A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Hölle

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Hölle

Hölle. I. Dogmatisch. Die ewige Bestrafung der in der Todsünde Dahingeschiedenen bezeugen das Athanasianische Glaubensbekenntnis: „Die aber Böses getan haben, werden in das ewige Feuer gehen“ (Denzinger n. 40); Papst Pelagius I. 557: „Die den Weg des Herrn nicht erkannt haben oder ihn zwar erkannt, aber in mancherlei Auflehnungen verlassen haben, wird Christus dem gerechtesten Gerichte überliefern in den Strafen des ewigen und unauslöschlichen Feuers, so daß sie ohne Ende brennen“ (Denz. 3028); Innozenz III. 1201 an Erzbischof Ymbert v. Arles: „Strafe der Erbsünde ist die Entbehrung der Anschauung Gottes, Strafe der Tatsünde aber die Qual der ewigen Hölle (gehennae perpetuae cruciatus)“ (Denz. 410); das 4. Laterankonzil 1215: „Alle werden Vergeltung empfangen gemäß ihren Werken, mögen sie gut oder schlecht gewesen sein, die einen mit dem Teufel die ewige Strafe, die andern mit Christus die ewige Glorie“ (Denz. 429). Den sofortigen Eintritt der Höllenstrafen schon vor der Auferstehung des Fleisches und die Verschiedenheit der Strafen für die verschiedenen Sünder definierten das 2. Konzil von Florenz 1439 (Denz. 464, 530, 693). Eine Lehrentscheidung über den eigentlichen (physischen= oder übertragenen Sinn des von Schrift und kirchlichem Lehramt gebrauchten Wortes Feuer liegt nicht vor. Die physische Wirklichkeit des Höllenfeuers ist als sichere Glaubens-Überzeugung der Patristik und Scholastik anzusehen; doch handelt es sich nicht um irdisches Feuer, vielmehr um ein uns unbekanntes äußeres, d. h. vom Sünder selbst verschiedenes Agens, das ihm seelische und leibliche Qual verursacht und ob deren Heftigkeit mit „Feuer“ bezeichnet wird. – Soviel läßt sich begreifen: „Gott kann sich nicht selbst verneinen“ (2. Tim. 2, 13), also den bis zum Ende der Prüfungszeit seiner Gnade Widerstrebenden nicht ins Himmelreich aufzunehmen. Der Verdammte hat seine Ewigkeits-Entscheidung gegen Gott getroffen und haßt von sich aus nur die Strafe, nicht aber seinen Trotz gegen Gott; vielmehr verhärtet er sich in diesem, weil ihm Gott als Verhänger der Strafe nur widerwärtig ist. Der Verdammte hat die Geschöpfe Gottes gegen Gott mißbraucht, folgerichtig wendet sich nun die Gott gehörige Schöpfung gegen den Mißbraucher und wird ihm entsprechend, also bei den einzelnen Sündern verschieden, zur Qual: „Es wird kämpfen mit Ihm der Erdkreis gegen die Unsinnigen“ (Weish. 5, 21).

II. Biblisch. Die Scheol des Alten Testamentes bedeutet Unterwelt überhaupt und Strafort der Gottwidrigen im besondern. Die spätjüdische Zeit gebraucht dafür Gehenna (Hinnomtal), das ins Neue Testament übergeht. Vereinzelt kommt dafür Hades vor (Weish. 1, 14; Mt. 11, 23 = Lk. 10, 15). Ps. 9, 18; 30, 18; 54, 16 künden den Frevlern an, daß sie zur Scheol fahren. Is. 50, 11; 66, 24 spricht vom ewigen Feuer und dem Wurm, ebenso Jdt. 16, 21 und Sir. 7, 19. Christus bestätigt diese ernste Wahrheit (Mt. 5, 29f; 10, 28; Lk. 16, 23 usw.) und schildert die Qualen der Verdammten in der Hölle: „wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (Mk. 9, 23), wo „äußerste Finsternis“, „Weinen und Zähneknirschen“ sein wird (Mt. 8, 12; 13, 42; 22, 13; 24, 51; 25, 30 u. 41), weil sie sich ausgeschlossen sehen vom Reiche Gottes (Lk. 13, 28; vgl. 14, 24). Die Hölle wird als unterirdischer Ort vorgestellt (Ps. 9, 18; 48, 15; 62, 10; Is. 5, 14; Sir. 17, 19; Mt. 11, 23 = Lk. 10, 15; Offb. 9, 1). Ihr verfällt der Gottvergessene (Ps. 9, 8); Unzüchtige (Spr. 9, 18), Gesetzesverächter (Sir. 41, 11), der ungetreue Knecht (Mt. 24, 51), der faule Knecht (Mt. 25, 30), der Gottes Einladung Widerstrebende (Lk. 14, 24) und der ohne das hochzeitliche Gewand (der Gnade) vor Gott Erscheinende (Mt. 22, 13), besonders alle Unbarmherzigen (Mt. 25, 41ff). Die Apostel schärfen die furchtbare Wahrheit ein (Gal. 5, 21; 2. Thess. 1, 9; Hebr. 10, 26f; 2. Petr. 2, 17; Offb. 14, 9f u. 20, 14).

