Das schauerliche Totenbett des Sünders – Über die Scheinreue
„Böse, überaus böse ist der Tod des Sünders.“ (Ps. 33, 22)
Nichts ist so gewiss für die Zukunft im Leben des Menschen als der Tod. Aber auch eine andere Gewissheit in Bezug auf den Tod stellt sich uns vor Augen; nämlich: was die Art und Weise des Todes in seinen Beziehungen zur nahenden Ewigkeit betrifft. Es ist nämlich ein dreifaches Totenbett, das auf uns wartet, je nachdem wir gelebt und zwar: das Totenbett des Sünders im Stande der Sünde; das Totenbett des lauen Christen; und endlich das Totenbett des eifrigen Kindes der Kirche.
Das eine oder das andere dieser Sterbebette ist gewiss einst das unsrige.
Denn entweder leben wir, wenngleich Kinder der Kirche, dennoch im Stande der Ungnade, weil wir die Taufgnade durch die Todsünde verloren, und wenn wir durch den Empfang der Absolution im hl. Sakrament der Buße wieder in den Stand der heiligmachenden Gnade eingegangen, durch fortwährende Rückfälle in den Abgrund heilloser Verhärtung im Stande der Ungnade versinken.
Oder aber es geschieht, dass wir zwar im Stande der heiligmachenden Gnade verharren, aber doch zeitweise in Todsünden fallen und so leben, dass wir Ursache genug haben zu zweifeln, ob wir auch wirklich in den Stand der heiligmachenden Gnade zurückgekehrt, ob unsere Buße nicht vielmehr eine Scheinbuße gewesen.
Mit anderen Worten, wir leben im Stande der Lauigkeit vor Gott und sind weder kalt noch warm.
Endlich aber kann es sein, und das sollte bei allen wahren Kindern der Kirche der Fall sein, dass wir mit vollem Ernst auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit wandeln und uns, so viel wir können, auch vor lässlichen Sünden und jeder freiwilligen Unvollkommenheit hüten, und das Gute, das wir nach unserem Beruf im Reich Gottes auf Erden zu wirken imstande sind, so vollkommen als möglich vollbringen und in der Übung der Tugenden immer vollkommener zu werden trachten. Das heißt: Wir leben als eifrige Kinder der Kirche.
Ich blicke mit euch heute auf das erste dieser Sterbebette, auf das Sterbebett des Sünders.
O Maria, Mutter der Barmherzigkeit, stehe uns bei, dass wir auf solche Weise von Sünden frei leben, und den Ruf Gottes zur wahren Besserung im Leben so in unser Herz aufnehmen, dass wir die Schrecknisse des bösen Todes nicht erfahren.
Ich rede im heiligsten Namen Jesu, zur größeren Ehre Gottes!
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Überaus böse ist der Tod des Sünders
„Böse, überaus böse ist der Tod des Sünders.“ Diese Versicherung des hl. Geistes erfüllt sich an jedem Sünder, der im Stande der Todsünde in die Ewigkeit eingeht, sei es auch, dass er nicht die Schrecknisse der Ewigkeit bereits in seiner Todesstunde fühlt, weil ihn vielleicht ein jäher Tod heimsucht.
Auch in einem solchen Fall ist sein Tod ein überaus unglückseliger, ein überaus böser; denn der Sünder hat alsdann nicht einmal Zeit, um sich noch mit Gott zu versöhnen. Er erscheint vor Gott im Zustand der Ungnade und ist und bleibt für ewig verloren.
Allein sei es auch, dass er nicht plötzlich stirbt, sondern das Herannahen des Todes merkt, welch ein trauriger, böser und schrecklicher Tod ist der Tod des verhärteten Sünders, den die Gnade Gottes verlässt, und der ohne eigentliche, vor Gott gültige Reue sich Gottes Richterstuhl naht.
Das wird uns klar, wenn wir daran denken, wie trostlos für einen solchen alles ist, was mit ihm vorgeht, wenn er zurückblickt auf sein verflossenes Leben und vor sich die Schrecknisse des Todes, die Auflösung des Körpers im Grab und auf sein Erscheinen vor dem Richterstuhl Gottes blickt.
Was seinen Zustand in der Gegenwart betrifft, so fühlt er die Schmerzen und den Eindruck der Krankheit, die mit jeder Stunde zunimmt. Er war gewohnt, so gemütlich und genussreich als möglich zu leben, gestattete seinen Sinnen jedes, wenn auch sündhafte Vergnügen. Jetzt fühlt er Ekel an allem, selbst was Speise und Trank betrifft; fühlt den Körper erfüllt mit Schmerzen, die sich mehren, während seine Kräfte sinken und sich mindern.
