Der Liebfrauenhof zu Wranau in Mähren

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte der himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Der Liebfrauenhof zu Wranau in Mähren (*)

Bei Wranau, einer Stadt in Mähren, steht eine herrliche Kirche, der Gottesmutter geweiht, Frauenhof genannt, zu der alljährlich Tausende fromme Pilger wallten. –

Im Jahr 1240, als Gregor IX. Christi Statthalter auf Erden war, erschien dem Landmarschall vom Mähren, Wilhelm von Rosenberg, der schon mehrere Jahre blind war, und umsonst alle Ärzte zu Rate gezogen hatte, die gebenedeite Jungfrau Maria, ihn also freundlich ansprechend: „Willst du gesund werden?“ Herr Wilhelm fragte hingegen: „Wer bist denn du, so mit mir redet?“ Darauf hat die allerseligste Jungfrau geantwortet: „Ich bin die Mutter der schönen Liebe.“ Der Marschall: „ O Mutter der schönen Liebe, lehre mich dich recht und von herzen lieben, liebend dich und deinen Sohn fürchten, fürchtend erkennen, damit also erkennend ich würdig befunden werde, mein Augenlicht wieder zu erhalten.“ Die heilige Jungfrau sprach: „In sofern dir dein Gesicht wieder soll gegeben werden, erbaue meinem Sohn und mir auf dem Wranau-Hügel eine Kirche!“

Solches zu tun gelobte also bald der Marschall, ließ auch am folgenden Tag den Anfang machen. Aber siehe, als das nötige Holz gefällt, und ohne Verzug auf dem zur Kirche bestimmten Ort zusammen geführt war, verschwand es wieder während der Nacht, und man fand es auf dem gegenüber stehenden Berg unter dem Schatten zweier Eichen. Heilige Engel hatten es hierher getragen, und zwischen den beiden Eichen strahlte verborgen as alte, gnadenreiche Bildnis. In tiefster Verwunderung und Ehrfurcht wurde nun hier die Kirche eifrigst zu bauen angefangen und vollendet. Wilhelm aber, der Landmarschall, ward mit der Gesundheit seiner Augen begnadet.

Bald ward das Gnadenbild vom Volk höchlich verehrt, und es geschahen viele Gnaden-Erweisungen, die urkundlich nieder gelegt wurden. Als aber auch nach Mähren die Ketzerei drang, und in Wranau Eingang fand, haben die Ketzer diese Urkunden vernichtet, damit sie nicht in der Nachkommen Hände kämen. Dabei hat sich ein großes Wunder begeben. Es war bei der Gnadenkapelle eine Stiftung, daß täglich sollten die Tagzeiten U.L. Frau gesungen werden. Die Ketzer wollten diesen löblichen Brauch nicht abkommen lassen, nicht aber, um die Mutter Gottes zu ehren, sondern aus der reichen Stiftung den Lohn dafür zu bekommen. Es war ihnen also nur um das Geld zu tun. Sie haben deshalb auf katholische Weise die Tagzeiten gesungen. Eines Tages kam ein blinder Kroate hinein, hörte den Gesang und bat Gott und die gebenedeite Jungfrau um sein Gesicht. Die vermeinten Chorherren fingen an zu lachen, andere schafften ihn aus der Kirche; einer wies ihm mit einem Stock die Tür. Dieser aber wurde also bald mit Blindheit gestraft, der Kroate aber erhielt sein Gesicht wieder. –

Den erblindeten Ketzer aber führte sein Sohn mit Schrecken und Trauer nach Hause. –

Die Heimsuchung seines Vaters erleuchtete ihn, er kehrte zum katholischen Glauben zurück und stiftete viel Gutes. Unter Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1622 unternahm es der Fürst Maximilian von Lichtenstein, eine neue größer Kirche zu bauen, welche im Jahr 1707 erweitert und in gegenwärtigen Stand gesetzt wurde. Derselbe Fürst gründete auch im Jahr 1633 ein Kloster der Paulaner dabei, damit die Väter die Ehre der gebenedeiten Gottesmutter befördern möchten. Im Jahr 1670 mussten sich die Ordensbrüder vor den Schweden flüchten. Sie nahmen das Gnadenbild mit sich auf die Burg Novyhrad; dieselbe aber fiel in die Hände der Feinde, wurde verbrannt, das Gnadenbild aber gerettet. Als im Jahr 1740 das 500jährige Jubiläum gefeiert wurde, zählte man 40,000 Pilger, welche die heiligen Sakramente empfingen. –

Wie groß die Zahl der wunderbaren Gebets-Erhörungen gewesen sein musste, das bezeugten die kostbaren Opfergaben, welche die dankbaren Herzen der Lieben Frau zu Füßen legten. Als im Jahr 1748 das Paulanerkloster aufgehoben wurde, nahm die k.k. Regierung 9 Zentner Silber nebst anderen Kostbarkeiten der Gnadenkirche ab… (Dr. Kaltenbäck und gütige Mitteilung.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1320 – Sp. 1322

(*) heute Vranov, Tschechien

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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