Pius XII über den Missionar Bonifatius

Hut, bischöflicher Krummstab, Kleidungsstücke eines Papstes

Papst Pius XII Porträt in seiner päpstlichen Reinheit

Papst Pius XII. über den Missionar Bonifatius

Rundschreiben Papst Pius XII. vom 5. Juni 1954

Ecclesiae fastos

Rundschreiben zur 1200. Jahrfeier des seligen Hinscheidens des Märtyrers Bonifatius, AAS XLVI (1954) 337-356

Auszüge

Zur Durchführung seines gewaltigen Werkes erbat er sich neue Arbeitsgefährten und auch Gefährtinnen – nämlich Klosterfrauen, unter denen Lioba durch ein Leben biblischer Vollkommenheit hervorragt – aus den Benediktinerklöstern seiner Heimat, die damals durch ihre Lehre, ihren Glauben und ihre Liebeswerke in Blüte standen. Die Gefährten kamen sehr bereitwillig und leisteten ihm wertvollste Hilfsarbeit. Es fehlte auch in den durchwanderten Gebieten selbst nicht an Menschen, die, einmal zum Licht des Evangeliums gelangt, mit so feurigem und tatkräftigem Willen die angenommene Religion erfassten, dass sie sich nach Kräften bemühten, sie möglichst auch allen übrigen zu bringen. Nachdem also, durch die Autorität der Päpste, wie Wir sagten, gestützt, „der hl. Bonifatius begonnen hatte, allenthalben als neuer geistlicher Führer göttliche Wahrheit zu pflanzen, dämonisches Unwesen auszurotten, Klöster und Kirchen zu bauen und weise Hirten für sie zu bestellen“ [Vita S. Bonif., auct. Willibaldo, ed. Levison S. 40] änderte sich allmählich der Zustand jener Gebiete. Man konnte sehen, wie zahlreiche Scharen von Männern und Frauen zu den Predigten des apostolischen Mannes eilten, wie sie ihn hörten und innerlich ergriffen wurden, alten Aberglauben aufgaben, in Liebe zum göttlichen Erlöser entbrannten, ihre rauhen und verderbten Sitten seiner milden Lehre anpassten, durch das Taufwasser sich entsündigen ließen und ein völlig neues Leben begannen. Da wurden für Mönche und Nonnen Klöster errichtet, die nicht allein Stätten der christlichen Religion, sondern auch der Kultur, der feineren Bildung, des höheren Wissens und der Künste waren. Dort wurden unwegsame, unerforschte und düstere Wälder zweckmäßig gelichtet oder gerodet und jungfräulicher Boden zum Nutzen der Gemeinschaft bebaut. Allenthalben begann man mit dem Neubau menschlicher Wohnungen, die im Lauf der Jahrhunderte zu volkreichen Städten werden sollten.

Nachdem auch diese schwierige Aufgabe mit Gottes Hilfe und Gnade gelöst ist, gibt sich Bonifatius nicht der verdienten Ruhe hin. Obgleich er von der Last vieler Sorgen bedrückt wird, sein hohes, gebrechliches Alter spürt und fühlt, dass seine Gesundheit nach den vielen Mühen fast gebrochen ist, rüstet er sich dennoch voll Mut zu einem neuen und nicht weniger schwierigen Unternehmen. Er wendet Augen und Sinn nochmals nach Friesland; nach Friesland, das einst das erste Ziel seiner apostolischen Wanderung gewesen war und wo er in der Folge so viel gearbeitet hatte. Über diesem Volk lag besonders im Norden des Landes noch der dunkle Schatten des Heidentums. Zu ihm reiste er mit jugendlicher Spannkraft, um dort Christus neue Jünger zu gewinnen und neuen Völkern christliche und menschliche Kultur zu bringen; denn er verlangte sehnlichst danach, „dort, wo er einst zu Beginn seiner Missionstätigkeit mit der Mehrung seiner Verdienste eingesetzt hatte, auch beim Scheiden aus dieser Welt seinen Lohn zu empfangen“. [Vita S. Bonif., auct. Willibaldo, ed. Levison S. 46.] Da er nämlich ahnte, dass das Ende seiner irdischen Laufbahn nahe bevorstand, sagte er es mit der Bemerkung, er wolle den Tod nicht untätig erwarten, seinem Lieblingsschüler, dem Bischof Lullus, mit folgenden Worten voraus: „Ich wünsche meinen Vorsatz auszuführen und die Reise fortzusetzen; ich werde von ihr nicht abstehen können, da ich so sehr nach ihr verlange. Denn schon steht der Tag meiner Auflösung bevor, und die Stunde meines Todes naht heran. Befreit vom Gefängnis meines Leibes, werde ich zum Siegespreis der ewigen Vergeltung heimkehren. Du aber, teuerster Sohn, … rufe eindringlichst das Volk vom Abwege des Irrtums zurück. Vollende den bereits begonnenen Bau des Domes von Fulda und überführe dorthin meinen von der hohen Zahl der Jahre verbrauchten Leib.“ [ebd.]

