Heilige Mutter Bartolomea Capitanio

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

26. Juli

Heilige Mutter Bartolomea Capitanio, Mitgründerin der „Schwestern von der Liebe“

(13. Februar 1807 – 26. Juli 1833)

Heilig gesprochen am 18. Mai 1950

Obwohl sehr verschieden durch Anlagen und Lebensumstände, haben zwei Jungfrauen aus Lóvere (Diözese Brescia) in einer auch unter Heiligen seltenen Weise zusammen Gott verherrlicht durch das Institut der „Schwestern von der Liebe“, im Volk gewöhnlich „Schwestern vom Kinde Maria“, das sie beide als Gründerinnen betrachtet. So scheint es auch eine Gott gewollte Besiegelung dieser heiligen Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit zu sein, daß beide zusammen am gleichen Tag die höchste Verherrlichung auf Erden erfahren haben.

Die Kindheit von Bartolomea

Den Plan und den Antrieb zur Gründung des Instituts gab Bartolomea Capitanio, die zwar dreiundzwanzig Jahre später als Vincenza Gerosa geboren wurde, aber schon vierzehn Jahre vor ihr starb, nämlich im Alter von sechsundzwanzig Jahren. Schon sehr früh, als Schülerin im Kolleg der Klarissen ihres Heimatstädtchens Lóvere, hatte sie die Ahnung, daß ihr nur eine kurze Lebenszeit vergönnt sein werde, und sie fühlte sich durch die Gnade Gottes zu zu dem Entschluss angetrieben: „Ich will heilig werden, will eine große Heilige werden, will schnell heilig werden.“ Als äußeren Anlass zu diesem Vorsatz benützte Gott ein scheinbar zufälliges Kinderspiel. Während einer Erholung im Schulhof fragte die Lehrerin eine Gruppe von Schülern: „Wer von euch will heilig werden?“ In kindlichem Wetteifer riefen viele Stimmen: Ich, ich, ich! Da fragte die Lehrerin in ernsterem Ton weiter: „Wer will als erste heilig werden?“ Wieder melden sich viele. „Nun, wir wollen sehen“, sagt da die Lehrerin, nimmt so viele Strohhalme wie Schülerinnen da sind und verteilt aufs Geratewohl. Dann erklärt sie: Jene wird am ersten heilig werden die den längsten Strohhalm bekommen hat. Es stellte sich heraus, daß dieser in den Händen von Bartolomea war. Das kindliche Spiel hatte ungeahnte Wirkungen auf das einfache Mädchen, das im Augenblick zuvor die Muttergottes – von ihm „Madonna“ und „cara Mamma“ genannt – innerlich im Ernst um die erwähnte Gnade gebeten hatte. Errötend eilte Bartolomea in die Kapelle und flehte die seligste Jungfrau um die Gnade an, wirklich ganz und schnell heilig zu werden. Sie zählte damals elf oder zwölf Jahre und hatte nicht lange vorher, nämlich im Alter von zehn Jahren, die erste heilige Kommunion empfangen. Damals schon schrieb sie die weisen Gedanken nieder. „Ich nehme mir vor, heilig zu werden. Das ist es, wozu du, mein Gott, mich rufst. Es ist zwar ein großes Wort, und es könnte aus einem gewissen Stolz hervor gehen, wenn ich nicht mein ganzes Vertrauen auf dich setzte, und wenn ich nicht wüßte, daß alle jene, die wirklich heilig wurden, ständig daran gedacht haben. Ich will aber heilige werden durch ein Dreifaches: durch Demut, Selbstverleugnung und Gebet. Dieses ständige Drängen in meinem Herzen: heilig zu werden, und zwar schnell, läßt mich erkennen, daß mein Ende naht. So möchte ich wenigstens die kurze Lebenszeit, die mir verbleibt, heilig zubringen. Das Beispiel meines teuren heiligen Aloisius ist mir ein mächtiger Antrieb, Gott zu lieben.“

