Das Pontifikat von Papst Benedikt XIII.

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Zeitalter der Revolutionen

Ein Porträt von Papst Benedikt XIII., umrandet von Bildern des Vatikans

Das Pontifikat von Papst Benedikt XIII. (regierte von 1724 bis 1730)

Das Bild, welches uns die Geschichte von diesem Papst überliefert, zeigt uns drei hervorstechende Züge: erhöhte Demut, gekränkte Herzensgüte, missbrauchtes Vertrauen.

Mit 16 Jahren verließ der unschuldige Jüngling den Glanz und die Pracht seines Hauses und trat in den Orden des hl. Dominikus. Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt von Seiten seiner Familie, um ihn dem Orden zu entziehen und ihn zur Rückkehr in die Welt zu vermögen. Papst Klemens IX. selbst wurde bestürmt, den jungen Novizen zum Austritt aus dem Kloster zu bewegen. Nachdem der Papst mit dem Jüngling gesprochen und die edlen Absichten wie die Festigkeit desselben kennen gelernt hatte, billigte er dessen Entschluss. Um ihn vor den Zudringlichkeiten der Seinen zu schützen, kürzte er ihm die Zeit des Noviziates ab, um früher die Gelübde im Dominikaner-Orden ablegen zu können. Was sich der Jüngling in der Blüte der Jahre erwählt hatte, daran hielt er lebenslang fest. (Hamerle, S. 588 – S. 589)

Papst Benedikt XIII. übernahm am 29. Mai des Jahres 1724 die Regierung der Kirche. Er stammte aus der herzoglichen Familie Orsini, hieß mit seinem Familiennamen Petrus Franziskus und wurde am 2. Februar des Jahres 1649 zu Gravina im Königreich Neapel geboren. (Mit achtzehn Jahren war er gegen den Willen seines Vaters in den Dominikanerorden getreten. Der trostlose Vater tat alles, um ihn wieder in die Welt zurück zu führen, aber der demütige und gottesfürchtige Jüngling blieb im Kloster und verrichtete, wie einst Karlmann in dem Kloster Monte Cassino, die niedrigsten Dienst.)

Klemens X., welcher der Familie Orsini befreundet war, erhob im Jahr 1672 den frommen Ordensmann zum Kardinalpriester, obwohl sich dieser gegen eine so hohe Auszeichnung lange weigerte. Als Kardinal erhielt er im Jahr 1686 das Erzbistum Benevent zur Verwaltung. Das tat er mit solcher Umsicht, daß man von ihm sagte: „Er beobachtete genau die Hauptsorgen eines Bischofs: Alle Jahre einen Teil seiner Diözese besuchen, Kirchen bauen und einweihen, fromme Bruderschaften und Spitäler für Kranke gründen, die Not der Armen mit seinem Geld lindern, den Gläubigen predigen, Kirchenversammlungen abhalten, die heiligen Sakramente spenden, das setzte er sich zur Aufgabe. So steht er vor uns als ein Kirchenfürst voll Eifer, wie selten einer gefunden wird. Obwohl Kardinal, vergaß er den Klosterbruder nicht. Er trug noch sein Ordenskleid und benahm sich wie ein Ordensmann.“

Bei einem Erdbeben in Benevent im Jahr 1688 blieb Benedikt allein in seinem Palast am Leben und verdankte seine Rettung der Fürbitte der heiligen Jungfrau und des heiligen Philipp Neri. In Benevent hielt Benedikt sich fast beständig auf, lehrte und arbeitete mit größtem Eifer. Später wurde er Kardinalbischof von Frascati und dann von Porto. Nach dem Tod des Papstes Innozenz XIII. befand er sich in der Wahlversammlung und war sehr traurig, weil die Stimmen der Kardinäle sich nicht einigen wollten. Er entschloss sich, eine neuntägige Andacht zu halten, um der heiligen Kirche recht bald einen guten Hirten zu erbitten. Mitten in derselben hörte er seinen Namen nennen. Erschrocken und beängstigt wendete er alles auf, um der hohen Würde zu entgehen. Es half aber nichts. Einstimmig gewählt, bestieg er am 29. Mai des Jahres 1724 den Heiligen Stuhl. Als man ihm die heiligen Kleider anlegte, sagte er: „Betrachtet doch meine fünfundsiebzig Jahre, meine körperliche und geistige Schwäche!“ Als aber die Kardinäle diese Ausrede nicht gelten ließen, heftete er seinen Blick aufs Kreuz und rief: „Wohlan, so vollenden wir das Opfer!“

Rom freute sich herzlich über die getroffene Wahl. Die Bewohner wußten, daß der Papst so regieren werde, wie er in Benevent und Porto regiert hatte. Wegen seiner ungeheuchelten Demut, seiner Strenge in der Erfüllung der Ordenspflichten und seines Eifers im bischöflichen Hirtenamt war er ja längst allgemein verehrt. Sogleich berief Benedikt eine Kirchenversammlung, suchte die Prachtentfaltung der Kardinäle zu beschränken, ermahnte die Geistlichen zu frommem Lebenswandel und zu vorschriftsmäßiger Kleidung.

