Von den sieben Hauptsünden

Die Sünde und ihre Folgen

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

§ 2. Von den verschiedenen Gattungen der Sünde

1. Von den sieben Hauptsünden

Alle Sünden kommen darin überein, dass sie eine Beleidigung Gottes, ein Ungehorsam und Undank gegen Gott sind, dass sie alle, je nach ihrer Schwere, bittere Folgen und strenge Strafen nach sich ziehen. Man pflegt nichts desto weniger mehrere Gattungen oder Klassen von Sünden zu unterscheiden. Der Grund dieser Unterscheidung liegt darin, dass diese verschiedenen Gattungen eine eigentümliche und besonders bemerkenswerte Art der Bosheit an sich tragen. Es sind namentlich vier solcher Gattungen, die man vor andern hervorzuheben pflegt, nämlich

1. die sieben Hauptsünden;

2. die sechs Sünden wider den Hl. Geist;

3. die vier himmelschreienden Sünden;

4. die neun fremden Sünden.

1. Von den sieben Hauptsünden

Die Hauptsünden heißen nicht so, weil sie an sich schwerer sind als andere Sünden. Verschiedene andere Sünden sind ihrer Natur nach erheblich größer und abscheulicher, z. B. die Gotteslästerung, der vorsätzliche Totschlag. Auch wäre es ein Irrtum, zu glauben, dass jeder einzelne zur Gattung der Hauptsünden gehörige Fehler als Todsünde angesehen werden müsste. Dieses ist wie bei jeder andern Übertretung der göttlichen Gebote nur dann der Fall, wenn dadurch eine schwere Pflicht, sei es gegen Gott oder gegen den Nächsten oder auch gegen uns selbst verletzt wird.

Wenn z. B. jemand aus Trägheit im Dienste Gottes einmal das Morgen- und Abendgebet unterlässt, so macht er sich keiner schweren Sünde schuldig; versäumt er aber aus demselben Grunde am Sonntag die hl. Messe, so versündigt er sich schwer.

Die Hauptsünden werden so genannt, weil sie ebenso viele Hauptquellen sind, woraus die andern Sünden entspringen. Derjenige nämlich, welcher einer dieser Hauptsünden unterworfen ist, wird infolge dieses bösen Hanges je nach Umständen bald diese, bald jene Pflicht in mehr oder weniger schwerer Weise verletzen. So wird z. B. der Zornmütige gar leicht schelten und fluchen, zuweilen selbst Gotteslästerungen ausstoßen; ebenso ist er geneigt zu Zank und Streit und andern Verletzungen der Nächstenliebe; sogar Mord und Totschlag sind nicht selten die Folge unbeherrschten Zornes. Ähnlich ist es mit den übrigen Hauptsünden. –

Daraus ist leicht ersichtlich, dass der Name „Hauptsünde“ nicht sowohl einen sündhaften Akt als vielmehr eine sündhafte Neigung oder Leidenschaft, d. h. ein Laster bezeichnet. Darum ist auch die Lehre von den Hauptsünden gleichbedeutend mit der Lehre von den Hauptlastern. Hauptsünden oder Hauptlaster sind nach dem hl. Gregor dem Großen (Moral. 1. 31. cap. 31) und sämtlichen Theologen folgende:

1. Hoffart,

2. Geiz,

3. Unkeuschheit,

4. Neid,

5. Unmäßigkeit im Essen und Trinken,

6. Zorn,

7. Trägheit.

Quelle: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 2, 1912, S. 345 – S. 346

Weitere Beiträge siehe unter

Die Hauptsünden werden auch Hauptlaster genannt

Fr. Warum nennt man denn jene oben genannten sieben Hauptsünden vorzugsweise die sieben Haupt- oder Todsünden?

A. Weil sie im Leben am Gewöhnlichsten vorkommen, und weil sie die Quelle vieler anderer Sünden sind.

Fr. Werden die Hauptsünden nicht auch Hauptlaster genannt?

A. Ja; wiewohl ein Unterschied zwischen dem Laster und der eigentlich genannten Sünde stattfindet.

Erklärung:

Die Hauptsünden werden Hauptlaster genannt, d. h. Laster, deren in jedes die Wurzel, das Haupt und die Quelle mehrerer anderer ist, weil man sie als unordentliche Neigungen zum Bösen, als böse Eigenschaften und Gewohnheiten der Seele betrachten kann, aus welchen durch die freie Selbstbestimmung des Willens schlechte Handlungen oder Sünden entstehen; aber es findet, wie im Vorausgehenden gesagt worden, der Unterschied zwischen dem Laster und der eigentlich genannten Sünde statt, dass das Laster eine zur Gewohnheit gewordene Neigung zur Sünde und die Sünde die aus diesem Hang hervorgehende Handlung ist, sobald es demselben gelungen ist, das Herz zu verführen. (Conf. du Puy, p. 178) –
aus: Ambrosius Guillois, Historische, dogmatische, moralische und liturgische Erklärung des Katechismus, Bd. 2, 1849, S. 523 – S. 524

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Bildquellen

  • hattler-die-suende-und-ihre-folgen: © https://katholischglauben.info
Tags: Sünde

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