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Katholische Kirche – Mystici Corporis
Auf Gottes Barmherzigkeit sündigen

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung
§ 2. Von den verschiedenen Gattungen der Sünde
2. Von den Sünden wider den Heiligen Geist – Durch Vermessenheit auf Gottes Barmherzigkeit sündigen
Unstreitig ist jede Sünde dem Hl. Geist, der ein Geist der Heiligkeit ist, zuwider. Unter dieser Rücksicht sind aber auch alle Sünden dem Vater und dem Sohn zuwider, da ja der Vater und der Sohn eben sowohl wie der Hl. Geist unendlich heilig sind und jegliche Sünde unendlich hassen. Nichts desto weniger gibt es eine Gattung von Sünden, die insbesondere „Sünden wider den Hl. Geist“ genannt werden, weil die ihnen eigentümliche Bosheit dem Hl. Geist in besonderer Weise widerstrebt.
Diese Bosheit besteht nämlich darin, dass durch die besagte Gattung von Sünden die Gnade des Hl. Geistes vorsätzlich zurück gestoßen und verschmäht wird. Die Schmach, welche man auf solche Weise dem Hl. Geist, dem Geist der Liebe, antut, ist um so größer, je kostbarer die Gaben sind, die er anbietet; sind es doch jene wahrhaft göttlichen Gaben, die niemand uns geben kann als er allein, und die allein uns befähigen, die himmlische Glückseligkeit zu erwerben.
Von diesen Sünden sagt Christus, „dass sie weder in dieser, noch in der künftigen Welt vergeben werden“. (Matth. 12, 32) Da nämlich diejenigen, welche wider den Hl. Geist sündigen, der Gnade desselben das Herz geflissentlich verschließen, ohne die Gnade aber eine Bekehrung und somit auch eine Vergebung der Sünden unmöglich ist, so ergeht es solchen Sündern ähnlich wie einem Kranken, der das einzig wirksame Heilmittel hartnäckig zurückweist.
Damit ist jedoch nicht gesagt, dass jemand, der eine dieser Sünden wider den Hl. Geist begangen hat, unter keinen Umständen Nachlassung derselben erhalten könne. Steht es doch jederzeit bei ihm, von dieser dem Hl. Geist widerstrebenden Gesinnung des Willens abzulassen, wie es beim Kranken steht, das verschmähte Rettungsmittel endlich doch zu gebrauchen. Gibt aber der Mensch dem Einfluss der göttlichen Gnade wieder Raum in seinem Herzen, lässt er sich durch dieselbe zur reumütigen und zerknirschten Rückkehr zu Gott bestimmen, so findet er auch wieder Verzeihung, der Fluch, welcher auf der Sünde wider den Hl Geist ruht, wird wieder aufgehoben.
Gleichwohl bleibt es wahr, dass der Vergebung dieser Art von Sünden besondere Schwierigkeiten entgegenstehen. Die vorsätzliche Verschmähung der göttlichen Gnade setzt nämlich eine außergewöhnliche Härte des Herzens voraus, deren Erweichung zwar immer möglich ist, sich aber ohne außerordentliche Gnaden fast niemals vollzieht. Dazu kommt, dass man durch die große Bosheit dieser Sünden sich des Empfanges außerordentlicher Gnaden besonders unwürdig macht und somit in der größten Gefahr schwebt, in der Unbußfertigkeit zu verharren.
Es verhält sich demnach mit der Nichtvergebung dieser Sünden wie mit gewissen Krankheiten, die man unheilbar nennt, nicht als ob die Heilung derselben ganz unmöglich wäre, sondern weil dieselbe sehr schwer ist darum nur selten stattfindet.
Als Sünden wider den Hl. Geist werden vom Hl. Augustin, vom Hl. Thomas und sämtlichen Theologen folgende bezeichnet:
Vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit sündigen
So sündigt derjenige, welcher von der Größe der göttlichen Barmherzigkeit selbst Anlass nimmt, desto freier zu sündigen oder desto länger in der Sünde zu verharren. Ein solcher sündigt wider den Hl. Geist, indem er die unendliche Barmherzigkeit Gottes, welche die die wohl verdiente Strafe um seines Heiles willen bisher von ihm abwandte und ihn zur vertrauensvollen Rückkehr fort und fort einlädt, gerade dazu missbraucht, sein Herz zu verhärten und sich immer tiefer in den Sündenschlamm zu versenken.
