Vertrauen der Katholiken in der Verfolgung

Fromme Verehrer des heiligsten Herzens Jesu

Die deutschen Bischöfe und Katholiken in den Tagen der Verfolgung (1869-1885)

Teil 4

Jesus, der Heiland, in weißer Kleidung auf einer Wolke sitzend, breitet die Hände zum Segen aus; auf seiner Brust sieht man sein heiligstes Herz; Umgeben ist der Herr von einem verzierten Schriftband; oben an den Ecken des Bildes sieht man jeweils drei Engelköpfe

Weihe an das Herz Jesu in der Verfolgung

Mit dem Jahre 1875 hatten die Katholiken Deutschlands die beste Gelegenheit, ihr Vertrauen auf das göttliche Herz auch öffentlich zu bezeugen. Der 16. Juni war der zweihundertjährige Erinnerungstag an die erstmalige Offenbarung des hl. Herzens, welche der seligen Margaretha Alacoque geworden war. Papst Pius IX. hatte gestattet, daß an diesem Tag die Hochwürdigsten Bischöfe der ganzen Welt in ihren Diözesen die Weihe des katholischen Volkes an das göttliche Herz vollziehen könnten. In Deutschland geschah dies überall in feierlichster Weise unter der regsten Teilnahme des Volkes. Es würde zu weit führen, wenn wir uns in Einzelheiten hierüber ergehen wollten. Die Berichte an den „Sendboten“ waren so zahlreich, daß er von der Veröffentlichung derselben abstehen musste. Nur bemerkte er im Allgemeinen: „Was uns in diesen Berichten besonders auffiel, ist der unglaublich zahlreiche Empfang der hl. Sakramente, der am Tag der Weihe überall stattfand, sowie der Umstand, daß Personen, die sonst leider nicht sehr oft am Tisch des Herrn sich einfinden, diesmal der Einladung des Heilandes freudig folgten. Mehr noch als die großartigen Kundgebungen nach außen hin, wie sie an jenem Tage in Stadt und Land zu sehen waren, bürgt für das Segensvolle der Weihung jener Zug, den Tausende und Tausende nach der innigsten Vereinigung mit dem göttlichen Herzen durch die hl. Kommunion in sich empfanden. Es hatte einige Zeit vor der Weihe Jemand die Äußerung getan, angesichts der damaligen Weltlage erscheine ihm der Gedanke einer allgemeinen Weihung an das göttliche Herz und die hierzu vom hl. Vater ergangene Einladung, wie ein Ruf des Herrn, daß man vor dem Sturm in die Arche flüchten möge. Wie dem immer sein mag, – der 16. Juni des Jahres 1875 war für überaus Viele ein Tag der Gnade und bleibt für sie ein Unterpfand der Erbarmung.“ –

Und die Erbarmung des göttlichen Herzens kam. Durch Vermittlung des Papstes ward die preußische Regierung veranlaßt, die harten Maigesetze teilweise aufzuheben oder abzuändern. Dadurch wurde nach den Worten des hl. Vaters „ein nicht heuchlerisches noch zu verachtendes Heilmittel für viele Übel gegeben, und der so lange und mühsam angestrebte Friede angebahnt.“ Nicht minder zeigte sich die Erbarmung des göttlichen Herzens darin, daß es den Katholiken jene Einheit, Festigkeit und Treue verlieh, womit sie während der Verfolgung im innigsten Anschluss an ihre hochwürdigsten Oberhirten und an den Papst zu unserer heiligen Kirche gehalten haben. Dieses Zeugnis haben die Bischöfe selbst ihren Priestern und ihrem Volk gegeben, als sie im Jahre 1885 am Grab des hl. Bonifatius in Fulda ihr gemeinsames Hirtenschreiben erließen; – ein Zeugnis, wie es in der Kirchengeschichte wohl selten ausgestellt worden, und zwar mitten im Kampf reich an Opfern und Leiden, und angesichts der übermächtigen Feinde. Auch sprachen die Bischöfe es offen aus, daß diese Gnade dem heiligsten Herzen Jesu zu verdanken sei. Sie schrieben:

„Geliebte Mitbrüder, teure katholische Christen! Ihr seid Eurem Heiland und seiner katholischen Kirche treu geblieben. Das bezeugen wir, Eure von Gott gesetzten Hirten, Euch vor der ganzen Christenheit; und dieses Zeugnis soll als ehrendes Denkmal aufgerichtet bleiben, so lange die Welt steht. – Um Eurer Treue willen aber preisen wir zumeist Gott, dessen allmächtiger Gnade wir dieses geistige Wunder verdanken, ein Wunder, bei dessen Anblick auch der Unglaube bekennen müsste: „Das ist von Gott dem Herrn geschehen; ja, es ist wunderbar in unseren Augen!“
Es ist der Heiland der Welt, der göttliche Bischof unserer Seelen, dessen hohenpriesterliches Gebet, das er niemals am Thron seines himmlischen Vaters unterbricht, die Reichtümer der Gnade auf uns und Euch herab gefleht hat. Ihr wißt ja, um was er gebetet hat, ehe er in sein Leiden ging: „Mein Vater! Die Stunde ist gekommen, verherrliche Deinen Sohn, damit Dein Sohn Dich verherrliche. Ich bin nicht mehr in der Welt; aber diese sind in der Welt; und ich komme zu Dir. Heiliger Vater! Erhalte sie in Deinem Namen, die Du mir gegeben hast, damit sie Eins seien, wie wir Eins sind. Aber ich bitte nicht allein für sie, sondern für Alle, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit alle Eins seien, wie Du, Vater, in mir bist, und ich in Dir bin, auf daß auch sie in uns Eins seien, damit die Welt glaube, daß Du mich gesandt hast. So hat er auch für uns und für euch gebetet, so betet er noch immer fort: und niemals bleibt dieses Flehen des göttlichen Herzens unerhört. Wie einst am Grab des Lazarus, so rühmt sich der Herr immerdar: „Ich weiß es, mein Vater, daß Du mich allzeit erhörst.“ Aber heute können wir in besonderer Weise einstimmen in das Wort unseres gebenedeiten Erlösers: „Ich danke Dir, daß Du mich jetzt auch erhört hast, damit Alle glauben, daß Du mich gesandt hast.“ Ja, geliebte Mitbrüder, teure katholische Christen! Wunderbar hat Er Euch gestärkt. Ihr habt alle Lockungen, die an Euch heran treten, um Euch vom Wege der Pflicht abzuwenden, standhaft zurück gewiesen; Ihr habt die schweren bitteren Leiden, denen ihr nach Gottes Ratschluss nicht entgehen solltet, starkmütig erduldet. Ein Schauspiel für die Engel, die Menschen und die Welt seid Ihr, ist die Kirche in unserem Vaterlande. Fest geeint stehen wir da; geeint sind die Gläubigen mit ihren rechtmäßigen Hirten unter einander in Wort und Tat zu unerschütterlicher Eintracht, geeint sind wir Alles mit dem obersten Hirten, welchem Jesus Christus seine Herde anvertraut hat.“ –
aus: Franz Hattler SJ, Großes Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, 1897, S. 729 – S. 731

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