Die heiligen Maximus und Liberatus Märtyrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

17. August

Die heiligen Maximus, Liberatus und weitere fünf Gefangene

(Die Kindesseele)

Wenn man ein junges Bäumchen im Frühling ganz voll Blüten sieht oder voll Früchten im Spätjahr, so erweckt der Anblick inniges Wohlgefallen, ja selbst Rührung. Ein solches Bäumchen ist das Sinnbild einer jungen Menschenseele, welche schon reichlich blüht und Früchte trägt, die Früchte der Tugenden und gottseligen Taten. Diesen schönen Anblick können sich aber Eltern und überhaupt Erwachsene, die mit Kindern umgehen, recht wohl verschaffen, sie dürfen nur den Kindern das Licht der Belehrung und die Wärme des guten Beispiels stetig und in rechtem Maß zukommen lassen. Wie Großes und Herrliches auf diese Weise schon in der Christenseele eines Kindes gedeihen kann, magst du in der Legende vom heutigen Tag nun sehen. Sie ist aufgeschrieben von dem Bischof Viktor, der zu jener Zeit in Afrika gelebt hat.

Schon sieben Jahre regierte der grausame und gottlose König Hunerich, als der Feind von Anbeginn, die alte Schlange, sich eines gewissen Cyrila, Bischofs der Arianer, bediente, um den blutdürstigen König aufzuhetzen, als könne er nicht ruhig auf lange Jahre hin regieren, wenn er nicht die Katholiken ausrotte. Dafür erreichte aber auch Gottes Strafgericht den König, indem er bald darauf von Fäulnis und Würmern zerfressen des schändlichsten Todes starb.

Zuerst fing er damit an, daß er die ungeheuer große Menge Katholiken, welche in der afrikanischen Provinz lebten, nötigen wollte, sich noch einmal taufen zu lassen, nämlich mit der arianischen Ketzertaufe, was ein vollständiger Abfall von der katholischen Kirche gewesen wäre. Um diese Absicht, Alles zum Abfall zu bringen, zu erreichen, erließ er verschiedene Verordnungen. Durch einen derselben wurden alle Priester verbannt in weit entlegene Gegenden. Er ließ ihnen zur Nahrung nichts geben als eine Art Haber, der sonst nur für Zugtiere verwendet wurde, und zwar ungeschroten in den Hülsen. Aber da seine Wut immer noch zunahm, so befahl er, auch selbst diese Nahrung ihnen noch zu entziehen. Bald darauf ließ er alle katholischen Kirchen verschließen und große Felsstücke vor die Türen wälzen. Die Klöster wurden den Heiden geschenkt, desgleichen die Inwohner von Klöster, indem man sie zu Sklaven machte.

Überall war Jammergeschrei, überall nichts als Tränen, aber auch überall feste volle Entschlossenheit für Christus zu sterben. Zwar fand sich zuweilen ein Rabe, welcher die Arche der katholischen Kirche verließ und sich selbst zum ewigen Verderben zu dem Totenaas locken ließ: allein zur Ehre der heiligen Dreifaltigkeit war die Zahl der glückseligen Tauben viel größer. Wie viele edle treffliche Männer, welche einen hohen Rang besaßen, vertauschten die Erde mit dem Himmel und opferten Hab und Gut samt dem Leben! Wie viele zarte Frauen vom vornehmsten Stand ließen sich vor allem Volk mit Ruten schlagen und verschiedenen Martern peinigen und haben standhaft den Sieg errungen! Wie viele Kinder selbst haben öffentlich die königliche Verordnung verachtet und verlacht, und haben sich geweigert, den breiten Weg der Welt zu gehen!

Damals wurden auch sieben Brüder ergriffen, die beisammen in einem Kloster wohnten und sich alle dem geistlichen Stand widmen wollten. Ihre Namen sind: Bonifacius, Servus, Rustikus, Liberatus, Rogatus, Septimus und Maximus. Sie wurden in die Stadt Karthago vor den Richter geführt. Dieser wollte sie zuerst durch Schmeicheleien verlocken, versprach ihnen Ehrenämter, Reichtum, Lustbarkeiten, des Königs Gunst und noch vieles Andere, womit der Teufel gewöhnlich schwache Seelen betört. Aber die Kämpfer Christi wiesen das Alles wie Gift und Pest von sich und riefen mit einem Munde: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe! An uns soll, so Gott will, nicht wiederholt werden, was nach der Vorschrift des heiligen Evangeliums nur einmal gegeben werden darf; wer einmal durch die Taufe gewaschen ist, hat nicht nötig, noch einmal gewaschen zu werden, indem er ganz rein ist. Macht, was ihr wollt; quält unsere Leiber. Es ist besser, ein wenig zeitliche Marter zu dulden, als einmal ewige Strafen auszustehen. Behaltet, was ihr versprecht, ihr werdet selbst mit euren Schätzen bald zu Grund gehen; wir lassen und das nicht rauben, was der dreieinige Gott uns in der Taufe verliehen hat.“

Indem sie von oben zu solcher Standhaftigkeit gestärkt wurden, gab der Richter den Befehl, sie in den Kerker zu werfen, und zwar wurden sie, mit schweren Ketten beladen, in ganz finstere Löcher gesperrt. Viele vom Volk in Karthago aber hielten fest am wahren Glauben und verschafften sich, durch Geschenke, von den Gefängniswärtern die Erlaubnis, Tag und Nacht die sieben Brüder zu besuchen, und wurden von ihnen durch Belehrung und Kraft des Glaubens so gestärkt, daß sie auch von Herzen wünschten, für den Namen Christi solches zu leiden.