Ihr Weg zur Heiligkeit

Dabei hatte sie in ihrem Elternhaus wenig Freudiges und Gutes gesehen oder erlebt. Fünf jüngere Geschwister waren nacheinander gestorben; der Vater aber war dem Trunk ergeben und ohne rechten Glauben. Er sprach wüste Worte und schlug nicht selten Frau und Kinder. Das war wohl auch der Grund, weshalb die gute Mutter sich bemühte, daß Bartolomea im Kolleg der Klarissen erzogen werde. Das Mädchen begann tatsächlich mit ungewöhnlicher Großmut, ihre Neigung zum Stolz, zur Rechthaberei, zur Empfindlichkeit und ähnliche erbsündliche Anlagen, die auch sie mitbekommen hatte, zu überwinden, ihr lebhaftes Temperament zu beherrschen, ihr hitziges Wesen zur Milde und Sanftmut zu zwingen. Sie bemühte sich, auch unverdienten tadel ruhig hinzunehmen, und sie war erfinderisch in inneren und äußeren Abtötungen. Einen ganz großen Einfluss auf ihr Innenleben hatte dabei der heilige Aloisius, dessen Heimat Castiglione nicht sehr weit von Lóvere entfernt liegt. Bartolomea Capitanio konnte dessen Leben, von Pater Cepari geschrieben, fast auswendig. Sie weihte sich Gott „durch die Hände des heiligen Aloisius“ und den Heiligen, ihr von Gott die Gnade zu erlangen, daß sie ihn in all seinen Tugenden nachahmen könne und so sein „wahres Nachbild“ werde. Schon mit vierzehn Jahren wollte die Mutter sie als Hilfe im Geschäft haben, aber auf Bitten der Schwestern konnte sie doch die Studien vollenden und das Lehrerinnen-Examen machen. Mit sechzehn Jahren gelobte sie Gott ihre ewig jungfräuliche Liebe und schrieb dabei folgendes nieder: „Das Leiden sei die Ähnlichkeit, die ich mit dir, mein göttlicher Bräutigam, haben muss. Ich bitte dich um die Gnade, aus Liebe zu dir gern zu leiden und meine große Empfindsamkeit zu überwinden. Der Schmuck dieser deiner unwürdigen Braut seien: Demut, Keuschheit, Liebe, Armut, Gehorsam… Teurer San Luigi, sei du mein treuer Fürsprecher und bring du mein Angebot Jesus und Maria dar!“ Während sie aber als Lehrerin im Kolleg der Klarissen die Herzen der kleinen Schülerinnen gewann und wohl schon von einem Gott geweihten Leben als Schwester träumte, bestanden die Eltern darauf, daß sie doch ins Elternhaus zurück kehre. Auch zu Hause, inmitten der Arbeit im elterlichen Geschäft, hielt sie an ihrem Vorsatz fest, schnell eine große Heilige zu werden. Dazu entwarf sie sich einen Lebensplan mit vielen Punkten und Einzelheiten, wie sie nur Heilige im Licht der Gnade sich vornehmen und durchführen können. Bezeichnend ist schon der eine Punkt unter den vielen: „Ich will immer meine liebsten Patron, den heiligen Aloisius, vor Augen haben, will alle meine Handlungen mit den seinen vergleichen und will mich bemühen, ihn nachahmend, heilig zu werden.“

In gewissem Sinne hatte aber die heilige Bartolomea Capitanio eine schwerere Aufgabe als selbst der heilige Aloysius; denn sie hatte einen immer noch trunk- und streitsüchtigen Vater, der seine Frau und zuweilen auch die Tochter misshandelte und unchristlich lebte. Da mit Worten und Gründen nichts zu erreichen war, versuchte es Bartolomea mit unermüdlicher Geduld und Güte, und es gelang ihr schließlich, ihn auf den rechten Weg und zur Ausübung der christlichen Religion zurück zu führen. Als es mit ihm im Jahre 1831 zum Sterben ging, wollte er ausdrücklich, daß auch seine Tochter beim Empfang der heiligen Sakramente zugegen sei, um ihm bei der Gewissens-Erforschung und dem Bekenntnis zu helfen. In ähnlicher Weise brachte die Heilige auch eine Umwandlung in dem schwierigen und unverträglichen Charakter ihrer leiblichen Schwester Camilla zustande, die dann später in das von Bartolomea gegründete Institut eintrat und erst im Jahre 1890 starb.

Ihr Apostolat

Die herrlichen Anlagen und Tugenden Bartolomeas sollten aber doch nicht hinter den vier Wänden des elterlichen Hauses und Geschäftes verborgen bleiben. Der Pfarrer von Lóvere machte der Heiligen den Vorschlag, sich der religiösen Unterweisung der Mädchen zu widmen. Gern ging diese darauf ein, zumal sie doch ausgebildete Lehrerin war; als erste Schule diente ein Zimmerchen des eigenen Hauses. Das war aber nur der von der göttlichen Vorsehung gefügte Anfang eines unermüdlichen und gesegneten Apostolates, das immer weitere Formen annahm. So schrieb sie auch an die Mädchen der umliegenden Ortschaften Briefe, von denen die Seelsorger sagten, daß sie wie eine Mission unter der Jugend wirkten. Auch die Kranken, die armen und alle jene, die eines Trösters und Friedensengels bedurften, wurden in das Wirken Bartolomeas einbezogen, ohne daß sie dabei ihr oberstes Zeil aus dem Auge gelassen hätte: heilig zu werden. Bartolomea verpflichtete sich vielmehr im Februar 1829 durch ein Gelübde, in all ihrem Tun, Reden und Denken das zu wählen, was sie als vollkommener erkenne; so wurde ihr Leben ein unaufhörliches Streben nach immer größerer Vollkommenheit und gänzlicher Selbstvergessenheit.

