Rosenkranz-Generäle als Vorbilder für uns

Ein wunderschönes eingerahmtes Bild der Muttergottes Maria sowie ein Rosenkranz mit einem goldenen Kruzifix

Der Rosenkranz des Christen Waffenrüstung

Die Rosenkranz-Generäle als Vorbilder für uns

Von Tilly, dem großen katholischen Feldherrn des dreißigjährigen Krieges, dem Sieger in hundert Schlachten, den man schon so oft, aber stets vergebens, in der Weltgeschichte anzuschwärzen suchte, wird berichtet, er habe sich von drei Dingen niemals trennen können, und sei mit ihnen vereint durchs Leben gegangen: diese drei waren sein Schwert, sein Kruzifix und sein Rosenkranz. Un in der Tat, in der letzten Schlacht bei Rain in Bayern, wo er tödlich verwundet wurde, hatte er nicht bloß sein Schwert, sondern auch sein Kreuz und seinen Rosenkranz bei sich,, wie der Dichter es so schön berichtet:

Und als zu Rain im Waffentanz
Die Kugel kam geflogen,
Da ist mit Kreuz und Rosenkranz
Der Held zu Gott gezogen.

Zwei Dinge mochte er an keinem Tag unterlassen, die heil. Messe zu besuchen und den Rosenkranz zu beten. Als Tilly eines Tages mit seinem Heere an den grenzen Frankreichs stand, wurde der Marschall von Grammont an ihn gesandt, um ihn zu begrüßen. Tilly hatte aber bereits einen großen Kriegsruf. Daher mochte sich der Franzose unter ihm einen riesenhaften Helden vorstellen. Wie staunte er aber, als er an der Spitze der Armee ein hageres Männchen auf einem kleinen, weißen Pferde in kurzem Wams, ein kleines Hütchen mit großer Feder darauf erblickte, an einem Degengehänge jedoch ein ungeheures Schwert und in seinem Sattel ein kleines Pistol. Daher sprach Tilly den verdutzten Marschall also an: „Ich glaube, daß Ihnen meine Kleidung seltsam vorkommt. Freilich, nach der französischen Mode ist sie nicht, desto mehr aber nach der meinigen. Mein kleines Pferd wird auch nicht nach Ihrem Geschmack sein. Doch mögen Sie wissen, ich habe auf ihm schon sieben Schlachten gewonnen, ohne daß es scheu geworden wäre. Und erst mein Pistol mag Ihnen gar nicht gefallen. Glücklicherweise hatte ich aber noch nicht nötig, danach zu greifen, außer um den Rosenkranz, der daran hängt, zu beten.“ Da ist es freilich nicht zu verwundern, daß dieser Feldherr befahl, ihm in seiner Sterbestunde das Kruzifix vor die Augen zu halten und ihm die Worte vorzusprechen: „Auf dich, o Herr, habe ich gehofft, und ich werde in Ewigkeit nicht zu Schanden werden!“

Tilly ist aber nicht der einzige General, der den Rosenkranz gebetet. Anläßlich der Enthüllung des Denkmals für den Marschall Radetzky schrieb eine geschichtskundige Feder aus Wien: Es sind vergangene Zeiten, wo die Heerführer noch innig zu Gott gebetet und auf ihren siegreichen Zügen den Rosenkranz in der Tasche mit sich geführt. In neuerer Zeit hat man sie spottweise „Rosenkranz-Generäle“ genannt. Nun allerdings, ein Gebot, den Rosenkranz zu beten, besteht für einen General nicht. Aber Religion und Gottesfurcht hat noch keinem Heere und keinem General geschadet, wohl aber hat sie Zucht, Begeisterung, Tapferkeit und die höchste Aufopferung in so manches Kriegsheer gebracht. Das „In hoc signo vinces, in diesem Zeichen wirst du siegen“, hat durch Jahrhunderte sein Recht behalten. Dieser Gedanke drängt sich uns auf, wo eben (1886) jung und alt aus allen Ständen sich beeilt, dem letzten der „Rosenkranz-Generäle“ ein Denkmal zu setzen. Ja, auch Radetzky war ein Rosenkranz-General. Bekanntlich hatte er den Soldaten erlaubt, in seinem Park zu Mailand spazieren zu gehen. Eines Tages saß der ergraute Held auf einer Rasenbank, als einige Soldaten auf ihn zukamen. Er mochte aber nicht haben, daß die Soldaten auf ihn Rücksicht nähmen. Daher stand er auf und ging an einen andern Ort,, damit die Soldaten nicht nötig hätten, an ihm vorüber zu gehen und ihm die „Honneurs“ zu machen. Plötzlich aber kehrt er zu der Rasenbank zurück und sieht und hört, wie die Soldaten sich einen Rosenkranz zeigen und darüber höhnisch lachen. Darum fragt er: „Heda, was lacht Ihr denn?“ – „Ei, wir haben da auf dieser Bank einen Rosenkranz gefunden und möchten gern den kennen lernen, der den Rosenkranz betet! Muss schon ein sauberes Musterbild von einem frommen Hasenfuß sein!“ Das war dem alten Haudegen ein bißchen zu viel geredet, es ging ihn an. Daher sagt er: „Also den Besitzer des Rosenkranzes wollt Ihr kennen lernen? Her damit, – denn ich selbst habe ihn hier liegen lassen.“ Da verging den Soldaten nun freilich die Lust zum Lachen. Aber es wurde ihnen mit einem Male auch klar, warum ihr greiser Feldmarschall vor jeder Schlacht zum Gebet und Gottvertrauen ermahnte.