Als er sich dann unter Tränen mit einer kleinen Schar von Begleitern von den Seinen getrennt hatte, „zog er durch ganz … Friesland, verkündete eifrig das Wort des Herrn, wobei er den Götzendienst (heidnische Riten) abschaffte und abergläubisches (unmoralisches) heidnisches Brauchtum beseitigte, und baute mit außerordentlichem Eifer Kirchen, nachdem er die Götterbilder ihrer Tempel zerschlagen hatte. Schon hatte er viele Tausende von Männern, Frauen und Kindern … getauft“. [ebd., S. 47] Doch als er nach seiner Ankunft in Nordfriesland sich anschickte, einer bereits getauften Schar von Neuchristen das Sakrament der Firmung zu erteilen, drang unversehens ein wuterfüllter Haufen von Heiden auf sie ein und bedrohte sie, Lanzen und Schwerter schwingend, mit dem Tode. Da trat der heilige Bischof mit heiterem Antlitz vor und „verbot den Seinen zu kämpfen mit den Worten: ,Kinder, stehet ab vom Zusammenstoß und schlagt den Kampf aus, da wir durch das Zeugnis der Heiligen Schrift gemäß der Wahrheit belehrt werden, nicht nur nicht Böses mit Bösem, sondern sogar Böses mit Gutem zu vergelten. Denn schon ist der lang erwartete Tag gekommen, und die ersehnte Stunde unserer Auflösung steht bevor. Seid darum stark im Herrn, … seid tapferen Mutes und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib morden, da sie ja die unsterbliche Seele nicht töten können. Freut euch vielmehr im Herrn und festigt den Anker eurer Hoffnung in Gott, der euch allsogleich den Lohn ewiger Vergeltung geben wird und euch den Platz im Himmel anweist bei den himmlischen Mitbürgern der Engel‘.“ [ebd., S. 49-50] Durch diese Worte für die Palme der Blutzeugen begeistert, wandten alle im Gebet Herz und Augen zum Himmel, wo sie gleich den ewigen Lohn zu empfangen hofften, und ließen den Angriff der Feinde über sich ergehen, die „im seligen Tod die Leiber der Heiligen“ mit Blut bedeckten. [Vgl. ebd. S. 50 u. Vita S. Bonif., auct. Otloho, ed. Levison Il S. 210] Bonifatius aber legte gerade vor seinem Martyrium, „als das Schwert ihn treffen sollte, das Buch des heiligen Evangeliums auf sein Haupt, um unter ihm den Hieb des Mörders zu empfangen und um im Tode den Schutz dessen zu haben, dessen Lesung er im Leben geliebt hatte“. [Vita S. Bonif., auct. Radbodo, ed. Levison S. 73]

Quelle: Herder-Korrespondenz, Herder Verlag Freiburg im Breisgau, 8. Jahrgang, Heft 11, August 1954, S. 506 – S. 512

siehe auch den Beitrag zum Thema Mission: Pius XII. Die Missionskirche

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