Was bedeutet Götter in der Heiligen Schrift?

Götter in der Heiligen Schrift

5. Erwäge, in welcher Art und Weise du „eingehend“ deine Weide in Christus suchen kannst: indem du ihm nämlich in seinem Sein und Wesen betrachtest.

Und hier habe Acht, daß, obgleich es bloß einen einzigen Gott gibt, der Gott seiner Natur nach ist, dessen ungeachtet Viele sich finden, die es durch Mitteilung sind, indem der Herr in der Heiligen Schrift Vielen diesen Namen „Götter“ gegeben hat, gleich als wollte er dadurch längst vorher jene gänzliche und vollkommene Mitteilung seiner selbst andeuten, welche stattfinden sollte, als die Fülle der Zeiten kam.

Götter hieß er die Engel insgesamt: „Da die Söhne Gottes kamen, um sich vor dem Herrn zu stellen.“ (Job 1,6) Götter nannte er auch einige Menschen, besonders ausgezeichnete Propheten, wie Moses: „Siehe, ich habe dich zum Gotte Pharaos bestellt“ (Exod. 7,1); und alle seine Priester: „Den Göttern sollst du nicht an ihrer Ehre Abbruch tun“ (ebd. 22,28).
Und so siehst du wohl, daß es Götter gibt, welche so heißen, im Himmel wie auf Erden (1.Kor. 8,5); aber wenn sie so heißen, so sind sie es nicht, wie dein Herr, der allein es ist.

Die Priester heißen Götter, und warum? Weil sie Gottes Diener sind: „Ihr, Priester des Herrn, werdet Diener Gottes heißen“ (Is. 61,6). Aber wenn man in dem Hause eines Fürsten als Diener weilt, was ist dies im Vergleich mit der Würde des Herrschers selbst? „Du bist der Herr aller Dinge“ (2. Mach. 14,35). Die Priester dienen im Hause Gottes, als in fremdem Hause; dein Herr aber gebietet darin als in seinem Eigentum: „Als Sohn in seinem Hause“ (Hebr. 3,6). Und hier hast du die höchste Würde zu betrachten, die ihm als Sohn inne wohnt, so daß er nicht bloß über die Diener alle zu verfügen hat, sondern der Vater selbst ihm zu Willen steht.

Die Propheten heißen Götter, aus keinem anderen Grund, als weil Gott sich würdigte, unmittelbar mit ihnen zu reden, wie dies eben mit Moses der Fall war: „Jene hieß er Götter, an welche Gottes Wort gerichtet wurde“ (Joh. 10,35). Aber was ist dies alles im vergleich mit deinem Herrn, der wesentlich und seiner Person nach das Wort Gottes (1. Joh. 2,14) ist? Und hierbei sollst du die unendliche Kraft betrachten, welche dieses Wort in sich schließt. Denn das Wort Gottes hat die Welt geschaffen, und das Wort Gottes hat dieselbe wieder hergestellt.

Die Engel endlich heißen alle insgesamt Götter, wegen der großen Fülle göttlicher Klarheit und Herrlichkeit, welche aus ihnen leuchtet: „Sind seine Krieger etwa zählbar; und über wen erhebt sich nicht sein Licht?“ (Job 25,3) aber wenn sie eines Widerscheines vom Strahlenglanz der Gottheit teilhaftig wurden, was ist dieses im Vergleich mit dem vollen Spiegel, von dem der Widerschein ausgeht? Mit dem (Sap. 7,26) „fleckenlosen Spiegel des Gottes der Majestät“? Und hierbei betrachte, wie groß in sich selbst seine Weisheit, wie groß in sich selbst seine Heiligkeit sein muß, deren Abglanz in den Engeln widerstrahlt! –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. II, S. 134-135

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