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Katholische Kirche – Mystici Corporis
Von der Hauptsünde der Unmäßigkeit

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung
§ 2. Von den verschiedenen Gattungen der Sünde
1. Von den sieben Hauptsünden – Von der Hauptsünde der Unmäßigkeit
Wann sündigt man durch Unmäßigkeit?
Wenn man zu viel oder in ungeordneter Weise isst oder trinkt.
Unmäßigkeit ist die ungeregelte Begierde nach Speise und Trank. Speise und Trank sind da, um den Körper in Kraft und Wohlsein zu erhalten. Damit der Mensch diesem unabweislichen Bedürfnis der Natur, das ihn gar sehr an seine Schwäche und Armseligkeit erinnert, desto breitwilliger nachkomme, hat der Schöpfer eine gewisse sinnliche Annehmlichkeit mit dem Genuss von Speise und Trank verbunden.
Die Annehmlichkeit oder die Befriedigung des Gaumens ist aber keineswegs der Zweck, dessentwegen wir nach der Absicht des Schöpfers Nahrung zu uns nehmen sollen, sie ist vielmehr bloß ein Mittel, uns dieses an sich so niedrige Geschäft zu erleichtern. Wer demnach nur um dieser sinnlichen Annehmlichkeit willen, aus bloßer Gaumenlust isst oder trinkt, der verkehrt die rechte Ordnung, seine Begierde nach Speise und Trank ist ungeordnet und darum sündhaft. (*)
Weil eine derartige Begierde meist dazu führt, das rechte Maß im Genuss von Speise und Trank zu überschreiten, so nennt man diese Sünde einfachhin Unmäßigkeit. Man macht sich derselben auch schuldig, wenn man ohne Überschreitung eines vernünftigen Maßes das Nahrungsbedürfnis auf eine ungeordnete Art und Weise befriedigt. Dies geschieht, wenn man zur Unzeit, ohne vernünftigen Grund isst oder trinkt; ferner wenn man allzu wählerisch ist in Bezug auf die Art der Speisen; endlich wenn man mit ungeziemender Gier über dieselben herfällt, sie gleichsam mit Augen und Mund verschlingt.
Dieses niedrige Laster, wodurch der Mensch, dem Tiere gleich, seine Glückseligkeit in der Befriedigung des Gaumens sucht, ja nicht selten durch den übermäßigen Genuss berauschender Getränke tief unter das unvernünftige herabsinkt, ist wiederum eine Quelle vieler anderer Sünden. Aus derselben entspringt vor allem die Naschhaftigkeit, die namentlich bei Kindern und Dienstboten so häufig ist; ferner Verschwendung des Vermögens infolge kostspieliger Mahlzeiten oder Trinkgelage, die oft genug den Ruin ganzer Familien nach sich ziehen. Letztere Folge tritt um so leichter ein, weil eine üppige Lebensweise fast notwendig Unlust und Unfähigkeit zu ernster, pflichtmäßiger Arbeit erzeugt.
Am schlimmsten aber pflegen die Folger der Unmäßigkeit zu sein, wenn dieselbe in der Gestalt der Trunksucht erscheint. Fluchen und schwören, Rohheit und Liederlichkeit, Ehebruch und jegliche Art von Unzucht, Zerstörung des häuslichen Friedens und Wohlstandes und schließlich die tiefste sittliche Verkommenheit sind die heillosen Früchte dieses ebenso häufigen als schändlichen Lasters. Von den Trunksüchtigen gilt in ganz besonderer Weise, was der Apostel (Phil. 3, 19) von den Unmäßigen überhaupt sagt, dass „ihr Gott der Bauch ist.“ Welch trauriges Ende die Unmäßigen nur zu oft nehmen, zeigt unter andern das Beispiel Baltassars, des Königs von Babylon (Dan. 5), und des reichen Prassers im Evangelium (Luk. 16).
(*) Deshalb hat Papst Innozenz XI. den Satz: „Aus bloßer Lust bis zur Sättigung essen oder trinken ist keine Sünde“ durch Dekret vom 2. März 1679 verworfen. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass man nicht mit Lust Speise oder Trank genießen dürfe. –
Quelle: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 2, 1912, S. 351 – S. 352
Weitere Beiträge siehe unter
Von Fraß und Völlerei
Fr. Was ist Fraß und Völlerei?
