Unterricht für den Gründonnerstag

Goffine: Unterricht für den Gründonnerstag

„In der Nacht bei letztenMahle,
Wo Er mit der Jünger Schar
Nach der Vorschrift des Gesetzes
Bei dem Osterlamme war,
Gab mit eig`ner Hand den Seinen
Er sich selbst zur Speise dar.“

Dieser Tag erinnert an große, gnadenreiche Geheimnisse des Christentums, welche uns durch verschiedene eigentümliche Zeremonien vor Augen gestellt werden; daher der Name „hoher“ Donnerstag. Der Ursprung des Namens „grüner Donnerstag“ läßt sich nicht sicher bestimmen. Viele glauben, er stamme von dem Gebrauch der Juden, das Osterlamm mit grünen Kräutern zu essen.

An welche Geheimnisse erinnert uns der heutige Tag?

Vorzüglich an das große Geheimnis der Liebe, das heilige Abendmahl, und an den Anfang des Leidens Jesu. Christus aß an diesem Abend mit seinen Jüngern das jüdische Osterlamm, jenes Vorbild, daß Er nun bald erfüllen sollte durch den Tod am Kreuz; Er wusch ihnen die Füße, setzte das heilige Altars-Sakrament ein, und eben dadurch die heilige Messe, weihte seine Apostel zu Priestern des neuen Bundes, spendete ihnen die heilige Kommunion, sein Fleisch und Blut, verrichtete das hohepriesterliche Gebet, betete am Ölberg unter blutigem Schweiß, ward von Judas verraten gefangen genommen und die ganze Nacht entsetzlich mißhandelt.

Welches sind die vorzüglichsten Zeremonien und Gebräuche beim heutigen Gottesdienst?

1. In der weißen Farbe, der Farbe der Freude, erscheint der Priester am Altar, unterläßt aber, wie bei den Totenmessen, den Psalm „Judica“ beim Staffelgebet.

2. Beim „Gloria“ ertönen alle Glocken, um von da an bis zum Karsamstag zu schweigen; hölzerne Klappern versehen während dieser Zeit ihren Dienst. Durch diesen mitten in der Trauerwoche angestimmten Lobgesang und das feierliche Glockengeläute will die Kirche ihre Freude über die Einsetzung des heiligsten Altars-Sakramentes ausdrücken. – Das gänzliche Schweigen aller Glocken aber ist ein Zeichen ihres tiefen Schmerzes über das Leiden und den Tod Jesu; auch erinnert es an das Schweigen und das Verborgensein der Apostel, denn die Glocken sind auch Sinnbilder der Apostel.

3. Wenn an einer Kirche mehrere Priester angestellt sind, so feiert an diesem Tage nur einer von ihnen das heilige Messopfer, die übrigen kommunizieren aus seiner Hand. Es soll nämlich an diesem Tage das heilige Opfer so begangen werden, wie es Christus zum ersten Mal in Mitte seiner Apostel gefeiert hat. Ehemals waren alle Gläubigen verpflichtet, an diesem Tage zu kommunizieren.

4. In bischöflichen Kirchen werden während des Gottesdienstes die heiligen Öle, nämlich das Krankenöl, das Chrisam- und das Tauf- oder Katechumenenöl, geweiht. Diese Weihe stammt nach dem Zeugnis des heiligen Papstes Fabianus von den Aposteln und geschah von jeher unter feierlichen Gebeten während der heiligen Messe. Im fünften Jahrhundert war es bereits kirchliche Verordnung, die heiligen Öle am Gründonnerstag zu weihen; deswegen, weil Christus an diesem Tage das heilige Altars-Sakrament, die Quelle und den Mittelpunkt aller heiligen Sakramente, eingesetzt, das Priestertum angeordnet und dadurch die Apostel und ihre Nachfolger zu Spendern der heiligen Sakramente und aller Segnungen aufgestellt hat.

Mit großer Feierlichkeit werden die heiligen Öle geweiht. Der Bischof ist umgeben von zwölf Priestern, sieben Diakonen, sieben Subdiakonen (wenn möglich) und andern dienenden Klerikern. Die Gebete und Segnungen, sowie das Anhauchen und das Begrüßen der heiligen Öle durch die Bischöfe und die zwölf Priester. Kurz die ganze Form dieser Weihe, hat schon Gregor der Große im sechsten Jahrhundert angewendet; sie stammt größtenteils aus der apostolischen Zeit.

Die heiligen Öle werden angewendet bei Spendung mehrerer heiligen Sakramente (Taufe, Firmung, Priesterweihe, letzte Ölung) und bei wichtigeren Weihungen (z. B. Von Kirchen, Altären, Kelchen, Glocken, etc.). Das Öl ist in seinen Eigenschaften ein passendes Sinnbild für die verschiedenen Wirkungen der heiligen Sakramente und kirchlichen Weihungen, bei denen es angewendet wird.

Wie sollen wir diesen Tag begehen?

Wir sollen das, was an diesem Tag geschehen ist, mit Andacht und Eifer betrachten, zu diesem Zweck dem öffentlichen Gottesdienst beiwohnen, uns in den Geist der heiligen Kirche vertiefen und die verschiedenen Zeremonien verstehen lernen; wenn immer möglich, vor dem allerheiligsten Altars-Sakrament Betstunden halten, um die große Liebe, die Jesus durch Einsetzung dieses heiligen Sakramentes uns bewiesen, zu betrachten, dafür zu danken und das Leiden Jesu zu erwägen; den Tag in heiliger Stille, ernster Bußgesinnung und in Übungen der Reue zubringen.

