Das besondere Rosenfest zu Salency

Der heilige Medardus setzt einer Jungfrau einen Rosenkranz auf das Haupt; die Jungfrau kniet vor ihm, die Hände gefaltet; neben dem Bischof im Hintergrund steht ein Ministrant, der den Bischofsstab hält; hinter der geehrten Jungfrau stehen die Angehörigen und Bewohner des Dorfes Salency. Zwei Kinder tragen einen Lilienzweig als Symbol der Keuschheit.

Die Wahl der Rosenkönigin zu Salency

Das ungemein liebliche Rosenfest, welches in vielen Gegenden Frankreichs, besonders aber in dem Dorf Salency bis zur großen Revolution 1789 jährlich am heutigen Tag gefeiert wurde, war ein herrliches Denkmal der erfinderischen Liebe und des Eifers, womit der hl. Medardus die Reinheit der weiblichen Jugend zu fördern wußte. Er war Herr von Salency. Um die Töchter dieser großen Besitzung zur Bewahrung der Keuschheit aufzumuntern, machte er eine Stiftung, daß alle Jahre diejenige Jungfrau, welche sich am meisten in der Sittsamkeit und Keuschheit auszeichnen würde, einen Kranz von Rosen und zwölf Taler – damals eine große Summe – erhalte.Nach dem Stiftungsbrief, der den Nutzen von zwölf Jucharten Land für die Unkosten bestimmt, muss nicht nur die Rosenkönigin von tadelloser Aufführung sein, sondern auch auf ihrem Vater, ihrer Mutter, und ihren Geschwistern darf keine Makel ruhen. Diese Stiftung trug wunderbare Früchte: Jahrhunderte lang hat kein einziges Mädchen durch Liederlichkeit die Ehre von Salency getrübt.

Die Feier des Rosenfestes vollzog sich in folgender Weise: die Gemeinde stellte den Gutsherrn von Salency drei erwachsene Töchter aus ehrenhaften Familien als die sittsamsten und tugendhaftesten Jungfrauen des Ortes vor. Dieser bezeichnete Eine aus ihnen als die Rosenkönigin und ließ ihren Namen öffentlich in der Kirche auskünden, damit Alle die Wahl prüfen könnten, ob sie unparteiisch und gerecht sei. Wurde keine Einsprache dagegen erhoben, so erfolgte am 8. Juni die feierliche Krönung. Um 2 Uhr Nachmittags wurde die Rosenkönigin in weißem Kleid und mit glatt über die Schultern herabwallenden Haaren von ihrer Familie, von zwölf ebenfalls weiß gekleideten Mädchen und zwölf festlich geschmückten Knaben unter klingendem Spiel der Musik in das Schloß Salency begleitet, und der Gutsherr führte den Zug in die Pfarrkirche und die Auserkorene zu dem für sie bestimmten Betstuhl. Nach der Vesper zog die Geistlichkeit und alles Volk in schöner Prozession in die Kapelle des hl. Medardus, wo der Pfarrer den Kranz von weißen Rosen segnete und nach einer entsprechenden Anrede der Gefeierten auf das Haupt setzte. Zugleich überreichte er ihr den Ehrenpreis von zwölf Talern. Hierauf wurde diese beneidenswerte Königin in Prozession zurück geführt in die Pfarrkirche, ein jubelndes Te Deum gesungen und die sinnige Feier mit einem Gebet zu Ehren des hl. Medardus geschlossen. Am Abend wurde die Gekrönte, ihre Begleitung und die Angehörigen im Schloßhof gastlich bewirtet, der Gutsherr eröffnete mit ihr den ländlichen Tanz, an welchem die unbescholtene Jugend des Dorfes teilnehmen durfte; Freude und Heiterkeit würzten das Mahl.

O wie schön und kostbar wäre es, wenn in eurer Pfarrgemeinde auch so eine Art Rosenfest gefeiert würde! Möchtest du nicht den hl. Medardus nachahmen, ein Herz fassen und mit Eifer auf Mittel und Wege sinnen, um in eurem Dorf die lieblich-schöne Sittsamkeit und jungfräuliche Keuschheit recht zu Ehren zu bringen? Es wäre ohne Zweifel dies der größte Reichtum, der glücklichste Wohlstand und der schönste Ruhm für euer Dorf vor Gott und dem Menschen. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 440

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Category: Christenlehre
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