Heiliger Albertus Magnus Dominikaner

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

15. November

Der heilige Albertus Magnus Dominikaner

Albert, dem die seine Gelehrsamkeit bewundernde Welt den Ehrentitel „der Große“ gegeben, wurde 1193 zu Lauingen an der Donau aus dem Grafengeschlecht der Bollstätt geboren. Seine Mutter, eine gar innige Verehrerin Mariä, empfahl ihr Söhnlein mit besonderem Vertrauen der hoch gebenedeiten Himmelskönigin und pflanzte eine glühende Liebe zu derselben in sein junges Herz. Seine erste Bildung empfing er von den Benediktinern in der Heimat, und auf der Universität zu Padua, die damals in der schönsten Blüte stand, legte er den Grund zu seiner weltberühmten Gelehrsamkeit. Dort fand man ihn nur in der Schule, oder bei der Studierlampe, oder in der Dominikaner-Kirche kniend vor dem allerheiligsten, oder vor dem Bilde Mariä. Denn das heiligste Altarsakrament und die allerseligste Jungfrau waren so ganz mit seinem Geiste und Herzen verwachsen, daß er nur in ihnen lebte und webte.

Durch Maria aufgemuntert, in den Orden des hl. Dominikus zu treten, empfing er 1221 aus den Händen des berühmten hl. Generals Jordan das Mönchsgewand. Nach dem Probejahr ward er wegen seiner herrlichen Tugenden und außerordentlichen Kenntnisse zum Professor bestimmt und lehrte mehrere Jahre in den Kloster-Schulen zu Köln, Hildesheim, Freiburg, Regensburg und Straßburg mit großem Beifall. Nach dem Tode des hl. Jordan wurde er genötigt, zwei Jahre lang den ganzen Orden zu regieren. Hierauf bestieg er wieder die Lehrkanzel zu Köln, zu der sogar aus fernen Ländern zahlreiche Schüler herbei strömten. Die schönste Perle unter denselben war wohl Thomas von Aquin, den er auch mit väterlichem Wohlwollen liebte.

Im Jahre 1245 erhielt Albert den Befehl, nach Paris zu gehen, um den Doktorgrad sich zu erwerben und Vorlesungen zu halten. Demütig wie ein Kind gehorchte er. Aber wie staunte Paris über diesen gelehrten Bettelmönch! Seine Vorträge wurden von so vielen Schülern angehört, daß die größten Säle dieselben nicht zu fassen vermochten und er unter freiem Himmel lehren musste. Es schien, als lägen die Geheimnisse der Natur und der Religion offen vor seinen Augen; die schwierigsten Fragen löste er mit lichtvoller Klarheit, und gelehrte Männer holten sich Rat bei ihm. Unbestritten ehrte ihn das allgemeine Urteil als den größten Gelehrten seines Jahrhunderts, als ein Wunder der Weisheit und Wissenschaft. Und mit Recht; denn an Mannigfaltigkeit, Umfang und Tiefe des Wissens und der wissenschaftlichen Leistungen erreichte ihn keiner seiner Zeitgenossen. Seine naturgeschichtlichen Werke über Länderkunde, über das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich zeugen von einer so großartigen Auffassung und Einsicht, daß nach sechshundertjährigem Fortschritt sogar der gefeiertste Naturforscher und Protestant Alexander von Humboldt sie anerkennend rühmt.

Aber dieser außergewöhnliche Ruhm fand keinen Widerhall in seinem Geist und Herzen; er blieb der gleiche demütige Bettelmönch und kindlich gehorsame Ordensmann. Im Jahre 1254 fiel die Wahl zum Provinzial von Deutschland auf ihn. Er stieg von seiner Lehrkanzel in Köln, wohin er von Paris wieder berufen worden, herab und bereiste die in allen Teilen des Reiches gelegenen Klöster zu Fuß gehend und nur vom Almosen lebend. In dieser Zeit erhielt er auch vom Papst eine Mission nach Polen, um einige noch aus dem Heidentum stammende Missbräuche, z. B. das Töten mißgestalteter Kinder, abgelebter Greise zu beseitigen.

Zur Beilegung des berüchtigten Streites, in welchem die Universität Paris den Dominikanern und Franziskanern die Lehrberechtigung und Mitgliedschaft absprechen wollte, berief Papst Alexander IV. den großen Albert nach Rom, und nötigte ihn dann 1260 zur Übernahme des Bistums Regensburg unter Androhung des Bannes, wenn er länger sich weigere. Die Diözese, voll des freudigen Jubels über diese Wahl, wollte dem ankommenden Hirten einen recht festlichen Empfang bereiten. Als Albert davon Kunde erhielt, ging er unverhofft zur Nachtzeit nach Regensburg und in der Frühe zur heiligen Messe; nur die feierliche Begleitung in die bischöfliche Wohnung konnte er nicht mehr verhindern.

Er arbeitete Tag und Nacht am Wohle seiner Herde; aber die schmerzvolle Sehnsucht nach seiner stillen Zelle zehrte beständig an seinem Herzen. Nach zwei Jahren beglückte ihn der Papst mit der Erlaubnis, den Bischofsstab abzulegen und wieder Bettelmönch zu sein.

Wie der Gefangene in die Freiheit, so eilte Albert in seine geliebte Zelle, um wieder der Wissenschaft sich zu widmen. Aber bald musste er auf Befehl des Papstes in Deutschland den Kreuzzug predigen, und im Jahre 1274 den neu gewählten Kaiser Rudolf von Habsburg auf das Konzil von Lyon begleiten, wo er für dessen Anerkennung eine glänzende Rede gehalten haben soll.

Unverbürgt ist die Erzählung, daß er drei Jahre vor dem Tode, als er eines Tages sehr beredt von der Lehrkanzel sprach, plötzlich das Gedächtnis verlor, von allen Wissenschaften gar nichts mehr wußte, daß ihm nur noch Heilswahrheiten der göttlichen Religion in lebhafter Erinnerung blieben. Deshalb nahm er Abschied von seinen trauernden Schülern, um sich auf den Tod vorzubereiten. Täglich besuchte er das Grab, das er für sich hatte öffnen lassen und betete die kirchlichen Tagzeiten für die Verstorbenen.Gleich einer Lampe, die ihr Öl, im Tempel des Allerhöchsten leuchtend, bis zum letzten Tropfen aufgezehrt hat, erlosch sein herrliches Leben am 15. November 1280. Papst Gregor XV. hat ihn 1622 selig gesprochen. (*)

Seine hinterlassenen Schriftwerke füllen einundzwanzig Foliobände – ein herrliches Zeugnis für den Geist und Fleiß dieses einzigen Mannes, der nebenher noch als Mönch so viel beschäftigt war. In fast alle Schriften wußte seine glühende Kindesliebe Einiges zum Lobe und Ruhme der innigst verehrten Himmelskönigin Maria einzuflechten. Zu ihrer Ehre verfaßte er außer größeren Werken auch mehrere Lieder, die er bei der Erholung im Garten gar andächtig zu singen pflegte. Dabei wallten nicht selten die Gefühle seines Herzens so mächtig auf, daß die Tränen der innigsten Rührung über seine Wangen flossen. O schöne Kindestränen in den Augen eines so großen Mannes!

(*) am 16. Dezember 1931 von Papst Pius XI. heiliggesprochen; ihm wurde auch der Titel „Kirchenlehrer“ verliehen –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 848 – S. 850

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