Heiliger Guntram König von Burgund

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

28. März

Der heilige Guntram König von Burgund

Der heilige Guntram, geboren um das Jahr 525, war ein Sohn des Königs Chlotar I. und der Enkel des Königs Chlodwig I. und der heiligen Chlotilde. Im Jahre 561 wurde er als König von Burgund gekrönt und bekam als Residenz die Stadt Orleans. Die Verirrungen in seinen Jugendjahren als Folgen der vielen bösen Beispiele und des Mangels an Benützung der Gnaden Gottes suchte er als König durch seine Abtötungen und seinen heiligen Wandel möglichst wieder gut zu machen. Er beweinte sie durch sein ganzes Leben wie der König David und übte strenge Buße. Er hatte manche Streitigkeiten mit seinen Brüdern beizulegen. Die Pest verheerte sein Reich; er sah in ihr die strafende Hand des allgerechten Gottes. Durch Gebet, Fasten und Wohltätigkeit gegen die Armen und Kranken suchte er das furchtbare Übel abzuwenden und bot sich Gott als Opfer seiner Gerechtigkeit zur Abwendung der Strafrute von seinem Volk an. Gott erhörte ihn; die Seuche hörte auf, und das Königreich kam wieder in Wohlstand. Nichts lag ihm näher am Herzen, als das Wohl seiner Untertanen. In dieser Absicht strafte er mit Strenge das Laster und die Ungerechtigkeit und unterstützte die Bischöfe und Priester. Er betrachtete sie als die Väter des Reiches und als die Lehrmeister des Heiles in ihrem heiligen Amt. Er zog die Bischöfe zu Rate in allen wichtigen Angelegenheiten und erbaute zum Heil des Volkes viele Kirchen und Klöster.

Allein diese Sorgfalt für die Ehre Gottes und das Heil der Untertanen erbitterte viele von denen, welche jetzt bei des Königs Ernst und Strenge für die Aufrechterhaltung christlicher Zucht und Sitte ihr zügelloses heidnisches Leben nicht mehr fortsetzen konnten, so sehr, daß sie dem heiligen König nach dem Leben strebten. Einst wollte Guntram zu Chalons zum Altare hintreten, um die heilige Kommunion zu empfangen; da lief ein gedungener Meuchelmörder auf den König zu, als hätte er ihm höchst Wichtiges zu melden. Im hastigen Lauf verlor er den Dolch, womit er ihn durchbohren wollte. Die Anstifter einer so gräulichen Tat wurden zwar mit dem Tode bestraft, dem bestellten Meuchelmörder aber schenkte der König das Leben. Hierin wollte der König seine Ehrerbietung gegen die Gott geheiligten Tempel bezeigen.

Amalo, ein vornehmer Herr bei Hofe, hatte in Abwesenheit seiner Gemahlin eine noch zarte und sehr schöne, aber zugleich keusche und gottesfürchtige Jungfrau mit Gewalt entführen lassen. Er bot alles auf, sie zur Sünde zu verleiten. Sie widerstand auf das mutigste; zuletzt griff sie, nachdem sie umsonst Bitten und Tränen erschöpft hatte, nach einem Schwert an der Wand und brachte ihm ein tödliche Wunde bei. Auf Amalo`s Geschrei eilten seine Diener herbei und wollten die christliche Heldin all so gleich ermorden; allein Amalo selbst verhinderte es. „Verschont das unschuldige Blut“, rief er, „sie hat den Tod nicht verdient, sondern ich.“ Die keusche Siegerin eilte ohne Verzug selbst zu dem König, erzählte ihm die ganze Begebenheit und bat ihn um Schutz. Der König verwunderte sich über ihre Liebe zur Keuschheit, beruhigte sie und trug väterliche Sorge für sie. Denn er schützte jene, welche nach ihrem Stande lebten, und verabscheute und bestrafte die Wüstlinge.

Nach 33jähriger segensreicher Regierung starb Guntram am 20. März im Jahre 593, im 68. seines Lebens. Der heilige Gregor von Tours schreibt, daß er Augenzeuge von mehreren durch die Fürbitte dieses heiligen Königs geschehenen Wundern gewesen sei.

Beherzigung

Der heilige König Guntram hat seine im ledigen Stand begangenen Sünden nicht nur bereut und gebeichtet, sondern auch durch verschiedene Bußwerke und Züchtigungen seines Leibes abzubüßen sich bemüht. Was tust nun du, mein lieber Leser! Zur Abbüßung der von dir begangenen Sünden? Wie züchtigst du deinen sündhaften Leib? Bereue wenigstens dieselben täglich und opfere dem erzürnten Gott zu einiger Genugtuung alle guten werke auf, die du verrichtest, alle Beschwerden und Widerwärtigkeiten, die du erleidest. Beobachte auch die gebotenen Fasttage in dieser Absicht, damit dein Leib durch das fasten gezüchtigt und gestraft werde, weil er sich als ein Werkzeug zur Beleidigung Gottes gebrauchen ließ. Tust du dieses, so kannst du deine Sünden auf dieser Welt abbüßen und sichere Hoffnung haben, daß Gott der Herr dich einst wegen derselben nicht mehr bestrafen werde. Daher sagt der heilige Augustin: „Wenn dich jemand fragt: Was tust du? Warum fastest du? Warum entziehst du deinem Leib, was ihn ergötzt? Warum strafst, peinigst und plagst du dich selbst? Hat denn Gott ein Wohlgefallen daran, daß du dich peinigst? So antworte du dem Versucher: Ja, ich peinige mich, damit Gott mich verschone. Ich strafe und züchtige mich selbst, damit Gott mir zu Hilfe komme.“ Sprach doch sogar der große heilige Völkerapostel Paulus von sich: „Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in Untertänigkeit, damit ich nicht etwa selbst, obwohl ich anderen gepredigt habe, verworfen werde.“ (1. Kor. 9, 27) Vergessen wir nie, daß Gottes Gerechtigkeit sogar die kleinste Sünde nicht ungestraft läßt, wenn wir nicht selbst die verschuldete Strafe durch Buße tilgen. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 230 – S. 232

Bildquellen

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