Er sieht die Trauer und Angst derjenigen, mit denen er auf Erden gelebt und die umsonst sich bemühen, in ihm die Hoffnung auf Wiedergenesung zu beleben, und deren ganzes Benehmen ihn merken lässt, dass sie selbst keine Hoffnung auf seine Genesung haben.
Wie trostlos erscheint das verflossene Leben des Sünders
Was die Vergangenheit betrifft, wie trostlos erscheint sein verflossenes Leben! Was sieht er da? Was anders als die durch sein in Sünden verlebtes Leben verschwendete und geschändete Zeit. Geld und Gut und was immer für irdischen Besitz, den er zeitlebens dem Himmel vorgezogen, er muss ihn nun verlassen, und hätte er noch so viel Macht und Arbeit angewendet, sein Vermögen zusammenzuscharren.
Die Ehrenbezeugungen, die seiner Hoffart geschmeichelt, verfliegen wie Rauch. Die Vergnügungen des Lebens sind vorüber, für immer vorüber; er nimmt von denselben nichts in die Ewigkeit als den Schmutz der Sünde in seinem Gewissen.
Die ganze Vergangenheit hat in ihrer Erinnerung nicht nur keinen Trost für ihn, sondern sein verletztes Gewissen erwacht, und er empfindet nur zu lebhaft die Bisse desselben.
Worin die Täuschung des Sünders besteht
Allerdings hat er nicht Ursache deswegen zu verzweifeln, wenn er auf seinem Totenbett sich wirklich noch zu bekehren entschlösse, und diese Bekehrung eine vor Gott gültige und wirksame wäre. Allein gerade darin liegt die Täuschung und das Schreckliche des bösen Todes des Sünders.
Man teilt ihm mit, der Priester komme. Welch eine Angst ergreift ihn, wenn die Türe aufgeht und der Priester eintritt. Sein Gewissen erwacht bei dem Anblick desselben. Sei es auch, dass er zeitweise die hl. Sakramente empfangen, so bewies sein darauf folgendes, ungebessertes Leben nur zu deutlich, dass seine Beichte und Kommunion sakrilegisch gewesen.
Das Übelste aber ist dies, dass er vielleicht kaum mehr gehörig imstande ist, sein Gewissen ordentlich zu erforschen.
Da traf es sich, dass mir einst ein Mann frohlockend mitteilte, sein Bruder, der Jahre lang Freimaurer gewesen und nicht gebeichtet habe, habe doch noch auf dem Sterbebett die Lossprechung erhalten, sei selig gestorben und auf dem katholischen Friedhof begraben worden.
Als nämlich der Doktor mir andeutete, so sprach der getröstete Mann zu mir, dass mein Bruder nur noch wenige Stunden zu leben habe, so eilte ich zu ihm und bat und beschwor ihn auf den Knien unter Tränen, er möge doch gestatten, dass ein Priester komme und ihn mit Gott versöhne. Er wollte es nicht zugeben, meinend es stehe nicht so übel mit ihm. Endlich willigte er ein, ich eilte zum Priester. Als dieser kam, war der Sterbende nicht mehr bei Besinnung, doch er empfing die Absolution und die letzte Ölung wurde. Gott Lob und Dank, katholisch begraben.
Was ich mir von dem seligen Tod dieses Sünders dachte, das kann sich auch jeder aus euch leicht denken. Gott bewahre uns vor einem solchen scheinbar guten Tod. Oder ist einer aus euch, der damit zufrieden wäre und sich beruhigt fühlte, so die Augen zu schließen?
Wenn das Herz keine übernatürliche Reue fühlt
Doch wenn auch der Sünder mit dem Beistand des Priesters so viel als möglich sich durch „Ja“ und „Nein“ und durch das Zuwinken des Hauptes anzuklagen imstande wäre, so ist es nur zu leicht möglich, dass sein Herz dabei keine übernatürliche Reue fühlt, und keine wahren Vorsätze zur Besserung des Lebens macht, sei es auch, dass er mit dem Munde einen Kat der Reue erweckt. Eine solche Reue kann den Priester und die Menschen täuschen, nicht aber Gott, der in das Herz des Sünders hineinblickt und es weiß, dass nur eine Scheinreue, nicht aber eine wahre Reue des Herzens ist.