Noch ein Zug aus dem Leben Radetzkys knüpft sich an den Rosenkranz. Auf dem Marsch fuhr er gewöhnlich im Wagen. Eines Morgens sollte das Hauptquartier aufbrechen; alle standen zum Abmarsch bereit, nur einer fehlte – Radetzky. Da ging es nun ans Suchen und Fragen, aber alles umsonst, niemand wollte ihn gesehen haben. Endlich fand man ihn in seiner Kalesche in einem Schuppen eingeschlummert, und neben ihm lag sein Rosenkranz.

Ein anderer Rosenkranz-General war der General Aldringer. Die gräfliche Familie Podstatzky-Liechtenstein bewahrt einen schönen Rosenkranz von rosaroten Perlen, es ist der Rosenkranz des im Dreißigjährigen Kriege berühmt gewordenen Generals Aldringer aus Diedenhofen in Lothringen. Einer armen Familie entstammend, wurde er General, und zwar einer der berühmtesten seiner Zeit. Er fiel im Jahre 1634 im Kampfe gegen die Schweden bei Landshut. Den erwähnten Rosenkranz trug er im Kriege immer bei sich und pflegte ihn auf den Märschen zu beten.

Von Prinz Eugenius von Savoyen wurde schon oben gesagt, daß er ein Rosenkranz-General war. Als er in seinem braunen Rock zuerst bei der Armee in Ungarn erschien und seine strenge Frömmigkeit bekannt wurde, da spotteten ihn die Soldaten aus und meinten: „Dieser kleine Kapuziner wird den Türken wenig Haare ausraufen!“ Bald aber hat er gezeigt, was er kann. Kein Wunder also, daß dann die Soldaten zugeben mussten, der Rosenkranz, der er immer vor der Schlacht betete, habe ihn niemals feige gemacht.

Dem mag noch folgendes beigefügt werden: Der Hochmeister des Deutschritterordens, der Erzherzog Maximilian von Österreich-Este, der 1863 heiligmäßig gestorben ist, wählte beim Eintritt in den Ritterorden den Rosenkranz als sein täglich zu verrichtendes Ordensgebet, und betete ihn mit unerschütterlicher Treue an jedem tage, an jedem Orte. Er hatte dreißig Jahre lang innige Freundschaft mit dem General Wöber. Der Grund dieser Freundschaft aber war der, daß dieser General ein kindlicher Verehrer der Gottesmutter war und stets einen Rosenkranz in der Tasche bei sich trug. Es darf also nicht wundern, was man sich von diesen beiden erzählt, daß nämlich der General Wöber jedesmal, wenn der noch junge und feurige Erzherzog bei mißliebigen Anlässen in Ungeduld geriet, ohne ein Wort zu sprechen den Rosenkranz aus der Tasche zog und zu beten anfing und daß der Erzherzog, sobald er dieses sah, augenblicklich gelassen und ruhig wurde.

Bisher wurde nun lang und breit nachgewiesen, was der Christ im Rosenkranz für eine starke Schutzwehr, die ganze Waffenrüstung Gottes besitzt. Möge darum jeder das Beispiel aller gelehrten und tapferen Rosenkranz-Beter, besonders der Rosenkranz-Generäle, nachahmen und sich vom Kreuz und Rosenkranz niemals trennen, sondern vereint mit ihnen durchs Leben und hinauf zum Himmel ziehen! –
aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 56 – S. 60

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