David Paul Drach (1791-1865) Konvertit

Konvertitenbilder aus dem Judentum des 19. Jahrhunderts

David Paul Drach (1791 bis 1865), Konvertit aus dem Judentum

David Paul Drach (1791-1868), Konvertit aus dem Judentum

Die Bekehrung dieses, dem jüdischen Glauben angehörigen Gelehrten, gehört unstreitig unter die wichtigsten, die im Laufe dieses Jahrhunderts in Frankreich durch die Gnade Gottes bewirkt worden sind, nicht bloß wegen seiner hervorragenden Gelehrsamkeit, sondern auch, und zwar noch vielmehr deswegen, weil sie Unzähligen seiner Glaubensgenossen die Quelle des Heils gewesen ist.

Bei der großen und allgemeinen Achtung, deren Drach als Schriftsteller wie als gelehrter Rabbiner unter den Letzteren genoss, konnte es nicht fehlen, dass seine Bekehrung den tiefsten Eindruck auf alle strebsamen Gemüter, zumal der jüngeren Generation, machen und sie zum Nachdenken über die höchsten Fragen dieses Lebens veranlassen musste. Drach ist ihnen durch zahlreiche Schriften hierbei hilfreich zur Seite gestanden, und seine Bemühungen sie zur Erkenntnis der lebendigen Quelle der Wahrheit, zur Erkenntnis Jesu Christi als des wahren und wirklichen Messias zu führen, waren von Gott gesegnet.

Autobiographische Skizze des David Paul Drach

Seinem Buch „Harmonie de l’Eglise et de la Synagogue“ hat Drach eine autobiographische Skizze vorausgehen lassen, in welcher er die Motive seiner Konversion und die ihm aus dieser erwachsenen Verfolgungen erzählt, und lassen wir ihn daher auch hier selbst sprechen:

„Ich bin am 6. März 1791 zu Straßburg geboren. Meine Eltern, allgemein geachtet, waren eifrige Beobachter des Gesetzes Mosis. Zeitig entwickelte sich in mir die Liebe zum Studieren und der Geschmack an fremden Sprachen. Mein Vater war aufgeklärt genug, um jedem seiner Kinder die seinen Neigungen entsprechende Erziehung zu geben, ein unter den elsässischen Juden damals fast beispielloses Verfahren. Der Unterricht meiner ersten Jahre bestand, wie bei allen jüdischen Kindern jener Zeit, sobald sie nicht bestimmt waren, Kaufleute oder Wucherer zu werden, ausschließlich in der Erklärung der jüdischen Urkunde mit den Kommentaren in rabbinischer Sprache und in dem Studium des Talmud.

Mein Vater, ein renommierter Rabbiner, ausgezeichneter Hebräer und Talmudist, unterzog sich selbst diesem Unterricht, und zwar mit solchem Eifer, dass ich im Alter von zehn Jahren, wenn man mir irgendeinen Vers aus der Bibel oder auch nur ein auffallendes Wort aus dem heiligen Text zitierte, sofort das Kapitel und die dasselbe betreffenden Erklärungen aus den Kommentaren hersagen konnte. Was diese Bibelkenntnis in meinem Gedächtnis vorzugsweise festhielt, das war der Zudrang der Neugierigen, die mich häufiger als mir lieb war, mit arglistigen Fragen belästigten; denn es kam vor, dass man mich nach Versen fragte, die gar nicht in der Bibel enthalten, willkürlich erfunden oder aus andern Büchern entlehnt waren.“
Drachs Gelehrsamkeit bereits im jugendlichen Alter

„Schon damals waren die Gründe für die religiöse Glaubwürdigkeit ein Lieblingsgegenstand meiner Betrachtungen, und gern benützte ich alle Gelegenheiten, mich über den Glauben und den Kultus der Christen zu unterrichten … Im Alter von zwölf Jahren wurde ich nach besonderer Prüfung in die erste Abteilung der Talmudschule zu Edendorf, sechs Meilen von Straßburg, aufgenommen. Aus dieser Klasse, in der man gewöhnlich drei Jahre verbleibt, wurde ich schon im folgenden Jahr in die zweite Abteilung, die Talmudschule zu Bischheim, und nach abermals achtzehn Monaten in die dritte und letzte Abteilung, in die Schule für höhere talmudische Redner zu Westhoffen bei Straßburg, versetzt.

Der gesetzeskundige Rabbi Isaac Lundenschütz, Vorsteher dieser Anstalt, war einer der gelehrtesten und scharfsinnigsten Talmudisten seiner Zeit. Er konnte sich nicht genug verwundern, als ich ihm die Vorlesung, die er vor den versammelten Schülern in jüdisch-deutscher Sprache gehalten, in rabbinischem Hebräisch überreichte. Sie hatte drei Stunden gedauert und hatte zum Text den Fol. 8 des Tractates Bata des Talmuds. Es war dies wenige Wochen nach meiner Ankunft in der Akademie.

Er ließ diese Redaktion, so wie sie war, in eines seiner Manuskripte überschreiben, von denen er später einen Teil veröffentlicht hat. Von diesem Tage ab wurde ich einer seiner Hauptschüler, und er zog mich bei seinen Arbeiten über den Talmud zu Rate. Noch mehrere Jahre nach meinem Abgang von seiner Anstalt fuhr dieser Rabbiner fort, mir die zärtlichsten Briefe zu schreiben, in denen er mir den Trost bezeugte, „den ihm der hohe Grad meiner Gelehrsamkeit und Geschicklichkeit verursachte“. Ich besitze noch diese Briefe.

„Während einer längeren Reise, die Rabbi Isaac Lundenschütz in Deutschland machte, um Beiträge zu sammeln, schickte mich die Administration der Talmudschulen nach Pfalzburg, um dort unter Leitung des Rabbis Gongenheim, Großrabbiners des Konsistoriums zu Nancy, das Studium der Theologie fortzusetzen. Ein Schriftstück dieses gelehrten Rabbiners, das ich noch besitze, bezeugt in den schmeichelhaftesten Ausdrücken meinen Fleiß im Studieren und meine Fortschritte in der jüdischen Theologie seit meiner ersten Jugend, sowie die Erfolge, die ich in seiner Schule errungen.

„Während der Vakanzen, die im Frühjahr und Herbst zur Zeit der großen Feiertage stattfanden, kehrte ich nach Straßburg zurück, wo ich den öffentlichen wie Privat- Vorträgen des Großrabbiners David Schützheim beiwohnte, der im Jahre 1807 zum Vorsitzenden des auf kaiserlichen Befehl zusammenberufenen Sanhedrins und zum Präsidenten des israelitischen Zentral-Konsistoriums für Frankreich und Italien ernannt ward. Außerdem besuchte ich zu gleichem Zweck die Rabbiner Samuel-Samuel und Zadoc Weil, von denen ich gleichfalls die anerkennendsten Zeugnisse aufzuweisen habe.