Soll es eine solche sein, so muss das Herz des Sünders in der Tat nun das alles hassen, was er zeitlebens mehr als Gott geliebt, und im Gegenteil das über alles lieben – Gott – gegen den er zeitlebens so gleichgültig gewesen, und den er fort und fort, Tag und Nacht, und zwar mit schweren Sünden beleidigt hat. Der Mund mag da sagen: Es reut und schmerzt mich über alles, dass ich Gott beleidigt habe. Das Herz weiß nichts davon.
Der Priester selbst glaubt, es komme von Herzen, doch Gott blickt in das Herz und darin ist es nicht so. Welche ein überaus deutliches Beispiel gibt uns die hl. Schrift selbst darüber an.
Da liegt Antiochus, der König von Assyrien, auf seinem Schmerzenslager schwer erkrankt und verzweifelt an seiner Genesung. Er erkennt auch die Schlechtigkeit seines früheren Lebens und dass es die strafende Hand der Gerechtigkeit sei, die ihn getroffen. Er klagt sich selbst an und sagt vor allen seinen Leuten, die ihn umgeben: „Ich weiß es wohl, das alles kommt nun über mich, weil ich des Bösen so viel in Jerusalem begangen; doch wenn Gott sich meiner erbarmt und mich wieder gesund werden lässt, dann soll es anders werden. Dann will ich nicht nur für mich Ihm dienen, sondern ich gehe über die ganze Erde und ermahne alle Welt, den Gott Israels zu ehren und anzubeten.“
Ich frage, wer, der ihn so reden gehört, sollte anders gedacht haben, als dass es ihm in der Tat leid sei. Er bekennt seine Schuld und beichtet öffentlich, warum sollte er nicht Verzeihung hoffen. Allein, was sagt die hl. Schrift? Sie sagt: „Dieser Schurke sollte keine Vergebung mehr erhalten.“ Doch wie? Ist das ein Schurke, der seine Schuld so zerknirscht und reumütig vor Gott und den Menschen bekennt? Ja wohl ist er ein Schurke. Gott sieht in sein Herz und weiß es, dass wenn er gesund wird, er der alte Antiochus, der alte Sünder verbliebe.
Die plötzliche Strafe Gottes bei einer Scheinreue
Da traf es sich, dass einst ein Mann ein unerlaubtes Verhältnis mit einer Person unterhielt, die bei ihm im Hause wohnte, zum Ärgernis aller in der Stadt, die von diesem sündhaften Verhältnis wussten. Da erkrankte der Mann schwer. Er ließ den Arzt kommen und dieser, ein guter Katholik, ermahnte ihn unumwunden, er möge so bald als möglich den Priester kommen lassen, es stehe mit ihm sehr gefährlich.
Er schickte wirklich nach dem Pfarrer, dieser kommt und fragt ihn, was er wünsche. Er antwortete, der Arzt meinte, es könnte mit meinem Leben zu Ende gehen und riet mir deshalb, Sie kommen zu lassen, auf dass Sie mir die hl. Sakramente reichen. Da erwiderte der Pfarrer: Freund, das kann ich nicht. Und warum nicht? O, das wissen Sie doch als Christ, Sie leben ja im Konkubinat zum Ärgernis der ganzen Stadt. Wie soll ich Ihnen die Lossprechung erteilen und die Sakramente reichen?
Da erwiderte der Kranke, das soll nun auch sein Ende haben und anders werden. Diese Person muss heute noch aus dem Haus. Er jagt sie fort, beichtet, empfängt die hl. Wegzehrung. Wäre er jetzt gestorben, so hätte der Priester und die ganze Stadt gemeint, es war ihm Ernst, Gott Lob und Dank, er ist selig gestorben.
Doch siehe, die Krankheit wendet sich, der Arzt erklärt die Krisis für überstanden und die Genesung für gesichert. Wie? erwidert der scheinbekehrte Sünder, werde ich nicht sterben? Nein, nicht an dieser Krankheit. O, schönen Dank, Herr Doktor, ich will es gut machen und Sie reichlich bezahlten. Der Doktor geht fort. Was tut der Scheinbüßer?
Er schickt sogleich wieder nach der Person, mit der früher in sündhaftem Verhältnis gelebt. Sie kommt. O, sagt er zu ihr, verzeihe mir doch, meine Liebe, dass ich dich so grob behandelt, aber ich konnte nicht anders, der Priester wollte mich nicht versehen, bis du aus dem Haus warst. In meinem Herzen bist du doch geblieben. Der Arzt hat mir gesagt, ich werde wieder gesund. Versteht sich, da bleibst du auch wieder bei mir. Komm sogleich zurück. Und wie zum Zeichen seiner Wiederversöhnung und zum Beginn des früheren Lebens mit ihr wollte er sie umarmen.
