Weltgeschichte Christus in der Geschichte Europas

Ein Bild voll Dornen, in der Mitte das flammende Herz Jesu Christi mit Dornen umrankt, rechts die Schlange, links das Lamm, das in den Dornen der Sünde gefangen ist

Christus in der Weltgeschichte

Christus in der Geschichte Europas

Wir glauben an das Eingreifen und Wirken Gottes in den Gang der Weltgeschichte durch Christus und die von ihm gestiftete Kirche. Dieser Glaube bildet den Schlüssel zu so vielen Rätseln der Geschichte. Die Völker der Erde hätten gut daran getan, der Führung durch die Kirche auch in wesentlichen Dingen des Staates sich zuversichtlich hinzugeben. Verfolgen wir kurz die Richtigkeit dieser Behauptung bis zur gegenwärtigen Stunde. Das Christentum hatte im zusammenbrechenden Weltreich und in einem Europa, in dem die tausendjährige Kultur des Altertums in den Barbarenstürmen versank und über das die Nebel der Barbarei hereinbrachen, eine große Aufgabe.

Kultivierung der Barbaren

Die Aufgabe, schreibt Degkwitz (S. 174), „in diesen Jahrhunderten des Mordens, Raubens und Zerstörens, in denen der regelmäßige Tod der Schwerttod war, den Barbaren die göttliche Botschaft von der Brüderschaft aller Menschen zu bringen und die Gebote der Achtung des Einzelmenschen als des Ebenbildes Gottes, der Demut, des Verzichtes, der Wohltätigkeit und der Hingabe an das Geistig-Jenseitige in einer Form zu verkünden, die ihnen verständlich war, wurde von der christlichen Kirche gelöst. Sie hat damit das Durcheinander geordnet, die barbarischen Zerstörungstriebe gemildert, den ersten Formen der Menschlichkeit Bahn gebrochen und in dieser Zeit die Grundlagen geschaffen, auf denen sie während der nun vergangenen zwei Jahrtausende Kaiser- und Königreiche, Völker und Rassen, Freunde und Feinde überdauert und das Gefühl der europäischen Menschheit und das europäische Weltbild so innig durchdrungen hat, daß es in Europa wohl zu Revolten, nie aber zu einer ernsthaften Revolution gegen das Christentum gekommen ist.“

Heiliges Römische Reich

Dieser Aufgabenkreis des ersten germanischen Kaiserreiches fand seine staatliche Verwirklichung und seine politische Gestalt im „Heiligen Römischen Reich.“ Wie die katholische Kirche eine Universalkirche ist, so war dieses Kaisertum der Idee nach und in praktischer Verwirklichung allumfassend. Universal in dem Sinne, daß die Menschen dieses Reiches von Jenseits- und Ewigkeitsgedanken erfüllt waren.

Aus diesem Grunde sollte auch das von der Kirche erfüllte und geweihte Reich der Träger des hohen Gedankens der Verwirklichung der sittlich-religiösen Weltordnung sein. Gegenüber der gewaltigen Universalidee eines glücklichen und befriedigenden Zusammenarbeitens von Staat und Kirche blieb der Nationalgedanke im Hintergrund. Im Vordergrund und als leitender Gedanke stand das Recht und nicht die Macht. Das Bewusstsein und das Gefühl der Zusammengehörigkeit ergab sich aus der Verpflichtung, das Reich Gottes auf Erden zu formen und sichtbar werden zu lassen. Der Kaiser lebte und wirkte im Auftrag Gottes.

