Heilige Radegunde von Thüringen

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

13. August

Die heilige Radegunde pflegt die Kranken im Spital; sie kümmert sich gerade um eine kranke Frau und wäscht sie, über ihnen hängt ein Kruzifix; im Hintergrund sieht man eine Frau, die zu Christus am Kreuz betet sowie einen Sarg, der gerade weggetragen wird

Die heilige Radegunde von Thüringen, Königin

Radegunde ist die erste Königin, welche vom fürstlichen Thron herab stieg in die geringe Klosterzelle, um arm dem armen Jesus nachzufolgen; sie ist die erste deutsche Fürstin, auf welche das Klosterleben seinen wunderbaren Einfluß ausübte, so daß viele gekrönte Häupter zu ihrer Nachahmung angespornt wurden. Sie war – geboren 519 – die Tochter des Thüringer-Königs Berthar, und wurde frühzeitig eine Waise, da ihr Vater von seinem Bruder Hermanfried aus Herrschsucht grausam ermordet wurde.

Der Frankenkönig Chlotar I. erklärte dem Hermanfried wegen Wortbruchs den Krieg, tötete ihn 529 in der Schlacht an der Unstrut, und führte unter andern Gefangenen auch die junge Radegunde hinweg. Ihre außerordentliche Schönheit bezauberte sein Herz so mächtig, daß er sie durch sorgfältigen Unterricht zur Taufe vorbereiten und in den Wissenschaften ausbilden ließ, um sie als seine Gemahlin auf den Thron zu erheben. Radegunde fand eine lebhafte Freude an den gelehrten Studien, aber eine noch viel größere Freude an der christlichen Frömmigkeit. Weit entfernt von dem Wunsch, den fränkischen Thron mit dem Verwüster ihrer Heimat, dem Mörder ihrer Familie einst teilen zu können, sehnte sie sich vielmehr nach der Märtyrerkrone um Jesu willen.

Als Chlotar die Vermählungs-Feier vorbereitete und den Tag der Hochzeit bestimmte, wagte Radegunde Nachts zuvor einen Fluchtversuch, wurde aber bald eingeholt, eine Zeit lang eingesperrt und dann zum Brautaltar geführt. Im Ehestand erfüllte sie gewissenhaft alle Pflichten einer zärtlichen Gattin und der König liebte sie leidenschaftlich, obwohl er sich beklagte: „Da habe ich ja eine leibhaftige Nonne und keine Königin“; denn sie suchte und fand in der Religion, in den Werken der christlichen Frömmigkeit, der Liebe und Demut reichliche Entschädigung für den Schmerz, den die erzwungene Ehe ihr bereitete. Sie las mit großem Eifer und tiefem Verständnis die heilige Schrift und die Kirchenväter, teilte reichliche Almosen aus, besorgte das Spital, welches sie aus den Hochzeits-Geschenken des Königs gestiftet hatte, und leistete den kranken Frauen die widrigsten Dienste.

Ein erschütterndes Ereignis änderte unerwartet ihre Verhältnisse. Chlotar ließ aus unbekannter Ursache ihren jüngeren und einzigen Bruder töten. Radegunde flehte nun so innig um die Gnade, den Hof verlassen und sich Gott weihen zu dürfen, bis der König nach langem Zögern einwilligte. Dann eilte sie nach Noyon zum Bischof Medardus (siehe 8. Juni), welcher bei Fürst und Volk sehr angesehen war. Sie fand ihn gerade in der Kirche am Altar, warf sich ihm zu Füßen und bat ihn um den Schleier. Der Bischof, ganz überrascht, ist unschlüssig, was er tun soll. Das Gefolge protestiert unter Tränen gegen den Akt, der die geliebte Gebieterin von ihnen trennen soll, die Königin aber eilt in die Sakristei, legt schnell ein Nonnenkleid an, kehrt zum Altar zurück und spricht in feierlichem Ton zum Bischof: „Wenn du anstehst, mich zu weihen, wenn du die Menschen mehr als Gott fürchtest, so wird der gute Hirt von dir die Seele deines Schäfleins fordern.“ Erschüttert durch diese Rede legte Medardus der Königin die Hand auf und weihte sie zur Diakonissin.

Radegunde schenkte nun alle ihre Kostbarkeiten den Kirchen und lebte als Klausnerin in größter Bußstrenge auf dem Korngut zu Saix, das ihr der König zur Aussteuer gegeben hatte. Sie aß nur Brit und Gemüse, trank keinen Wein, trug auf bloßem Leib eine eiserne Kette, ruhte nur kurze Stunden von den Werken der Andacht und der Nächstenliebe, denen sie unermüdlich oblag. Beim Krankendienst pflegte sie aus Demut den aussätzigen Frauen ihre ekelhaften Wunden zu küssen; viele machte sie durch das Zeichen des heiligen Kreuzes gesund.

