Bekehrung des guten Schächers am Kreuz

Das Leben und Leiden und der Tod am Kreuz, das kostbarste Blut Jesu am Kreuz vergossen; Jesus hängt, halb nackt und mit einer Dornenkrone "geschmückt", mit ausgebreiteten Armen am Kreuz, geschunden durch die Marter der Geißelung und verspottet

Das Leben und Leiden und der Tod Jesu

Die Bekehrung des guten Schächers am Kreuz

Luk. 23.40. Da antwortete der andere Übeltäter, verwies es dem zu Linken und sprach: „Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch dieselbe Strafe erleidest?“ – 41. Wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten verdient haben; dieser aber hat nichts Böses getan.“ – 42 Und er sprach zu Jesu: „Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst.“ – 43. Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich, sag` ich dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“

1. Wie der gute Schächer büßt und den Heiland ehrt

Während alles umher den sterbenden Heiland höhnt und spottet, da fing der rechte Schächer an, in sich zu gehen und zu büßen. Die Vortrefflichkeit seiner Buße bestand in folgenden Stücken.

Erstens verweist er dem bösen Schächer und in ihm auch den Juden laut ihr gottloses Tun gegen den Heiland durch den Hinweis auf die Strafe, die sei beide jetzt schon leiden, und auf die Strafgerechtigkeit Gottes, die sie züchtigt und noch ärger züchtigen wird, wenn sie sich nicht bekehren. „Fürchtest auch du Gott nicht (wie die andern Juden), da du doch dieselbe Strafe erleidest“, d.h. da du doch im Begriff stehst, mit uns vor Gott zu erscheinen? (Luk. 23,40) Er hatte also angefangen, Gott zu fürchten, und das ist der Anfang der rechten Buße.

Zweitens bekennt er offen seine Schuld und seine Willigkeit zur Strafe (ebd. 23,41).

Drittens legt er dagegen das Bekenntnis der Unschuld Jesu ab und verurteilt damit die Juden (ebd.). Er hatte das durch die Gnade Gottes erkannt aus der himmlischen Geduld Jesu, aus seinem Gebet für die Peiniger, namentlich aus der Benennung „Vater“, die er Gott gibt.

Endlich bekennt er selbst die Gottheit Jesu, indem er ihn anfleht, seiner zu gedenken in seinem Reich (Luk. 23,42). Er glaubte also, daß der Heiland leben und herrschen werde im Jenseits und Macht habe über Seele und Seligkeit. Der gekreuzigte, verlassene und von allen geschmähte und verachtete Jesus ist in seinen Augen allmächtig und Herr des Himmels und der Ewigkeit. Er hatte den Kreuzestitel gut verstanden. Seine Bitte ist voll rührender Demut und voll vertrauen. Der Herr hat eben so innig für seine Henker gebetet, nun bittet ihn der Schächer, auch seinen armen Leidensgefährten zu retten; er bittet aber nur, seiner zu gedenken, alles übrige überläßt er dem Heiland und seiner Barmherzigkeit. – Das war also eine vollkommene Buße, eine Buße voll Ehre und Verherrlichung für den Heiland.

2. Wie der Heiland die Buße des Schächers aufnimmt

Der Heiland nimmt die Buße auf mit liebenswürdiger Aufmerksamkeit, obgleich er in einen Abgrund von Peinen versenkt war; er nimmt sie auf mit Bereitwilligkeit und mit Großmut. Er gibt dem Schächer unendlich mehr, als er von ihm gebeten worden. Er verzeiht ihm seine Sünden, gibt ihm Teil an seinem Reich und seiner Seligkeit, und zwar noch heute, gleich nach dem Tod soll er sie antreten. Welch eine Großmut! Er schenkt dem armen Sünder den Himmel, der ihn so unsäglich viel kostet. Wem schenkt er ihn? Einem gräulichen Verbrecher. Und wie? Ohne Verzug. Wofür? Auf einen bußfertigen Seufzer und ein mutiges Bekenntnis (ebd. 23,43).

3. Was diese Begnadigung des Schächers uns lehrt

Vor allem offenbart diese Begnadigung den Heiland in seiner ganzen Liebenswürdigkeit und Majestät. Wie mitleidig, wie gütig und mächtig ist der Herr! Auf alles achtet er, nichts entgeht ihm. Den leisesten Seufzer hört er. – Hier auf dem Richtplatz, selbst gerichtet von der menschlichen Gerechtigkeit und verdammt, richtet er die Seelen, vergibt und behält er Sünden und erteilt das Himmelreich und verdammt zur Hölle. Ist dieses Schauspiel auf dem Kalvarienberg nicht ein Vorspiel des jüngsten Gerichtes? – Wie wunderbar erweckt er sich mitten in den tiefsten Schatten eines schauerlichen Verbrechertodes Bekenner seiner Unschuld und seiner Gottheit!

Diese Begnadigung zeigt auch so recht die Macht der Gnade und deren Freiwilligkeit von Seiten Gottes und die Selbständigkeit und schreckliche Freiheit des menschlichen Willens. Wunderbare Gnaden der Bekehrung klopften an die Herzen beider Schächer und begehrten Einlaß. Der eine gibt ihnen Gehör und fährt vom Kreuz ins Paradies. Der andere bleibt verstockt und fährt zur Hölle. Verdammt werden an der Seite der Mutter Gottes und des sterbenden Heilandes! Der Bösewicht kann die Seufzer des Heilandes hören, und das göttliche Blut ist ausgegossen um sein Kreuz, als wollte es des Sünders Herz belagern und die Gerechtigkeit Gottes abwehren von ihrem Opfer, und doch bleibt der Unglückliche unerschütterlich in seiner Bosheit. Das ist eine ernste Wahrheit und lehrt uns wie nichts anderes, weder vermessen vertrauen noch kleinmütig verzweifeln (P. Faber). –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes in Betrachtungen Zweiter Band, 1912, S. 398 – S. 400

IMMUTEMUR HABITU – José Maurício Nunes García (1767 – 1830)

Antiphon

Immutemur habitu, in cinere et cilicio,
ieiunemus, et ploremus ante Dominum,
quia multum misericors est dimittere peccata nostra Deus noster.

Lasst uns ein anderes Kleid anziehen: Sack und Asche;
lasst uns fasten und weinen vor dem Herrn,
denn groß im Erbarmen und Verzeihen unserer Sünden ist unser Gott.

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