Pius XII über den Missionar Bonifatius

Hut, bischöflicher Krummstab, Kleidungsstücke eines Papstes

Papst Pius XII Porträt in seiner päpstlichen Reinheit

Papst Pius XII. über den Missionar Bonifatius

Rundschreiben Papst Pius XII. vom 5. Juni 1954

Ecclesiae fastos

Rundschreiben zur 1200. Jahrfeier des seligen Hinscheidens des Märtyrers Bonifatius, AAS XLVI (1954) 337-356

Auszüge

Winfred, der später von Papst Gregor II. den Namen Bonifatius erhielt, ragte unter den Missionaren zweifellos durch seinen apostolischen Eifer und seine Seelenstärke hervor, die mit Sanftmut einhergingen. Zusammen mit einer kleinen, aber mutigen Gruppe von Gefährten begann er das Werk der Evangelisierung, auf das er sich so lange gefreut hatte: Er stach von Britannien aus in See und landete in Friesland. Der Tyrann, der dieses Land beherrschte, lehnte die christliche Religion jedoch vehement ab, sodass der Versuch von Bonifatius und seinen Gefährten scheiterte und sie nach fruchtlosen Mühen und vergeblichen Anstrengungen gezwungen waren, nach Hause zurückzukehren.

Dennoch ließ er sich nicht entmutigen. Er beschloss nach kurzer Zeit, nach Rom zu reisen und den Apostolischen Stuhl aufzusuchen. Dort würde er den Stellvertreter Jesu Christi selbst demütig um einen heiligen Auftrag bitten. Gestärkt durch dieses Mandat und durch die Gnade Gottes würde er das schwierige Ziel seiner sehnlichsten Wünsche leichter erreichen. „So gelangte er also ohne Zwischenfälle zum Haus des seligen Apostels Petrus“, und nachdem er das Grab des Fürsten der Apostel mit großer Frömmigkeit verehrt hatte, bat er um eine Audienz bei unserem Vorgänger seligen Angedenkens, Gregor II.

Er wurde vom Papst bereitwillig empfangen, dem er „ausführlich den Anlass seiner Reise und seines Besuchs schilderte und den Wunsch zum Ausdruck brachte, der ihn schon seit langem bewegte. Der heilige Papst lächelte ihn sogleich gütig an“, ermutigte ihn, auf dieses lobenswerte Unterfangen zu vertrauen, und stattete ihn mit apostolischen Briefen und Vollmacht aus.

Der Erhalt eines Mandats vom Stellvertreter Jesu Christi war für Bonifatius ein Zeichen göttlicher Unterstützung. Darauf vertrauend fürchtete er keine Schwierigkeiten durch Menschen oder Umstände; und nun, mit der Aussicht auf glücklichere Ergebnisse, hoffte er, seinen lang gehegten Plan verwirklichen zu können. Er durchquerte verschiedene Teile Deutschlands und Frieslands.

Wo immer keine Spuren des Christentums zu finden waren, sondern alles wild und barbarisch war, streute er großzügig den Samen des Evangeliums aus und arbeitete und mühte sich ab, damit er Frucht trage; wo immer er christliche Gemeinschaften vorfand, die mangels eines rechtmäßigen Hirten völlig sich selbst überlassen waren oder von korrupten und unwissenden Kirchenmännern weit vom Weg des wahren Glaubens und des guten Lebens abgetrieben wurden, wurde er zum Reformer der öffentlichen und privaten Sitten, klug und scharfsinnig, geschickt und unermüdlich, und spornte alle zur Tugend an.

Der Erfolg des Apostels wurde unserem bereits erwähnten Vorgänger berichtet, der ihn nach Rom rief und ihm trotz seines bescheidenen Widerspruchs „deutete er seinen Wunsch an, ihn in das Bischofsamt zu erheben, damit er die Irrenden mit größerer Entschiedenheit korrigieren und auf den Weg der Wahrheit zurückführen könne, je größer die Autorität seines apostolischen Ranges sei; und er in seinem Amt der Verkündigung für alle annehmbarer wäre, je offensichtlicher es sei, dass er von seinem apostolischen Oberen dazu geweiht worden sei.“

Daher wurde er vom Papst selbst zum „Regionalbischof“ geweiht, und nachdem er in die weitläufigen Gebiete seines Zuständigkeitsbereichs zurückgekehrt war, widmete er sich mit der Autorität, die ihm sein neues Amt verlieh, mit noch größerer Inbrunst seiner apostolischen Arbeit.

