Heiliger Medardus Bischof von Noyon

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

8. Juni

Der heilige Medardus Bischof von Noyon

Medardus, der Sohn sehr reicher Eltern, wurde im Jahre 457 zu Salency in der Picardie geboren, und erhielt besonders von seiner Mutter Protagia eine vortreffliche Erziehung. Schon als kleiner Knabe schenkte er einem Armen, der halb nackt vor Kälte zitterte, sein ganz neues prächtiges Oberkleid und kam mit bloßen Armen heim. Darüber zur Rede gestellt, sagte er mit vergnügter Miene: „Ich habe mit meinem warmen Rock ein frierendes Glied Jesu Christi bedeckt.“ Gar sehr freute die Eltern diese Antwort, und sie gaben ihm gerne ein neues Kleid. Einem Fremden, dem Straßenräuber das Reitpferd getötet hatten, schenkte er ein anderes aus dem Stall des Vaters. Als die Knechte klagten, es fehle ein Pferd, sagte der Kleine: „Habt keinen Kummer; ich habe das Pferd einem Armen um Jesu willen gegeben, Jesus wird`s schon wieder zurück stellen.“ Und wirklich, da der Vater und die Knechte in den Stall gingen, fanden sie die Zahl der Pferde vollständig. Wenn er das Vieh hütete, betete er gar innig auf den einsamen Weiden zu Gott, verschenkte oft sein Vesperbrot und hungerte für die Armen.

Zum Jüngling herangewachsen besuchte er die bischöfliche Schule von Tournay, wo damals die noch heidnischen Könige der Franken residierten, und übertraf alle Erwartungen, welche die Eltern undLehrer auf seine großen Talente setzten. In allen Fächern des Wissens, vorzüglich in der Gottesfurcht, Bescheidenheit und Demut war er weitaus der erste. Besonders vorsichtig und zartfühlend war er im Umgang mit Andern und schloß sich nur an solche an, aus deren Mund er nie ein unkeusches Wort hörte, an deren Sitten er keine Gemeinheiten bemerkte. Glücklich fand er hier einen Jüngling – älter als er – von sanfter Gemütsart und liebenswürdiger Bescheidenheit: Eleutherius war sein Name. Sie schlossen innige Freundschaft mit einander, teilten ihre wissenschaftlichen Arbeiten und frommen Übungen, ihre kleinen Freuden und Leiden, ihre Ansichten über die Gegenwart und ihre Pläne für dieZukunft; sie bewahrten sich unversehrt von den rohen Vergnügungen ihrer Alters- und Standesgenossen: von lärmenden Jagden und rauschenden Gelagen, von üppigen Tänzen und tollem Waffenspiel, und wählten in glühendem Eifer für die Ehre Gottes und in herzlicher Liebe zu den Menschen und deren religiöser Wohlfahrt den Priesterstand. Medardus kehrte nach Vermand zurück, wo ihm sein Bischof freudig die Hände auflegte und die heiligen Weihen erteilte.

Volle vierzig Jahre lang wirkte er nun mit apostolischem Eifert als Diener Christi und Ausspender der göttlichen Geheimnisse unter den Gläubigen. Seine Tätigkeit und Klugheit war ebenso bewunderungswürdig, wie seine heilige Liebe und Frömmigkeit.
Auch Gott trug eine vorzügliche Sorge für seinen Diener. Einst schlich sich ein Dieb in Medard`s Weinberg, schnitt viele Reben ab und stahl Trauben, soviel er tragen konnte; aber mit der Last auf dem Rücken konnte er den Ausgang nicht mehr finden und irrte in Angst und Schrecken schweißtriefend im Weinberg herum, bis er am Morgen von den Arbeitern ergriffen und zum Herrn geführt wurde. Medardus gab ihm eine heilsame Ermahnung und schenkte ihm die gestohlenen Trauben. Ein anderer Dieb stahl ihm Honig vom Bienenstand, aber die Bienen traktierten ihn jämmerlich und verfolgten ihn allenthalben, bis er zu Medardus zurück kehrte und von ihm Verzeihung seines Verbrechens erhielt; erst dann flogen die Bienen zufrieden in ihre Stöcke.

