Das Pontifikat Urban VI. (1378-1389)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Auflehnung gegen die Statthalter Jesu Christi

Ein Porträt von Papst Urban VI. Er trägt die damals übliche päpstliche Kleidung, er schaut ernst

Das Pontifikat Urban VI. (regierte von 1378-1389)

Die Kardinäle (…) wählten am 9. April des gleichen Jahres den Erzbischof von Bari, Bartholomäus Prignano aus Neapel zum Papst. Er nahm den Namen Urban VI. an. Der Jubel darüber war ein allgemeiner. Sogar jene sechs Kardinäle, die mit dem Papst Gregor nicht in Avignon nach Rom gegangen waren, stimmten dieser Wahl zu.

Vom besten Willen beseelt, begann Papst Urban die Verbesserung der Verhältnisse, da wo die Besserung am notwendigsten war: in den höchsten kirchlichen Kreisen. Aber er kannte keine Mäßigung und ging zu schnell vor. Seine Schroffheit verkehrte dabei selbst seine besten Pläne und Anordnungen ins Unrecht und verbitterte besonders die Kardinäle. Die heilige Katharina von Siena hörte von diesem ungeeigneten Auftreten und schrieb dem Papst: „Mäßige dich um Christi willen, mäßige die stürmischen Gefühle eines heftigen Gemütes. Möchte die göttliche Gnade dir Erkenntnis deiner Fehler geben!“ Die Mehrzahl der französischen Kardinäle, die ohnehin nicht gern in Rom weilten, gehörte den edelsten Familien an. Deswegen wollten sie um so weniger die harten Worte ruhig hinnehmen, welche der strenge und ernste Papst ihnen zu hören gab, und sie ließen sich zu einem Schritt verleiten, der wegen seiner schlimmen Folgen höchst bedauernswert war. In aller Stille wurde nämlich eine Empörung gegen den Papst vorbereitet. Das war die Rache der Franzosen, welchen der Einfluß auf den päpstlichen Stuhl genommen war. Die französischen Kardinäle erklärten nunmehr: Die Wahl die Papstes Urban war eine ungültige, weil das römische Volk sie erzwungen hat. Sie vergaßen aber, daß sie der Krönung des Papstes selbst beigewohnt und ihm anfangs gehuldigt hatten. Im Juli des Jahres 1378 riefen sie die italienischen Kardinäle zu sich nach Anagni, um sich dort gemeinschaftlich zu beraten. Vergebens suchte Kaiser Karl IV. die Kardinäle von ihrem Plan abzubringen und das Recht des Papstes Urban zu verteidigen. Vergebens erklärte der greise Kardinal Tebaldeschi vor seinem Tode feierlich vor Zeugen, daß Urban wahrer und frei gewählter Papst sei. Dennoch gingen diese Kardinäle in ihrem verletzten Stolz so weit, daß sie am 20. September desselben Jahres zu Fonde den Kardinal-Priester Robert, Grafen von Genf als Gegenpapst wählten, der den Namen Clemens VII. annahm. Dieser schlug seinen Sitz in Avignon auf und wurde in Frankreich, Spanien und Schottland anerkannt, während die übrigen Länder dem rechtmäßigen Papst Urban treu blieben.

Eine unheilvolle Zersplitterung und Verwirrung, ein allgemeiner Jammer der Christenheit begann. Als Papst Urban die Erhebung des Gegenpapstes erfuhr, weinte er bitterlich und bekannte, mancherlei gefehlt zu haben. Die heilige Katharina von Siena und die heilige Katharina von Schweden ergriffen die Partei des Papstes Urban. Auch der Frankfurter Reichstag erkannte im Februar des Jahres 1379 Urban feierlich als rechtmäßigen Papst an; König Wenzel von Böhmen wie die Boten des Gegenpapstes zurück. Auch die Römer hielten treu zu Urban.

So stand die Christenheit geteilt durch den Ehrgeiz einiger Franzosen. Das Benehmen der zwei Päpste war sehr ungleich; denn nur der wahre Papst wahrte die rechte der Kirche. „Es wäre“, bemerkt der Geschichtsschreiber Chantrel, „ein vollkommener Papst gewesen, wenn er eine weniger große Liebe zu seinen Angehörigen gehabt hätte; denn er haßte den Luxus, führte ein sehr strenges Leben, fastete beinahe alle Tage und trug einen Bußgürtel. Clemens VII. dagegen war der Pracht ergeben und verschwendete den größeren Teil des kirchlichen Einkommens von Frankreich.“ Die Spaltung griff allgemein um sich. Es gab allenthalben „Urbanisten“ und „Clementiner“, d. h. Anhänger des Papstes Urban und Anhänger des falschen Papstes Clemens.

Urban erlebte selbst viele traurige Erfahrungen. Dieses machte den alten, sonst gut gesinnten Papst mißtrauisch gegen jedermann; er konnte darum auch in jener bedrängten Zeit nicht ordnend und bessernd in die großen Weltereignisse eingreifen. Statt der verwirrten Welt die Ruhe zu vermitteln, zog Urban ohne Ruhe von einer Stadt zur andern. Entblößt von allen Mitteln und von Todesahnungen gequält, kam er auf Bitten der Römer im Oktober des Jahres 1388 nach Rom. Im April des folgenden Jahres bestimmte er noch, daß fortan alle 33 Jahre ein Jubiläum gefeiert werden sollte. Ferner verlieh er denen, welche den Priester mit dem heiligen Sakrament zu einem Kranken begleiten, einen Ablass von 100 Tagen. Altersschwach und aufgerieben von vielfachen Sorgen und Mühsalen starb Papst Urban am 15. Oktober des Jahres 1389. Wohl zeichnete ihn eine seltene Gerechtigkeits-Liebe, die er auch gegen seine größten Feinde bewies, eine große mit Sitten-Reinheit verbundene Einfachheit des Lebens aus, aber es mangelte ihm weise Mäßigung und jene Seelenstärke, welche für den Inhaber des höchsten Thrones auf Erden vor allem notwendig ist. Es fehlte ihm die Herzen gewinnende Güte und Freundlichkeit, die auch aus Feinden neue Freunde zu gewinnen versteht. Wie er die Kardinäle durch sein rauhes Wesen abstieß, so verfeindete er sich auch mit denen, die er selbst zu höhen Würden empor gehoben hatte.

Es war eine sehr schwere Heimsuchung für die Kirche, daß in einer Zeit, da Fürsten und Völker nur noch auf ihre Vorteile bedacht waren, ein harter und starrsinniger Papst so viel Unheil anrichtete. In ruhigen Zeiten wäre Urban wohl ein guter Papst gewesen, den schwierigen Zeiten nach der babylonischen Gefangenschaft in Avignon aber war er nicht gewachsen.
Der Tod des Papstes beendete die herrschende Uneinigkeit und den bestehenden Streit in der Kirche nicht. Urban war der rechtmäßige Hirte der Christenheit. Daher erkannten jetzt die von ihm ernannten Kardinäle nicht den in Avignon lebenden Clemens an, sondern hielten sich für verpflichtet, einen Nachfolger zu wählen. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 560 – S. 563

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