So wie Bonifatius dem heiligen Gregor II. wegen der herausragenden Tugendhaftigkeit und seines brennenden Eifers für die Ausbreitung des Reiches Christi am Herzen lag, so lag er auch seinen Nachfolgern am Herzen:

nämlich dem heiligen Papst Gregor III., der ihn aufgrund seiner herausragenden Verdienste zum Erzbischof ernannte und ihn mit dem heiligen Pallium ehrte, wodurch er ihm die Befugnis erteilte, die kirchliche Hierarchie in diesem Gebiet rechtmäßig zu errichten oder zu reformieren sowie neue Bischöfe zu weihen, „um das Licht des Glaubens nach Deutschland zu bringen“; ebenso dem Papst, dem heiligen Zacharias, der in einem liebevollen Brief sein Amt bestätigte und ihn wärmstens lobte; schließlich dem Papst Stephan II., an den er kurz nach dessen Wahl, als er bereits dem Ende seines Lebens entgegen ging, einen Brief voller Ehrfurcht schrieb.

Gestützt auf die Autorität und Unterstützung dieser Päpste durchquerte Bonifatius während der gesamten Zeit seines Apostolats mit immer größerem Eifer riesige Regionen und brachte das Licht des Evangeliums in Länder, die bis dahin in Finsternis und Irrtum versunken waren; mit unermüdlichem Einsatz führte er Friesland, Sachsen, Austrasien, Thüringen, Franken, Hessen und Bayern in eine neue Ära christlicher Zivilisation. All diese Länder bearbeitete er unermüdlich und führte sie zu jenem neuen Leben, das von Christus kommt und von seiner Gnade genährt wird. Er strebte auch danach, „Alt-Sachsen“ zu erreichen, das er als Geburtsort seiner Vorfahren betrachtete; diese Hoffnung konnte er jedoch nicht verwirklichen.

So ergaben sich die ungezähmten germanischen Stämme, die so eifersüchtig auf ihre Freiheit waren, dass sie sich niemandem unterwerfen wollten, die sich selbst vom mächtigen Gewicht der römischen Waffen nicht einschüchtern ließen und nie lange unter deren Herrschaft blieben, sobald sie von den unbewaffneten Boten des Evangeliums aufgesucht wurden, diesen gehorsam; sie wurden von der Schönheit und Wahrheit der neuen Lehre angezogen, bewegt und schließlich durchdrungen, und schließlich nahmen sie das sanfte Joch Jesu Christi an und ergaben sich bereitwillig Ihm.

Durch das Wirken des heiligen Bonifatius brach für das deutsche Volk zweifellos eine neue Ära an; neu nicht nur für die christliche Religion, sondern auch für die christliche Zivilisation. Folglich sollte dieses Volk ihn zu Recht als seinen Vater betrachten und verehren, dem es stets dankbar sein sollte und dessen herausragende Tugenden es eifrig nachahmen sollte.

„Denn nicht nur der allmächtige Gott wird im geistlichen Sinne Vater genannt, sondern auch all jene, deren Lehre und Vorbild uns zur Wahrheit führen und uns ermutigen, in unserem Glauben stark zu sein. … So kann der heilige Bischof Bonifatius als Vater aller Deutschen bezeichnet werden, da er der Erste war, der sie durch seine heilige Predigt zu Christus führte und sie durch das Beispiel seiner Tugend stärkte, um schließlich sein Leben für sie hinzugeben – eine größere Liebe, als sie kein Mensch zeigen kann.“

Unter den zahlreichen Klöstern (und er ließ in diesen Gegenden viele errichten) nimmt das Kloster Fulda zweifellos den ersten Platz ein; für das Volk war es wie ein Leuchtturm, der mit seinem strahlenden Licht den Schiffen den Weg durch die Wellen des Meeres weist. Hier wurde sozusagen eine neue Stadt Gottes gegründet, in der Generation um Generation unzählige Mönche sorgfältig und eifrig in weltlicher und göttlicher Gelehrsamkeit unterwiesen, durch Gebet und Kontemplation auf ihre zukünftigen friedlichen Kämpfe vorbereitet und schließlich wie Bienenschwärme ausgesandt wurden, nachdem sie den Honig der Weisheit aus ihren heiligen und weltlichen Büchern geschöpft hatten, um diese Süße großzügig weit und breit an andere weiterzugeben.