Wer vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit sündigt, verachtet somit den Reichtum der göttlichen Güte, Geduld und Langmut und zwingt Gott gleichsam, ihn nunmehr seine Strafgerechtigkeit fühlen zu lassen. (Röm. 2, 4. 5) Ihm gilt daher die Warnung des weisen Sirach (5, 6-9): „Saget nicht: Die Barmherzigkeit Gottes ist groß, er wird die Menge meiner Sünden vergeben … Säume nicht, dich zum Herrn zu bekehren, und verschieb es nicht von einem Tag zum andern; denn plötzlich kommt sein Zorn, und zur Zeit der Vergeltung wird er dich vernichten.“
Leider gibt es nur zu viele Christen, welche fort und fort sündigen in der Hoffnung, es werde ihnen vergönnt werden, sich beim Herannahen des Todes durch die Beichte mit Gott auszusöhnen. Möchten diese Beklagenswerten, bei denen das ewige Heil jeden Augenblick auf dem Spiele steht, an den bekannten Ausspruch des hl. Augustin sich erinnern: „Einen Schächer hat Gott in Gnaden aufgenommen, damit du nicht verzweifelst; aber auch nur einen, damit du nicht vermessen hoffest“; oder an jenen des hl. Gregor des Großen: „Gott, der dem Reuigen Vergebung verheißen, hat dem Sünder den morgigen Tag nicht verheißen.“
Quelle: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 2, 1912, S. 359 – S. 360; S. 552
3. Von den Sünden wider den Heiligen Geist – An der Gnade Gottes verzweifeln
Durch Vermessenheit missbraucht der Mensch die göttliche Barmherzigkeit, indem er, auf sie gestützt, sich der Sünde hingibt, und darin verharrt; durch Verzweiflung misskennt er die Barmherzigkeit Gottes und stößt sie von sich, indem er alle Hoffnung aufgibt, Verzeihung der Sünden und das ewige Heil zu erlangen. Auch diese ist demnach eine Sünde wider den Hl. Geist, und zwar eine sehr schlimme, wie schon nachgewiesen wurde. –
Einer solchen Sünde machte sich Kain schuldig, indem er sprach: „Meine Missetat ist zu groß, als dass ich Verzeihung erhalten könnte.“ (1. Mos. 4, 13) Desgleichen Judas, der Verräter unsers Herrn: nachdem er die Folgen seines gottesräuberischen Frevels vor Augen sah, ging er voll Verzweiflung hin und erhängte sich. (Matth. 27).
Nicht selten geraten eben diejenigen, welche in ihrem Leben vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit gesündigt haben, nach göttlicher Zulassung auf dem Sterbebett in Verzweiflung.
P. Cattaneo erzählt in seinen Predigten vom guten Tode, ein junger Wolllüstling, dem man öfters zuredete, er möchte doch sein Leben ändern, habe regelmäßig geantwortet:
„Eine Heilige, die allmächtig ist, nimmt sich meiner an; diese Heilige ist die Barmherzigkeit Gottes.“ Mit dieser Redensart wies er jeden Hinweis auf die göttlichen Strafgerichte spöttelnd zurück. Von einer tödlichen Krankheit befallen, ließ er jedoch einen Beichtvater herbeirufen; allein während er sich zur Beichte vorbereitete, traten ihm die Sünden seines ganzen Lebens in solcher Unzahl und Abscheulichkeit vor die Seele, dass er voll Entsetzen ausrief: „O des endlosen Sündenregisters!“ Er starb in der Verzweiflung, bevor es ihm vergönnt war, sich mit Gott auszusöhnen. (Hl. Liguori, Predigt 52). –
Quelle: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 2, 1912, S. 360; S. 552
Weitere Beiträge siehe unter:
Siehe auch den Beitrag aus dem Katechismus von Petrus Canisius:
Empfehlenswert ist auch der Volkskatechismus von Spirago, neu aufgelegt und herausgegeben von dem Verlag ‚Lilien des Feldes‘ in Österreich.
Bildquellen
- hattler-die-suende-und-ihre-folgen: © https://katholischglauben.info
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