In der Allerheiligen-Litanei setzte er nach den Worten „Johannes der Täufer“ den Namen des heiligen Joseph ein und zeichnete die Abbetung des Englischen Grußes beim Glockenzeichen mit hohen Ablässen aus. Die unter seinen Vorgängern restaurierte Kirche St. Johann im Lateran weihte der heilige Vater im Jahr 1726 feierlich ein. Dem Dominikanerorden erwies er große Gunst, ohne die andern Orden zu vernachlässigen. Selbst gelehrt und Verfasser mehrerer Bücher ermunterte er viele Geistliche zu weiteren Studien. In allen kirchlichen Angelegenheiten mit Feuereifer tüchtig, versäumte Benedikt doch nicht, auch für den Aufschwung von Handel und Gewerbe zu sorgen.

Das Jubeljahr 1725 hielt Papst Benedikt mit großen Feierlichkeiten. Er eilte in die Spitäler, um die Pilger zu begrüßen, ihnen die Füße zu waschen, sie zu bedienen und ihre Beichten zu hören. Der Zulauf der Fremden zum Jubelfest war ungeheuer groß.

Auch dieser Papst, der von den weltlichen Streitigkeiten nichts wissen wollte, der ganz dem Wohl der Gläubigen lebte, konnte trotzdem den Frieden mit Frankreich nicht erhalten. Die französische Regierung suchte förmlich nach einer Gelegenheit, den Heiligen Stuhl zu verletzen. Man feierte in Rom seit Jahren das Fest des heiligen Papstes Gregor VII. Benedikt ordnete an, daß dasselbe in der ganzen Christenheit feierlich begangen werde. Eine solche Verfügung ist etwas rein Kirchliches und berührt die weltlichen Fürsten gar nicht. Und doch verbot man in Frankreich, das Fest des heiligen Gregor VII. zu feiern, die heilige Messe zu seiner Ehre zu lesen und das Brevier zu beten. (1) Auch König Johann V. von Portugal trat feindselig gegen den heiligen Vater auf. Er verlangte nämlich von Benedikt in sehr ungeziemender Weise die Kardinalswürde für den von Lissabon abberufenen unwürdigen päpstlichen Gesandten Bicchi. Da die Kardinäle sich widersetzten, einen solchen Mann in ihren Kreis aufzunehmen, schlug der Papst das Verlangen des Königs ab. Daraufhin rief dieser alle Portugiesen aus Rom ab und verbot allen Verkehr mit dem heiligen Vater. (2)

Im zweiundachtzigsten Lebensjahr vollendete Benedikt am Vorabend des Aschermittwoch, am 21. Februar des Jahres 1730, seine Pilgerfahrt auf Erden, nachdem er fünf Jahre acht Monate und dreiundzwanzig Tage regiert hatte. Wegen seiner Demut, Uneigennützigkeit, seiner Liebe zu den Armen und seiner Bußübungen verehrten ihn die Römer wie einen Heiligen. Viele Personen erhielten durch sein Gebet von Gott besondere Gnaden. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 686 – S. 690

(1) Widerspruch und bittere Gegnerschaft fand der Papst (…) besonders, weil in den Lektionen des Breviers von der Exkommunikation und Absetzung Heinrichs IV. die Rede war.

(2) Er verglich sich mit Kaiser Karl VI., dem König von Sizilien, und schlichtete den Streit bezüglich der Privilegien, welche die Päpste ehemals den Königen Siziliens unter dem Namen „Monarchia Sicula“ gewährt hatten, indem er dieselben größtenteils auch ihm übertrug. Dem Herzog von Savoyen erkannte er auch den Königstitel zu und überließ ihm das Patronat der Pfründen in seinem Gebiet, fand aber bei diesem Herrscher wenig Dank. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 589

Category: Papsttum, Stangl
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