Bedingung für das Erscheinen des Antichristen

Bedingung für das Erscheinen des Antichristen – Die Restauration des sozialistische Heidentums

Aus dem Brief von Kardinal H. E. Manning an Dr. Newman:

In den folgenden Blättern habe ich versucht – freilich für einen so wichtigen Gegenstand höchst ungenügend – zu zeigen, daß, was in unseren Zeiten vorgeht, das Vorspiel von der antichristlichen Periode der schließlichen Entthronung des Christentums ist, wo die Gesellschaft wieder ohne Gott in der Welt leben wird. Aber früher oder später, so muss es sein. „Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben ist; weh aber jenem Menschen, durch welchen der Menschensohn verraten wird; besser wäre es ihm, wenn derselbe Mensch nicht geboren wäre.“ (Matth. 26,24)
Möge Gott uns davor behüten, daß wir auch nur durch Stillschweigen an der Verfolgung seiner Kirche teilnehmen!
Ostern 1861

Ich will nun kurz zusammenfassen, was ich gesagt habe.

Wir sehen, daß es vorausgesagt ist, daß vor dem Auftreten des letzten großen Widersachers Gottes und seines fleischgewordenen Sohnes eine Empörung und ein Abfall sein müsse; wir haben gesehen, daß die Autorität, gegen welche die Empörung gerichtet sein soll, die der Kirche Gottes ist, und daß es eine Empörung sein wird, welche die drei Merkmale des Schisma, der Häresie und der Leugnung der Menschwerdung an sich trägt. Wir sehen auch, daß diese antichristliche Bewegung schon in den Tagen der Apostel wirksam war; daß sie immer seitdem auf mancherlei Weisen und zu verschiedenen Zeiten wirkte und sich auf die verschiedenste und sogar widersprechendste Art entwickelte, aber daß es dessen ungeachtet immer eine und dieselbe war, identisch nach dem Prinzip und nach der Feindschaft gegen die Menschwerdung und die Kirche.

… aber ich behaupte gleichfalls, daß an dem Tage, an welchem man solche, die die Menschwerdung leugnen, zu gleichen Rechten zuläßt, man das soziale Leben und die soziale Ordnung, in welcher wir leben, von der Menschwerdung Gottes zu der Basis der bloßen Natur herab rückt und dies ist gerade, was von der antichristlichen Periode vorausgesagt wurde. Wir haben bereits gesehen, daß das dritte und besondere Merkmal des Antichrist die Leugnung der Menschwerdung Gottes ist, und wenn die Nationen der Welt durch den Glauben auf die Basis der Menschwerdung gegründet sind, so ist der nationale Akt, welcher jene, die sie leugnen, in eine soziale und politische Einheit aufnimmt, in der Tat ein Herabrücken der Ordnung des sozialen Lebens von der übernatürlichen zu der natürlichen Ordnung, und dies ist es, was wir jetzt in Erfüllung gehen sehen.

Auch die katholische Frömmigkeit wird schwächer und schwächer und zwar in einem Grade, daß es Nationen gibt, die noch katholisch heißen, in welchen das Verhältnis zu der Masse derer, welche die heiligen Sakramente besuchen, kaum berechenbar ist, wie unser Herr es voraussagte: „Weil die Ungerechtigkeit überhand nimmt, wird die Liebe bei Vielen erkalten.“ Die christliche Gesellschaft ferner wird überall schwächer, d. h. der wahre christliche Geist und das Prinzip der Gesellschaft.

Donoso Cortés sagt, indem er den Zustand der Gesellschaft beschreibt, daß die christliche Gesellschaft verurteilt ist, daß sie ihre Bahn zu durchlaufen hat und dann erlöschen muss: denn die Grundsätze, die jetzt im Schwange sind, sind wesentlich antichristliche. Er hob hervor, was im gegenwärtigen Augenblicke in der Geschichte der Völker am deutlichsten zu Tage tritt, daß sich nämlich eine Schwächung des Prinzips der christlichen Ordnung allenthalben zeigt, und daß wo immer die Macht der Kirche über ein Volk geschwächt wird, die weltliche Gewalt in höherem Grade sich entwickelt, so daß nichts gewisser ist, als daß der weltliche Despotismus namentlich in jenen Ländern vorherrscht, wo die Macht der Kirche niedergedrückt ist, und daß die einzige Sicherheit für die Freiheit unter den Völkern der Erde in der Freiheit der Kirche zu finden ist und in ihrer freien Einwirkung auf das Regiment der staatlichen Gewalt. Er sagt: Indem die Gesellschaft das Reich des Glaubens als tot aufgab und die Unabhängigkeit der Vernunft und des menschlichen Willens verkündigte, hat sie das Übel absolut allgemein und notwendig gemacht, das nur relativ, ausnahmsweise und zufällig war. Diese Periode einer schnellen rückgängigen Bewegung begann in Europa mit der Wiederherstellung des Heidentums in Philosophie, Religion und Politik. Heute steht die Welt am Vorabend ihrer letzten Restauration, – der Restauration des sozialistischen Heidentums. –
aus: Kardinal H. E. Manning, Der Antichrist oder Die gegenwärtige Krise des Heiligen Stuhles, 1861, S. 34/35; S. 64/65; S. 68; S. 71

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