Der Aberglauben mit der Zahl 13

Das Bild zeigt die Sünde und ihre Folgen: Gottvater, ein Engel mit dem Flammenschwert zu Eva gewandt, ein anderer Engel mit einem Zweig zu Maria gewandt

Von den Sünden gegen Gott

Aberglauben mit der Zahl 13

Sind dreizehn Gäste an der Tafel, so muss notwendig einer von ihnen noch in demselben Jahr sterben.

Dieser närrische Wahn hat bei manchen, sonst gescheiten und gebildeten Herren und Frauen so festen Grund gefaßt, daß sie, wo sie solches wahr nehmen, ohne Scheu von der Tafel weg gehen, und lieber Hunger leiden, als sitzen bleiben.

Mein Gott und Herr, welche lächerlichen Possen! Welche Verbindung oder welcher Zusammenhang ist zwischen allen diesen erzählten Anzeichen und den daraus folgenden Wirkungen? Was soll zum Beispiel, damit ich die nach der Meinung vieler vernünftigen Menschen allerbeste Bemerkung vornehme, was soll, spreche ich, die dreizehnte Zahl an der Tafel zum baldigen Tode eines von den anwesenden Gästen beitragen? Warum stirbt denn nicht eben sowohl in diesem Jahr eines von den Pferden oder Ochsen, wenn deren dreizehn in einem Stall aus einer Krippe fressen? Warum stirbt denn nicht ebenfalls in demselben Jahr einer von den Geistlichen, deren nur dreizehn in einem Kloster beisammen leben und täglich sich an einem und demselben Tisch einfinden? Ja wohl, Kinderei, der Tod kümmert sich nicht um die Zahl, sondern kommt, wie Christus, unser Heiland, einst gesagt hat, jedem zu der Stunde, da er es am wenigstens denkt. Deswegen warnt er uns alle: Darum seid auch ihr bereit; denn der Menschensohn wird zu einer Stunde kommen, die ihr nicht wisset. (Matth. 24, 44) Alle oben erzählten Narrenteidinge sind lauter gotteslästerliche Sünden, wenn an jene geglaubt wird. Sonderbar, man findet Leute, welche über die Artikel des wahren Glaubens, die von dem unfehlbaren Gott geoffenbart sind, aberwitziger Weise philosophieren, und dieselben, weil sie solche Geheimnisse nicht recht mit ihrem Verstand begreifen können, in Zweifel ziehen, ob sie wahr seien, und dennoch solchen abergläubischen Kindereien, über welche billig jeder Mensch mit gesunder Vernunft lachen muss, so hartnäckig anhangen, daß sie durch keine Beweisgründe davon abzubringen sind. Welche teuflische Verblendung! Man findet Leute, die weder Gott, noch die Menschen, noch das ewige Höllenfeuer fürchten, und leben, als wenn sie geflissentlich verdammt werden wollten, und dennoch solche törichte Dinge treiben. Welche unsinnige Torheit!

Pater Tamburinus erzählt, daß in Sizilien, wo eben auch jener abergläubische Wahn bezüglich der Zahl Dreizehn an einer Tafel herrschte, dreizehn Kanoniker, um ihr Gespött mit diesem irrigen, törichten Wahn zu treiben, vorsätzlich zusammen traten und sich verabredeten, ein Gastmahl anzustellen und sich miteinander lustig zu machen. Einer unter ihnen traute dem Handel nicht: wie? Sagte er, wollt ihr das wagen? Dreizehn an einer Tafel zusammen speisen? Dann versichere ich euch, daß einer von euch noch in diesem Jahre sterben wird. Nein, tut ihr, was ihr wollt, ich bleibe zurück. Indessen starb wirklich noch in demselben Jahr einer von jenen dreizehn; aber es war derselbe Kanoniker, der nicht mitessen wollte und zu Hause geblieben war. Denkt nun einmal, andächtige Zuhörer, wenn dieser Mann sich hätte bereden lassen, die Zahl Dreizehn an der Tafel voll zu machen: wie würde durch seinen darauf folgenden Tod der irrige Wahn unter dem Volk nicht bekräftigt worden sein! Ei, eine heilige, christliche Furcht Gottes, spricht der heilige Geist, wird vor nichts erzittern. Wer seinen Gott liebt, sagt der heilige Ambrosius, fürchtet nichts auf der Welt, als seinen Gott mit einer Sünde zu beleidigen. –
aus: Franz Hunolt SJ, Christliche Sittenlehre der evangelischen Wahrheiten, Hunolts Predigten Bd. 3, Sechster Teil, 1844, S.  217 – S. 219

Zum Ursprung der vermeintlichen Unglückszahl 13 siehe den Beitrag: Die schwere Sünde des Aberglaubens Anmerkung (*)

Bildquellen

  • hattler-die-suende-und-ihre-folgen: Bildrechte beim Autor
Category: Betrachtungen, Hunolt
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