Die Kirche als Vertreterin einer geistigen höheren Stelle erfüllte mit ihrem Geiste das Reich, den Kaiser, die Stände, die Fürsten, die Geistlichen, die Städte, die Bürger, den Adel, die Bauern, die Handwerker. Dadurch kam eine Einheit zustande, die den Kern des Heiligen Römischen Reiches ausmachte und den christlichen abendländischen Gedanken jahrhundertelang in Europa aufrecht hielt. Das gegenseitige Verhältnis zwischen Staat und Kirche brachte als segensreichste Wirkung, daß trotz mannigfacher Reibungen und Versündigungen die Träger des Reichsgedankens sich von der Bindung durch die katholische Kirche, von dem Geiste der Versöhnlichkeit, des Friedens unter den einzelnen Nationen durchdrungen fühlten. Wie diese Einheit des Geistes sich z. B. auf dem Gebiet der völkerverbindenden Macht der Wissenschaft ausgewirkt hat, hat bei der Feier der Heiligsprechung Alberts des Großen und seiner Erhebung zum Kirchenlehrer an der Universität Paris im Jahre 1933 der große katholische französische Philosoph E. Gilson (Die Furche, 9. Febr. 1946) mit denkwürdigen Worten ausgesprochen

„Erst wenn wir wieder einmal so weit sind wie das unsterbliche 13. Jahrhundert, wird es im Abendland wieder eine Kultur geben; wenn wieder ein Italiener wie Thomas von Aquino in Paris und Köln lehren kann, wenn ein Deutscher wie Albertus von Franzosen verstanden wird und ein Engländer wie Duns Scotus mitten in seiner Forschung in Köln stirbt.“

Das Christentum, das die Unsterblichkeit der menschlichen Seele lehrt, musste in diesem Heiligen Römischen Reiche dem Einzelmenschen gegenüber der Masse höchste Bewertung einräumen. „Diese für das Germanentum charakteristische Anerkennung und Achtung des Einzelmenschen und der Einzelpersönlichkeit“, schreibt Degkwitz, „beruhte auf der christlichen Lehre, daß der Mensch das Ebenbild Gottes ist und daß ihm als solchen unveräußerliche und unabdingbare Rechte zu eigen sind, über die sich weder der Einzelne noch der Staat hinwegsetzen darf. Der christlich germanische Staat leitete infolgedessen seine Rechte von diesen, seinen Bürgern angeborenen Naturrechten ab und betrachtete sie als oberstes Gesetz. Seine Hauptaufgabe war, diese Rechte zu schützen und zu bewahren. Der Staat setzte also nicht seinen Untertanen, sondern die Bürger dem Staate das Recht…

In ihm war kein Raum für die Vergötzung des Staates. Es war kein Erobererstaat und auf zwischenstaatlichem Gebiete strebte er nicht nach dem Faustrecht, sondern nach einer christlichen Rechtsordnung zwischen den Völkern.“

In dem Heiligen Römischen Reich war kein Platz für Staatsabsolutismus, Staatsallgewalt, Staatsvergottung, für Zusammenfassung aller Machtbefugnisse in einer einzelnen Persönlichkeit, für extremen Nationalismus, für Staatskirchentum. Das Heilige Römische Reich war kein brutaler Staatsleviathan, sondern ein Reich mit dem Grundgedanken, ein Gottesreich auf Erden zu schaffen auf dem Fundament der durch das Christentum gewährleisteten Einheit und Friedenskraft.

Die europäische Völkerfamilie

Dieses Heilige Römische Reich, das sechs Jahrhunderte hindurch eine im katholischen Glauben und in katholischer Höhenkultur geeinte, europäische Völkerfamilie gewesen ist, war dem deutschen Volke als das größte politische Geschenk des Himmels zuteil geworden. „Die ganze Weltgeschichte“, schreibt Konstantin Frantz, „hat keine politische Konzeption aufzuweisen, die sich an Tiefe und Großartigkeit, wie an Würde und Schönheit mit dem alten Heiligen Römischen Reiche vergleichen ließe.“ Die Existenzmöglichkeit dieses Reiches war nur gegeben auf der Grundlage des abendländischen christlichen Geistes in der Bindung an die staatsethischen und staatsphilosophischen Grundsätze der katholischen Kirche. … –
aus: Hans Rost, „Die katholische Kirche, die Führerin der Menschheit“, o.J., S. 228 – S. 229

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