Die glorreiche Auferstehung Jesu Christi

Jesus Christus in seiner Glorie erscheint auferstanden aus dem Grab, links sitzt ein Engel anbetungsvoll; im Vordergrund liegen die Wächter auf dem Boden

Das glorreiche Leben Jesu auf Erden

Es folgt nun das glorreiche Leben, die glänzende Kehrseite des irdischen Lebens, welches trotz der Offenbarung von Gottes Herrlichkeit durch Wunder und Prophezeiungen doch durchweg das Bild der Knechtsgestalt, der Armut, der Arbeit, des Leidens und der Verdemütigung trug.
Die Besitzergreifung dieses glorreichen Lebens vollzog sich in drei Abstufungen. Gleich nach dem Tode wurde die Seele Christi verklärt, d. h. auch den niederen Seelenkräften nach beseligt. In der Auferstehung dann erhielt auch der Leib durch die Wiedervereinigung mit der beseligten Seele seine Verklärung. Die Vollendung der Glorie endlich erfolgte in der Himmelfahrt.
So weist das glorreiche Leben eine Zweiteilung auf: die Auferstehung und das glorreiche Leben hienieden bis zur Himmelfahrt; dann die Himmelfahrt und das glorreiche Leben im Himmel.

Die Auferstehung Christi.

Mark. 16, 9. Als Jesus aber des Morgens am ersten Tage der Woche auferstanden war, erschien er zuerst der Maria Magdalena, aus welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte.

Das erste Geheimnis der vollständigen Verklärung Christi ist die Auferstehung. In der Auferstehung nämlich wurde der ganzen Menschheit Christi, Leib und Seele, die Glorie ihrem Wesen nach zu teil, und somit ist Ostern das glorreichste Fest des Gottmenschen und des Christentums, wie das Martyrologium ganz richtig und schön sagt: „das Fest aller Festlichkeiten, die Auferstehung unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi“.

1. Die Wahrheit und Wirklichkeit der Auferstehung.

Christus ist wirklich auferstanden. Alles versichert uns dieses: die heilige Schrift (Mark. 16, 9), die heiligen Engel (Matth. 28, 6; Luk. 24, 6), die heiligen Frauen (Mark. 16, 10, Luk. 24, 9. 22; Joh. 20, 18), die Apostel (Luk. 24, 34), die zuerst zweifelten, dann aber überzeugt in aller Welt das Zeugnis von der Auferstehung predigten (Apg. 4, 33); ja das ganze Christentum bezeugt die Auferstehung; Wesen und Bestand des Christentums stehen aufrecht oder fallen mit dieser Wahrheit (1. Kor. 15, 14).
Christus musste aber auch auferstehen (Luk. 24, 46). So war es prophezeit (Ps. 15, 10. Apg. 2, 31), so verkündeten es die Vorbilder: Isaak (Hebr. 11, 19) und besonders Jonas. Christus selbst hatte es oft und feierlich seinen Aposteln vorher gesagt (Matth. 17, 22; 20, 19; Mark. 9, 30; 10, 34; Luk. 18, 33), selbst den Juden, zuerst geheimnisvoll (Joh. 2, 19), dann ganz deutlich. Er bezeichnet ihnen das Wunder des Jonas vielfach als das Zeichen zur Bestätigung seiner Sendung, seiner Messianität und seiner Gottheit (Matth. 16, 4; Luk. 11, 29). So erwarteten die Juden selbst mit Spannung den dritten Tag nach seinem Tode (Matth. 27, 63). Aller Augen waren auf dieses Grab gerichtet. Stand er nicht auf, so war es aus mit ihm, mit seiner Person, seinen Plänen und seinem Werk. Dieses letzte Fehlschlagen war dann wirklich für ihn schlimmer als alles. – Christus musste also auferstehen, und er ist wirklich auferstanden. Surrexit Dominus vere, Alleluja… Scimus Christum surrexisse a mortuis vere (Missale).

2. Wesenheit und Umstände der Auferstehung.

Das Wesen der Auferstehung besteht in der Wiedervereinigung des Leibes und der Seele zum glorreichen Leben. Die verklärte Seele belebt aufs neue den Leib; aber das Ergebnis dieser Belebung ist nicht mehr ein irdisches, sondern ein ganz neues und wunderbares Leben. Der Leib ist jetzt nicht bloß ein ganz gefügiges Werkzeug, das der Seele gar kein Hindernis und keine Beschwernis mehr in ihrem Handeln setzt, sondern auch ein glorreiches und ebenbürtiges Werkzeug, das die Seele unterstützt und ihr ganz ungeahnte Quellen der Erkenntnis, der Freude und macht bietet. Er nimmt nämlich, ohne aufzuhören, ein Leib zu sein, in den sogenannten Eigenschaften der verklärten Leiber ganz geistartige Beschaffenheiten an, d. h. erstens die Unsterblichkeit, die eine völlige Leidlosigkeit und Unabhängigkeit des Lebens, der Jugend und Kraft von äußeren Bedingungen und Einflüssen ist, wie von Nahrung und Schlaf; zweitens den Glanz, der in strahlender Schönheit und Herrlichkeit besteht; drittens die Freiheit, die alles Schwere und Unedle ausschließt und überwindet; endlich die Beweglichkeit, Durchdringlichkeit und Machtfülle, der von Stoff und Zeit und Entfernung keine Schranken gesetzt werden. Infolge dieser Eigenschaften ist ein verklärter Leib ein ganz wunderbares Wesen und das Meisterwerk der Weisheit und Macht Gottes (1. Kor. 15, 26. 38ff).

