Heilige Messe ein Geheimnis der Liebe

Das hochheilige Messopfer – Bleibende Offenbarung des göttlichen Herzens Jesu

Die beste Stunde des Tages ist die heilige Messe; der Priester steht am Altar und hält nach der heiligen Wandlung den konsekrierten Kelch hoch; der Messdiener kniet hinter ihm; unter ihnen sieht man die armen Seelen im Fegefeuer; über ihnen und an der linken Seite sind heilige Engel

Die heilige Messe ist ein Geheimnis der Liebe

Das Erste, was du, lieber Christ, zur Lesung dieses Buches selber mitbringen musst, ist katholischer Glaube… Die heilige Messe ist das „Geheimnis des Glaubens“. Wer diesen Glauben nicht mitbringt, vermag das innerste Wesen dieses Geheimnisses nicht zu verstehen, ja er vermag nicht einmal das Auswendige desselben, die Zeremonien der Messe richtig aufzufassen; er würde daher auch das, was in diesem Buche von der hl. Messe geschrieben steht, nicht begreifen. Dem demütig gläubigen Herzen aber werden diese Unterweisungen klingen wie bekannte Glockentöne aus der lieben Heimat; man hört sie gerne und sie sagen einem viel Liebes und Erfreuliches.

Das Geheimnis des Glaubens, die hochheilige Messe, ist auch ein Geheimnis der Liebe. Denn in der hl. Messe erscheint der Heiland selber, und was er in derselben ist und tut, offenbart dir sehr klar sein hochheiliges Herz. Wenn du mit gläubigen Augen dem Herrn in der Messe anschaust, da siehst du die reichste Liebe seines Herzens, – die tiefste Demut und Herablassung seines Herzens, – die mildeste Erbarmung seines Herzens, – da findest du die unerschöpflichen Schätze seines Herzens. – Darum sage ich: Die heilige Messe ist wahrhaft eine Offenbarung des heiligsten Herzens Jesu. Wüßten wir von diesem Herzen nichts, als was uns von ihm die hl. Messe sagt, so wüßten wir schon genug von ihm.

Und was diese Offenbarung besonders lieb macht, ist der Umstand, daß sie nicht etwa alle Jahrhundert einmal einem Heiligen in weiter Ferne von uns geschehen ist: sie geschieht vielmehr in deiner nächsten Nähe, geschieht auch für dich, wenn du nur willst, und geschieht täglich, ja man kann sagen, wohl stündlich…

Die Messe dauert ungefähr eine halbe Stunde. In welchem Augenblick derselben vollzieht sich nun diese wundervolle Erscheinung und Offenbarung? Auch darüber will und muss ich schon jetzt und im Voraus einiges sagen, um dich in die rechte Stimmung und zum richtigen Verständnis für alles Folgende zu bringen.

Alljährlich wird am Fronleichnams-Tage über all in der katholischen Kirche, wo es nur immer sein kann, ein festlicher Umgang gehalten. Die Glocken läuten feierlich, die Musik spielt die schönsten Weisen, heilige Lieder werden gesungen, das Kreuz ragt vorne am Zuge empor, die Fahnen wehen im frischen Morgenwinde; man hält brennende Kerzen in den Händen, Wohlgeruch von Weihrauch steigt auf, Blumen werden auf den Weg gestreut, und die Christenleute wallen auf das festlichste bekleidet betend durch die geschmückten Straßen dahin.

Wem gilt doch das festliche Geläute
All` der Herzen tiefste, inn`re Freude
Ob der Himmel trübe oder rein?
Wem die selig frohen Jubelklänge,
Die durchrauschen frommer Beter Menge,
All` der Blumen Pracht, der Lichter Schein?

Wenn man einen katholischen Christen so fragen würde, so gäbe er die Antwort:

`s ist ein König, der sein Haus verlassen
Und durchzieht die reich geschmückten Straßen,
Seinem Volke sichtbar nah zu sein,
Dem die milden, weichen Sommerlüfte,
Dem des Weihrauchs und der Blumen Düfte
Wie der Menschenherzen Lieb` sich weih`n.

Die Gläubigen haben diesen ihren König in ihre Mitte genommen; ihm schlagen alle Herzen in Freude, Liebe, Dank und Anbetung entgegen, und Alles, was da geschieht, hat nur ihn zum Ziele. Jesus Christus in der Monstranz ist der Mittelpunkt des Festzuges und der Festfreude. Ohne ihn hätte die Fronleichnams-Prozession keinen Sinn und keine Bedeutung.

Ein Gleiches geschieht nun auch bei der Messe. Was ist denn da der Mittelpunkt das Zentrum? Das ist die heilige Wandlung. Ihr voraus gehen viele Gebete, Lehren, Gesänge, welche alle auf sie vorbereiten; ihr folgen wieder ebenso heilige und innige Gebete und Gesänge, welche sich auf sie zurück beziehen. Das Geläute der Glocken, die brennenden Kerzen, der Schmuck des Altares, der aufwallende Weihrauch, die Gewänder des Priesters . Alles zielt einzig nur hin auf die Wandlung in der Messe.

Ist dieser heilige Augenblick gekommen, da schweigen die Töne der Orgel und die Lieder der Sänger. Ehrfurchtsvolle, lautlose Stille tritt ein. Und wenn dann das Glöcklein am Altare erklingt, da sinken die Anwesenden auf die Knie nieder, neigen das Haupt, senken den Blick, kreuzen oder falten die Hände, oder breiten sie aus, oder klopfen an die Brust.

Es ist öfter schon geschehen, daß sogar Irr- und Ungläubige, welche nur aus Vorwitz der Messe beiwohnten, von diesem Augenblick auf`s Innerste ergriffen wurden, unwillkürlich auf die Knie fielen und mit Tränen in den Augen zu beten anfingen.

Und wenn zu gleicher Zeit die Wandlungsglocke vom Turme den heiligen Augenblick nach außen hin verkündet, da hält der katholische Wanderer auf der Straße still und entblößt sein Haupt, der Ackersmann auf dem Felde und die fromme Mutter im Hause läßt die Arbeit ruhen, der Hirte auf der Bergeshöhe richtet sein Angesicht zur Kirche; sie knien nieder, falten die Hände, bezeichnen sich mit dem Kreuze und beten. – Es muss etwas ungemein Großes und Wunderbares in diesem kurzen Augenblick vor sich gehen.

Ja, die Wandlung ist der Mittelpunkt der heiligen Messe. Alles andere bezieht sich auf sie. Der gelehrte und berühmte Papst Innozenz III. hat sie „das Herz der Messe“ genannt; man könnte sie auch die Seele der Messe nennen. Ohne sie wäre die Messe wie ein Leib ohne die belebende Seele. Ich will noch mehr sagen, was dir anfänglich sonderbar und gewagt vorkommen wird; aber es ist doch so, und du wirst es bald selber einsehen. Ich sage also: Die heilige Wandlung – das ist eigentlich das Messopfer selbst. – Willst du also die Messe verstehen, so mußt du die heilige Wandlung verstehen und wissen, was sie ist und was in ihr geschieht. Das wird also das Erste sein, worüber ich dir Aufschluss bringen muss. –
aus: Franz Ser. Hattler, Das hochheilige Messopfer, 1902, S. 3 – S. 8

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