Sendschreiben nach Ephesus Lob Christi

Mahnende Offenbarung über das, was ist, in sieben Sendschreiben

Das Sendschreiben nach Ephesus – Das Lob Christi an die Epheser

Das Sendschreiben Kap. 2, Vers 1-3:
(1) Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe: Das sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt: (2) Ich kenne deine Werke, deine Mühe und deine Ausdauer und daß du Böse nicht ertragen kannst, daß du auch die geprüft hast, die sich Apostel nennen, es aber nicht sind, und sie als Lügner erfunden hast. (3) Auch hast du Ausdauer und hast um meines Namens willen die Last getragen und bist nicht müde geworden.

Ehe der himmlische Christus seinem Apostel in grandiosen Bildern das künftige Ringen zwischen Gut und Böse und den glorreichen Endsieg des Guten schauen läßt, macht er ihn zum Künder seines Willens an die Vorsteher der sieben kleinasiatischen Gemeinden und in ihnen an die Gesamtkirche, Wie in einem Spiegel läßt er sie erkennen, wie es um sie steht. Je nachdem Inder Einzelgemeinde das religiöse Leben blüht und gedeiht oder welkt und vergeht, so steht es um die Kirche als Ganzes. Das wird dann am klarsten ersichtlich, wenn nicht alle Gemeinden auf einmal angeredet werden, sondern eine nach der andern. Niemals aber waren diese Schreiben vom ganzen Buch gesondert. Sie sind nicht für sich abgesandt und später gesammelt worden. Im Schlusswort heißt es deshalb jedesmal wie ein Refrain: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“, also allen, nicht nur der einzelnen.

(Johannes) tritt mit Autorität auf, aber nur um der Sache willen. Er fordert ganze Persönlichkeiten, wachsame, unermüdliche Eiferer für das Reich Christi. Keiner wird so scharf getadelt wie der Laue und Selbstgefällige. Dabei verordnet Johannes nicht mechanisch. Die Mahnungen sind den ganz konkreten Verhältnissen und Schwierigkeiten angepaßt und haben dennoch überzeitliche Geltung. … Sie sind Gewissensspiegel für den Leser.

Ephesus, die Metropole der römischen Provinz Asia, steht an der Spitze. Das heidnische Ephesus war eine Weltstadt ersten Ranges, nicht weniger berühmt als Haupthandelsplatz zwischen Morgenland und Abendland denn als Wallfahrtsort der großen „Artemis von Ephesus“. Ihren Alten Tempel brauchte Heraustrat 356 v. Chr. Nur in Brand zu stecken, um einen unsterblichen Namen zu bekommen. Ein neuer Tempel entstand, und die Frauen gaben ihren Schmuck her, damit er noch herrlicher werde als der zerstörte. Der Aberglaube der Ephemer war sprichwörtlich. Für mehr als 36000 Mark Zauberbücher wurden öffentlich verbrannt, als Paulus gegen die abergläubischen Bräuche einschritt. Die Innung der Silberschmiede machte gute Geschäfte an den Wallfahrern, denen sie Nachbildungen des Artemistempels und des angeblich vom Himmel gefallenen Bildes der Göttin als „frommes Andenken an die Wallfahrt nach Ephesus“ lieferte.(Apg. 19, 18ff.). Die Christengemeinde von Ephesus verehrte Paulus als ihren Gründer. Über drei Jahre hat er segensreich dort gewirkt, länger als in irgend einer andern Stadt (Apg. 19, 1ff). Er kannte die Tugenden und die Schwächen der Christen in dieser reichen Weltstadt und sah voll Sorge auf die weitere Entwicklung (1. Kor. 16, 9; Apg. 20, 29). Ihren jungen Bischof Timotheus gab er in den beiden an ihn gerichteten Briefen Weisungen zur rechten Betreuung und Leitung dieser schwierigen Gemeinde. Wohl nach dem Jahre 70 kam dann Johannes nach Ephesus und blieb, wie es scheint, mit einigen Unterbrechungen dort bis zu seinem Tode. Hier schrieb er das „pneumatisch“ vierte Evangelium. Ob ihn auch die Gottesmutter dorthin begleitete, ist ungewiß.

Der „Engel“ von Ephesus soll bedenken, daß er zu den sieben Sternen zählt, die der Herr fest in seiner Rechten hält. Das ist seine höchste Auszeichnung, aber auch Beweggrund zu rastlosem Eifer und vorbildlicher Treue. Die Gemeinde darf sich freuen, einer von den sieben Leuchtern zu sein, in deren Mitte Christus , „das Licht der Welt“, wandelt.

Ihm entgeht nichts. Er weiß deshalb, wie es um die „Werke“ des Bischofs und der Gemeinde bestellt ist. Beide gehören ja zusammen. Wir begegnen hier zum ersten Male in der Apokalypse dem wichtigen Begriff „Werke“. Wie für Paulus und Jakobus, so bilden auch für Johannes die Werke eines Menschen den Maßstab, nach dem er gerichtet wird (Röm. 2, 6). Der Glaube, der nicht in der Liebe wirksam wird, also keine Werke der Liebe vollbringt, ist tot (Gal. 5, 6; Jak. 2, 14ff). Die Werke umfassen das gesamte sittliche Verhalten des Menschen, das gute wie das böse, mag es unmittelbar auf Gott gerichtet sein oder auf den Mitmenschen. Jeder ist für sein Tun und Lassen verantwortlich. Seine Werke sind die Früchte seines Lebensbaumes, gute, wenn sie „in Gott getan sind“, schlechte, wenn sie das Licht scheuen (Joh. 3, 2of). An den Werken wird ersichtlich, „was im menschen drin ist“ (Joh. 2, 25). Im Urteil Christi bilden Gesinnung und Tat, Wesen und Erscheinung eine zusammen gehörige Einheit. Ihm kann keiner etwas „vormachen“, wie es unter Menschen so oft geschieht.

In ihrem Engel fühlt sich die Gemeinde mit angeredet, wenn der Herr sagt: „Ich kenne deine Werke.“ Wie verschieden klingt dieses Wort dem treuen Diener Christi und dem untreuen! Dem einen gibt es Kraft, wenn die Menschen seine besten Absichten verkennen und seine Werke missdeuten; dem andern ist es Beschämung, mögen auch seine Leistungen überall gepriesen werden. –
Herders Bibelkommentar Die Heilige Schrift für das Leben erklärt, Bd. XVI/2 Die Apokalypse, 1942, S. 52 – S. 56

weitere Herders Bibelkommentare zur Geheimen Offenbarung siehe: Die dämonischen Reiterheere sowie nachfolgende veröffentlichte Beiträge

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