Von der Verehrung der Heiligen Gottes

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Von der Verehrung der Heiligen

Was heißt die Heiligen verehren?

Die Heiligen verehren heißt, ihnen um ihrer Würde und ihrer Verdienste willen Ehrfurcht, Liebe und Vertrauen erweisen, um durch diese Gottes Freunden erwiesene Ehre Gott selbst zu ehren.

Was ist für ein Unterschied zwischen Anbeten und Verehren?

Anbeten heißt: Gott als höchstes, unendliches Wesen, als Weltschöpfer und Weltregierer anerkennen und loben; verehren dagegen heißt: Jemand als Freund Gottes ehren, lieben, ihm nachfolgen, ihn um Fürbitte bei Gott anrufen. Es ist also die Verehrung der Heiligen von der Anbetung, die nur Gott gebührt, so weit unterscheiden, als das Geschöpf vom Schöpfer.

Beten wir also die Heiligen an?

Nichts ist ungerechter als der den Katholiken so oft gemachte Vorwurf derHeiligen-Anbetung; denn nirgends lehrt oder übt die Kirche eine solche. Schon die Kirche von Smyrna schreibt in ihrem Brief über das Martyrium des hl. Polykarp († 168): „Den Sohn Gottes beten wir an, aber seine Märtyrer seine getreuen Jünger und sich hingebenden Krieger halten wir auch gern in Ehren.“

Tut die Verehrung der Heiligen der Ehre Gottes keinen Eintrag?

Nein; sie ist vielmehr eine mittelbare Verehrung Gottes. Ehrt man nicht den König, wenn man seinen Minister achtet? Nicht den Vater, Freund etc. durch die Ehre, die man seinetwegen dem Kind, dem Freund etc. erweist? Ehrt man also nicht auch Gott, indem man seine Diener und Freunde ehrt?

Darf man demnach die Heiligen verehren?

Ja, man darf und soll die Heiligen verehren; denn es ist dies

1) Gott wohlgefällig; Gott selbst ehrt sie. Jesus sagt: „Wo ich bin, da soll auch mein Diener sein. Wenn jemand mir dient, den wird mein Vater ehren.“ (Joh. 12, 26) Gott will, daß wir sie ehren, und erhört darum die Fürbitten der Heiligen;

2) gerecht; die Heiligen verdienen unsere Verehrung um der Gnaden willen, die Gott ihnen gegeben, um ihrer treuen Mitwirkung, um der Tugenden und guten Werke willen, die sie mit der göttlichen Gnade hervor gebracht haben;

3) nützlich; denn sie flößt Freude an der Tugend ein, gibt Mut und Ausdauer im Kampf, weckt die Sehnsucht nach dem Himmel und macht uns der Hilfe der Heiligen würdiger und teilhaftig;

4) vernünftig; niemand findet etwas Unvernünftiges oder Tadelnswertes darin, daß die Welt ihre großen Männer und Frauen nach dem Tode durch feste, Schriften, Gemälde, Bildsäulen ehrt; ebenso wenig kann man die katholische Kirche tadeln, wenn sie ihre Helden der Tugend in Ehren hält.

Wie kann und soll man die Heiligen verehren?

Dadurch,

1) daß man freudig Gott preist wegen der Herrlichkeit, die Er den Heiligen verliehen hat;

2) daß man denselben ein wohl geordnetes Vertrauen beweist, indem man sie in den Bedürfnissen um ihre Fürbitte anruft;

3) daß man ihre Überreste, Bilder etc. mit Ehrfurcht und Andacht behandelt;

4) daß man ihre Festtage andächtig und heilig begeht, aber wohl gemerkt, durch bloßes Feiern, oder, besser zu sagen, durch Müßiggang an den Festtagen werden die Heiligen nicht geehrt. Sie würden, wenn sie befragt würden, was sie von den Feiertagen mancher Christen hielten, vielleicht eben das antworten, was Gott (Is. 1, 14ff) den Juden sagte:

„Eure Festtage hassen wir; sie sind uns beschwerlich und mühsam zu tragen; ihr werdet durch alle dieselben nichts von uns erhalten; denn bei all eurer scheinbaren Andacht sind eure Hände leer an guten Werken und voll der Laster. Eure Andacht ist viel mehr ein Eigensinn, als eine wahre Andacht. Lernet erst euren eigenen Willen brechen, steht ab vom Bösen und lernt Gutes tun; alsdann wird uns eure Andacht gefallen.“

5) Daß man vor allem ihr Tugendbeispiel nachahmt. Bei all diesem muss man als Hauptzweck die Ehre Gottes und das heil der Seele vor Augen haben. „Denn dazu“, spricht der hl. Hieronymus, „ehren wir die Diener, damit die Ehre der Diener zur Ehre des Herrn gereiche.“ Wie möchte wohl den Heiligen eine Andacht gefallen, welche der Ehre Gottes Eintrag tun würde, da sie selbst nichts anderes suchen, als Gott zu verherrlichen?

