Geheimnis der Auserwählung in den Vorbildern

Das Geheimnis der Auserwählung und Verwerfung in den Vorbildern

Das große Geheimnis der Auserwählung und Verwerfung, das in den drei Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob vorgebildet war und das der hl. Paulus im Galaterbrief (4, 22-31) erklärt, führt der selige Ludwig Maria im 6. Buch seiner „Abhandlung“ auf wunderschöne Weise aus. Vom Heiligen Geist erleuchtet, erkannte er die ganze Tiefe dieses Geheimnisses, während oberflächliche Geister in der ganzen Parallele nichts anders sehen, als schöne und fromme Erwägungen.

Hören wir den großen heiligen Augustin: „Wer von der katholischen Kirche geboren wird, der wird gleichsam von der Sara geboren, wird von der Freien geboren; wer von der Häresie geboren wird, der wird gleichsam von der Sklavin geboren, aber aus dem Samen Abrahams. Gebe eure Liebe acht, welch großes Geheimnis dies ist. Gott bezeugt und spricht: ‚Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs‘ (Ex. 3, 6) Gab es keine anderen Patriarchen? War nicht vor diesen der heilige Noe, der allein im ganzen Menschengeschlecht mit seinem gesamten Hause von der Sündflut befreit zu werden verdiente, in welchem und in dessen Söhnen die Kirche vorher gebildet wurde? Indem das Holz sie trägt, entgehen sie der Flut. Dann hernach die großen Männer, die wir kennen, welche die Schrift lobend erwähnt, Moses, der getreu war in seinem ganzen Hause. Und jene drei werden erwähnt, als ob sie ihn allein verdient hätten: ‚Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs; dies ist mein Name auf ewig.‘ Ein großes Geheimnis! … denn im Volke der Juden ist das Volk der Christen verherrlicht worden. Dort Vorbild, hier Wahrheit; dort Schatten, hier Wirklichkeit, wie der Apostel sagt: „Das alles widerfuhr ihnen im Vorbild.“

„Euer Geist kehre nun zu Abraham, Isaak und Jakob zurück. Bei jenen dreien finden wir, wie die Freien gebären, aber auch die Sklavinnen gebären; wir finden da Geburten der Freien, finden da auch Geburten der Sklavinnen. „Sklavin“ bedeutet nichts Gutes: ‚Stoße die Sklavin hinaus, heißt es, und ihren Sohn; denn nicht wird der Sohn der Sklavin Erbe sein mit dem Sohn der Freien.‘ Der Apostel erwähnt das, und in jenen beiden Söhnen Abrahams sei, sagt der Apostel, ein Vorbild der beiden Testamente gewesen, des Alten und des Neuen. Zum Alten Testament gehören die Liebhaber der zeitlichen Güter, die Liebhaber der Welt; zum Neuen Testament gehören die Liebhaber des ewigen Lebens.“ (11. Vortrag über das Johannes-Evangelium)

„In deinem Samen werden alle Völker gesegnet werden“ (Gen. 22, 8) verhieß Gott dem Abraham. Der Samen Abrahams ist somit Christus und dessen mystischer Leib, bestehend aus allen, die durch die Taufe aus Christus wieder geboren sind, d. h. aus den Christen. Aber nicht alle, die aus Christus wieder geboren wurden, werden gerettet werden; die einen sind die Auserwählten, die andern gehören zu den Verworfenen.

Nach der Hl. Schrift, dem hl. Augustin und dem seligen Ludwig Maria läßt sich daher folgendes Bild aufstellen:

Ein Schema der Auserwählung der Verwerfung von personen aus dem Alten Testament

aus: Ludwig Maria Grignion de Montfort, Bd. I, Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria, 1925, Anmerkung zu Nr. 185, S. 290 – S. 292

siehe auch folgende Beiträge:

Abraham – Stammvater des christlichen Glaubens

Abraham und die Söhne Agars und Ceturas

Bildquellen

  • grignion-de-montfort-auserwaehlung: Bildrechte beim Autor

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