Das kostbare Blut Jesu Prinzip des Opfers

Die Besonderheit der Andacht zum kostbaren Blut

Das Prinzip des Opfers

Ein anderer Charakterzug der Andacht zum kostbarsten Blut ist die Art, wie sie das Prinzip des Opfers hervorhebt und uns vorstellt. Die Aufopferung ist besonders das christliche Element der Heiligkeit, sie ist gerade das Element, wovon die verdorbene Natur nichts wissen mag und dem sie widersteht. Die Täuschungen nehmen kein Ende, die hervor zu bringen unsere Eigenliebe fruchtbar genug ist, um der Verpflichtung der Aufopferung zu entgehen oder den Kreis ihrer praktischen Anwendung zu verengen.

Wenn es genug wäre richtige Ansichten oder erhabene Gefühle oder fromme Anmutungen zu haben, dann wäre es leicht ein geistliches Leben zu führen. Der Prüfstein ist die Abtötung. Weltliche Vergnügen, häusliche Bequemlichkeiten, leckerhafte Speisen und die tägliche Befolgung unseres Eigenwillens in den geringeren einzelnen Vorkommnissen des Lebens: diese Dinge sind alle unverträglich mit der Heiligkeit, wenn sie Gewohnheiten sind und den gewöhnlichen normalen Lauf unseres Lebens bilden.

Der Schmerz ist notwendig zur Heiligkeit. Das Leiden ist wesentlich zur Ertötung der Eigenliebe. Tugendhafte Gewohnheiten können unmöglich gebildet werden ohne freiwillige Abtötung. Der Kummer ist notwendig für die Fruchtbarkeit der Gnaden. Wenn man nicht beständig Opfer bringt, dann täuscht man sich und schreitet im geistlichen Leben nicht voran. Wenn man sich nicht täglich verleugnet, dann trägt man das Kreuz nicht.

Dies sind Grundsätze, die zu allen Zeiten unsere Schwäche und Nachgiebigkeit gegen uns selbst beleidigen. Aber sie sind von besonderer Wichtigkeit in Zeiten, wie die unsrigen, wo leibliche Genüsse und sogar Üppigkeiten fast allgemein verbreitet sind.
Das behagliche Wohlleben ist der Ruin der Heiligkeit. Lustigkeit, Mode, Prahlerei, kostbarer Aufwand, Verschwendung und die übrigen Dinge, die eine Londoner Saison ausmachen, sind ohne Zweifel nicht die Bestandteile der Heiligkeit.

Aber nach meiner Ansicht sind sie weit weniger weltlich, haben weit weniger von dem Gift der Weltlichkeit in sich als der tägliche Kultus des Komfort, der die überwiegende Mehrzahl der ruhigen Leute in unsern Tagen auszeichnet. Manche werden nicht von Bällen, Lustpartien und ähnlichen Modevergnügungen angezogen und haben daher kein Verdienst, daß sie sich von ihnen fern halten. Allein diese nämlichen Personen setzen vielleicht einen großen Wert auf den ununterbrochenen Fortgang ihrer täglichen häuslichen Bequemlichkeit. Sie stehen auf, wann sie wollen, und machen sich ihr Aufstehen so bequem als möglich. Ihre Mahlzeiten müssen elegant, durch lustige Späße gewürzt und ohne Fehler sein. Der mechanische Dienst ihrer Diener muss einen ungestörten Verlauf nehmen, indem sie den Bedürfnissen zuvor kommen und widrige Dinge von den Augen fern halten. Ihre Zeit muss ihnen größtenteils zur eigenen Verfügung stehen. Sie müssen den Zeitvertreib einer unterhaltenden Konversation und eines geselligen Verkehrs haben und müssen ihre rastlose Unruhe, wenn es ihnen gefällt, durch Veränderung der Luft, der Landschaft und der Gesellschaft befriedigen können. Es liegt in der Regel ein weit größerer Grad von weltlicher Gesinnung in all diesem als in dem nach Vergnügen jagenden Schwärmen einer Londoner Saison.

So finden wir oft in Verbindung mit dieser letzteren große Gnaden, edelmütige Opfer, unerwartete Abtötungen und eine nicht ertötete himmlische Sehnsucht. Aber diese Dinge findet man schwerlich im ruhigen, gar nicht lästigen Kultus häuslichen Wohlbehagens.
Alle Jahre gehen aus den Üppigkeiten der großen Welt erhabene Erweckungen hervor. Jede Londoner Saison schreibt gegen ihren Willen einige glorreiche Bekehrungen in die Annalen der Gnade ein, Bekehrungen, deren eigentümliche Glorie die Offenheit ihres Edelmutes ist.

Nichts Großes kommt jemals aus der täglichen Gleichförmigkeit häuslichen Wohllebens hervor. Die heroischen Taten der christlichen Vollkommenheit haben weniger Aussicht vollbracht zu werden in der stillen Gartenlaube oder am anmutigen Ufer des Flusses als im Ballzimmer oder am Hofe. Schon der bloße ruhige Verlauf eines behaglichen Lebens hat eine Weichlichkeit an sich, die der Heiligkeit Verderben bringt.

Nun aber atmen alle Formen und Bilder, alle Vorstellungen, Gemälde und Ideen der Andacht zum kostbaren Blut den Geist des Opfers. Ihre Schönheit ist die Strengheit des Opfers. Sie plagen die Seele mit einem beständigen Gefühl der Unzufriedenheit und mißtrauen allem, was nicht Opfer ist, und dieses Plagen ist die Anregung der Gnade. Mit der Zeit flößen sie uns eine Liebe zur Aufopferung ein, und hat man diese Opferliebe erlangt, dann hat man die erste Höhe der Heiligkeit erstiegen, atmete die reine Luft und wandelt dennoch auf dem mehr geebneten Wege des oberen Tafellandes der Berge der Vollkommenheit.

Es ist die eigentliche Mission der Andacht zum kostbaren Blut, einen Kreuzzug gegen ruhige, sündlose, leibliche Genüsse zu predigen. Die Messe ist der kurze Inbegriff des Evangeliums.

Es ist eine Häresie in der Lehre das Sakrament anzuerkennen und das Opfer zu leugnen. Die Weltlichkeit macht sich einer ähnlichen praktischen Häresie schuldig hinsichtlich der Heiligkeit. Sie gibt Forderungen aller ihrer Verpflichtungen zu, nur eine nicht, und dies ist die Verpflichtung zum Opfer.

aus: Frederick W. Faber, Das kostbare Blut oder Der Preis unserer Erlösung, 1920, S. 355-358

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