Vollendung der Schöpfung am siebten Tag

Gott Vater, auf einer Wolke stehend, erschafft die Tiere, man sieht die Vögel am Himmel, ein Pferd und eine Palme sind auch zu sehen; ganz unten im vorderen Bereich ist noch eine Schlange zu sehen sowie ein Gesicht

Vollendung der Schöpfung

(Gen. 2, 1-2)

„Also ward vollendet der Himmel und die Erde und all ihre Zier. Und Gott vollendete am siebten Tage sein Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tage von seinem ganzen Werk, das er vollbracht hatte.“ (1)

Zwei große Wahrheiten sind hier auf das engste miteinander verbunden, die Vollendung der Schöpfung und die Ruhe Gottes, um anzudeuten, daß diese Ruhe Gottes nicht eine absolute war (2), sondern nur mit Bezug auf das Schöpfungswerk zu verstehen ist: „Er ruhte von seinem Werk, das er vollbracht hatte“, d. h. vom Schöpfungswerk. Er ruhte nach dem hl. Thomas (3) in der Art, daß er vom siebten Tage an kein vollständig neues Geschöpf in das Dasein rief, das nicht irgendwie in den Werken der sechs Tage inbegriffen wäre, sei es nun dem Stoff nach, wie Gott die Eva aus der Rippe des Adam bildete, oder der Ursache nach, wie die Geschöpfe, welche von denen abstammen, die Gott in den Schöpfungs-Tagen erschaffen, oder endlich der Ähnlichkeit nach, wie es mit den Menschenseelen der Fall ist, die zwar stets, auch jetzt, und immer aus nichts erschaffen werden, aber nach der Ähnlichkeit der Seele Adams, der als Stammvater aller Menschen von Gott erschaffen wurde. Dagegen „wirkt Gott fortwährend“, wie der Heiland selbst sagt (4), indem er das, was er erschaffen hat, erhält und regiert; denn wenn dieses sein Wirken auch nur einen Augenblick aufhörte, so würde in demselben Augenblick die ganze Schöpfung zu sein aufhören, weil sie keinen andern Grund ihres Bestehens hat, als die göttliche Kraft und Allmacht. (5)

Treffend erklärt Klemens von Alexandrien (um d. J. 200): „Gott ruhte also nicht in dem Sinn, daß er aufhörte, tätig zu sein, wie manche die Ruhe Gottes verstehen wollen; denn da er gut ist, würde er, wenn er je aufhörte, Gutes zu tun, aufhören, Gott zu sein, was auch nur zu sagen ein Frevel wäre. Ruhen ist also soviel als anordnen, daß ohne alle Übertretung für alle Zeit die Ordnung dessen, was gemacht ist, bewahrt werde, und bewirken, daß jedes Geschöpf der alten Verwirrung (dem Chaos) entrissen sei.“ (6)

Nach dem hl. Augustin bedeuten die Worte: „Gott ruhte usw.“ auch, daß Gott seinen vernünftigen Geschöpfen, insbesondere auch den Menschen bestimmt habe, daß sie ihre Ruhe in ihm, ihrem Gott und Schöpfer, haben sollen, indem sie durch die Gnade des Heiligen Geistes angetrieben werden, nach Gott zu verlangen, in dessen Besitz sie selig ruhen und nichts weiter begehren. Zugleich ist angedeutet, daß Gott nach seinen Werken geruht habe, um uns zu lehren, daß wir ebenso nach unsern guten Werken in ihm ruhen werden. (7) – Dieser siebte Tage Gottes ist also die Zeit der Ruhe seiner Schöpfung, während welcher wir durch unsere guten Werken das Wirken Gottes nachahmen und so in die ewige Ruhe in Gott eingehen sollen. – Gar schön weist endlich der hl. Augustin, und mit ihm andere Väter, auf die tiefe, geheimnisvolle Bedeutung dieses Wirkens und dieser Ruhe Gottes hin, als Vorbild für das Wirken seines eingebornen Sohnes und dessen Ruhe im Grabe, wovon Jesus selbst gesprochen: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und auch ich wirke“ (8); und am Ende seines Wirkens, am sechsten Tage (am Freitag), gebrauchte er dasselbe Wort: „Es ist vollbracht (9), dann neigte er sein Haupt und gab seinen Geist auf“, und ruhte den ganzen Tag des Sabbats im Grabe, nachdem er sein Erlösungswerk vollbracht. So ist der Sabbat des Vaters nach seinem Schöpfungswerk das Vorbild des Sabbats seines Sohnes nach seinem Erlösungswerk, womit die Ordnung der neuen geistigen, erlösten Welt beginnt.

Anmerkungen:

(1) V. 1 und 2.
(2) Schon der Heide Celsus hatte (um 150 n. Chr.) den Einwand erhoben, es sei unvernünftig, anzunehmen, daß Gott die Welt so „stückweise“ gemacht und gar am siebten Tage „wie ein müder Handwerker“ geruht habe. Der gelehrte Origenes antwortet darauf, daß die Unvernünftigkeit nur in der Auslegung des Celsus liege, während die Heilige Schrift selbst hinreichend die richtige und vernünftige Auslegung andeute, wonach Gott durchaus nicht stückweise und mühsam die Welt gemacht habe und deshalb auch nicht wie ein müder Arbeiter zu ruhen brauchte. (Orig., C. Cels. 6, 60, ed. Migne XI 1391.)
(3) S. th. 1, q. 73, a. 1 ad 3.
(4) Joh. 5, 17.
(5) S. Aug., De Gen. ad lit. 1. 4, c. 12; vgl. S. Thom., S. th. 1, q. 73,, a. 2.
(6) Strom. 6, 16 (Migne IX 369)
(7) S. Aug., De Gen. ad lit. 1. 4, c. 9 10. Ähnlich Hebr. 4; Offb. 14, 13; 7, 17 und 21, 3f.
(8) Joh. 5, 17.
(9) Joh. 19, 30. Im Griechischen ist es so gut wie das nämliche Wort; im Hebräischen könnte kaum ein anderes stehen, als auch hier (Gn. 2, 1); das lateinische perfecti sunt, sie wurden vollendet, steht im Sinne von consummati sunt, sie wurden vollbracht. –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. I, Altes Testament, 1910, S. 137 – S. 138

Bildquellen

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Category: Genesis, Schuster
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