltätigen Missionar ein geräumiges Haus bei der Stadt, welches Leonhard für solche, welche ein zurückgezogenes Leben führen wollten, klösterlich einrichtete.

Dauernde Verdienste erwarb sich der Heilige dadurch, daß er die Andacht des heiligen Kreuzweges und der ewigen Anbetung Jesu Christi im heiligsten Altarssakrament allenthalben belebte und verbreitete, daß er die erste Bruderschaft zur Verehrung und Anbetung des göttlichen Herzens Jesu errichtete und in erstaunlicher Weise die Herzen zur Liebe und zum Vertrauen auf Maria begeisterte.

Nach solcher Anstrengung kam auch für ihn der erwünschte Feierabend. In dem alter von 74 Jahren trat bei ihm eine solche Entkräftung ein, daß er wiederholt auf der Kanzel zusammen sank. Mühsam schleppte er sich noch nach Rom und ging ein in die ewige Ruhe am 26. November 1751. Sehr viele Wunder geschahen auf seine Fürbitte. Seine Schriftwerke von hohem Wert füllen dreizehn Oktavbände.

Iaus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 892-893

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