Aus dem Geist dieses Strebens nach allseitiger Vollkommenheit wuchs ihr Plan, einen Mittelpunkt zu schaffen, von dem aus in weitem Umkreis möglichst vielen Seelen Hilfe gebracht und möglichst viele Not gelindert werden könnte: der Plan eines Instituts für die Werke der Nächstenliebe. Wohl fehlen ihr dazu alle Geldmittel, aber sie war überzeugt, daß ihr der Plan von Gott eingegeben war, und darum glaubte sie an die Verwirklichung trotz des Kopfschüttelns ihrer Landsleute und trotz der scheinbaren Unmöglichkeit.

Das Werkzeug für die Verwirklichung ihrer Pläne

Gott hatte tatsächlich schon das Werkzeug für die Verwirklichung der Pläne vorgesehen und vorbereitet, nämlich in der Person der einfachen und demütigen Katharina Gerosa. Diese hatte sich schon mehrfach bei den Werken des Wohltuns mit Bartolomea getroffen und erklärte sich bereit, ihr ganzes Vermögen für das Werk des Herrn zur Verfügung zu stellen. Sie kaufte ein Haus. Der Bischof von Brescia besorgte als geistige Grundlage das Regelbüchlein, das die heilige Anna Antida Thouret für ihre Genossenschaft entworfen hatte. (Diese, im Jahre 1926 heilig gesprochen, war durch die Französische Revolution aus ihrer Heimat vertrieben worden und hatte nach mühsamem Wanderleben durch die Schweiz und Deutschland zuerst in Besançon und dann in Neapel einen Zweig der „Barmherzigen Schwestern“ gegründet, der im Jahre 1819 von Papst Pius VII. bestätigt wurde). Bartolomea schrieb noch einen Abschiedsbrief an ihre Schwester und Mutter, worin sie sagte: „Wenn ich nicht klar erkannt hätte, daß diese meine Berufung wirklich der Wille Gottes ist, so würde ich diesen Schritt um keinen Preis der Welt tun. Gott aber ist der Herr von allem.“ So brachten sich am 21. November 1832 die beiden Heiligen durch die Hände der Königin aller Heiligen ganz dem Herrn zum Opfer dar für den Dienst der Liebe am Nächsten.

Nun schien für Bartolomea Capitanio die Arbeit erst zu beginnen. An eine Freundin schrieb sie in jenen Tagen: „Es ist wirklich ein gekreuzigtes Leben… Dennoch möchte ich es nicht tauschen für alle Tröstungen, nicht einmal die himmlischen; denn die Gewissheit, den göttlichen Willen zu tun, macht mich restlos froh.“ Am 1. April 1833 kehrte sie aber völlig entkräftet und krank von der Kirche zurück, wo sie bei der Anbetung des heiligsten Sakramentes mehrere Stunden lang das Gebet und den Gesang der Kinder geleitet und vorgebetet hatte. Bartolomea ahnte, daß es der Anfang vom Ende sei. Tränen standen in ihren Augen. Musste sie nun das kaum begonnene Werk schon aus der Hand geben? Doch sie ermutigte die untröstliche Gefährtin Geros: „Alles ist in Gottes Händen. Vom Paradies aus werde ich dem Institut mehr nützen können als durch meine Arbeit hier auf Erden.“ Sie wiederholte immer wieder ihr Verlangen, in den Himmel gehen zu dürfen, um Jesus, ihren Bräutigam, Maria, ihre Mutter, und ihren teuren „San Luigi“ zu sehen. „Mir scheint“, sagte sie, „wenn ich den Tod fürchten würde, so täte ich Jesus unrecht, der so viel für meine Seele getan hat.“ Mit ihrem Tod, am 26. Juli 1833, hinterließ die heilige Bartolomea Capitanio ihrer älteren Gefährtin Vincenza Gerosa eine schwere Aufgabe als heiliges Erbe. –
aus: Ferdinand Baumann SJ, Pius XII. erhob sie auf die Altäre, S. 84 – S. 88

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