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, S. 116-117

Buch mit Kruzifix
Höllenfahrt Christi
Buch mit Kruzifix
Paradies

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Aristobul

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Aristobul Aristobul, Hasmonäer. 1) Aristobul I., ältester von den 5 Söhnen des Makkabäers Hyrkanus, mit seinem jüdischen Namen Judas, regierte 104- bis103. Tötete Mutter (?) und Brüder (Antigonus); war der erste Makkabäer, der den…
Buch mit Kruzifix

Wiedertäufer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Wiedertäufer Wiedertäufer (Anabaptisten), Bezeichnung für das weit verzweigte Sektentum der Täuferbewegung. Diese entstand zur Zeit der Glaubensspaltung infolge der durch den Protestantismus angeregten allgemeinen und ungeregelten Bibellektüre, die unter den Einflüssen von Erasmus, Zwingli,…
Buch mit Kruzifix

Spoleto

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Spoleto Spoleto, 241 v. Chr. römische Kolonie, von den Goten unter Totila zerstört, von Narses wieder aufgebaut, seit 570 Hauptstadt des gleichnamigen langobardischen Herzogtums. Dieses erscheint bereits in dem Eventualversprechen Pippins v. Quiercy 754…
Buch mit Kruzifix

Pavillon von Alet

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pavillon von Alet Pavillon, Nicolaus, Bischof von Alet (in den Pyrenäen), gehört zu den Bischöfen, welche bei den jansenistischen Erörterungen sich weigerten, das Formular vom Jahr 1665 zu unterschreiben. Er war im Jahre 1597…
Buch mit Kruzifix

Friedrich von Spee

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Friedrich von Spee Spee, (Spe), Friedrich von, SJ, bekannt als Dichter und als Vorkämpfer gegen die Hexenverfolgung, entstammte der bald nach ihm ausgestorbenen geldernschen Adelsfamilie der Spee von Langenfeld und wurde am 25. Februar…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Proselyten

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Proselyten Proselyten (= die Hinzugekommenen, in der Vulgata proselyti, advenae). Im Alten Testament sind Gerim die Nicht-Israeliten, die sich für längere Zeit unter den Israeliten niedergelassen hatten, also vor allem die Landeseingeborenen; sie genossen den Schutz des Gastrechts, und das Gesetz nahm sich ihrer an (Ex. 20,10; 22,20; 23,9). Ließen…
Buch mit Kruzifix

Kanaaniter

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kanaaniter Kanaaniter, in der heiligen Schrift I. Name einer Völkerschaft, welche von Kanaan abstammte. Dieselbe umfasste elf Stämme. 1. Sidonier, 2. Hethiter, 2. Jebusiter, 4. Amorrhäer, 5. Gergesiter, 6. Heviter 7. Araciter, 8. Siniter, 9. Aradier, 10. Samaräer, 11. Amathiter, unter welchen die beiden ersten nach den Stammvätern Sidon…
Buch mit Kruzifix

Bolingbroke

Freigeist
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bolingbroke Bolingbroke, Harry, Baron St. John, Viscount von Bolingbroke, ungläubiger Schriftsteller, geboren 1672 zu Battersea, einem Dorf an der Themse in Surreyshire, studierte zu Oxford, beschäftigte sich dabei besonders mit der Dichtkunst und den schönen Wissenschaften und führte ein sehr lockeres und ausschweifendes Leben. Von seiner ersten reichen Gattin…
Buch mit Kruzifix

Antitrinitarier

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Antitrinitarier Antitrinitarier, die Leugner der Grundwahrheit des Christentums von drei ewigen Personen in Gott, besonders die dem 2. und 3. Jahrhundert angehörigen, an der Spitze das Judentum. Nicht unterscheidend zwischen Natur und Person und nur ein Hervorgehen nach außen (processiones ad extra) anerkennend, überhaupt des Sinnes für die christliche…
Buch mit Kruzifix

Rabbi

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rabbi Rabbi, Rab (= viel, groß), im Alten Testament „Oberster“, in der Mischna „Herr“, mit der Zeit „Meister“, Lehrer“ (analog Magister), in diesem Sinne spezieller Titel für die babylonischen Amoräer (Plural: rabbanan = „unsere Lehrer“). Ohne Namensbeifügung ist damit im Talmud stets das Schulhaupt von Sora Abba Areka gemeint.…
Buch mit Kruzifix

Ledochowski

Bischof
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ledóchowski Ledóchowski, Mieczyslaw Halka Graf v., * 29.10.1822 zu Górki (Sandomir), † 22.7.1902 zu Rom; studierte mit Auszeichnung in Radom und an der Academia die Nobili Eccl. Zu Rom, 1845 zum Priester geweiht, 1851 Uditore der Nuntiatur in Lissabon 1855 ao. Apostolischer Delegat in Colombia und Chile, 1861 Nuntius…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner