Die heilige Paula Witwe zu Rom

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

 Heiligenkalender

26. Januar

Die heilige Paula Witwe

Die heilige Paula wurde zu Rom, 347 geboren. Sie stammte von den vornehmsten und berühmtesten adeligen Geschlecht und wurde verehelicht mit Torotius gleichen Standes und Adels. Gott schenkte ihnen vier Töchter und einen Sohn. Paula war eine der reichsten und angesehensten Matronen in ganz Rom. Nach dem Tode ihres Ehegemahls wandte sie als 22-jährige Witwe ihr Herz noch mehr zu Gott, wozu die Unterweisung des heiligen Hieronymus, der damals zu Rom war, vieles beigetragen hat. Ihre einzige Beschäftigung war das Gebet, die gottesfürchtige Erziehung ihrer Kinder, die Tröstung und Pflege der Armen und Kranken. Die Gespräche mit dem heiligen Hieronymus und den heiligen Bischöfen Paulinus und Epiphanius über das heilige Land erweckten in ihr das sehnliche Verlangen, die heiligen Orte in Palästina zu besuchen und daselbst ihr übriges Leben zuzubringen. Nachdem sie für ihre Kinder hinreichende Fürsorge getroffen hatte, verließ sie ihre palastähnliche Wohnung, ihre Güter und Hausgenossen, und reiste mit ihrer Tochter Eustochium in das gelobte Land. Daselbst besuchte sie mit größter Andacht jene heiligen Orte, welche wegen des Lebens und Leidens Christi berühmt waren, und ließ sich zu Bethlehem nieder; denn sie hegte eine innige Andacht zu dem Ort der Geburt Jesu Christi. 20 Jahre brachte sie da zu, doch so, daß sie unterdessen auch verschiedene andere heilige Orte und einige wegen ihrer Heiligkeit berühmte Einsiedler besuchte.

In der Kleidung, Wohnung und allem anderen Tun und Lassen war sie so demütig, daß jeder, der sie nicht kannte, sie nicht für eine so vornehme Frau, sondern für eine geringe Dienstmagd gehalten hätte. So ängstlich bewachte sie ihre Keuschheit, daß sie von dem Tode ihres Ehegemahls an bis an das Ende ihres Lebens niemals mit einem Manne allein speisen wollte. Die Strenge gegen sich selbst grenzt an das Unglaubliche. Sie enthielt sich von Fleisch, Wein, Fischen, Honig, Eiern und Milch, und fastete täglich. Die nächtliche Ruhe nahm sie auf bloßer Erde, und nur wenige stunden lang, weil sie den größten Teil der Nacht mit beten zubrachte. Ihre geringen Fehler beweinte sie so reuevoll, als wäre sie die größte Sünderin der Welt.

So strenge auch Paula gegen sich war, bewies sie sich dennoch gegen den Nächsten voll Liebe. Einen Teil der Schätze, welche sie mit sich gebracht hatte, verwendete sie zur Erbauung eines Spitals für Fremdlinge, eines Frauenklosters und drei weiterer, aber zusammen hängender Klöster für Frauen. Alles übrige teilte sie unter die Armen, so, daß sie selbst Not litt. Trotz eines so heiligen Lebens konnte sie der Verleumdung so wenig entgehen, als ihr göttlicher Herr und Meister; es gab gottlose Zungen, welche die heilige Witwe verspotteten, eine Gleißnerin schalten und auf verschiedene andere Weise verfolgten. Gott, der solches zuließ, schickte ihr auch verschiedene schmerzhafte Krankheiten zu. Paula trug alles aus Liebe zu Jesus ruhig, ohne sich jemals wider Gott und die Menschen zu beklagen. Der heilige Hieronymus schreibt, daß sie sich mit Sprüchen aus der heiligen Schrift, in welcher sie täglich las, getröstet und aufgemuntert habe.

Endlich, nachdem diese heilige Witwe 20 Jahre zu Bethlehem, anfangs zwar in einem kleinen Häuschen, nachgehends aber in einem der von ihr erbauten Klöster auf das heiligste zugebracht, wurde sie tödlich krank und starb, 57 Jahre alt, im Jahre 404, am 26. Januar, welcher auch ihr Verehrungstag ist.-
aus: Wilhelm Auer, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1904, S. 57 – S. 58

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