Unsere Liebe Frau zu Mariatal Wallfahrtsort

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte der himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Unsere Liebe Frau zu Mariatal in Ungarn (*)

De fromme Fürst Paul Esterhazy erzählt die Entstehung dieses berühmten Wallfahrtsortes also:

Es geschah im Jahr 1330, daß ein armer blinder Bettler in dem Wald von Tal andächtig betete. Und wie er so vor Gott sein hartes Leid klagt, hört er eine Stimme, welche ihm sagt, es sei in der Nähe eine Quelle und darinnen ein wundervolles Bild; wenn er sich mit dem Wasser der Quelle die Augen wasche, so werde er sogleich sehend. –

Als er diese Worte hörte, ließ er sich zur Quelle bringen und nachdem er sich mit dem Wasser die Augen gewaschen, öffneten sich dieselben sogleich, und alsbald begann er zu sehen. Er bemerkte auf dem Grund der Quelle das wundervolle Bild der heiligen Jungfrau, erhob es mit großer Andacht, befestigte es an der Spitze einer Holzsäule, und kam sehr oft dahin, um vor diesem preiswürdigen Bild zu beten.

Das Bild aber kam auf folgende Veranlassung in die Quelle. Unter den Genossen des ersten heiligen Bischofs und Märtyrers von Chamad lebte einer ganz einsam in dieser Gegend und schnitzte zur Zeit des heiligen Königs Stephan ein Bild der gebenedeiten Gottesmutter aus Ahorn. Vor diesem Bild verrichtete er lange seine Andachten. Als aber unter der Regierung des Peter und Samuel Aba die Anhänger des Heidentums die Christen verfolgten, verbarg der Einsiedler dieses Bild in der oben genannten Quelle und es wurde erst 300 Jahre später unter König Ludwig I. von dem benannten blinden Bettler entdeckt.

Als nun die Vorübergehenden dieses heilige Bild auf der Holzsäule sahen, begannen sie dasselbe zu verehren und es erhielten Viele große wunderbare Gnaden. Als dieselben zur Kenntnis des frommen Königs Ludwig gelangten, ließ dieser gottesfürchtige Diener der Lieben Frau an diesem Ort zur Verherrlichung der Gottesmutter eine schöne Kirche bauen, und daneben ein Kloster für Paulaner-Mönche. Als das heilige Bild auf den Altar gestellt war, kamen Scharen von Pilgern, um dasselbe zu verehren, und er ereigneten sich zahlreiche Wunder. Die ehrwürdigen Mönche besorgten mit größtem Eifer der Gottesdienst, und nahmen sich mit inniger Liebe des Seelenheils der Wallfahrer an bis zum Jahr 1786, wo Kaiser Joseph II. das Kloster aufhob. –

Doch auch nach Aufhebung des Klosters hörte dieser Gnadenort nicht auf, ein Sammelplatz zahlreicher Pilger aus Nah und Fern zu sein, welche kamen, um Trost und Hilfe bei der mächtigen Himmelskönigin zu finden. –
Ein Pfarrer besorgte nun den Gottesdienst und das Heil der Pilger.

Unter den Pilgern, welche sich früher schon hier einfanden, war auch der römische Kaiser Leopold I. Dieser kam gerade hundert Jahre vor der Aufhebung des Klosters hierher, und empfahl in Gegenwart eines zahllosen Volkes mit beispielloser Andacht das vom türkischen Joch befreite Land dem Schutz der großen Frau und Patronin Ungarns. Nicht lange darnach wurde von dem Palatin und Fürsten Paul Esterhazy an dem Ort, wo die heilige Quelle sich befindet, eine zierliche Kapelle erbaut, welche bis jetzt noch steht, und von Kranken, Blinden und Krüppeln besucht wird, die nicht selten wunderbare Heilung finden. Auch der frühere Primas von Ungarn und Erzbischof von Gran, Emmerich Esterhazy, der zuerst ein Paulaner-Mönch und Ordensgeneral gewesen, und zu Mariental seinen Sitz hatte, kam hierher. Dieser, ein heiliges Leben führende Erzbischof litt an der Luftröhren-Schwindsucht, und befand sich in großer Lebensgefahr. Er setzte sein vertrauen auf die Fürbitte der Lieben Frau und ward auch wunderbar geheilt. –

Da der Zulauf des andächtigen Volkes auch nach der Aufhebung des Klosters nicht abnahm, und ein Pfarrer nicht mehr genügte, um die Seelenbedürfnisse der Pilger zu befriedigen, so stiftete Domherr Martin Görgei ein Benefizium für zwei Hilfspriester. Seit 1807 befindet sich nur mehr ein Kaplan in Mariental. Aber wenn im Frühling und Herbst aus den Komitaten Wieselburg, Preßburg und Neutra, ja sogar aus Österreich scharenweise die Wallfahrer zu Tausenden herbei strömten, dann werden aus den benachbarten Städten Beichtväter bestellt, um das Heil der Pilger an diesem Gnadenort zu besorgen, welcher der älteste des schönen Landes Ungarn ist. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 942 – Sp. 943

(*) heute Marianka, Slowakei

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott

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