Seine Neigung zum Christentum

„Indes nahm meine Neigung für das Christentum einen entschiedenen Charakter an. Indem ich alle freien Augenblicke benützte und, wenn mir nicht zu große Hindernisse im Wege standen, mir mehrere Stunden Schlafs entzog, betrieb ich mit unglaublichem Eifer Lateinisch und Griechisch, um die schriftliche Religion aus den Originalschriften kennenzulernen. Mein immerhin noch sehr reger Hang für dieselbe konnte nicht verfehlen, sich von Zeit zu Zeit bemerklich zu machen. Mein Vater, der mich unausgesetzt beobachtete, war darüber so außer sich, dass er kein Mittel unversucht ließ, mich von jenen profanen Studien abzuziehen.

Wie in der Regel, dienten diese Hindernisse nur dazu, mich noch mehr anzureizen. Ich fuhr fort, meine Lieblingsbeschäftigungen, die als verbotene Frucht nur um so mehr Reiz für mich hatten, im Geheimen zu betreiben. Der Weise hatte wohl recht, als er sagte: Aquae furtivae dulciores sunt, et panis absconditus suavior.

„Nachdem ich meinen theologischen Kursus beendet und kaum das Jünglingsalter erreicht hatte, übernahm ich im Frühjahr 1807 die Erziehung der Kinder eines reichen Israeliten in Rappoltsweiler, namens Mayer Sée. Außer dem gewöhnlichen Unterricht in der Grammatik, Geschichte u.s.w. führte ich den ältesten meiner Zöglinge in das Studium des Talmud ein.

Erste Annäherung und anschließende Unterdrückung der Neigung zum Christentum

„In Rappoltsweiler hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Unterhaltung mit einem katholischen Priester. Ihr wisst, meine lieben Brüder, wie selten es ist, zumal im Elsass, dass die Juden die christliche Gesellschaft besuchen, die sie nicht lieben, und in der sie nur sehr schwer Eingang finden. Es gelang mir, diese ausnahmsweise Gunst zu erlangen und in mehreren Häusern Aufnahme zu finden. Unter diesen will ich besonders das des damaligen Maire erwähnen, weil ich es häufiger als die andern besuchte. Es war das eine sehr fromme und gebildete katholische Familie. Ich sprach meine christianisierenden Ideen so klar aus, dass man mir einen katholischen Katechismus lieh und mir eine Unterredung mit einem Priester vorschlug.

Gerne nahm ich dies Anerbieten an, allein meine Zeit war noch nicht gekommen. Die Wendung, die meine Unterhaltung mit dem Geistlichen nahm, war nicht geeignet, mich günstig zu stimmen. Nach einigen Tagen gab ich den Katechismus mit einigen unpassenden Glossen versehen zurück. Statt aller Antwort wurden mir dieselben in Stücken zerrissen zurückgeschickt. Die achtungswerte Familie bewahrte ein diskretes Schweigen über den Vorfall, den sie zweifelsohne dem Leichtsinn meiner noch so großen Jugend zuschrieb, um den Juden gegenüber meine Stellung nicht bloßzustellen. Ich weiß ihr noch heut Dank dafür und drücke ihr hier öffentlich für das lebhafte Interesse, das sie an meinem Heile genommen, und für das damals eingehaltene kluge Verfahren meine Erkenntlichkeit aus.

„Ich wollte mich nun durchaus nicht mehr mit der katholischen Religion beschäftigen, allein ich empfand im Herzen eine Unruhe, die meine Ruhe störte. Im folgenden Jahre kam der neu angestellte Konsistorial-Oberrabbiner des Ober-Rheins nach Rappoltsweiler. Derselbe übertrug mir freiwillig, „erstaunt“, wie er im Diplom sagte, „über meine Geschicklichkeit im Talmud bei noch so jugendlichem Alter und über den Erfolg, mit dem ich ihn lehrte“, den Rabbinertitel im Grade eines Chaber.

Sechs andere Diplome für denselben Grad und in der lobendsten Weise abgefasst wurden mir noch im Laufe desselben Jahres oder doch wenig später von „Lehrern des Gesetzes“ und Großrabbinern zugesandt. Zwei dieser Schreiben kündigten mir für die nächste Zeit den Grad eines „Lehrers (Doctors)“ an. Von da ab waren alle meine Ideen auf das Rabbinat gerichtet, und ich entfernte mich immer mehr und mehr von meinen ersten christlichen Ideen.“

Im Jahre 1810 ging Drach als Erzieher in einer angesehenen jüdischen Familie, Javal mit Namen, nach Colmar, wo er zwei Jahre blieb, worauf er plötzlich den Entschluss fasste, nach Paris zu gehen, um sich daselbst in den profanen, d. h. nicht talmudischen Studien, zu vervollkommnen.

Drachs Aufenthalt in Paris

„Mein Vater“, fährt Drach in seinem Bericht fort, „dessen Segen ich mir einholen wollte, bevor ich unsere schöne Provinz verließ, bot alles auf und erschöpfte seine ganze Beredsamkeit, um mich von meinem Vorhaben abzubringen. Endlich, da er meinen Entschluss unerschütterlich fand, sagte er: „Dieser feste Vorsatz ist das Unterpfand eines großen Glückes, welches deiner in Paris wartet.“ O, welch größeres Glück konnte mich daselbst erwarten, als das der heil. Taufe!

„So kam ich also nach Paris, reich an unbestimmten Hoffnungen, arm an Mitteln, ohne andere Empfehlungen als meine jüdische Theologie und einen Vorrat von Sprachkenntnissen. Es war die Zeit der ersten Begeisterung für die soziale Reform der französischen Juden, zu welcher die eiserne Hand des Kaisers und sein mächtiges Genie den Anstoß gegeben hatten. Ich fand die beste Aufnahme bei den Hauptvertretern der dortigen Israeliten, großenteils gebildeten Leuten, die mit lobenswertem Eifer den Absichten des Kaisers in Betreff ihrer Glaubensgenossen entgegenkamen, d. h. ihnen Geschmack für Ackerbau, Handwerke, Künste, Wissenschaften, die Kunst der Waffen nicht ausgenommen, einzuflößen und sie von ihrem betrügerischen Handel und ihren Wuchergeschäften zurückzubringen suchte.

