Das Kreuz der Selbstbeherrschung

Das Kreuz der Selbstbeherrschung auf uns nehmen

Der heilige Simeon erduldete freudig die Schmerzen der Kreuzigung aus Liebe zu dem auch für ihn gekreuzigten Erlöser. Auch wir müssen, aus Liebe zu unserem Erlöser, das Kreuz der Selbstbeherrschung nach der Ermahnung Jesu täglich willig auf uns nehmen, um ihm in den Himmel nachfolgen zu können. Dazu ermahnt uns auch der Apostel Paulus, wenn er sagt: daß jene, welche Christo zugehören, ihr Fleisch samt den Lastern und Gelüsten gekreuzigt haben (Gal. 5,24). Diese Kreuzigung besteht nach der Lehre des heiligen Anselm darin, daß man sich in Bußwerken, zu denen auch das Fasten gehört, eifrig übe und seinen Leib züchtige; nach der Lehre des heiligen Augustin, daß man die bösen Neigungen und Anmutungen unterdrücke und sich denselben ernstlich widersetze. Nach Auslegung anderer heiliger Väter besteht diese Kreuzigung darin, daß man seine äußerlichen Sinne und Glieder abtöte und solche nicht zur Beleidigung Gottes gebrauche. Weil aber die Beherrschung der natürlichen Neigungen, bösen Begierden und Leidenschaften der fleischlich gesinnten Eigenliebe schmerzlich, und diese täglich notwendig ist: so nennt Jesus die Selbstbeherrschung oder Selbstverleugnung ein tägliches Kreuz, das wir also täglich aus Liebe zu ihm auf uns nehmen sollen. Halte deine Augen, deine Ohren, deine Zunge, deine Hände und die anderen Glieder im Zaume. Wende deinen Augen von unzulässigen Gegenständen ab. Verstopfe deine Ohren gegen unreine, ehrabschneiderische und andere sündhafte Reden. Lasse deine Zunge nichts vorbringen, wodurch Gott beleidigt wird. Verunreinige deine Lippen nicht mit unerlaubten Küssen. Strecke deine Hände nicht zu sündhaftem Antasten aus. Lasse dich von deinen Füßen nicht an jene Orte hintragen, wo du weißt, daß Gefahr sei, Gott zu beleidigen.

Mit einem Wort, gebrauche kein Glied deines Leibes zur Beleidigung Gottes. Widersetze dich deinem Zorn, deiner Hoffart, deinem Ehrgeiz und anderen sündhaften Neigungen und Versuchungen. Auf diese Weise kannst du dein Fleisch und dich selbst kreuzigen. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 125

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