So stand Christus auf. In dieser Neuheit des Lebens wandelte er (Röm. 6, 4), nachdem er alle Folgen dieses mit dem Sündenfluch beladenen Lebens abgestreift hatte (ebd. 6, 10), als ein verherrlichter Leib (Phil. 3, 21), in dem sich die ganze Fülle und Herrlichkeit dieses glorreichen Lebens darstellte. Er ist ja der Erstling (1. Kor. 15, 20), der Erstgeborene aus den Toten, der Urheber und das Vorbild aller Verklärten (Kol. 1, 18) und der wahre Sohn Gottes, der sich durch sein Leiden und seinen Tod die Krone der Ehre und Herrlichkeit verdient hat (Hebr. 2, 9). Die Knechtsgestalt ist geschwunden, und selbst durch den verherrlichten Leib leuchtet nun die Gottesgestalt, so daß wie bei der ewigen Zeugung der Vater jetzt sagen kann: „Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt. Verlange von mir, und als dein Erbe will ich dir die Völker geben und als dein Eigentum der Erde Grenzen“ (Ps. 2, 7ff).

Wer begreift die Ströme der Freude und Wonne, welche durch die verklärten Sinne dieses glorreichen Leibes der Seele des Gottmenschen nun zufließen und sich um sein göttliches Herz sammeln? Es ist ein unermessliches Reich von Ehre, macht und Freude, das die verherrlichte Menschheit in sich aufnimmt und in Strömen von Licht, von Beseligung und Macht nach allen Seiten ausgießt. Er herrscht jetzt wirklich. In der Beweglichkeit, Macht und Freiheit des verklärten Zustandes ist kein Punkt seines Reiches ihm ferne, und sein Zepter erreicht die äußersten Grenzen seiner unermesslichen Herrschaft. Die heiligen Frauen, die da heran kommen, sind die Vorläufer von Millionen Anbetern; denn statt eines Volkes, das ihn verworfen, werden die Völker der Erde sein Anteil sein. Von seinem Leichenstein aus verkünden die Engel seine Auferstehung und senden als Boten derselben die Soldaten in die Stadt, die mitten in ihrem Sieg zittert vor dem Auferstandenen. –

Und was allem Glück und aller Herrlichkeit die Vollendung gibt, das ist die Unveränderlichkeit, Stetigkeit und Ewigkeit dieser Herrlichkeit. „Christus stirbt nicht mehr, und der Tod hat keine Gewalt über ihn“ (Röm. 6, 9). Es ist eben der schöne Tag der seligen Ewigkeit über dem Haupt des Gottmenschen aufgegangen, und er kennt keine Abnahme und keinen Untergang.

Das ist das Wesen der Auferstehung. Den Umständen aber nach geschah sie erstens am dritten Tage nach dem Tod. Drei Tage genügten zum rechtskräftigen Beweis seines wahren Todes. Längere Dauer war von keinem Nutzen.

Zweitens erfolgte die Auferstehung ungesehen. Kein menschliches Auge hat sie gesehen, bloß die Ewigkeit, die Chöre der Engel und der Altväter, deren einige entweder bloß vorübergehend oder für immer die glorreiche Auferstehung teilten, schauten mit Jubel dieses Wunder. Wie der Gottmensch einst um Mitternacht aus dem jungfräulichen Schoß seiner Mutter hervorging, ohne ihn zu verletzen, so ging auch die glorreiche Menschheit ohne Verletzung des Grabes und unbemerkt aus seinem Schatten hervor. Das Ergebnis der Auferstehung war ein Leben, das dieser Welt nicht mehr angehörte.

Drittens wurde die Auferstehung vollführt durch die eigene, nämlich göttliche Kraft Christi. Die Auferweckung der Toten ist das ausschließliche Werk der göttlichen Macht. Die Allmacht ruht ursprünglich im Vater, und deshalb heißt es auch, der Vater habe Jesum von den Toten erweckt (Röm. 8, 11), und er lebe durch die Kraft und Herrlichkeit des Vaters (1. Kor. 6, 14; Röm. 6, 4). Durch die ewige Zeugung aber besitzt sie auch der Sohn zu eigen, und so ist die Auferstehung auch das Werk seiner eigenen göttlichen Kraft und, da dieselbe unabhängig von zeit und Mitteln schafft, so erfolgte die Auferstehung in einem Augenblick, wie dieses auch bei uns der Fall sein wird (1. Kor. 15, 52). Es ist diese Selbsterweckung eine eigentümliche Glorie der Auferstehung. So wie der Gottmensch sein Leben freiwillig abgelegt, so nimmt er es freiwillig wieder (Joh. 2, 19; 10, 18). –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes, Bd. 2, 1912, S. 437 – S. 441

Bildquellen

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