Da trifft ihn auf einmal die Hand Gottes; der Schlag trifft ihn plötzlich und er gibt seine rückfällige ungebesserte Seele in die Hand seines Richters auf, zum Schrecken aller, die es hörten.
Ja, der hl. Augustin hat recht: „Die letzte Buße ist eine verdächtige Buße. Ich traue ihr nicht.“ Und Bernardus mahnt: „Dismas hat sich noch am Kreuz bekehrt, in seiner letzten Stunde; das war einer, aber nur einer, dass du nicht verzweifelst. Einer, aber auch nur einer, damit du nicht vermessentlich sündigst.“
Von dem nichts zu sagen, was oft geschieht, dass Menschen, die in Todsünden fortgelebt, Feindschaft im Herzen getragen oder unrechtes Gut an sich gebracht und von keiner Rückerstattung etwas wissen wollen. Was nützt denen eine solche Beichte und was ist ihnen die Wegzehrung anderes, als das Siegel der ewigen Verdammung?
Nur mit der Gnade Gottes kann man seine Sünden erkennen und wirklich bereuen
Ohnedies wissen wir als wohl unterrichtete Kinder der Kirche, dass der Mensch aus eigener Kraft nicht imstande ist, seine Sünden auch nur zu erkennen, viel weniger zu bekennen und zu bereuen; dazu braucht er eine besondere Gnade; und wird er diese Gnade auch erhalten und Gott sie ihm geben? Er schuldet sie niemandem.
Vielmehr, was solche Sünder betrifft, haben sie nicht Ursache zu befürchten, Gott erfülle an ihnen sein Drohwort: „Ich habe euch gerufen, ihr habt mich nicht gehört; ich habe euch meine Hände entgegengestreckt, ihr habt mir den Rücken gewendet; doch die Stunde kommt und ihr werdet zu mir schreien, und ich werde zu eurem Untergang lachen.“
Gott lacht nicht, er weint nicht, doch diese Drohworte weisen in menschlicher Sprache auf die Schrecknisse hin, die auf den Sünder warten, der zeitlebens Gott im Herzen und durch die Tat verachtet. Sei es, dass das Leben weicht; er verlässt, so viel an ihm ist, die Sünde nicht in seinem Herzen und Gott gibt ihm die wirksame Gnade nicht, dass er sich wirklich bekehre. Was nützt es ihm sodann, wenn er auch äußerlich die Sterbesakramente empfängt, er begeht dann nur noch auf seinem Totenbett Sakrilegien.
Was nützt es wohl, wenn der Priester auch mit seinem Mund die Gebete ausspricht, welche die Kirche dem Priester am Sterbebett auf die Zunge legt. Wer weiß, ob der Sünder sie noch hört und versteht, und wenn er sie noch versteht, so sind dieselben für ihn keine Mahnungen, um sein Vertrauen zu Gott zu erwecken und zu stärken, sondern Anklagen, die geeignet sind, die Vorwürfe in seinem Gewissen zu vermehren und zu erschweren.
Der Zuspruch des Priesters
„Fahre aus, christliche Seele“, so spricht der Priester am Sterbebett der Kinder der Kirche, „fahre aus im Namen des Vaters, der dich erschaffen; im Namen des Sohnes, der dich erlöst; im Namen des hl. Geistes, der dich geheiligt; fahre aus im Namen aller Chöre der hl. Engel und aller Heiligen; heute noch soll dein Platz unter ihnen sein im himmlischen Zion. Möge Luzifer und alle bösen Geister von dir weichen, wenn Michael mit den hl. Engeln dich in den Himmel geleitet; und möge Christus dich mit holdem Angesicht festlich begrüßen und aufnehmen in die Gemeinschaft der Heiligen, damit du dich der Wonne unendlicher Seligkeit im Besitz Gottes für ewig erfreuest.“
… und der Zuspruch Luzifers
Der sterbende Sünder fühlt den Trost dieses Zuspruchs nicht. Er hört dafür wohl nur zu laut den Zuspruch, mit dem Luzifer ihn anredet, der sich zwischen den Priester und den sterbenden Todsünder drängt, und dem Sterbenden in das Seelenohr ruft: Fahre aus, du vermaledeite Seele, im Namen Gottes des Vaters, der dich nach seinem Ebenbild erschaffen, nun aber siehst du mir ähnlich und sollst es ewig bereuen, dass du ein Mensch gewesen.
