Die Schlüssel des heiligen Petrus

Der heilige Petrus steht im antiken Gewand gekleidet, den Kopf nach links gewandt. die recht Hand nach rechts ausgestreckt, in der rechten Hand hält er ein Buch sowie die zwei Schlüssel als päpstliche Insignien

Die Schlüssel des heiligen Papstes Petrus

Auf den Abbildungen, durch welche die christliche Andacht sich den ersten Papst und das Oberhaupt der katholischen Kirche veranschaulicht, wird der hl. Petrus dargestellt als ein kräftiger Mann mit krausem und dichtem Bart, mit ältlichem, hoch ernstem Gesicht und mit einem fast kahlen Haupt, das einen kleinen Büschel Haare über der Stirn zeigt. Nie fehlen auf diesem Bild die zwei Schlüssel, die Jesus Christus in die Hände seines Statthalters gelegt hat, und seine oberste, unfehlbare Autorität bedeuten.

1. Jesus Christus hat die vollständige Glaubens- und Sittenlehre geoffenbart und in seiner Kirche nieder gelegt, welche jedem Menschen zur sicheren Erreichung seiner übernatürlichen Bestimmung und Seligkeit zu kennen notwendig ist. Um das „Wort Gottes“ ganz rein, ohne fremde Beimischung und täuschende Fälschung für alle Völker und Zeiten aufzubewahren, hat Jesus seinem Statthalter den Schlüssel, d.h. das gewisse, unfehlbare Verständnis dieser ganzen Heilslehre gegeben, damit er Allen, die da fragen: „Welche unter den hundert verschiedenen Religionen ist die wahre, von Gott selbst geoffenbarte?“ die vollkommene befriedigende Antwort gebe, den allein richtigen Sinn derselben aufschließe und ihre Bedenken und Zweifel löse; damit er alle Tücke des Lügners von Anbeginn und seines Anhanges, welcher ruhelos während der Nacht Unkraut unter den göttlichen Samen zu mischen und der Lüge den Schein der Wahrheit zu geben bemüht ist, mit unfehlbarer Autorität aufdecke und abweise. Wie oft wollten schon wissensstolze Priester, vergötterte Philosophen und eitle Volksbeglücker den Sauerteig ihrer Einbildung de göttlichen Evangelium beimischen; aber jedes Mal riß der Schlüsselträger der Wahrheit auf dem Stuhl Petri den Heuchlern die Larve vom Gesicht und warnte väterlich die Rechtgläubigen vor diesen Verführern. Freue dich über die Himmelsgnade, daß du die jetzigen Schriftgelehrten und Pharisäer abweisen kannst, mit der Überzeugung des hl. Paulus: „Wenn ihr Engel vom Himmel wäret, aber ein anderes Evangelium verkündigt, als der Schlüsselträger in Rom, so verabscheue ich euer Geschwätz.“

2. Jesus Christus hat auch den Gnadenschatz seines tätigen und leidenden Gehorsams, der Sakramente und des Opfers seiner Kirche hinterlassen zum Gemeingut aller Gläubigen. Um die geordnete und zweckentsprechende Austeilung dieser göttlichen Erlösungs-Gnade zur Rechtfertigung und Heiligung der Berufenen sicher zu stellen, und Störungen und Missbräuche wirksam abzuwehren, hat Jesus seinem Statthalter den Schlüssel zu diesem Schatz gegeben mit der vollen Regierungsgewalt: „Was du auf Erden binden oder lösen wirst, das wird auch im Himmel gebunden oder gelöst sein.“ Und, o wie oft während der 1800 Jahre sind Mietlinge auf Seitenwegen in den Schafstall hinein gekommen, nur um Fett und Wolle zu gewinnen; aber jedesmal haben die Gläubigen diese Wölfe im Schafspelz sogleich daran erkannt, daß sie nicht durch die rechte Türe, welche nur der Schlüssel des Papstes öffnen kann, eingetreten waren! Es ist daher für dich gewiß der süßeste Trost zu wissen: meinem Seelsorger haben die Schlüssel des Statthalters Christi den Zutritt zum göttlichen Gnadenschatz geöffnet, aus dem er den zu meiner Heiligung bedürftigen Anteil mir zuschöpft. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 492

Bildquellen

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