Chlotar bereute es, die hochherzige Gemahlin entlassen zu haben, und traf Anstalten, sie mit Gewalt wieder heim zu holen: Radegunde entfloh nach Poitiers unter den Schutz des Asylrechts am Grab des hl. Hilarius. Dieses Asylrecht wagte der König nicht zu verletzen, vielmehr gewährte er ihr die Erlaubnis und die Mittel, daselbst ein Frauenkloster zu bauen und selbst einzutreten. Radegunde strengte nun alle ihre Kräfte an, dem lieben Kloster, in welchem sie noch vierzig Jahre bis zu ihrem Tod leben sollte, nach Innen und nach Außen seinen festen Bestand zu sichern. Die Ordensfamilie mehrte sich schnell, schon nach wenigen Jahren sah sie sich von zweihundert Töchtern verschiedenen Ranges und Standes, selbst aus dem höchsten Adel, umgeben; aber ihre Demut war nicht zu bewegen, die Leitung des Konvents selbst zu übernehmen. Auf ihren Rat wurde Agnes, eine an Geist und Herz ausgezeichnete Jungfrau, welche sie selbst erzogen hatte, zur Äbtissin gewählt; die Kirche verehrt dieselbe als Heilige am 13. Mai. Für sich hielt sie streng an der Stellung und Tätigkeit einer einfachen Klosterfrau, besorgte nach der Reihenfolge die Küche, reinigte die Zellen und Aborte, trug Holz und Wasser wie die andern Ordensfrauen; sie setzte mit Eifer das Studium der heiligen Schrift und der Kirchenväter fort, und blieb die unverdrossene Pflegemutter der Armen und Kranken.

Indessen war ihre Demut doch nicht mächtig genug, zu verhindern, daß sie von Allen in und außer dem Kloster als die eigentliche Oberin geliebt und geehrt wurde: und auch sie liebte die jungfräuliche Familie mit der ganzen Glut einer zärtlichen Mutter. Wenn die vielen jungen Nonnen sie umstanden, stahlen sich nicht selten von ihren Lippen die süßen Ergüsse ihres Herzens: „Ihr seid mir so lieb, meine teuren Kinder, daß ich gar nicht mehr daran denke, noch andere Verwandte zu haben, oder einem König vermählt gewesen zu sein: ich lebe nur euch – meine Töchter, euch – meine auserwählten, euch – meine jungen Blumen, die ich gepflanzt, euch – meine Augäpfel, mein Leben, meine Ruhe, mein Glück!“

So wahr auch diese Worte waren, dennoch blieb sie mit der Großmut einer Fürstin dem Wohl des königlichen Hauses und des ganzen Landes zugetan und war so glücklich, mehrmals durch die Macht ihres Einflusses und ihres Gebetes, die Uneinigkeiten der Fürsten beizulegen, die Gräuel des Bürgerkrieges zu verhindern und dem Volk die Segnungen des Friedens zu erhalten.

Eine himmlische Freude beseligte die heilige Königin, als der Kaiser Justin II. von Konstantinopel ihr auf bittliches Ansuchen ein in Gold und Edelsteine gefaßtes Stück vom heiligen Kreuz unseres Erlösers, nebst einem Evangelienbuch und einigen Reliquien schenkte. Mit außerordentlichem Festgepränge nahm sie die Heiligtümer in Empfang und gab ihrem Kloster fortan den Namen: „Das Kloster zum heiligen Kreuz“. Für diesen feierlichen Anlass verfaßte der berühmte Dichter und hl. Priester Fortunatus, Radegunde`s Kapellan und Almosenier, den prachtvollen Hymnus: „Vexilla regis prodeunt“, welcher bei diesem Fest zum ersten Mal gesungen wurde und seitdem zu den Passionsliedern der heiligen Kirche beim öffentlichen Gottesdienst gehört.

Mit ungeschwächtem Eifer harrte Radegunde in ihrer Bußstrenge aus, um in der Nachfolge des gekreuzigten Jesus nicht stille zu stehen. Sie starb am 13. August 587 und wurde vom hl. Gregor, Bischof von Tours, zur Erde bestattet, wobei mehrere Wunder an Kranken und Blinden geschahen. Er schildert als Augenzeuge das rührende Schauspiel, wie die geistlichen Töchter, welche das Kloster nicht verlassen durften, um die Leiche ihrer teuren Mutter auf den Friedhof zu begleiten, an den Fenstern, auf den Türmen und Mauerzinnen des Klosters standen und durch Jammern, Weinen, Schluchzen, Händeringen die Innigkeit ihrer kindlichen Liebe und Verehrung gegen die königliche Stifterin kund gaben. Ihre Reliquien, fast tausend Jahre lang vom Volk verehrt und durch sehr viele Gebets-Erhörungen berühmt, wurden im Jahr 1562 von den Hugenotten vernichtet. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 807 – S. 809

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