Hier war keine der Wissenschaften der freien Künste unbekannt. Alte Handschriften wurden eifrig gesammelt, sorgfältig kopiert, farbenprächtig illuminiert und mit sorgfältigen Kommentaren erläutert. So lässt sich zu Recht behaupten, dass die geistlichen und weltlichen Wissenschaften, in denen Deutschland heute so herausragend ist, hier ihren ehrwürdigen Ursprung hatten.

Darüber hinaus zogen unzählige Benediktiner aus diesen Klostermauern hinaus und brachten mit Kreuz und Pflug, also durch Gebet und Arbeit, das Licht der christlichen Zivilisation in jene Länder, die noch in Finsternis gehüllt waren. Durch ihre lange, unermüdliche Arbeit wurden die Wälder, einst das weite Reich wilder Tiere und für den Menschen fast unzugänglich, in fruchtbares Land und bebaute Felder verwandelt; und was bis dahin getrennte, verstreute Stämme mit rauen, barbarischen Sitten gewesen war, wurde im Laufe der Zeit zu einer Nation, gezähmt durch die sanfte Kraft des Evangeliums und herausragend durch ihr Christentum und ihre Zivilisation. (Papst Pius XII., Ecclesiae Fastos, 5. Juni 1954.)

(Quelle: http://www.christorchaos.com/?q=content/who-are-they-trying-convince-late-date)

Zur Durchführung seines gewaltigen Werkes erbat er sich neue Arbeitsgefährten und auch Gefährtinnen – nämlich Klosterfrauen, unter denen Lioba durch ein Leben biblischer Vollkommenheit hervorragt – aus den Benediktinerklöstern seiner Heimat, die damals durch ihre Lehre, ihren Glauben und ihre Liebeswerke in Blüte standen. Die Gefährten kamen sehr bereitwillig und leisteten ihm wertvollste Hilfsarbeit. Es fehlte auch in den durchwanderten Gebieten selbst nicht an Menschen, die, einmal zum Licht des Evangeliums gelangt, mit so feurigem und tatkräftigem Willen die angenommene Religion erfassten, dass sie sich nach Kräften bemühten, sie möglichst auch allen übrigen zu bringen.

Nachdem also, durch die Autorität der Päpste, wie Wir sagten, gestützt, „der hl. Bonifatius begonnen hatte, allenthalben als neuer geistlicher Führer göttliche Wahrheit zu pflanzen, dämonisches Unwesen auszurotten, Klöster und Kirchen zu bauen und weise Hirten für sie zu bestellen“ [Vita S. Bonif., auct. Willibaldo, ed. Levison S. 40] änderte sich allmählich der Zustand jener Gebiete. Man konnte sehen, wie zahlreiche Scharen von Männern und Frauen zu den Predigten des apostolischen Mannes eilten, wie sie ihn hörten und innerlich ergriffen wurden, alten Aberglauben aufgaben, in Liebe zum göttlichen Erlöser entbrannten, ihre rauhen und verderbten Sitten seiner milden Lehre anpassten, durch das Taufwasser sich entsündigen ließen und ein völlig neues Leben begannen.

Da wurden für Mönche und Nonnen Klöster errichtet, die nicht allein Stätten der christlichen Religion, sondern auch der Kultur, der feineren Bildung, des höheren Wissens und der Künste waren. Dort wurden unwegsame, unerforschte und düstere Wälder zweckmäßig gelichtet oder gerodet und jungfräulicher Boden zum Nutzen der Gemeinschaft bebaut. Allenthalben begann man mit dem Neubau menschlicher Wohnungen, die im Lauf der Jahrhunderte zu volkreichen Städten werden sollten.

Nachdem auch diese schwierige Aufgabe mit Gottes Hilfe und Gnade gelöst ist, gibt sich Bonifatius nicht der verdienten Ruhe hin. Obgleich er von der Last vieler Sorgen bedrückt wird, sein hohes, gebrechliches Alter spürt und fühlt, dass seine Gesundheit nach den vielen Mühen fast gebrochen ist, rüstet er sich dennoch voll Mut zu einem neuen und nicht weniger schwierigen Unternehmen. Er wendet Augen und Sinn nochmals nach Friesland; nach Friesland, das einst das erste Ziel seiner apostolischen Wanderung gewesen war und wo er in der Folge so viel gearbeitet hatte.

