Der heilige Papst Agapet I. (535-536)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Der unerschütterliche Fels im Sturm

Der heilige Papst Agapet I. (regierte von 535-536)

Fünf Tage nach dem Tod Johannes II. folgte Agapet. Er war ein Römer, Abkömmling einer Senatorenfamilie und bei seiner Wahl Archidiakon an der Kirche der Heiligen Johannes und Paulus.

Nach der glücklichen Wiedereroberung Afrikas richtete Justinian sein Auge auf Italien und faßte den Plan, dasselbe der Herrschaft der Goten zu entreißen. Daselbst war König Alarich gestorben und Amalasuntha, die Mutter des Verstorbenen, hatte Theodat auf den Thron erhoben. Zum Dank dafür ließ er sie einsperren und im Kerker erdrosseln. Justinian hatte nun Grund, als Rächer aufzutreten. Schon hatte Belisar Sizilien erobert, da beauftragte der feige Theodat den Papst, mit Justinian in Unterhandlung zu treten und den Frieden zu vermitteln. Agapet unternahm die Reise, um den Willen seines Fürsten zu erfüllen und Italien vor den Gräueln eines langwierigen Krieges zu bewahren. Da dem Papst das Geld zur Reise fehlte, verpfändete er kostbare Gefäße der Peterskirche. In Konstantinopel wurde er mit allen Ehren aufgenommen, aber mit seinen Bemühungen für den Frieden in Italien erreichte er nichts. Desto mehr erreichte er in kirchlicher Beziehung. Die Autorität seines Oberhirtenamtes über die ganze Kirche brachte er in entschiedenster und wirksamster Weise zur Geltung. Damals hatte den Bischofsstuhl von Konstantinopel Anthimus inne, der sein früheres Bistum Trapezunt verlassen und in der Kaiserstadt durch seine irrgläubige Gesinnung die Gunst der Kaiserin Theodora und durch seine erheuchelte Rechtgläubigkeit die des Kaisers derart gewann, daß er auf den Bischofssitz der Residenz berufen ward. Gleich bei der Ankunft Agapets traten viele Äbte, Priester und Mönche bei ihm gegen Anthimus als einen Eindringling und Irrlehrer auf. Der Papst hielt mit ihm weder Gemeinschaft noch empfing er ihn, sondern forderte von ihm ein schriftliches Bekenntnis seines katholischen Glaubens und die Rückkehr in sein früheres Bistum. Dazu wollte sich Anthimus, auf die Gunst des Hofes bauend, nicht verstehen. Der Kaiser nahm sich des Schützlings, den er für gut katholisch hielt, angelegentlichst an und suchte den Papst mit Geschenken, dann mit Drohungen zu bearbeiten. Die Kaiserin, eine ehemalige Schauspielerin, führte dem Papst allerhand lärmende Szenen auf. Alles umsonst. Agapet blieb unerschütterlich in diesem Sturm; obschon arm und irdischer Mittel beraubt, kämpfte er mutig den Kampf des Glaubens und des Rechtes und beugte sich nicht vor den Gewalthabern. Auf die Drohungen Justinians gab der mutige Papst zur Antwort: „Wir glaubten einen katholischen Kaiser gefunden zu haben und sehen jetzt einen Diokletian vor uns; dieser aber soll wissen, daß uns seine Drohungen nicht schrecken.“ Justinian wurde endlich enttäuscht, Anthimus als Irrlehrer entlarvt und abgesetzt. Anthimus musste auf seine Würde Verzicht leisten und Konstantinopel verlassen. An seinen Platz erhob Agapet den Priester und Mönch Menas und weihte ihn zum Bischof der Kaiserstadt. Um sich von jedem Verdacht der Parteinahme für die Irrlehre zu reinigen, überreichte Justinian dem Papst sein Glaubensbekenntnis. Der Papst bestätigte nochmals dessen früheres Glaubensedikt, „nicht weil er, wie er bemerkte, den Laien das Lehramt einräume, sondern weil er den Glauben des Kaisers mit den Regeln der Väter im Einklang gefunden habe.“ Damit hatte Agapet die Wahrheit und das recht zum Sieg geführt. Bald darauf, noch in der griechischen Hauptstadt, erkrankte der Papst und starb am 22. April 536. Sein Leichnam ward in St. Peter zu Rom beigesetzt. Er wird als Heiliger verehrt.

Unter diesem Papst fing man an die Jahre nach Christi Geburt zu rechnen. Man zählte bis dahin gewöhnlich nach den Konsuln, die in Rom jedes Jahr in der Herrschaft wechselten. Der Mönch Dionysius Eriguus brachte diese Zeitrechnung in Aufnahme. So nahm Christus feierlich Besitz von den Jahrhunderten, deren unsterblicher König er ist. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, I. Band, 1907, S. 182- S. 183

Höchstwahrscheinlich stand zur Zeit, als der heilige Papst Agapet nach Konstantinopel kam, die prachtvolle, vom Kaiser wieder hergestellte Sophienkirche schon vollendet da. Diese Basilika war bei einem Erdbeben im Jahre 532 eingestürzt. Der baulustige Kaiser Justinian sah hiermit eine schöne Gelegenheit, seine Liebe zur Kunst und seinen Eifer für die Religion zu beweisen. Er ließ einen ganz neuen und großartigen Plan entwerfen; als der neue majestätische Rundbau, mit seiner Himmel anstrebenden Kuppel vollendet dastand, rief Justinian von Bewunderung hingerissen aus: „Salomo! Ich habe dich übertroffen!“ Dieser erhabene au steht noch und setzt alle in Erstaunen, welche Konstantinopel besuchen.

Leider sollte der Papst die Hauptstadt des Morgenlandes nicht mehr lebend verlassen. Ein Fieber machte seinem Leben am 22. April des Jahres 536 ein Ende. Ein Augenzeuge beschreibt uns das Leichenbegängnis des Papstes in folgenden Worten: „Es war ein Freudenfest für den Papst, für uns ein schwerer Schmerzenstag. Der Papst hatte seine Seele noch kaum der Hand Gottes übergeben, als die Nachricht vom Tode des heiligen Vaters die Völker der Welt zum Leichenbegängnis rief. Aus den Provinzen kamen Bischöfe in großer Zahl, und scharen von Priestern und Mönchen erfüllten die Stadt. Die Plätze, die Hallen, die Dächer der Häuser genügten nicht, die Menge der Menschen zu fassen, die sich in der Stadt einfanden. Konstantinopel sah damals alle Völker in seinen Mauern vereinigt.“
Ein ähnliches Schauspiel sah man, als die Leiche des Papstes in Rom ankam. Das Morgenland und Abendland offenbarten die nämlichen Gefühle des Schmerzes, der Bewunderung und der Ehrfurcht gegen den Fürsten auf dem Thron Petri. Die römische Kirche feiert am 20. September das Gedächtnis des heiligen Agapet, am Tage, da seine irdische Hülle im Vatikan beigesetzt wurde. Der heilige Papst Agapet hatte nur elf Monate und acht Tage die Kirche regiert und durch seine Tugenden erbaut. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 158 – S. 160

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum, Stangl
Tags: ,

Weitere Beiträge über Päpste

Ludwig XVI. und sein Herz Jesu Gelübde
Heilige Fausta Jungfrau und Märtyrerin
Menü