„In dieser neuen Sphäre, in der ich mich befand, ordnete die Vorsehung die Dinge auf die bewundernswürdigste Weise für meine Konversion an. Außer einer hervorragenden Stellung, die ich im Zentral-Konsistorium erhalten hatte, vertraute mir der verstorbene Herr Baruch Weil, ein Mann, der mit Recht eine große Achtung genoss, die Erziehung seiner Kinder an. Die schnellen Fortschritte derselben und ihr gründlicher Unterricht, von dem die wöchentlichen Prüfungen die Beweise gaben, bewogen noch mehrere Familien, unter ihnen auch christliche, mich zu bitten, ihren Kindern wenigstens einige Stunden in der Woche zu geben. Herr Baruch Weil, bei dem ich den größten Teil des Tages zubrachte, war das Werkzeug zu meinem, diesmal unwiderruflichen, Entschluss, den katholischen Glauben zu bekennen.

In der christlichen Familie Mertian erwachte wieder Drachs Zuneigung an das Christentum

Sehr gegen seine Absicht trug er hierzu bei, denn er war ein sehr eifriger Bekenner des Judentums, und beobachtete alle Vorschriften mit skrupulöser Sorgfalt. Sein Hausnachbar war Herr Ludwig Mertian, zu dem er in einem auf gegenseitige Achtung gegründeten freundschaftlichen Verhältnis stand. Von Wohlwollen gegen mich erfüllt, benützte Herr Weil dasselbe, um mich Herrn Mertian und seiner würdigen Gattin einzuführen. Dieselbe gehörte der ehrenwerten Familie Gosselin an, von welcher ein Mitglied, ein ausgezeichneter Gelehrter, einen Platz in der französischen Akademie eingenommen hat.

Sie vertrauten mir den ersten Unterricht ihrer jungen Kinder an. Sicher war es der göttliche Hirte, der unaufhörlich seine verirrten Schafe sucht, der ihnen, als so guten Katholiken, den Gedanken eingab, einen jüdischen Lehrer für ihre Kinder, die sie so religiös erzogen, anzunehmen. Bald darauf aber gaben auch Herr und Frau Bernhard Mertian mir den Unterricht ihrer Kinder.

„Elektrisiert, das möchte das richtige Wort sein, durch erbauliche Beispiele der katholischen Frömmigkeit, die ich zu meinem Heile so mehrere Jahre hindurch vor Augen hatte, erwachte der Zug zum Christentum, den ich früher empfunden hatte, mit einer Macht in mir, der ich keinen Widerstand mehr entgegensetzte. Die geringste Zeremonie des katholischen Gottesdienstes rief niemals zuvor empfundene Gemütsbewegungen in mir hervor, von denen eine Idee geben zu wollen zum mindesten vergebene Arbeit wäre. Man wünschte, dass ich meinen Zöglingen das Latein des Sonntagsevangeliums erklären möchte, aber man wagte nicht, mich darum zu bitten. Ich kam freiwillig diesem Wunsch nach und entledigte mich dieser Aufgabe, indem ich stets das Verhältnis meiner Stellung und das meiner Schüler berücksichtigte.

Doch entging es nicht ihren Eltern, dass ich an der Auslegung des göttlichen Buches, das meinen jüdischen Brüdern so verhasst ist, Geschmack zu finden begann und mich mit Achtung ausdrückte, wenn ich von den Dogmen der katholischen Kirche zu sprechen hatte. Gleichwohl hielten sie es für angemessen, das Gespräch niemals auf religiöse Fragen zu leiten.

Die Lektüre der Kirchenväter

„Seit einiger Zeit waren die Werke der wichtigsten Kirchenväter, sowohl der lateinischen wie der griechischen, meine gewöhnliche Lektüre geworden. Man verschaffte sich diese Werke damals sehr billig; Gewürzkrämer und Papierhändler verkauften sie nach dem Gewicht. Es waren noch die Reste der während der Revolution zerstörten Klosterbibliotheken. Indem ich mich so aus der besten Quelle der Religion unterrichtete, die in meinem Herzen unmerklich Wurzel schlug, ward ich von den Vorwürfen betroffen, die die Väter den Juden machen, an dem hebräischen Text durch Verfälschung gefrevelt zu haben.

Ich hatte selbst schon wahrgenommen, dass dieser Text an vielen Stellen derartig verändert oder verstümmelt worden zu sein scheint, dass sich offenbare Lücken zeigen. Dieser Umstand gab zu einer neuen Beschäftigung Veranlassung. Ich verglich nämlich ganz genau den hebräischen Text des Alten Testaments mit der griechischen Übersetzung der Septuaginta, weil dieselbe das Werk von jüdischen Schriftgelehrten ist, die alle erdenkliche Autorität für mich haben, und aus dem Anfang des dritten Jahrhunderts vor Christus datiert, also aus einer Zeit, wo sie noch kein Interesse daran hatten, den Sinn der Prophetien in Betreff des Messias zu verfälschen.

Untersuchung der Septuaginta und des Neuen Testaments in ihrer Übereinstimmung

„Da in den zahlreichen voneinander abweichenden Lesarten beider Texte der griechische mir fast immer als der korrektere erschien, so unternahm ich es, den Originaltext aus dem letzteren, der den andern orientalischen Übersetzungen, namentlich der syrischen, offenbar als Vorbild gedient hat, wiederherzustellen. Ich muss hierbei bemerken, dass das Neue Testament, wenn es bei der Zitierung des Alten von dem hebräischen Text abweicht, fast überall mit der Septuaginta übereinstimmt. (Gen, 1, 24; Matth. 19, 5; Marc. 10, 8 2c. 2c.). „Apostoli consonant, sagt der heil. Irenäus (Cont. haeres. III, cap. 25) praedictae interpretationi, et interpretatio consonat apostolorum tradition.“

Diese Übereinstimmung des Neuen Testaments mit der Septuaginta wird auf gleiche Weise von Origenes und dem heil. Cyrill von Jerusalem bezeugt. Man sieht auch Beispiele hiervon in des heil. Paulus Briefe an die Hebräer, und diesem konnte es nicht unbekannt sein, dass diejenigen, an die er sich wendete, den Text ebenso gut kannten, wie er. Was am meisten zu Gunsten des griechischen Textes spricht, ist der Umstand, dass der heil. Hieronymus, der die alte Vulgata nach dem Hebräischen und Chaldäischen, Sprachen, die er bei den jüdischen Lehrern studiert hatte, verbessert hat, und dessen Übersetzung den Beifall der Juden selbst erhielt, wie der heil.