Als der Bischof von Vermand im Jahre 520 starb, wurde Medardus einstimmig und mit Gewalt auf den bischöflichen Stuhl erhoben, obwohl er das siebzigste Altersjahr schon überschritten hatte. Als Bischof war er ganz Demut, Liebe und Güte. Zu Fuß besuchte er alle Pfarreien seiner Diözese, lehrte und predigte mit wunderbarem Segen, so daß Tausende sich bekehrten und seine ganze Herde sich durch Frömmigkeit auszeichnete und weithin berühmt wurde. Der merkwürdigste Beweis dafür ist, daß die Gläubigen der umliegenden Provinzen kein höheres Verlangen kannten, als auch den hl. Medardus zu ihrem Oberhirten zu haben.

Als der hl. Eleutherius, Bischof von Tournay, starb, ließen die verwaisten Diözesen nicht nach mit Bitten beim König, beim Erzbischof und beim Papst, bis auch sie unter die Leitung Medard`s kamen, und er somit zwei Bistümer verwalten musste, die dann wirklich fünfhundertJahre lang nur einen Bischof gemeinsam hatten.

Ein Teil von Tournay – Flandern- war noch von Heiden bewohnt. Medardus, obwohl schon vom Alter gebeugt, eilte doch selbst dahin und verkündete ihnen das heilige Evangelium. Gering waren anfänglich die Früchte seines Eifers, groß dagegen seine Leiden, hart die Verfolgungen und häufig die Todesgefahren, aus denen ihn Gott wunderbar rettete. Doch der Heilige harrte mutvoll aus, beleuchtete die göttliche Heilslehre mit dem milden Glanz seiner lieblichen Tugenden, wirkte viele Wunder und hatte endlich die Freude, daß dieses rohe Volk sich unter das Joch Jesu Christi beugte und mit warmer Dankbarkeit sich taufen ließ. Namentlich folgendes Wunder machte ungeheures Aufsehen. Das Heer des Königs Chlothar hatte diese Gegend hart geplündert, den Raub auf Wagen geladen und abzuführen begonnen; aber plötzlich blieben die Zugtiere und Wagen stecken. Drei Tage lang strengten sich die Soldaten verzweifelt an, von der Stelle zu kommen; aber alle Mühe war umsonst; sie erkannten die Strafe Gottes und baten Medardus um Hilfe. Dieser beredete sie, den Raub wieder zurück zu geben, und nun konnten sie ungehindert weiter ziehen.

Nach der Bekehrung von Flandern ging Medardus wieder in seine Residenz Noyon, wo die von Chlothar verstoßene Königin Radegundis mit Sehnsucht auf seinen väterlichen Trost und Beistand wartete. Sie bat ihn, daß er sie zum klösterlichen Leben einsegne, und der heilige Bischof hatte den Mut, ihr den Schleier zu geben; ihm gebührt sehr wahrscheinlich ein großer Anteil an der Heiligkeit der Radegundis, welche die erste unter den heiligen Königinnen das später so oft nachgeahmte Beispiel aufstellte, die Krone mit dem Schleier und den königlichen Palast mit der ärmlichen Zelle zu vertauschen aus Liebe zu Gott.

Bald darauf wurde Medardus tödlich krank. Da offenbarte sich in der rührendsten Weise die innige Liebe der Herde zu ihrem Hirten; die Angst und Sorge um das teure Leben füllte alle Kirchen mit Andächtigen, die Genesung des hoch verehrten Vaters von Gott zu erflehen. Allein der Herr wollte dem treuen Diener den wohlverdienten Lohn nicht mehr länger vorenthalten und nahm ihn auf in die ewigen Freuden im Jahre 545; eine Menge himmlischer Lichter erschienen an seinem Sterbebett, welche im Angesicht zahlreichen Volkes ungefähr drei Stunden lang sein Hinscheiden verherrlichten. Das ganze Frankenreich beweinte seinen Tod, und Gott verherrlichte sein Grab durch viele Wunder. König Chlothar ließ den heiligen Leib in einen prachtvollen, an Gold und Edelsteinen reichen Sarg legen, und erbat sich die Ehre, ihn auf seinen eigenen Schultern abwechselnd mit den Priestern nach Soissons tragen zu dürfen. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 438-440

Category: Bischöfe
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