Sind alle Heiligen gleich zu verehren?

Gott und die heilige Kirche haben hierin eine Abstufung festgesetzt: Gott, indem Er einige Heiligen ganz besondere Gnaden vor und nach dem Tode verliehen hat; die Kirche, indem sie eben deswegen gewisse Heilige zu eifriger Verehrung empfiehlt. Zudem hat sich nach Maßgabe des Berufes und der Weise, wodurch die Heiligen Gott verherrlicht haben, gewissen Chöre oder Stände aufgestellt.

Die vorzüglichste Verehrung erweist die Kirche der seligsten Jungfrau Maria, weil sie die gnadenvolle Braut des heiligen Geistes, die Mutter unseres Gottes und Erlösers, und dadurch auch unsere Mutter ist. Sollte es noch mehr bedürfen, um die Kirche in ihrer besonderen Verehrung Mariens zu rechtfertigen?

Nach ihr zollt die Kirche besondere Verehrung dem hl. Joseph, als dem Nährvater Jesu; auch den heiligen Engeln, als unsern treuen Beschützern und Vorbildern, und aus gleichem Grund den Namens-, Kirchen-, Standes- und Landespatronen.

Die Stände der Heiligen sind folgende:

1) Die Engel, die, obschon die edelsten Geister und Diener Gottes, dennoch zum Dienst derer ausgesandt sind, welche die Seligkeit erben sollen (Hebr. 1, 14).

2) die Patriarchen, welche dem Fleisch nach die Voreltern Christi, durch ihre Tugenden aber Vorbilder von Ihm waren.

3) Die Propheten, welche als Werkzeuge des hl. Geistes die Menschen von Gottes Willen unterrichteten und auf die Ankunft des Weltheilandes vorbereiteten.

4) Die Apostel, welche die Zeugen der Gottheit Christi, die Boten des Friedens, die Väter und Hirten der Gläubigen, die Grundsteine und Säulen der Kirche sind.

5) Die Evangelisten, welche uns die frohe Botschaft vom Reich Gottes schriftlich hinterlassen haben.

6) Die Märtyrer, die um des Glaubens und der Tugend willen alles, auch ihr Leben, aufgeopfert und mit ihrem Blut den Acker der Kirche so befruchtet haben, daß er eine unzählige Menge Christen hervor gebracht hat.

7) Die Bischöfe und Priester, welche, als gute Hirten, ihre Herden mit den heiligen Sakramenten, mit der Lehre des Evangeliums und mit ihrem Beispiel treu geweidet, vor den Wölfen beschützt und durch Darbringung des heiligen Messopfers sich als Mittler zwischen Gott und dem Volk dargestellt haben.

8) Die Mönche und Einsiedler, die mit Hinansetzung aller Ehren, Güter und Bequemlichkeiten des Lebens sich gleichsam lebendig in die Einsamkeit begraben haben.

9) Die Beichtiger oder Bekenner, die sich weder durch Spott und Verfolgung, noch durch verführerische Beispiele vom Glauben und der genauen Beobachtung des evangelischen Gesetzes haben abwendig machen lassen.

10) Die Jungfrauen, welche ihre jungfräuliche Reinigkeit allen Wollüsten der Welt vorgezogen und sie niemals befleckt haben, weswegen sie im Himmel dem Lamm folgen und ein neues Lied singen, das niemand, als sie, singen kann. (Offenb. 14, 3. u. 4)

11) Die Witwen, welche ihren beschwerlichen Stand durch Demut, Geduld, Arbeitsamkeit, gute Kinderzucht und Ergebung in den Willen Gottes geheiligt haben.

12) Die Büßer, welche, nachdem sie ihre Unschuld verloren hatten, das Brett der Buße ergriffen, den größten Strengheiten sich unterzogen haben und so auf dem schmalen Weg gewandelt und durch die enge Pforte in den Himmel eingegangen sind. –
aus: Leonhard Goffine, Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 479 – S. 481

Bildquellen

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Category: Goffine, Heiligenfeste
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