Augustin bezeugt, vielmehr mit dem griechischen als dem jetzigen hebräischen Text übereinstimmt, was vollends beweist, dass zur Zeit jenes Kirchenlehrers der hebräische Text anders war als gegenwärtig, ist die Aufforderung, die er an seine Gegner richtet irgendeine Stelle des griechischen Textes anzugeben, die nicht im Original nachweisbar sei. „Aemuli nostri doceant, assumpta aliqua de Septuaginta testimonia, quae non inter Hebraeorum litteris.“

„Ich war in dieser Arbeit schon weit vorgerückt, als ich in der Vorrede des heil. Hieronymus zu den vier Evangelisten zu meiner großen Freude las, dass er die Septuaginta als die Schutzwehr und den Wall der Integrität der heil. Schriften betrachte. Das ist auch die Ansicht des heil. Hilarius. Meine Arbeit über die Septuaginta blieb noch lange ein Geheimnis. Der Groß-Rabbiner Abraham Cologna, Präsident des Zentral-Konsistoriums, der wahrscheinlich nichts Gutes aus ihr für den Pharisäismus, dessen eifriger Anhänger er war, prophezeite, besuchte mich, um Auskunft zu erhalten. Nachdem er Einsicht davon genommen, befahl er mir nachdrücklich, der Idee, ein so anti-jüdisches Werk zu veröffentlichen, für immer zu entsagen.

Drohung einer theologischen Zensur durch die Synagoge

Da er mich nicht sehr geneigt fand, diesem Befehl nachzukommen, drohte er in Ermangelung des Malkut, der nicht mehr statthaft ist, mit einer theologischen Zensur in hebräischer, französischer und italienischer Sprache, die an alle Synagogen gesandt werden sollte. Man wird begreifen, dass diese vielsprachige Drohung mich nicht sehr erschreckte; ich war bereits so weit gegangen, dass ich die Synagoge weit hinter mir hatte und schon die Schwelle der Kirche berührte.

„Der Pentateuch, der bald vollendet war, erhielt den Beifall mehrerer Gelehrten des Instituts und hauptsächlich des berühmten Orientalisten, der die orientalischen Studien in Frankreich wieder zu neuem Leben gebracht hat, Sylvester de Sacy. Nachdem er meinen hebräischen wiederhergestellten Text geprüft hatte, nahm er seine Widmung an und empfahl ihn dem Minister de Corbière als ein der Aufmunterung von Seiten der Regierung würdiges Werk.

Alle Prophetien führen zu Jesus Christus

„Diese Beschäftigung hatte für mich noch ein anderes Ergebnis. Bei der aufmerksamen Prüfung des Textes, wobei ich mich zum ersten Mal in meinem Leben, um mich so auszudrücken, der Zuchtrute der rabbinischen Kommentare entwunden hatte, sah ich klar, dass alle Prophetien in gewisser Weise nur einen großen Kreis von viertausend Meilen Umfang bilden, dessen Studien sämtlich zu dem gemeinsamen Mittelpunkt führen, der da ist und nur sein könnte unser Herr Jesus Christus, Erlöser der Kinder Adams, die seit der Sünde ihres Vaters vom rechten Weg abgekommen sind.

Das ist der Gegenstand und einzige Zweck aller Prophetien, die uns den Messias derartig bezeichneten, dass es unmöglich ist, ihn zu verkennen. In ihrer Übereinstimmung stellen sie das vollendetste Gemälde dar. Die ältesten Propheten zeichnen von ihm die erste Skizze; in dem Maße als sie sich folgen, vollenden sie die von ihren Vorgängern unvollkommen gelassenen Züge. Je mehr sie sich dem großen Ereignis nähern, um so lebhafter werden ihre Farben. Da das Gemälde vollendet ist, haben die Künstler ihre Aufgabe beendet und verschwinden.

Der Letzte der Propheten Israels, bevor er sich vom Schauplatz zurückzieht, ist noch besorgt, die Persönlichkeit zu kennzeichnen, die kommen soll, den noch über das Geheimnis ausgebreiteten Schleier hinwegzuheben. „Siehe, ich werde euch den Propheten Elias senden, ehe denn der Tag des Herrn kommt, der große, der furchtbare“ (Malachias 4, 5.). Das ist der Elias des neuen Bundes, Johannes der Täufer, der erste und größte Prophet des evangelischen Bundes, der keinen zweiten hatte an Heiligkeit unter den Söhnen des Weibes. …

Drachs Entschluss, katholisch zu werden

„Nachdem ich zu diesem Grade der Überzeugung gelangt, durfte ich mein Katechumenat nicht länger hinausschieben. Gott verlieh mir den Mut dazu, und in den ersten Tagen des Jahres 1843 teilte ich meinen Entschluss der frommen Familie Mertian mit, die darüber eine heilige Freude empfand und meine Bitte, mir und meinen Kindern, ich war seit 1817 verheiratet, als Pate zu dienen, bereitwillig aufnahm.

„Aber welche Kämpfe hatte ich mit allem, was mich umgab, und mit meinem eigenen Herzen auszufechten! Man muss in einer ähnlichen Lage gewesen sein, um sich davon einen Begriff zu machen; meine Gesundheit litt während einiger Monate darunter.

Meine Existenz hing damals fast gänzlich vom Konsistorium ab, das mir die Leitung der israelitischen Schule anvertraut hatte; der Titel als Rabbiner, Lehrer des Gesetzes, dessen Diplom mir die bedeutendsten Groß-Rabbiner Frankreichs übergeben hatten, gab mir die Aussicht auf die erste Groß-Rabbiner-Stelle, und die Häupter mehrerer Konsistorial-Synagogen waren im Alter sehr vorgerückt; die Arbeiten zu Gunsten des Judentums, die ich mit einigem Erfolg veröffentlicht hatte, und den ich auf so auffallende Weise verleugnen sollte; die Missgunst, um nicht mehr zu sagen, die meine Taufe unter den Juden auf meine dem Judentum sehr anhänglichen, fast achtzigjährigen Eltern, und auf meine ganze übrige Familie laden musste;

mein gewisser Bruch mit der Familie, von der ich wie ein Sohn geliebt war (Javal); der vorauszusehende Verlust einer geliebten Gattin und das Unglück das daraus für meine drei Kinder, von denen die zwei Mädchen vier und drei Jahre, der Knabe sechzehn Monate alt war, erstehen musste: ich lud dieses lange und schwere Kreuz mit jener inneren Zufriedenheit auf meine Schulter, die das Bewusstsein recht zu handeln allein zu geben imstande ist.

