Fröhlichkeit und Lebenszuversicht

Die Fröhlichkeit in der katholischen Kirche

Eine Philosophie des Glücks

Du brauchst nur an Christus glauben und alle Möglichkeiten irdischen und himmlischen Glückes sind dein.

Die katholische Kirche hat immer wieder in den Stürmen und Zerstörungen der Geschichte ihre wunderbare Lebenskraft erwiesen. Nach dem Unglück des Dreißigjährigen Krieges hat sie gerade mit ihren Mitteln der Fröhlichkeit und Schönheit in der Barockkultur die Menschen aus Angst und Verzweiflung wieder empor gerissen und unvergängliche Werte der Schönheit, der Fröhlichkeit, der Lebenszuversicht geschaffen. Auch auf den Trümmerhaufen, die von Gott, Christus und Kirche hinweg in Hohl- und Irrwege geratene Menschen herbei geführt haben, wird die katholische Kirche nicht nur in aufopferndster Caritas, sondern in ihrer unverwüstliche, schöpferischen Kraft die echten Lebenswerte einer gesunden, fröhlichen und glücklich machenden Daseinsform erneuern und empor steigen lassen… Putzen wir einmal die großen, herrlichen Glasscheiben an dem Lehr-, Kultus- und Kulturgebäude der katholischen Religion blitzblank, damit die Menschen in aller Helligkeit und Klarheit einen Blick in die heiligen Hallen der katholischen Kirche werfen können, um zu erkennen, was die Erlösungskraft, die Wahrheit, die Autorität, die Fröhlichkeit und Schönheit der Kirche in früheren Jahrhunderten geleistet haben und aus welchem Brunnquell und Heilbrunnen auch die Menschen von heute für ein frohes, besseres Leben schöpfen können. Einige Scheiben an dieser Fröhlichkeits-Kathedrale bleiben allerdings dunkel und matt. Sie konnten nicht rein gesäubert werden, weil sie durch Fehler und menschliche Schwächen im Laufe der Kirchengeschichte schamfleckig geworden sind und den Fröhlichkeits-Charakter der katholischen Kirche trüben. Aber Schönheitsfehler haben die Eigenschaft, die Schönheit nur noch schöner erstrahlen zu lassen.

Wenn der Verfasser die Fröhlichkeit in der katholischen Kirche aufzeigen will, so soll dieser Fröhlichkeits-Komplex in erster Linie dem katholischen Menschen vor die Sinne und vor die Seele geführt werden. Es gibt auch viele katholische Menschen, die gar nicht wissen, wieviel Fröhlichkeit, Schönheit und Lebenskraft in ihrer Religion verborgen liegt und Erfüllung finden kann. In den jetzigen freudlosen Zeitläuften dürfte ein solches Panorama mit tausendfältigen, prächtigen und beglückenden Guckfenstern eine erwünschte und dankbare Aufgabe erfüllen…

Aber die Fröhlichkeit kann nicht nur eine äußere Zierpflanze sein, sondern sie muss aus dem fruchtbaren Urboden der katholischen Glaubenslehre hervor sprießen, sonst wäre sie nur Flittergold und Talmiware. Wir treten daher auch in das Glaubens- und Lehrgebäude selbst soweit hinein, als es der Beweis von der Fröhlichkeit in der katholischen Kirche verlangt… Wandern wir einmal durch das ganze haus der katholischen Kirche, nicht bloß durch die Kostbarkeiten des Nürnberger Museums oder durch gotische und barocke Kirchenräume, auch ein wenig durch die dogmatischen Schatzkammern. Es liegt hier viel unbekanntes Edelgestein aufgespeichert, das bei näherem Zusehen Fröhlichkeit und Herrlichkeit ausstrahlt.

Wir richten unser Buch auch an jene Menschen, die ihr Dasein an die dunkle Macht des sogenannten Schicksals verhaften, aus der Tragik des Schicksals keinen Ausweg finden und den versuch der Selbsterlösung machen. Es kann für das Leben keine Fröhlichkeit bedeuten, wenn das Schicksal die Rätsel des Lebens lösen soll. Das Schicksal ist ein Scheusal, von dem Menschen reden, die es nicht wahr haben wollen, daß Gott die Welt erschaffen hat und die Welt regiert, die sich dagegen sträuben, daß Gott seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde gesandt hat, und daß dieser Christus durch die große Magna charta seines Offenbarungs- und Erlösungswerkes der Kirche sichtbare Leuchttürme für alle Zeiten und alle Zonen aufgestellt hat. In diesem Erlösungswerk durch Christus fällt der Freude eine sehr große Rolle zu. Das kann gar nicht anders sein. Denn Gott ist die größte Fröhlichkeit, das größte Glück. Von dieser Grundeigenschaft strahlen mächtige Garbenbündel auch in das Leben des Menschen hinein. Die Erlösung wäre ja gar keine Erlösung, wenn sie nicht auch Befreiung und Fröhlichkeit brächte. Daß die Erde ein Tal der Tränen ist, das ist eine Grundtatsache. Aber sie ist nicht nur ein Jammertal. Die Erlösung durch Christus hat wieder ein halbes Paradies auf die Erde gezaubert. Es gibt auf dem Lebensweg nicht nur dunkle Schluchten und Nacht und Nebel. Gott läßt unendlich viel Sonne leuchten, die wärmt und beglückt, selbst wenn sie nicht scheint. Warum zerstören die Menschen ihre eigenen herrlichen Schöpfungen, die Gebilde ihrer Kulturarbeit und setzen an die Stelle des Willens des Schöpfers, sich die Erde untertan zu machen, mit allem, was auf ihr kriecht und fliegt, ihren eigenen Willen der Selbsterlösung? –
aus: Hans Rost, Die Fröhlichkeit in der katholischen Kirche, 1946, S. 10 – S. 13

siehe dazu auch den Beitrag: Die freudlose Philosophie Kants

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