Die apostolische Abstammung der Bischöfe

Die apostolische Abstammung der Bischöfe und Priester

Merkwürdig ist, daß die ersten, berühmtesten Glaubens-Prediger in unserem deutschen Vaterland, welche teils aus England und Irland, teils aus Frankreich kamen, des Glaubens und der Überzeugung waren, ihre Arbeiten hätten keinen segensreichen Erfolg und Bestand, wenn sie nicht vom Papst hierzu ausdrücklich gesendet und beauftragt seien. So reisten der heilige Bonifaz, der heilige Willibrord, der heilige Emmeram, der heilige Korbinian, und ebenso auch der heilige Kilian deshalb nach Rom, um aus dem Munde des Papstes das Wort zu vernehmen: „Gehe hin, ich sende dich im Namen Jesu zu den Völkern, daß du ihnen verkündest das heilige Evangelium.“

Warum taten wohl dies die heiligen Männer? Warum scheuten sie nicht die so weite , beschwerliche Reise? Hätten sie nicht auch ohne diese Sendung das Evangelium verkünden können? Ja sie hätten es wohl tun können, aber nur, wenn sie von rechtmäßigen Bischöfen die Vollmacht hierzu erhalten haben. Denn nur der Papst und die mit ihm verbundenen Bischöfe haben als Nachfolger der Apostel die Gewalt, zu weihen und zu senden. Aber diese Männer sollten in jenen Ländern, wo sie predigten, und christliche Gemeinden stifteten, Bistümer gründen und als Bischöfe diese Gemeinden leiten, damit sie nicht seien wie Herden ohne Hirten. – Bistümer gründen und denselben Bischöfe vorsetzen, kann und darf nur der Papst, der oberste Hirt der ganzen Kirche, der wahre Nachfolger des heiligen Petrus, zu dem der Heiland gesagt hat: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe.“ Den heiligen Kilian weihte der ehrwürdige Papst Conon selbst zum Bischof, und Kilian wurde dadurch mit dem Bistum Würzburg in die heilige Kette eingefügt, welche mit den heiligen Aposteln beginnt und fort dauert bis zum Ende der Welt. Es ist nämlich ein Merkmal de wahren von Christus gestifteten Kirche, daß alle Bischöfe mit ihren Herden ihre Abstammung von den Aposteln herleiten können, oder mit andern Worten, alle Bischöfe müssen, wie in einer Kette die Glieder alle aufeinander folgen und zusammen hängen, so auch mit den Aposteln zusammen hängen, von den Aposteln in fortwährender Reihenfolge herstammen und somit Christum den Herrn selbst, den einzigen, wahren Hohenpriester und obersten Hirten der Seelen zu ihrem Anfangspunkt oder Ursprung haben.

Daher schreibt der heilige Apostel Paulus an die Gläubigen zu Ephesus (3,19): „Ihr seid erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, während Christus Jesus selbst der Haupteckstein ist“, und weiter schreibt er: „Christus verordnete selbst Einige zu Aposteln, Einige zu Propheten (Schriftauslegern mit der Gabe der Weissagung), Einige zu Evangelisten, Einige aber zuHirten und Lehrern… zur Ausübung des Dienstes, zur Erbauung des Leibes Christi (zur Gründung, Erweiterung und Leitung der Kirche), damit … wir nicht hin- und her getrieben werden von jedem Wind der Lehre durch Schalkheit der Menschen, durch die arglistigen Kunstgriffe der Verführung (der Irrlehre) zum Irrtum.“

Aus diesen Worten des Apostels Paulus erhellt also, daß Jesus in seiner Kirche eine göttliche Ordnung, eine ununterbrochene, beständig fortdauernde Aufeinanderfolge der Bischöfe von den Aposteln, ja von ihm selbst angefangen, festgesetzt habe. Dieses aber, lieber Leser, ist sehr wichtig, denn Christus hat den rechtmäßigen Nachfolgern der Apostel seinen und seines heiligen Geistes Beistand versprochen, und nur diese und die von ihnen gesendeten und geweihten Priester hat er zu hören befohlen und gesagt: „Wer euch hört, der hört mich.“ In allen von den Aposteln herstammenden Bischöfen lebt also die wahre Lehre Jesu fort und nur auf ihnen und in ihnen ruht sein Geist. Daher haben denn auch alle heiligen Kirchenväter, vom heiligen Klemens, einem Begleiter des heiligen Paulus, angefangen, auf diese apostolische Abstammung der Bischöfe und ihrer Gemeinden das größte Gewicht gelegt, so daß der heilige Athanasius, ein Bischof der frühesten Zeit, schreibt: „Die Aufeinanderfolge der Bischöfe von den Aposteln her und die Gemeinschaft mit andern apostolischen Kirchen, die mit dem Sitz des heiligen Petrus (mit dem Papst zu Rom) vereinigt sind, ist die unfehlbare Bürgschaft des alten Glaubens.“ Eben deswegen reisten auch die ersten Glaubens-Prediger unseres Vaterlandes nach Rom zum Papst, ließen sich von ihm weihen oder senden, um sagen zu können: „Wir sind Nachfolger der heiligen Apostel und sind erbaut auf den Eckstein der heiligen Kirche, Christus, und unsere Lehre ist die Lehre Jesu, der selbst und mit seinem heiligen Geist mit uns ist und uns gesetzt hat, die Kirche zu regieren.

Die Irrgläubigen können diese apostolische Reihenfolge und Abstammung ihrer Prediger nicht nachweisen. Schon Tertullian, einer der ältesten Zeugen der katholischen Kirche, i. J. 160 nach Christi Geburt geboren, hat die Ketzer seiner Zeit aufgefordert, sie sollen aufweisen den Ursprung ihrer Gemeinden, die Aufeinanderfolge ihrer Bischöfe in einer Reihe von den Aposteln her. Die Irrgläubigen können das nicht, denn sie haben sich von der Kirche Jesu getrennt und die heilige Kette abgerissen, welche sie mit den Aposteln und Christus vereinigte.

aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. II, 1904, S. 1141-1142

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