Mich bei keiner menschlichen Betrachtung aufhaltend, den zartesten Neigungen des Herzens entsagend, folgte ich der Einladung dessen, der mit seinem göttlichen Mund erklärt hat: „Wenn jemand zu mir kommt, und hasst nicht seinen Vater und Mutter und Weib und Kinder, und Brüder und Schwestern, dazu auch sein eigenes Leben, der kann mein Jünger nicht sein. Und wer sein Kreuz nicht trägt und folgt mir nach, der kann mein Jünger nicht sein.“

Vorbereitung zur Taufe und Taufe am Ostersamstag

„Nachdem ich für meine Kinder den Beistand des Herrn und den Schutz der mächtigen und zärtlichen Mutter der Geister erfleht, stellte ich mich dem Dekan der theologischen Fakultät, Herrn Abbé Fontanel vor und bat um die Vorbereitung zur Taufe. Er beeilte sich, meinem Wunsch zu willfahren, und erfüllte sein apostolisches Amt bei mir auf eine seiner Frömmigkeit und seinem Talent würdige Weise.

„Am Palmsonntag wohnte ich mit meinem verehrten Katechisten in der Kirche St. Stephan zum Berge zum ersten Mal der Feier der heil. Messe bei.

Ach, wie soll ich die Gefühle schildern, von denen ich während des Gottesdienstes durchdrungen war? Die feierliche Palmprozession, die mich an eine ähnliche in der Synagoge übliche erinnerte; jene Worte des König-Propheten: Attollite portas principes vestras, et elevamini portae aeternales; et introibit rex gloriae, und der Rest, den ich so oft in den Tempeln des Pharisäismus wiederholt hatte; das Vorlesen der Leidensgeschichte, die so viele Gemütsbewegungen hervorruft: ihr werdet unwillig gegen die Verfolger und werdet vom tiefsten Mitleid für das ihrer Wut wehrlos preisgegebene Opfer ergriffen; eine düstere Traurigkeit bemächtigt sich eurer, euer Herz wird mehr und mehr gepresst.

„Der Erzbischof Quélen hatte den Ostersamstag für meine und meiner Töchter Taufe, die in der Kathedrale stattfinden sollte, festgesetzt. Mein Sohn, noch zu jung, um der langen Festfeier dieses Tages beiwohnen zu können, eröffnete unseren Eintritt in die Kirche, indem er schon am vorhergehenden Mittwoch in der Pfarrkirche des Mertianschen Ehepaares, seiner Taufpaten, getauft ward. Am Gründonnerstag schwur ich, nachdem ich dem Departements-Konsistorium von Paris meine Entlassung eingereicht, zu den Füßen des Oberhirten der Hauptstadt dem Judentum ab …

Am bestimmten Tage endlich empfing ich inmitten meiner beiden Töchter aus den Händen des Herrn Erzbischofs die so sehr und lange Zeit ersehnte Taufe, in Gegenwart eines unermesslichen Zudrangs von Gläubigen und selbst von Juden. Herr Abbé Fontanel hatte zuvor die Zeremonie des Exorzismus vollzogen. Meine erste Kommunion und meine Firmung wurden für das Hochamt des folgenden Tages aufbehalten.

„Die erhabene Feier des Ostertages, die reichen und glänzenden Gewänder des zelebrierenden Priesters und der zahlreichen ihm assistierenden Geistlichkeit versetzten mich in Gedanken an die Pracht des herrlichen Tempels zu Jerusalem, als er noch erfüllt war von dem Preise Jehovas. Es schien mir, als ob ich den Hohenpriester sähe, umgeben von den Priestern, Söhnen Aarons, wie er die große Feier des Tages der Kippurim (Versöhnungstages) begeht. Aber hier mochte man wohl sagen: Die Herrlichkeit des zweiten Tempels überstieg bei weitem die des ersten …

Auch Paul David Drach muss sein Kreuz tragen

„Einige Tage nachher zeichnete der Herr Erzbischof, indem er mir die Verehrung für die allerseligste Jungfrau anempfahl, ein rührendes Gemälde des Lebens der Gottesmutter und schloss mit den Worten: ‚Und auch Ihnen wird vielleicht mehr als einmal ein Schwert des Schmerzes durch das Herz dringen, dann erinnern Sie sich Marias.‘

„Der Sturm grollte schon über meinem Haupt, und diese Art von Prophezeiung sollte gar bald in Erfüllung gehen. Und das von Rechtswegen: ein Christ ohne Kreuz ist wie ein Soldat ohne Waffen. Eine furchtbare Verfolgung brach gegen mich aus. Indem ich die Details übergehe, werde ich nur über die Hauptsache berichten. Ihr werdet sehen, meine Brüder, wie der Herr, wenn es ihm beliebt, auch die best geschmiedeten Anschläge gegen seinen Ruhm und seinen Namen zunichte zu machen weiß … Jch werde mich der Darstellung bedienen, die mein Freund, Herr Morel, von dem Vorfall gegeben hat, und einzelne Worte und Bezeichnungen, die mir als zu hart erscheinen, ändern.

„Bei der Taufe hatte der Herr Erzbischof eine Ansprache an mich gerichtet, in welcher er mich ermahnten, den Geist des Friedens und der Liebe, die das Christentum kennzeichnen, inmitten meiner Brüder und in den Schoß meiner Familie zu bringen, mich als guten Gatten gegen meine in ihrem Glauben verharrende Gattin zu benehmen und die Rücksichten gegen sie zu verdoppeln, mit einem Worte, ihr zu beweisen, dass ein Jünger des Evangeliums besser sei als ein Jude …

Die Reaktion seiner jüdischen Frau auf seine und der Kinder Taufe

Ich kam dieser Weisung um so lieber nach, als ich dabei dem Antrieb meines Herzens folgte. Aber als Haupt der Familie lag es mir ob, die Erziehung der Kinder zu bestimmen; das Gesetz verlieh mir hierzu die ausschließliche Ermächtigung; als Katholik hatte ich die Verpflichtung, ihnen die Taufe zu verschaffen und eine christliche Erziehung zu geben: über diesen Punkt war ein Vergleich nicht möglich. Demgemäß zeigte ich ihrer Mutter meinen Entschluss an, sie katholischen Pensionen zu übergeben. Sie stimmte mit einer Nachgiebigkeit bei, auf die ich nicht gefasst war; aber diese Nachgiebigkeit war nur anscheinend, sie verbarg eine Falle.“ Herr Morel berichtet:

„Wenige Tage nachher bat Frau Drach *), nachdem sie einen langen Besuch von einem Rabbiner empfangen, um die Erlaubnis, einige Wochen bei ihrem Vater zubringen zu dürfen, indem sie als Grund angab, in Folge der stattgehabten Gemütsbewegungen krank zu sein und sich bei ihrem Vater leichter erholen zu können. Drach willigte ein. „Ich hoffe“, fügte Frau Drach hinzu, „dass Du mir nicht den Trost versagen wirst, die Kinder auf diese kurze Zeit um mich zu haben. Ich werde mich dann, wie ich hoffe, um so leichter darein finden, wenn Du sie künftigen Monat in Pension gibst.“

*) Frau Drach war eine geborene Deut, Tochter des gelehrten Groß-Rabbiners beim Zentral-Konsistorium in Paris und Schwester des berüchtigten Deut, der die Herzogin von Berry verriet.

