Weitere mittelbar messianische Psalmen

Weitere mittelbar messianische Psalmen (88, 131, 117, 45)

König David mit der Harfe singt Psalmen über den Messias

Der Psalm 88

Der Psalm 88 feiert, wie Psalm 71 und 131, die Erwählung Davids, die ihm gewordene Verheißung und die daran für das Volk Gottes sich knüpfende Erwartung des Messias und seines Reiches.

Die Erbarmungen des Herrn will ich ewiglich besingen,
Von Geschlecht zu Geschlecht laut deine Treu` verkünden.
Denn du sprachst: „Auf ewig wird gebaut
Barmherzigkeit im Himmel. Bereitet wird darin die Treue gegen dich.
Einen Bund schloss ich mit meinen Auserwählten,
geschworen hab` ich David, meinem Knecht:
Auf ewig will ich gründen deinen Samen,
und erbaun für immer deinen Thron (1).

Damals (2) sprachst du im Gesicht zu deinen Heiligen (3) und sagtest:
„Ich habe meine Hilfe (4) gelegt auf einen Helden
und einen Auserwählten erhöht aus meinem Volk.
Ich fand David, meinen Knecht,
mit meinem heil`gen Öl salbt` ich ihn.
Helfen soll ihm meine Hand und mein Arm ihn stärken.
Nichts soll der Feind vermögen wider ihn
und der Sohn der Ungerechtigkeit ihm nicht fürder schaden (5).

Er wird zu mir rufen: Du bist mein Vater,
mein Gott und meines Heiles Zuflucht.
Und ich wer` ihn zum Erstgebornen machen,
zum höchsten unter den Königen der Erde.
Auf ewig werd` ich ihm bewahren mein Erbarmen,
und unverbrüchlich meinen Bund.
Und seinen Samen lass` ich ewig dauern,
und seinen Thron gleichwie des Himmels Tage.“ (6)

„Einmal hab` ich bei meiner Heiligkeit geschworen;
wahrlich, ich werde niemals David lügen:
Sein Same soll bestehen ewiglich.
Und sein Thron wie die Sonne vor meinen Augen,
und wie der Mond vollkommen in Ewigkeit.“
Und der Himmel Zeugnis gibt, ist treu (7).

Anmerkungen:

(1) Vers 2-5.
(2) D.i. als du die eben angeführte Verheißung gabst.
(3) Samuel und Nathan.
(4) Für mein Volk.
(5) Vers 20-23.
(6) Vers 27-30.
(7) Vers 36-38.

Der Psalm 131

Auch der Psalm 131 feiert die Verheißung ewiger Dauer des Thrones und der Herrschaft Davids im Messias (1).

Gedenke, Herr, des David und all seiner Frömmigkeit,
wie er schwur dem Herrn, ein Gelübde gelobte dem Gott Jakobs:
„Ich will nicht gehen in die Wohnung meines Hauses,
will nicht besteigen das Lager meines Bettes;
nicht will ich Schlaf gönnen meinen Augen,
noch meinen Augenlidern Schlummer,
und meinen Schläfen keine Ruhe,
bis ich gefunden eine Stätte für den Herrn, eine Wohnung für den Gott Jakobs.
Siehe, wir hörten von ihr (2) in Ephrata (3),
wir fanden sie im Waldgefilde (4);
Eingehen lasst uns in sein Gezelt,
anbeten an dem Ort, wo seine Füße stehen.
Erhebe dich, o Herr, zu deinem Ruheort (5),
du und die Lade deiner Heiligkeit.
Lass deine Priester in Gerechtigkeit sich kleiden,
und deine Heiligen frohlocken.
Geschworen hat der Herr dem David Wahrheit,
und er wird nimmer davon abgehen:
„Von deines Leibes Frucht werd` setzen ich auf deinen Thron.“

Anmerkungen:

(1) Wie Psalm 71 und 88.
(2) Von der Bundeslade
(3) In Bethlehem hörte David in seiner ersten Jugend viel von dem Verlust und der Rückkehr der Bundeslade.
(4) In Kariathjarim, der „Waldstadt“.
(5) Nach Sion.

Der Psalm 117

Der Psalm 117 ist ein begeistertes Danklied für den Triumph des Messias nach seinem Leiden, vielleicht vorgebildet durch einen Triumph, der dem Volk Gottes um des Messias willen verliehen ward (1).

