Zeremonien des gesetzlichen Passahmahles

Das Leben und Leiden und der Tod Jesu

Die Zeremonien des gesetzlichen Ostermahles

Die Bereitung des Ostermahles

Die beiden Apostel gingen und fanden alles, wie der Herr es ihnen voraus gesagt hatte. Der Mann begegnete ihnen und zeigte ihnen einen großen, eingerichteten Saal, und dort bereiteten sie alles (Luk. 22,12 u. 13; Mark. 14,15 u. 16); Matth. 26,19). – Der Überlieferung nach ist der Speisesaal, in welchem der Herr das Osterlamm feierte, ein Gelaß (= minderwertiger Raum) in der heutigen Moschee Davids auf dem sogenannten Berg Sion, eigentlich auf der Höhe der Oberstadt. Es ist ein großer, 18 m langer und 10 m breiter, durch zwei Säulen in zwei Schiffe geteilter Saal, geheiligt durch die ersten und heiligsten christlichen Erinnerungen, durch das Abendmahl, durch mehrere Erscheinungen Christi nach der Auferstehung, durch die Herabkunft des Heiligen Geistes. Nebenan in einem Haus soll auch die Mutter Gottes gelebt haben und gestorben sein.

Zur Vorbereitung selbst mussten die Apostel mit Hilfe des Hausherrn und vielleicht einiger Jünger und Jüngerinnen des Herrn den Saal ausstatten mit Tischen, Gerätschaften, Ruhepostern und Teppichen. Ferner waren die Osterlämmer zu kaufen, nachmittags im Tempel vorzuzeigen und zu schlachten, zu enthäuten und auszuweiden. Abends mussten die Lämmer, kreuzweise mit zwei Granathölzern durchspießt, in einem Zugofen gebraten werden. Für den Ostertisch waren noch Kuchen ungesäuerten Brotes, bittere Kräuter (Feldsalat, Petersilien, Kresse, Rettig) und ein dicker, ziegelfarbener Brei zu bereiten aus Datteln, Mandeln, Feigen und Zimt, und endlich Wein und Wasser.

Alle diese Vorbereitungen trafen die Apostel mit großer Bereitwilligkeit, mit Eifer und Liebe. Die heiligen Petrus und Johannes sind die Repräsentanten des Glaubens und der Liebe. Und so wurde alles würdig, schön und herrlich hergerichtet. Zu diesem Eifer vermochte sie eben der Befehl Jesu und gewiß auch die genaue Erfüllung der Voraussage Jesu bezüglich dieser Vorbereitung; ferner das Wort des Heilandes, es sei dieses sein letztes Passahmahl, und vielleicht auch die Verheißung, daß er nun bei dieser Gelegenheit das Altarssakrament einsetzen werde, wie er es beim letzten Osterfest in Kapharnaum versprochen. Was hätten sie erst getan, wenn sie einen klaren Begriff gehabt hätten von den großen Geheimnissen, die in diesem Saal und bei diesem Mahl gefeiert und vollzogen werden sollten! Es war eben die erste Kirche, die sie schmückten und herrichteten. –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes in Betrachtungen Zweiter Band, 1912, S. 247 – S. 248

Zeremonien des gesetzlichen Passahmahles

Die Tischgesellschaft (Exod. 12, 3 u.4), die aus nicht weniger als zehn und aus nicht mehr als zwanzig bestehen sollte, stellte sich in Reisekleidern, gegürtet und mit Stäben in den Händen, um die Tische auf. Der Familienvater verrichtete das Gebet und die Händewaschung. Der erste Becher wurde gesegnet und mit bitteren Kräutern, die in den Brei getaucht waren, herum gegeben. Den zweiten Becher begleitete eine kurze Erklärung der Bedeutung des Passah-Mahles. Die ungesäuerten Brote wurden nun gebrochen und mit bitteren Kräutern herum gereicht, und nun erst wurde zum Genuss des Osterlammes und des Fleisches vom Friedopfer geschritten, bei dem man in späteren Zeiten auf Polstern lag. Nach dem Mahl und nach der Händewaschung wurde der dritte Becher, der Becher des Segens, unter Psalmen (Ps. 113. 114) und Gebeten der Sehnsucht nach dem Messias eingeschenkt, und endlich folgte unter Absingung des kleinen Hallel (Ps. 115-118) ein vierter Becher. Nach dem Genuss des letzten Stückleins vom Osterlamm wurde keine Speise mehr berührt und nach dem vierten Becher kein Wein mehr herum gegeben; bloß unter der Bedingung, daß das große Hallel (Ps. 120-137) gesungen wurde, durfte noch ein Becher genommen werden, aber er stand jedem frei. Dieses waren die gebräuchlichsten Zeremonien beim gesetzlichen Passah-Mahl. Innerhalb dieser Zeremonien nun kann man sich den Verlauf des Abendmahls bis zu Fußwaschung denken und die Worte der Unterhaltung, welche von den Evangelisten verzeichnet sind, hier einreihen. –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes in Betrachtungen Zweiter Band, 1912, S. 251 – S. 252

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