Drach, der den verborgenen Sinn dieser letzten Worte nicht ahnte, gibt seine Einwilligung, sich auf einige Wochen von seinen Kindern zu trennen, obwohl diese Trennung ihm um so fühlbarer sein musste, als er sie bei seinem Schwiegervater, der über seine Konversion außer sich war, nicht besuchen konnte. So ließ ihn seine Nachgiebigkeit gegen seine Frau den nur durch ein Wunder wieder gut zu machenden Fehler begehen, einer arglistigen jüdischen Familie die drei neuen noch so jugendlichen Christen anzuvertrauen. Das hieß zarte Lämmer dem Rachen eines reißenden Wolfes überliefern.

Die Entführung der Kinder durch Frau Drach

Kaum bei ihrem Vater angekommen, bezog Frau Drach ohne Wissen ihres Mannes eine andere Wohnung und war bald darauf mit der jungen Familie verschwunden. Der Beistand der Juden und zumal ihrer Verwandten machte ihr die Ausführung eines Unternehmens möglich, das ihren Mann zur Verzweiflung bringen sollte. Die Entführer hatten ihre Maßregeln so gut getroffen, dass die sorgfältigste Untersuchung der Behörden den Weg, den die Flüchtlinge eingeschlagen, nicht zu entdecken vermochten.

Man wusste den Nachforschungen der Polizei auch die kleinste Spur der vier Individuen auf ihrem Weg nach London, wohin die Dame gesandt ward, zu entziehen. Alle Bemühungen der Behörden scheiterten. Der Schwiegervater Drachs, von dem man anzunehmen berechtigt war, dass er um die Flucht seiner Tochter wisse, übergab freiwillig dem Untersuchungsrichter einen Brief derselben, der das Datum und den Stempel Berlin trug. Ein Sachverständiger jedoch erklärte Papier und Tinte für Englisch.

In der Tat lebte Frau Drach unter falschen Namen in London und erschien daselbst öffentlich mit den Kindern unter ihren Glaubensgenossen. Und dennoch vermochte die ganze Geschicklichkeit der französischen Polizei fast zwei Jahre hindurch auch nicht die geringste Spur der Vermissten aufzufinden; sie scheiterte an der Verschwiegenheit der zahlreichen jüdischen Mitwisser.“

Drachs Suche nach seinen drei christlichen Kindern

Drach entschloss sich, eine Reise zu unternehmen, in der Hoffnung, eine Spur seiner Kinder zu entdecken. Da die offiziellen Berichte voraussetzen ließen, dass seine Frau den Weg nach Deutschland genommen, richtete Drach seinen Weg dorthin und begab sich nach Mainz, wo er mehrmals erkrankte.

„Nach zehn Monaten Aufenthalts in dieser Stadt“, fährt Herr Morel fort, „war mein armer Freund nicht weiter gekommen, als er im Augenblick seiner Ankunft war. Er hatte einen jüdischen Polizei-Agenten zur Seite, und dieser gutbezahlte Mann war ihm von nicht größerem Nutzen, als ein anderer Jude, der zu demselben Zweck der Sicherheitspolizei von Paris beigeordnet war. Aber

Celui qui met un frein à la fureur des flots,
Soit aussì des méchants arrêter les complots.

Wer die Wut der Wellen bändigt,
kann auch die Pläne der Bösen vereiteln.

„Wenn der Herr zeigen will, dass die Hilfe direkt von ihm kommt, so pflegt er sie auf eine Weise zu senden, die alle Berechnungen der Menschen täuscht.

So auch hier.

Der Hinweis des Aufenthaltsortes der Kinder und Drachs Reise nach London

„Ein junger Mann, der natürliche Sohn eines reichen jüdischen Geschäftsmannes zu Paris, kam nach London und besuchte, wie fast alle Pariser Juden, die nach der Hauptstadt Englands kamen, die Frau Drach. Als er am folgenden Tage seinen Besuch wiederholte, wurde er, da man ihn für einen Kommissär der Pariser hielt, nicht vorgelassen. Dies geschah mehrmals. Ob dieses Misstrauens erbittert, beschloss er sich zu rächen. Als er nach einiger Zeit eine Reise nach Frankfurt am Main machen musste, nahm er seinen Weg über Mainz und besuchte Drach, Er teilte ihm mit, dass er seine Frau und Kinder gesehen habe und gab ihm auch die Wohnung an.

„Das einzige Mittel wieder in den Besitz seiner Kinder zu kommen und vielleicht zu einer Aussöhnung mit seiner Frau zu gelangen, bestand darin, schleunigst nach London zu reisen, um seinen Verfolgern keine Zeit zu lassen, ihm entgegenzuarbeiten. Er schrieb sofort an einen Geistlichen in Paris, mit welchem er in brieflichem Verkehr geblieben war. Der Mann Gottes schrieb ihm: „Vade prospere, reisen Sie, Gott wird Ihre Reise segnen.“ Drach reiste nun am Himmelfahrtstag 1824 ab, nachdem er noch am Tage vorher einen Brief vom Fürsten Hohenlohe erhalten hatte, der ihm den Beistand seines Gebetes anzeigte.“

So kam er denn nach London und machte seine Frau ausfindig. Allein sie wies jeden Vorschlag ab und gestattete ihm nur, seine Kinder am Tage und in ihrer Gegenwart zu sehen, und dabei musste er ihr noch, gleichsam als Garantie, seine Koffer übergeben. Herr Morel sagt:

„Sollte er sich an die Behörden wenden? denn auch die englische Gesetzgebung anerkennt das Recht des Vaters auf seine Kinder. Beim ersten dahin zielenden Schritt würden die Juden, Herren seiner Familie, von den großen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln Gebrauch machend, sie für immer verschwinden lassen. Sollte er sich ihrer durch Überraschung bemächtigen? Das schien schwer, und doch entschloss er sich hierzu.