Die heilige Messe

Eingang: „Wir aber sollen uns rühmen in dem Kreuz unseres Herrn Jesu Christi, in dem unser Heil, unser Leben und unsere Auferstehung ist, durch welchen wir erlöst und befreit sind.“ (Gal. 6, 14) „Gott erbarme sich unser und segne uns, lasse leuchten sein Angesicht über uns und erbarme sich unser!“ (Ps. 66, 2)

Gebet der Kirche.
O Gott! Von dem Judas die Strafe für sein Verbrechen, und der gekreuzigte Mörder für sein Bekenntnis die Belohnung erhalten, verleihe uns die Wirkungen deiner Barmherzigkeit, damit Jesus Christus, unser Herr, gleichwie Er während seines Leidens beiden nach Verschiedenheit ihres Verdienstes verschiedene Vergeltung hat zukommen lassen, so uns von dem Irrtum des alten Verderbens heile und uns die Gnade der Auferstehung erteile; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Lesung aus dem ersten Brief des hl. Apostels Paulus an die Korinther. Kap. 11, Vers 20-32.

Siehe 1. Kor. 11, 20-32

Erklärung und Anwendung.
Die ersten Christen hielten nach der Feier des heiligen Abendmahles ein sog. „Liebesmahl“, zu welchem die Reicheren die Speisen lieferten. In Korinth riss nun der Missbrauch ein, daß manche schon vor der heiligen Kommunion oft im Übermaß Speisen genossen. Dies tadelt der hl. Paulus. Er lehrt aber in diesem Abschnitt seines Briefes besonders: 1) Die Einsetzung des heiligen Altars-Sakramentes durch Jesus Christus, worüber er eine besondere Offenbarung erhielt; 2) wie schrecklich die unwürdige Kommunion ist, und 3) daß und wie man sich auf die heilige Kommunion vorbereiten soll. Belebe, o christliche Seele! an diesen apostolischen Worten deinen Glauben an das heiligste Altars-Sakrament und prüfe dich, wie du bisher kommuniziert habest. Leiste Abbitte für alle Fehler, und so oft du wieder hinzu trittst zum Tisch des herrn, erinnere dich an diese Worte des hl. Paulus.

Evangelium nach dem hl. Johannes. Kap. 13, Vers 1-15.

Siehe Joh. 13, 1-15

Wie zeigte Jesus, daß Er „die Seinigen liebte bis ans Ende“?

Dadurch, daß Er, der Sohn Gottes, sich zum Diener seiner Geschöpfe machte bei der Fußwaschung; sich aufs innigste mit ihnen vereinigte im heiligsten Sakrament seines Fleisches und Blutes; in seinen letzten Reden sie seiner unwandelbaren Liebe versicherte; sein Leben für sie dahin gab, als Lösegeld für ihre Sünden und zur Erlösung der ganzen Welt.

Wer ist unter den „Seinigen“ verstanden?

Vor allem die Apostel und nach ihnen alle Gläubigen, also auch du, gläubige Seele. Hast du die Liebe deines Meisters noch nie erfahren? Wie hast du sie bisher vergolten?

Warum hat Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen?

Um ihnen seine Demut und Liebe zu beweisen; ferner um sie und ihre Nachfolger zur Nachahmung zu ermuntern, und endlich um zu zeigen, wie rein man sein müsse, um dem heiligsten Altars-Sakrament sich zu nähern.

Warum hat Jesus auch dem Judas die Füße gewaschen?

Weil Jesus auch ihn, obwohl Er ihn als Verräter erkannte, lieben wollte bis ans Ende. O wie geduldig ist Gott mit dem Sünder!

Gebet am Gründonnerstag.
Gütigster Erlöser! Himmel und Erde können Dir nicht gebührenden Dank erstatten für das wundervolle Geheimnis des Altars; ich sage mit der heiligen Kirche: O wie mild und süß ist, o Herr! Dein Geist; Du willst, um deine Huld gegen deine Kinder zu offenbaren, mit dem süßesten Brot, das der Himmel geben kann, die Hungernden sättigen und lässest die Reichen leer ausgehen! Erteile mir einen lebendigen Glauben und die innigste Andacht zu diesem heiligen Sakrament, damit es mir zum Heil der Seele und zum ewigen Leben gereiche. O Jesus! Der Du am Ölberg, traurig bis in den Tod, Blut geschwitzt und gebetet hast, durch dein heiliges Blut reinige meine Seele; stärke mich mit diesem Balsam zum letzten Streit; tröste mich vor meinem Hinscheiden, und durch deine heilige letzte angst und Verlassenheit verlaß mich nicht in meiner Todesangst, sondern gib mir einen guten, frommen und ruhigen Tod. Amen.

Betrachtung.
Jesus ringt mit dem Tode. – O erhebe deine Augen und sieh an den Mann der Schmerzen, der für dich sich opfert! Willst nicht auch du dich zum beständigen Opfer hingeben? –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 232 – S. 237

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