Dieses kam aber zu den Ohren des Tyrannen; voll rasendem Zorn darüber entbrannt, befahl er, mit unerhörten Strafen sie zu belegen. Er machte die Anordnung, daß ein Schiff mit Bündel trockenen Holzes angefüllt, die Gefangenen darauf gebunden und dann mitten auf dem Meer angezündet werde. Als die Gefangenen aus dem Kerker heraus geführt wurden, wie unschuldige Lämmer zur Schlachtbank, wurden sie von einer Menge Katholiken begleitet, die ihre schweren Ketten gleichsam beneideten, als den schönsten Schmuck.

Die Brüder gingen wohlgemut wie zu einem Gastmahl zu der Hinrichtung, und sangen auf der Straße dem Herrn: „Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Friede den Menschen eines guten Willens. Erwünscht ist uns dieser Tag und freudenvoller als ein Fest. Sieh`, nun ist die angenehme Zeit, sieh`, nun der Tag des Heils, wo wir für den Glauben an unsern Herrn und Gott den angedrohten Tod erleiden.“ – Aber auch dem Volk riefen sie zu: „Fürchtet euch nicht, ihr Auserwählten, und schreckt nicht zurück vor den Drohungen und gegenwärtigen Verfolgungen; sondern lasset uns miteinander für Christus sterben, wie er auch für uns gestorben ist und uns erlöst hat um den Preis seines heilbringenden Blutes.“

Doch einen unter ihnen, der noch ein Kind schien, Maximus, suchten die Richter mit dem größten Eifer von den andern Brüdern und ihrer Genossenschaft abzusondern; sie sprachen: „Liebes Kind, was laufest du in den Tod? Laß diese, sie sind verrückt, und höre unsern Rat, damit du dein Leben rettest und Zutritt bekommst in den Palast eines so großen Königs.“ – Da rief Maximus, an alter zwar ein Knabe, an Vernunft aber reif wie ein Greis: „Niemand trenne mich von meinem heiligen Erzieher Liberatus und meinen andern Brüdern. Mit ihnen habe ich in der Furcht Gottes gewandelt, mit ihnen will ich auch die Marter leiden, mit ihnen hoffe ich die ewige Glorie zu finden. Glaubt nicht, daß ihr meine Jugendlichkeit verführen könnt; Gott hat gewollt, daß wir bei einander gelebt haben, er wird auch die Gnade verleihen, daß wir alle mit dem nämlichen Märtyrertod gekrönt werden. Wenn ich ihn verleugnen würde, so würde er mich auch verleugnen, denn von ihm selbst ist der Ausspruch: Wer mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde ich auch verleugnen vor meinem Vater, der im Himmel ist; und wer mich bekennen wird vor den Menschen, den werde auch ich bekennen vor meinem Vater, der im Himmel ist.“

Nach diesem vergeblichen Versuch wurden sie eilig auf das Schiff gebracht nach dem Befehl des ruchlosen Königs, und gebunden an Händen und Füßen auf den Holzstoß gelegt. Als er aber angezündet wurde, erlosch vor den Augen Aller das Feuer auf übernatürliche Weise; und da man öfters mit brennbaren Stoffen das Feuer erneuerte, so erlosch es jedesmal wieder. Darüber wurde nun der Tyrann fürchterlich aufgebracht und befahl, man solle sie mit den Rudern tot schlagen, so daß jedem wie einem Hund das Gehirn zerschmettert werde. Auf diese Weise übergaben sie dem Herrn ihren Geist und scheuten sich nicht, mit dem Holz getötet zu werden, da ja all` ihre Hoffnung stets auf dem Holz (dem Kreuz) gegründet war.

Als die ehrwürdigen Leichnam in das Meer geworfen wurden, so sanken sie nicht, sondern wurden sogleich vom Wasser ans Ufer getrieben, während sonst jeder tote Leib sinkt und erst nach einigen Tagen, wenn er in Fäulnis übergeht, vom Wasser wieder in die Höhe gehoben wird. Über dieses Wunder soll der Tyrann selber erschrocken sein, ohne jedoch sich zu bekehren. Das Volk aber, welches mit Freude solches bemerkte, übergab die Körper der heiligen Märtyrer ehrerbietig dem Begräbnis.

Und so haben die glückseligen Märtyrer gelitten im Bekenntnis der Dreifaltigkeit; sie haben den herrlichen Siegeslauf vollendet und sind gekrönt von dem Herrn, dem Ehr` und Ruhm gebührt in alle Ewigkeit. Amen. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 3 April bis Juni, 1872, S. 265 – S. 268

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Category: Märtyrer, Stolz
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