Die Durchführung des Planes zur Rückführung der Kinder

„Nachdem Drach während eines Monats das Terrain studiert, entwarf er seinen Plan; aber ein Hauptbeförderungsmittel desselben fehlte ihm, ein passendes Fuhrwerk; denn eines Fiakers konnte er sich hier, wo er es mit so vorsichtigen und gewandten Leuten zu tun hatte, nicht bedienen. Er schrieb an einen Geistlichen in Paris, einen klugen und umsichtigen Mann, der ihm nach einigen Wochen eine Empfehlung an den nachmals so berühmten Kardinal Weld, damals noch einfacher Priester, verschaffte. Dieser hinwiederum empfahl Drach einer katholischen, sehr frommen englischen Dame, der Gräfin Mazzinghi, die ihre glänzende Stellung und ihr großes Vermögen durch ebenso große Wohltätigkeit heiligte.

„Herr Drach hatte beobachtet, dass seine Frau die Kinder sonntags Vormittags nach Tower-Hill, einem in der Nähe des Towers gelegenen Platz, schickte, um dort zu spielen … Demnach wurden die Dispositionen getroffen und der Tag bestimmt. Sonntags den 7. November 1824 wurde das heil. Messopfer für die drei jungen Christen dargebracht; zahlreiche Gläubige vereinigen ihr Gebet mit dem des frommen Fürsten Hohenlohe, und der bisher so unglückliche Vater sieht mit Erstaunen das Wunder vollzogen.

„Die Gräfin Mazzinghi fand sich zur rechten Zeit in ihrer Equipage in Tower-Hill ein. Sie wartet lange Zeit mit einer Geduld, die ihre brennende Nächstenliebe unterstützt. Die Kälte dieses Morgens würde vielleicht jede andere Person entmutigt haben, um so mehr, da es nicht schien, als ob die Kinder ihren gewohnten Spaziergang machen würden. Die edle Dame, von jenem Vertrauen erfüllt, das einer Eingebung von Oben gleicht, harrt auf ihrem Posten aus. Zwischen elf und zwölf Uhr zerteilt sich der Nebel wie durch Zauberschlag, der Himmel wird heiter, die Sonne erscheint, und die drei Kinder kommen in Begleitung ihrer Bonne an.

Herr Drach schlägt ihnen eine Spazierfahrt vor, die mit Jubel angenommen wird, und sie drängen sich zu der schönen Equipage, in die sie alle einstiegen, die Bonne nicht ausgenommen, die glücklicherweise eine Christin war; eine Jüdin wäre misstrauischer gewesen. In einem Augenblick ist man über den Platz hinaus, an dessen Ende die Bonne abgesetzt wird. Dann flüchtet sich Herr Drach mit seinen Kindern in das Hotel des französischen Gesandten, um sich unter den Schutz seiner Regierung zu stellen und einen Pass zu nehmen. Schon am folgenden Tage verließ Herr Drach mit seinen Kindern London und betrat Tags darauf den Boden seines Vaterlandes …“

Drachs Aufenthalt in Rom und Anstellung als Bibliothekar der Propaganda

Einige Jahre darauf ging Drach nach Rom und ward daselbst seiner umfassenden Gelehrsamkeit wegen (1827) zum Bibliothekar der Propaganda ernannt, welche Stelle er bis zu seinem Ende Januar 1865 erfolgten wahrhaft gottseligen Tode bekleidete.

Bald nach seiner Aufnahme in die katholische Kirche machte es sich Drach zu seiner Lebensaufgabe für die Bekehrung seiner früheren Glaubensgenossen zu wirken, und an der Lösung dieser Aufgabe hat er mit unermüdlicher, außergewöhnlicher Energie und Ausdauer gearbeitet. In der Vorrede zu seiner trefflichen Bibelausgabe (Bible de Vence) sagt er: „Ich bitte den Herrn gnädigst zulassen zu wollen, dass dieser Teil meiner Arbeit dazu beitrage, den geheimnisvollen Schleier zu zerreißen, der meine Brüder nach dem Fleische in den Dunkelheiten des Todes zurückhält, auf dass sie ihre Blicke zu dem emporrichten, den sie durchbohrt haben; ich vergesse sie so wenig wie meine Rechte und ihre Bekehrung, die Hoffnung der Gläubigen, soll beständig der Zweck meiner Schriften sein.“

Veröffentlichung dreier Sendschreiben an die Israeliten

Drach hat dieses sein Versprechen redlich gehalten. Er veröffentlichte zunächst seine drei Sendschreiben an die Israeliten (Lettres d’un rabbin converti aux Israélites ses frères), in welchen er seinen früheren Glaubensgenossen nachweist, dass die christlichen Wahrheiten sich bereits im Alten Testament vorfinden oder, um mit seinen Worten zu reden, dass „die katholische Religion nichts anders sei als die Religion ihrer Väter, die ihre letzte Entwicklung bei der Ankunft des Messias empfangen“.

Da die Rabbiner das Dogma von der Dreieinigkeit gewöhnlich als einen Polytheismus darstellen, so beweist ihnen Drach ganz insbesondere, dass der dreieinige Gott, den die Kirche anbetet, derselbe ist, den verschiedene Stellen des Alten Testamentes ankündigen. Die Auslegung dieser Stellen wird durch Anführung vieler sie betreffenden Äußerungen der alten Rabbiner noch schlagender. Es geht aus diesen Zitaten unabweislich hervor, dass die Juden eine gewisse Kenntnis des Fundamentalgeheimnisses des Christentums hatten. Interessant besonders ist eine aus dem „Rabbi Behaï“ gezogene Stelle:

„Rabbi Haï Gaon erzählt, dass die drei Lichter von Oben keinen Anfang haben, denn sie sind die Wesenheit, die Natur und das Prinzip aller Prinzipien. Nach der Überlieferung dieses Gaon heißen sie das Urlicht (Kadmon), das klärende Licht (Metzahtzah) und das klare Licht (trah), und diese drei Namen sind dasselbe Ding, dieselbe Wesenheit, mit der stärksten Einigung geeint in dem Prinzip aller Prinzipien.“

Der Pharisäismus hält die Juden von der Bekehrung ab

Drach zeigt in diesem ersten, 1825 erschienenen Brief, dass es noch heute der Pharisäismus ist, der die Juden abhält sich zu bekehren. Sie lesen die Bibel nur durch die Auslegung des Talmud, der eine Sammlung pharisäischer Überlieferungen ist; das ist die Binde, die ihnen den Anblick des Lichtes entzieht. Er konstatiert noch eine andere wichtige Tatsache, nämlich, dass die Juden kein Priestertum mehr haben. Man nimmt in der Regel an, dass die Rabbiner die Priester der Juden sind.

