Marienlied des heiligen Kasimir von Polen

Ein Engel mit einem Lilienzweig in der Hand steht auf einer Wolke; mit der linken Hand hält er ein Spruchband, auf dem mit schönen großen Buchstaben das Wort Maria steht

Das Marienlied des heiligen Kasimir von Polen

Der heilige Prinz Kasimir kniet vor der Muttergottes, der Himmelskönigin Maria, und hält eine Harfe in der Hand, auf der er das Lied "Alle Tage sing und sage" anstimmt; hinter ihm stehen Engel, die ein Spruchband mit diesem Liedtitel in den Händen halten

Als junger Student hat der heilige Kasimir ein gar schönes Lied zum Lob und Preise Mariä, der innigst verehrten jungfräulichen Mutter, verfaßt und keinen Tag unterlassen, es mit tief gefühlter Andacht zu singen. Auf dem Sterbebett war eine seiner letzten Bitten, man möchte dieses Lied auf seine Leiche in den Sarg legen; denn er wünsche, das Lob Mariä singend hinüber zu gehen in die Ewigkeit. Nach 120 Jahren wurde es bei Öffnung des Sarges wohl erhalten auf der Brust des Heiligen wieder gefunden. O möchtest auch du alle Tage deiner Liebe und Hochschätzung gegen die teuerste, beste Mutter durch das Singen eines schönen Liedes kindlichen Ausdruck geben! Dein Herz wird darob große Süßigkeit und Freude kosten, und die Gnadenvolle wird dir diese ihr so angenehme Huldigung reichlich belohnen. Zu diesem Zweck folgen hier einige Strophen aus dem Lied des Heiligen:

Alle Tage,
Sing` und sage
Lob der Himmelskönigin!
Ihre Feste
Ehr` auf`s beste,
Ehre sie mit Demutssinn.

Sie` die Klare,
Wunderbare,
Wie so hoch sie sich erhebt!
Glücklich preise,
Mutter heiße
Sie, die ob den Engeln schwebt.

Ihr vertraue,
Auf sie baue,
Daß sie dich von Schuld` befrei`,
Und im Streite
Dir zur Seite
Wider alle Feinde sei.

Liebend spende
Ohne Ende
Lob mein Sang der Königin;
Ewig preisen
Zarte Weisen
Ihren treuen Muttersinn!

Wohl ist Keiner
Von so feiner
Strömender Beredsamkeit,
Daß er sänge
Liederklänge,
Würdig ihrer Lieblichkeit.

Gott erkoren,
Hat geboren
Sie den Heiland aller Welt,
Der gegeben
Licht und Leben,
Und den Himmel offen hält.

Überwunden
Und gebunden,
Heil`ge, ward durch dich derTod:
Du bringst Allen,
Die gefallen,
Der Erlösung Morgenrot.

Dafür sollen
Lob wir zollen
Die Erlösten aller Zeit;
Dich verehren
Und vermehren
Ewig deine Herrlichkeit.

Zwar aus meinen
Nimmer reinen
Lippen strömt kein süßer Sang;
Doch ich zage
Nicht und wage
Laut der Harfe Feierklang.

Makellose
Himmelsrose,
Keuschheits Lilie, Edelstein,
Über Sonnen
In die Wonnen
Führest du die Keuschen ein.

Heil dir, Reine,
Da durch deine
Hand der Himmel offen ist;
Kühn betrügtest
Und besiegtest
Du der alten Schlange List.

O gewähre
Stets, du Hehre,
Mir der Tat und Rede Kraft,
Daß an keinem
Tag in deinem
Lobgesang mein Geist erschlafft!

O empfehle
Meine Seele,
Daß sie nimmer wankt noch fällt,
Deinem Sohne;
Er verschone
Sie im Schiffbruch dieser Welt!

Ach, erflehe,
Daß ich sehe
Einst dich in der Himmelsruh`,
Daß zur Flamme
Nicht verdamme
Mich der Richter, sorge du!

Auf der Reise
Lehre weise
Hier mich pilgern deine Huld:
Einfach wandeln
Männlich handeln,
Rein in Demut und Geduld.

Milde hegen,
Wahrheit pflegen
Wie im Herzen so im Mund:
Böses wehren,
Gott verehren
Mit dem Himmel stets im Bund.

O verleihe
Daß ich weihe
Ganz mein Leben deinem Sohn;
Daß ich erbe,
Wenn ich sterbe,
Ihn – des Himmels höchsten Lohn.

Deine süße
Bitte gieße
Kraft und Wärme Allen ein,
Die dir dienen;
Laß von ihnen
Schuld und Trübsal ferne sein!

Einst erscheine
Ewig reine,
Führe, Mutter, hocherfreut
Uns nach oben,
Daß wir loben
Gott und dich in Ewigkeit!

aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 165 – S. 167

Omni die dic Mariae, sinn-, empfindungs- und klangvoller Marienhymnus von 60-63 6-zeiligen kürzesten Reimstrophen, die aus Rhythmus II-IV 11 des Mariale Bernhards von Morlay (AnalHym 50, 427/31) entlehnt und zu einem selbständigen Lied vereint sind. Es war Lieblingsgebet des heiligen Kasimir von Polen, der es ins Grab mit bekam, und wurde Quelle volkssprachlicher geistlicher Lieder, so des deutschen Kirchenliedes „Alle Tage sing und sage“.-
Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII, 19335, S. 719 

Die Reimstrophen, die Bernhard von Morlay zugesprochen werden, finden sich hier: Omni die dic Mariae Bernardus Morlanensis

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