Über diesem Volk lag besonders im Norden des Landes noch der dunkle Schatten des Heidentums. Zu ihm reiste er mit jugendlicher Spannkraft, um dort Christus neue Jünger zu gewinnen und neuen Völkern christliche und menschliche Kultur zu bringen; denn er verlangte sehnlichst danach, „dort, wo er einst zu Beginn seiner Missionstätigkeit mit der Mehrung seiner Verdienste eingesetzt hatte, auch beim Scheiden aus dieser Welt seinen Lohn zu empfangen“. [Vita S. Bonif., auct. Willibaldo, ed. Levison S. 46.] Da er nämlich ahnte, dass das Ende seiner irdischen Laufbahn nahe bevorstand, sagte er es mit der Bemerkung, er wolle den Tod nicht untätig erwarten, seinem Lieblingsschüler, dem Bischof Lullus, mit folgenden Worten voraus:

„Ich wünsche meinen Vorsatz auszuführen und die Reise fortzusetzen; ich werde von ihr nicht abstehen können, da ich so sehr nach ihr verlange. Denn schon steht der Tag meiner Auflösung bevor, und die Stunde meines Todes naht heran. Befreit vom Gefängnis meines Leibes, werde ich zum Siegespreis der ewigen Vergeltung heimkehren. Du aber, teuerster Sohn, … rufe eindringlichst das Volk vom Abwege des Irrtums zurück. Vollende den bereits begonnenen Bau des Domes von Fulda und überführe dorthin meinen von der hohen Zahl der Jahre verbrauchten Leib.“ [ebd.]

Als er sich dann unter Tränen mit einer kleinen Schar von Begleitern von den Seinen getrennt hatte, „zog er durch ganz … Friesland, verkündete eifrig das Wort des Herrn, wobei er den Götzendienst (heidnische Riten) abschaffte und abergläubisches (unmoralisches) heidnisches Brauchtum beseitigte, und baute mit außerordentlichem Eifer Kirchen, nachdem er die Götterbilder ihrer Tempel zerschlagen hatte. Schon hatte er viele Tausende von Männern, Frauen und Kindern … getauft“. [ebd., S. 47] Doch als er nach seiner Ankunft in Nordfriesland sich anschickte, einer bereits getauften Schar von Neuchristen das Sakrament der Firmung zu erteilen, drang unversehens ein wuterfüllter Haufen von Heiden auf sie ein und bedrohte sie, Lanzen und Schwerter schwingend, mit dem Tode.

Da trat der heilige Bischof mit heiterem Antlitz vor und „verbot den Seinen zu kämpfen mit den Worten:

,Kinder, stehet ab vom Zusammenstoß und schlagt den Kampf aus, da wir durch das Zeugnis der Heiligen Schrift gemäß der Wahrheit belehrt werden, nicht nur nicht Böses mit Bösem, sondern sogar Böses mit Gutem zu vergelten. Denn schon ist der lang erwartete Tag gekommen, und die ersehnte Stunde unserer Auflösung steht bevor. Seid darum stark im Herrn, … seid tapferen Mutes und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib morden, da sie ja die unsterbliche Seele nicht töten können. Freut euch vielmehr im Herrn und festigt den Anker eurer Hoffnung in Gott, der euch allsogleich den Lohn ewiger Vergeltung geben wird und euch den Platz im Himmel anweist bei den himmlischen Mitbürgern der Engel‘.“ [ebd., S. 49-50]

Durch diese Worte für die Palme der Blutzeugen begeistert, wandten alle im Gebet Herz und Augen zum Himmel, wo sie gleich den ewigen Lohn zu empfangen hofften, und ließen den Angriff der Feinde über sich ergehen, die „im seligen Tod die Leiber der Heiligen“ mit Blut bedeckten. [Vgl. ebd. S. 50 u. Vita S. Bonif., auct. Otloho, ed. Levison Il S. 210] Bonifatius aber legte gerade vor seinem Martyrium, „als das Schwert ihn treffen sollte, das Buch des heiligen Evangeliums auf sein Haupt, um unter ihm den Hieb des Mörders zu empfangen und um im Tode den Schutz dessen zu haben, dessen Lesung er im Leben geliebt hatte“. [Vita S. Bonif., auct. Radbodo, ed. Levison S. 73]

Quelle: Herder-Korrespondenz, Herder Verlag Freiburg im Breisgau, 8. Jahrgang, Heft 11, August 1954, S. 506 – S. 512

Siehe auch den Beitrag zum Thema Mission: Pius XII. Die Missionskirche

Siehe auf wahrerglaube.info die Beiträge zur Missionsarbeit der katholischen Kirche:

Bildquellen

  • Rost Papst Pius Xii: © https://katholischglauben.info
  • Bitschnau Paepstliche Insignien: © https://katholischglauben.info

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