Drach zeigt nun das Irrtümliche dieser Ansicht, indem er nachweist, dass die Rabbiner der wesentlichsten Funktionen des Priestertums entkleidet sind, und zitiert zum Schluss dieser seiner Bemerkungen eine Stelle aus der Broschüre des Herrn Singer, Mitglied des Konsistoriums zu Paris: „Über die israelitischen Konsistorien Frankreichs“: „Die Rabbiner sind nicht wie die Pfarrer und Prediger der christlichen Gemeinschaften, die notwendigen Diener unseres Kults. Die Verrichtung der Gebete in unseren Tempeln wird keineswegs durch ihr Organ bewerkstelligt; sie sind nicht die Vertrauten unserer Gewissen. Ihre Gewalt vermag nichts für das Heil unserer Seele etc.“

In seinem zweiten, zwei Jahre später veröffentlichten Sendschreiben erklärt Drach die Prophetien, die über die Ankunft des Messias handeln, und zitiert auch hier eine sehr große Anzahl Stellen aus rabbinischen Büchern. Es ist der Beweis des Christentums durch die Prophetien. Das dritte Sendschreiben enthält die detaillierte Schilderung des Messias, den die Juden noch erwarten, mit den Umständen seiner Ankunft. „Seit der Veröffentlichung meines zweiten Sendschreibens“ sagt er in seiner Vorrede, „sind eine große Menge meiner Brüder in den Schoß der Kirche zurückgetreten.“

Die Zahl der Bekehrungen aus dem Judentum war sehr zahlreich

Und die Zahl dieser Bekehrungen muss in der Tat eine sehr große gewesen sein, denn bei einer andern Gelegenheit schreibt er 1828 über die Prophetie betreffs der Rückkehr der Juden: „Derjenige, welcher es wagen wollte zu leugnen, dass diese große Prophetie sich zu erfüllen beginnt, würde durch die Tatsachen geschlagen werden. Niemals, seit der Zerstreuung Israels, hat man so viele Israeliten den katholischen Glauben annehmen sehen.

Früher war es schon eine merkwürdige Sache, wenn auch nur ein Einzelner von ihnen sich bekehrte, seit einigen Jahren aber sieht man sie in Menge in die Kirche eintreten, die auf den festen und unerschütterlichen Felsen des Fürsten der Apostel gegründet ist. Die Zahl der Juden, die am letzten Pfingstfest und den Abend vorher in unserm Herrn Jesus Christus wiedergeboren wurden, übertrifft die derer, welche in einer verflossenen Epoche im Laufe mehrerer Jahrhunderte getauft worden sind …“

Die weitere Zukunft der Familienmitglieder

Wir haben nur noch einige Worte über die Familie des Herrn Drach zu sagen. Seine Frau verharrte fern von ihm und ihren Kindern, die sie niemals wiederzusehen begehrte, im Judentum. Es ist ihr das mehrfach auch von christlichen Schriftstellern als seltene Charakterstärke nachgerühmt worden. Wir erlauben uns, hierüber anderer Meinung zu sein. Eine Mutter, die ihre Kinder verleugnet und von sich stößt, weil sie einer anderen Religion sich angeschlossen, kann nicht für charakterstark gelten, muss viel mehr als verblendet, im finstersten Zelotismus befangen, ihre Handlungsweise als unnatürlich erscheinen.

Die beiden Töchter, einem unwiderstehlichen Drang ihres Herzens folgend, traten eine nach der andern in die Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten zu Angers ein. Wir können uns nicht versagen, einen Zug kindlicher Frömmigkeit seitens der älteren hier aufzunehmen, wie ihn seiner Zeit schon einige italienische Zeitungen mitteilten. Im Jahre 1833 machte Herr Drach eine Wallfahrt nach Loretto. Seine beiden jugendlichen Töchter, die ältere war vierzehn, die jüngere dreizehn Jahre alt, gaben ihm die schönsten Schmucksachen mit, um sie ihrerseits der heiligen Jungfrau darzubringen. Die ältere fügte ein Briefchen bei, das folgendermaßen lautete:

„An die hochselige und unbefleckte Jungfrau Maria.

Meine geliebte Mutter!

„Zwar bin ich unwürdig, Dir zu schreiben, denn es fehlt viel, dass ich nach meinen Kräften den Gnaden entsprochen hätte, die Du mir erwiesen hast, und das macht mich sehr schuldig in Deinen Augen. Aber, meine gute Mutter, wenn Du mich verlässt, zu wem soll ich meine Zuflucht nehmen? Vergiss doch, ich bitte Dich, alle die Kränkungen, die ich Dir verursacht habe, und erlange für mich die Gnaden, um die ich Dich bitte.

„Die erste ist, mich sofort sterben zu lassen, wenn ich jemals in eine Todsünde verfallen sollte.

„Die zweite ist, Mama zu bekehren. O Maria! schon seit so langer Zeit bitte ich Dich darum, erhöre mich.

„Die dritte ist, dass, wenn Gott in seiner unendlichen Güte mich berufen sollte, Nonne zu werden, ich mit all meiner Kraft der Größe dieses Rufes entspreche.

„Die vierte ist, dass ich mein Skapulier bis zum letzten Tage meines Lebens bewahre, und dass ich an einem Tage vor Himmelfahrt sterbe.

„Endlich heilige Jungfrau, liebe Mutter, lasse Dir diesen Brief nicht fortnehmen, und mache, dass, sobald er zu Deinen Füßen sein wird, ich in meinem Herzen die Wirkungen empfinde, auf die Du seit langer Zeit schon harrest, und welche ich meinerseits mit allen meinen Wünschen erstrebe, auf dass ich an Weisheit zunehmend wahrhaft ein Kind Mariens sei und mich mit mehr Vertrauen nennen könne

Deine Tochter
Maria Clarissa Drach.“

Der Sohn Drachs, zur Zeit seiner Taufe vier Monate alt, machte späterhin glänzende Studien im Kollegium der Propaganda und wurde in Rom zum Priester geweiht –
aus: David August Rosenthal, Convertitenbilder aus dem neunzehnten Jahrhundert, Bd. III/1, 1869, S. 48 – S. 65

Siehe den Beitrag auf katholischglauben.online:

Bildquellen

  • Portrait_du_chevalier_Drach_par_Ingres: wikimedia | CC BY-SA 4.0 International
Tags: Judentum

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