Die Soldaten teilen die Kleider Jesu unter sich

Das Leben und Leiden und der Tod am Kreuz, das kostbarste Blut Jesu am Kreuz vergossen; Jesus hängt, halb nackt und mit einer Dornenkrone "geschmückt", mit ausgebreiteten Armen am Kreuz, geschunden durch die Marter der Geißelung und verspottet

Das Leben und Leiden und der Tod Jesu

Die Soldaten teilen die Kleider Jesu unter sich auf

Joh. 19,23 Nachdem nun die Soldaten Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider (und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil) und den Rock. Der Rock aber war ohne Naht, von oben an durchaus gewebt. – 24. Da sprachen sie zu einander: „Wir wollen diesen nicht zerschneiden, sondern das Los darüber werfen, wessen er sein soll.“ Damit die Schrift erfüllt werde, welche sagt: „Sie teilten meine Kleider unter sich, und über mein Gewand warfen sie das Los.“ Und die Soldaten taten dieses.

Matth. 27,35 Nachdem die Soldaten aber Jesum gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider und warfen das Los darüber, damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt wurde, der da sprach: „Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen.“

Mark. 15,24. Und nachdem die Soldaten Jesum gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider und warfen das Los darüber, was ein jeder nehmen sollte.

Luk. 23,34. Und die Soldaten teilten die Kleider Jesu unter sich und warfen das Los darüber.

1. Wie die Soldaten die Kleider des Heilandes teilten

Den Soldaten fielen nach Brauch und Recht die Kleider der Hingerichteten zu. Die Gewandstücke des Heilandes waren Sandalen, Gürtel, Mantel und Oberkleid und Unterkleid. Sie nahmen also die Kleider und machten vier Teile daraus und warfen das Los, welchen Teil jeder bekomme (Mark. 15,24; Matth. 27,35; Luk. 23,34), weil die Teile vielleicht nicht gleichwertig waren. Das Unterkleid aber war ein ungenähter Rock, von oben an ganz durchgewoben. Deshalb zerrissen sie ihn nicht, weil sonst keiner etwas davon gehabt hätte, sondern losten zum zweiten Mal, wer ihn bekommen sollte (Joh. 19, 23 u. 24). Das taten die Soldaten nach Soldatenart, nahe beim Kreuz, kalt und mit roher Gleichgültigkeit, und bewachten dann die Richtstätte, damit man dem Heiland und dem Gekreuzigten keine Misshandlung antue oder sie herab zu nehmen versuche (Matth. 27,36).

2. Wie der Heiland und die Mutter Gottes die Kleiderteilung ansahen

Gewiß war für den Heiland die Teilung seiner Kleider ein trauriges Schauspiel. Seine letzte Habe ging jetzt dahin. Nun hatte er nichts mehr, nicht einmal Kleider, nicht einmal ein Sterbe- und Grabhemd. Er war nun ganz arm und entblößt (Ps. 21,19). – Er sah aber auch in diesen zerrissenen Kleidern die Sinnbilder seiner Verdienste, Gnaden und Sakramente; und wie diese Gewandstücke nur Sündern zufallen sollten, so sah er auch das ganze Erbteil seiner Gnaden der ganzen Menschheit zugeteilt, an Würdige und Unwürdige. Alles sollte den Menschen und der Welt zu gute kommen und nützen. Wie Jakob in den Kleidern Esaus, so sollte die ganze Menschheit in den Kleidern Jesu gesegnet werden (P. Faber). – Der Heiland sah in seinem ungenähten Leibrock die Einheit seiner Kirche, und sein Herz brach fast, wenn er an die Spaltungen, an die Ketzereien dachte, die seinen geliebten Leibrock trennen und zerstückeln sollten.

Wie sah Maria, wie sahen die heiligen Frauen diese Kleider Teilung mit an? Gewiß auch mit großer Trauer. Wie kostbar waren ihnen diese Gnadenreliquien, die sie vielleicht selbst in Liebe und Verehrung dem Herrn verfertigt und geschenkt hatten, die durch die Berührung mit seinem heiligen Leib und durch sein Blut geheiligt waren und aus denen so viele Gnaden und Heilungen der Menschheit zugegangen! Gewiß beneideten sie die glücklichen Soldaten und glühten vor Verlangen, sie um jeden Preis zu erstehen und der Kirche zu erhalten.

3. Was uns diese Kleiderteilung lehrt

Die Kleiderteilung lehrt uns vor allem Liebe zur Armut. Wir sehen, wie wenig der Gewandstücke des Heilandes waren. Nicht mehr, als was alle zu haben und zu tragen pflegten, das einfach Notwenige und Gewöhnliche. Dieses Notwendige war nicht kostbar, aber auch nicht unwürdig. Es nützte noch den Gewinnern, während er selber alles verlor. Es lehrt uns also die Kleiderteilung, mit wenigem zufrieden zu sein, das wenige im Geiste der Armut zu benutzen und endlich selbst das wenige, wenn es sein muss, zu entbehren. Der Tod wird uns doch am Ende alles nehmen.

Die Kleiderteilung lehrt uns, auch die Gnaden Jesu benutzen, die Gelegenheiten zum Guten und zum Verdienst uns für den Himmel zunutze zu machen. Jeder Tag, jede Minute, jede Einsprechung ist eine Reliquie des Heilandes. Sie kann uns heiligen, kann Wunder an uns tun.
Endlich lehrt uns die Kleiderteilung die Einheit der Kirche schätzen, lieben und hoch achten. Der Heiland wollte seinen Leibrock nicht teilen lassen. Es lag in ihm das Geheimnis der Einheit und Einigkeit der Kirche. Diese Einheit war sein letzter Wunsch (Joh. 17,21). Was nützt uns auch die Kirche ohne die Einheit? Ebenso wenig als ein zertrenntes Kleid. –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes in Betrachtungen Zweiter Band, 1912, S. 393 – S. 395

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