A. Fraß und Völlerei ist eine ungeregelte Liebe zum Essen und Trinken.
Erklärung 1:
Die Liebe zum Essen und Trinken ist nicht an sich eine Sünde. Sie ist erlaubt und vernünftig, sobald sie sich auf die Erhaltung des Lebens und der Gesundheit bezieht. Ebenso wenig ist es Sünde, am Essen und Trinken Gefallen zu finden. Da Gott in jede Speise in in jeden Trank einen angenehmen Geschmack gelegt hat, so ist es keineswegs unerlaubt, sich an demselben zu erfreuen. Von Gott verboten ist nur das unmäßige Essen und das unmäßige Trinken, d. h. ohne Bedürfnis und nur des Vergnügens wegen zu essen und zu trinken, aus dem Naturbedürfnis eine Begierde, eine Leidenschaft, eine Art von Seligkeit zu machen.
Diese unmäßige Lust zum Essen und Trinken versteht man unter Fraß und Völlerei. Ohne Zweifel ist diese Sünde des Fraßes und der Völlerei eine sehr große Sünde, weil der heilige Paulus sie der Zahl jener Laster zuzählt, die vom Reich Gottes ausschließen. –
Dies Laster findet sich am Gewöhnlichsten bei Leuten ohne Erziehung. Wo es sich bei Leuten von guter Erziehung findet, da darf man als gewiss voraussetzen, dass die Folgen der guten Erziehung durch die bösen Folgen dieses Lasters längst verdrängt sind. –
Diese Sünde ist die Quelle vieler anderen, als: Ekel und Widerwillen gegen die Beschäftigung mit geistlichen und göttlichen Dingen, Pflichtvergessenheit, Zorn, Jähzorn, Hass, Fluchen, Gotteslästern, Zügellosigkeit in Reden undHandlungen (Sprichw. 20, 1)
Fr. Welches ist die gefährlichste Art der Völlerei?
A. Wenn man so viel trinkt, dass man betrunken wird, denn dadurch beraubt man sich der Vernunft und erniedrigt sich bis zu den Tieren hinunter.
Erklärung 2:
Die gefährlichste und schimpflichste Art der Völlerei ist das Laster der Trunksucht, weil sie den Menschen um die Vernunft bringt und ihn unter das Vieh erniedrigt. Der Trunkenbold kennt keine Pflicht mehr, er ist jeder zarten, liebevollen Empfindung unfähig; er würde seine Eltern und Kinder töten, würde alle möglichen Verbrechen begehen. Er ist entartetes, zum Vieh herabgesunkenes Geschöpf, kein Mensch mehr. Wo er sich zeigt, flößt er Ekel und Abscheu ein. Ist der Elende gar ein Gatte und Vater, welch ein Fluch wird er für seine Kinder, welch eine Geisel für sein Weib! Das häusliche Leben eines Trunkenboldes ist ein Abbild der Hölle! –
Flieht, o flieht dies Laster euer Leben lang, liebe Kinder. Sogar die Heiden haben es gebrandmarkt. „Der Weinstock“, sagt ein heidnischer Philosoph, „trägt drei Arten Früchte: Wollust, Trunkenheit und Reue.“
Fr. Wie heißt die dem Laster des Fraßes und der Völlerei entgegengesetzte Tugend?
A. Die Tugend der Mäßigkeit, die uns vor jedem Übermaß im essen und Trinken bewahrt.
Erklärung 3:
Dem Laster des Fraßes und der Völlerei steht die Tugend der Mäßigkeit und Nüchternheit entgegen, welche die Beschaffenheit und die Menge dessen, was wir an Speise und Trank zu uns nehmen, nicht nach der Lust, sondern nach dem Bedürfnis bestimmt, und uns stets an die Worte des heiligen Paulus erinnert: „Darum möget ihr essen und trinken oder etwas anderes tun: so tut alles zur Ehre Gottes“ (1. Kor. 10, 31). –
aus: Ambrosius Guillois, Historische, dogmatische, moralische und liturgische Erklärung des Katechismus, Bd. 2, 1849, S. 536 – S. 538
Empfehlenswert ist auch der Volkskatechismus von Spirago, neu aufgelegt und herausgegeben von dem Verlag ‚Lilien des Feldes‘ in Österreich.
Bildquellen
- hattler-die-suende-und-ihre-folgen: © https://katholischglauben.info
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