Fahre aus im Namen des Vaters, der dich erschaffen und dir die Kräfte des Leibes und der Seele gegeben, um Ihn zu verherrlichen und die du alle zu seiner Beleidigung und Entehrung gemissbraucht; deinen Verstand, den du nicht dazu benützt hast, um seinen heiligsten Willen zu erkennen und zu erfüllen, sondern um deine sündhaften Neigungen am besten zu befriedigen.
Dein Gedächtnis, das du nicht dazu benützt hast, an Ihn und sein Gesetz zu denken, sondern das voll von Erinnerung war an deine sündhaften Wege.
Deinen freien Willen, den du nicht dazu benützt hast, den Willen Gottes zu erfüllen und in allen Tugenden zu wachsen, sondern dazu missbraucht hast, nach deinen sündhaften Lüsten zu leben.
Fahre aus im Namen deines Gottes und Schöpfers, der dir die Sinne gegeben, um Ihm nach deinem Stand zu dienen, und die du durch Gedanken und Reden, durch Blick und Gehör, durch Unmäßigkeit und Trunksucht, durch Zorn und Unkeuschheit täglich missbraucht hast.
Fahre aus im Namen deines Gottes und Schöpfers, der für dich zeitlebens gesorgt, dem du jede Krume Brot und jeden Tropfen Wasser, jeden Faden deiner Kleidung, alles, alles schuldest; und den du anstatt dafür mit jedem Pulsschlag deines Herzens zu danken, fort und fort mit neuen Sünden beleidigt hast.
Fahre aus im Namen des Sohnes, der für dich gelitten, der sein Blut für dich verspritzt und dich erlöst hat, den du aber durch deine Sünden mit Füßen getreten. Fahre aus im Namen des Sohnes, der all seine unendlichen Verdienste für dich, zu deinem Heil dem himmlischen Vater dargebracht, der dich ohne dein Verdienst zum Kind seiner Kirche gemacht und den du dafür durch deine Sünden schmerzlicher verwundet hast als alle Türken, Juden und Heiden es getan, und dessen Blut nun an dir verloren geht.
Franziskus Borgias erlebte es an dem Sterbebett eines verstockten Sünders, dass Christus, dessen Bild Franziskus dem Sterbenden vorhielt, sich von dem Sterbenden abwandte und ihm das Blut aus seiner Herzenswunde in das Angesicht, als Zeichen der Verdammung, warf.
Fahre aus im Namen des hl. Geistes, dessen Gnaden und Einsprechungen du verwüstet, dessen Mahnungen du immer widerstanden, gegen den du durch Verhärtung und Vermessenheit in Hass und in Verachtung der Wahrheit gesündigt.
Fahre aus im Namen aller Engel und Heiligen, damit du einmal ein Ende machst mit deinem gottlosen Leben, das sie kränkt und mit Trauer erfüllt. Weichen möge St. Michael, dein Schutzengel und alle Engel von dir und herankommen alle Geister der Hölle, dass sie dich auf mein Geheiß festnehmen und vor den Richterstuhl Christi ziehen, aus dessen Mund du das Urteil deiner Verdammung heut noch hören sollst: „Weiche von mir, Vermaledeiter“, auf welches Wort die Geister der Hölle dich fassen und in den Abgrund der Peinen ziehen werden, die dich all da ewig quälen sollen.
Dieser Schreckensspruch wartet auf dich, sterbender Todsünder. Und wie groß wird erst dein Schrecken und Entsetzen sein, wenn du dich im Augenblick, wo sich deine Seele vom Leibe trennt, auf einmal in deiner teuflischen Abscheulichkeit im Spiegel der Ewigkeit erblickst! „Ja, böse, überaus böse ist der Tod des Sünders.“
Gott bewahre jeden von uns vor dessen Schrecknissen und ewigen Folgen durch eine aufrichtige, vollständige treue Beichte in diesen Tagen des Heiles der hl. Fastenzeit. – Amen!
aus: F. X. Weninger, Originelle kurz gefasste praktische Fasten-Predigten, 1884, Der Tod, Vierte Predigt, S. 27 – S. 37
Überschriften sind der besseren Lesbarkeit hinzugefügt.
Siehe auch den Beitrag:
- Empfindungen eines Sterbenden, der sorglos gelebt (vom hl. Aphons Maria von Liguori)
Beiträge von P. F. X. Weninger auf dieser Website unter dem
und auf der Website katholischglauben.online:
- Beiträge von F. X. Weninger
- F. X. Weniger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube – Inhaltsangabe des Buches
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