Abraham ist Vorbild des Glaubens

Abraham verläßt das heidnische Ur und zieht nach Kanaan auf Geheiß Gottes

Die Berufung Abrahams (Gn. 11, 22 bis 12, 7)

Abraham ist Vater und Vorbild der wahren Gläubigen im Neuen Bund

Gehorsam dem göttlichen Befehl nahm Abram sein Weib Sarai und Lot, den Sohn seines Bruders, alle Habe, die sie besaßen, und die Seelen (d. i. Knechte und Sklaven), die sie erworben hatten zu Haran. 75 Jahre war Abram alt, da er Haran verließ (1). Als sie nach Kanaan kamen, durchzog Abram das Land bis zu dem Ort, der nachmals Sichem genannt wurde. Dort erschien ihm der Herr wieder und sprach zu ihm: „Siehe, dieses Land will ich dir und deinen nachkommen geben.“ Voll Dankes „errichtete Abram daselbst dem Herrn einen Altar“, um zu opfern und zugleich seinen nachkommen ein sichtbares Denkmal der göttlichen Güte zu hinterlassen (2).

In dieser Berufung Abrahams tritt vor allem hervor die Freiheit und Macht der göttlichen Gnade, die den Patriarchen mitten in einer götzendienerischen Welt im Glauben und in der Liebe seines Gottes erhielt, ihn dann stärkte, dem Ruf Gottes zu folgen und zu verlassen, was ihm lieb und teuer war auf Erden, und ihm endlich den so großen und erhabenen Beruf gab, der Stammvater des auserwählten Volkes Gottes, ja des göttlichen Erlösers selbst zu werden.

Wir sehen aber auch, mit welch vollkommener Hingebung und unverbrüchlicher Treue Abraham mit der göttlichen Gnade und Berufung mitwirkte. Diese Gesinnungen bewährte Abraham durch sein ganzes Leben, auch in den größten und schwersten Prüfungen seines Glaubens und seiner Hingabe an Gott. „Durch den Glauben gehorchte Abraham, auszuwandern nach dem Ort, welchen er zum Erbe erhalten sollte; und er wanderte aus, ohne zu wissen, wohin er käme. Durch den Glauben hielt er sich im Land der Verheißung wie in einem fremden auf, wohnend in Zelten; denn er erwartete die fest gegründete Stadt, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ (3) Bei der Verheißung eines Sohnes „glaubte er wider die Hoffnung an die Hoffnung, daß er der Vater vieler Völker würde“ (4), und als Gott das Opfer dieses Kindes der Verheißung, dieses Unterpfand seiner Hoffnung, forderte, da „brachte er den Isaak dar, opferte seinen Eingeborenen…; er dachte, daß Gott mächtig sei, auch von den Toten zu erwecken“. (5)

Darum bestätigte ihm aber auch Gott die Verheißungen, machte ihn für das Volk Gottes und für alle Zeiten zum leuchtenden Vorbild des Glaubens und der Hingebung und nicht bloß zum leiblichen Vater des Volkes Gottes, sondern auch zum geistigen „Vater aller Gläubigen“ (6), Immer wieder weisen die Propheten und Jesus selbst das Volk Gottes auf Abraham als ihr wahres Vorbild hin (7). Ja er ist in noch höherem Sinn Vater und Vorbild der wahren Gläubigen im Neuen Bund. So festen Blickes schaute er auf den kommenden Erlöser, daß der Heiland den Juden sagte: „Abraham, euer Vater, frohlockte, meinen Tag zu sehen; er sah ihn und freute sich“ (8); und als Zachäus sich bekehrte, rief Jesus aus: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er (nun wahrhaft) ein Sohn Abrahams ist“ (9); denn sagt der hl. Paulus: „nicht alle, die von Abraham stammen, sind auch Kinder Abrahams (und Gottes), sondern die Kinder der Verheißung“ (10); und: „die, welche aus dem Glauben sind, sind Kinder Abrahams… und werden gesegnet mit dem gläubigen Abraham“ (11).

Suchen wir also wahre Kinder Abrahams zu sein, vor allem durch lebendigen Glauben, der unser ganzes Denken und Wollen durchdringen und leiten muss, so daß unser Leben nicht ein irdisches, natürliches, sondern wahrhaft ein Glaubensleben ist. Erkennen wir dann an Abraham die Freiheit Gottes in Spendung sowie die Bedürftigkeit des Menschen im Empfang der göttlichen Gnade, ohne die wir nichts für Gott und den Himmel vermögen, die für uns wie für Abraham ein unverdientes Geschenk der Erbarmung Gottes ist (12), namentlich unsere Berufung zum wahren Glauben. Entsprechen wir endlich dieser Gnade, durch unverbrüchlich treue und standhafte Mitwirkung und bringen wir freudig und bereitwillig jedes Opfer überzeugt, daß Gott ein überreicher Vergelter ist (13).

Anmerkungen:

(1) Die Entfernung von Haran bis Sichem beträgt gegen 750 km.
(2) 12, 4.7.
(3) Hebr. 11, 8-10.
(4) Röm. 4, 18.
(5) Hebr. 11, 17ff.
(6) Röm. 4, 11; Sir. 44, 20.
(7) Is. 51, 1f.; Ez. 33, 24; Jdt. 8, 22; 1. Makk. 2, 51ff.; Mt. 3, 9; 8, 11; Joh. 8, 39.
(8) Joh. 8, 56.
(9) Lk. 19,9.
(10) Röm. 9, 7.
(11) Gal. 3, 7ff.
(12) Röm. 9, 16.
(13) Sir. 35, 13. –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. I, Altes Testament, 1910, S. 275 – S. 276

siehe auch den Beitrag: Auszug Abrahams aus der Stadt Ur

Bildquellen

  • abrahams-reise-von-ur-nach-kanaan: Wikimedia

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