Preiset den Herrn (Jahve), denn er ist gut,
denn ewig währet seine Barmherzigkeit! (2)
Die Rechte des Herrn hat Großes getan,
die Rechte des Herrn hat mich erhöht;
die Rechte des Herrn hat Großes getan!
Nicht sterben werd` ich, sondern leben
und erzählen die Werke des Herrn (3).
Ich preise dich, daß du mich erhörtest und mir zum Heile wardst.
Der Stein, den die Bauleute verworfen,
der ist zum Eckstein worden,
Vom Herrn ist das geschehen,
und wunderbar ist es in unseren Augen (4).
Das ist der Tag, den der Herr gemacht,
lasst uns frohlocken und fröhlich sein an ihm,
O Herr, erlöse mich (5), o Herr, lass wohl gelingen!
Gebenedeit sei, der (6) da kommt im Namen des Herrn! (7)

Anmerkungen:

(1) Manche nahmen als nächste Veranlassung die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft an, andere die Grundsteinlegung des Tempels nach dieser Rückkehr.
(2) Vers 1.
(3) Vers 16 u. 17.
(4) Vers 21-23. Als Grund- und Eckstein des ntl. Sion, der Kirche des neuen Sion, wird der Messias öfter bezeichnet. (Vgl. Is. 8, 14; 28, 16; Zach. 3, 9; Mt. 21, 42; Apg. 4, 11; Röm. 9, 33; 1. Petr. 2, 6f).
(5) Hebr. Hochia-na, Hosanna, der messianische Jubelruf. (Mt. 21, 9; Mk. 11, 9f)
(6) Der so sehnlich erwartete Messias.
(7) Vers 24-26.

Der Psalm 45

Der 45. Psalm preist die Festigkeit, Unüberwindlichkeit und Schönheit des Reiches Gottes auf Erden und weist zugleich prophetisch auf die Größe, Festigkeit und ewige Dauer des Reiches des Messias hin. Ganz ähnlichen Inhalts sind der 47. und 86. Psalm.

Unser Gott ist Zuflucht und Stärke,
ein Helfer in den Trübsalen, die uns sehr hart getroffen (1).
Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erd` erbebte
und Berge sich stürzten mitten in das Meer.
Es rauschen und tosen seine Wasser,
und Berge erbeben vor seiner Gewalt.

Des Stromes Andrang (2) erfreut die Stadt Gottes;
es heiligt seine Wohnung der Allerhöchste.
Gott ist in ihrer Mitte, sie wanket nicht;
Gott hilft ihr am Morgen frühe.
Es tobten die Völker und wankten die Reiche;
da erscholl seine Stimme, und die Erde erbebte.
Der Herr der Heerscharen ist mit uns (3),
unser Schirmer ist Jakobs Gott.

Kommt und schauet die Werke des Herrn,
die wunderbaren, die er gewirkt auf Erden:
Er beendet die Kriege bis ans Ende der Erde (4).
Den Bogen zerschlägt er, zertrümmert die Waffen,
die Schilde verbrennt er im Feuer (5).
„Lasst ab und schauet, denn ich bin Gott;
ich verherrliche mich unter den Völkern, verherrliche mich auf Erden.“ (6)
Der Herr der Heerscharen ist mit uns,
unser Schirmer ist Jakobs Gott (7).

Anmerkungen:

(1) Man bezieht den Psalm zunächst auf die Niederlage Sennacheribs vor Jerusalem (701 v. Chr. – vgl. Is. 36 u. 37); die ausdrücke können aber allgemein vom Reich Gottes überhaupt, insbesondere von dem Reich des Messias, der Kirche, verstanden werden.
(2) Während in der Welt und den Weltreichen die gewaltigsten Stürme und Umwälzungen toben und auch gegen die heilige Stadt Gottes brausen, erfreut sich diese des reichen, gnadenvollen Stromes der göttlichen Huld. (Vgl. Is. 8, 6; Ps. 35, 9f; Mt. 16, 18).
(3) Vgl. Is. 7, 14; 8, 8ff)
(4) Vgl. Is. 2, 4; 9, 5; Mich. 4, 3.
(5) Vgl.Is. 9, 5.
(6) Gott selbst ist hier redend eingeführt.
(7) Eine Erklärung dieses Psalms vom hl. Thomas von Villanova s. Kath. 1870, I 385. –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. I, Altes Testament, 1910, S. 747 – S. 750

Bildquellen

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