Ohne Hass auf Häresie keine Heiligkeit

Die Andacht zum kostbaren Blut Jesu

Wo es keinen Hass auf die Häresie gibt, da gibt es keine Heiligkeit

Was in unsern Tagen der Treue gegen Gott am meisten not tut, das ist strenger Ernst gegen die treulosen. Dieser sollte zuerst und vor allem gegen uns selbst gezeigt werden.
Wen kennen wir so treulos als uns selbst? Was für ein Widerstand gegen die Gnade, welche Verachtung der Warnungen, welche Vernachlässigung der Einsprechungen, welche Schläfrigkeit in ihrer Ausführung zeigt sich in unserem Leben!

Wenn wir die Sünde hassten, wie wir sie hassen sollten, mit reiner Absicht, mit Heftigkeit, mit Männlichkeit, dann würden wir mehr Buße tun, wir würden uns mehr Selbstbestrafung auflegen, wir würden einen dauerhafteren Schmerz über unsere Sünden fühlen.

Was sodann der Untreue gegen Gott die Krone aufsetzt, ist die Irrlehre. Sie ist die Sünde der Sünden, das ekelhafteste Ding, auf das Gott in dieser bösartigen Welt herab schaut. Aber wie wenig begreifen wir ihre außerordentliche Gehässigkeit!

Sie ist die Befleckung der Wahrheit Gottes, die schlimmste aller Unreinigkeiten. Und doch, wie gering schlagen wir sie an! Wir betrachten sie und sind ruhig. Wir berühren sie und schaudern nicht. Wir vermischen uns mit ihr und haben keine Furcht. Wir sehen sie heilige Dinge berühren und geben kein Zeichen von Abscheu oder Widerwillen von uns.

Einige von uns bewerben sich um ihre Freundschaft, und manche beschönigen sogar ihre Schuld.

Wir lieben Gott nicht genug, um für seine Ehre in Zorn zu geraten. Wir lieben die Menschen nicht genug, um zum Besten ihrer Seelen aus christlicher Liebe wahrhaftig zu sein.

Nachdem wir das Gefühl, den Geschmack, das Gesicht und alle Sinne eines dem Himmel zugewandten Geistes verloren haben, können wir mitten unter dieser hässlichen Pest verweilen, in unverwüstlicher Ruhe, ausgesöhnt mit ihrer sittlichen Fäulnis, nicht ohne manche ruhmredigen Äußerungen freisinniger Bewunderung, vielleicht sogar mit einer eifrigen Zurschaustellung toleranter Sympathien.

Warum stehen wir so weit unter den alten Heiligen und selbst unter den neueren Aposteln dieser späteren Zeiten, bei dem Überfluss unserer Bekehrungen? Weil wir nicht den strengen Ernst der Alten haben. Es fehlt uns der Geist der alten Kirche, der alte kirchliche Charakter.

Unsere christliche Liebe ist unwahrhaft, weil sie nicht streng ist, und sie wirkt nicht überzeugend, weil sie unwahrhaft ist.

Es fehlt uns die treue Anhänglichkeit an die Wahrheit, als Wahrheit, als Gottes Wahrheit. Unser Seeleneifer ist gering, weil wir keinen Eifer für Gottes Ehre haben. Wir handeln, als ob Gott durch Bekehrungen eine Ehre erwiesen würde, statt als zitternde Seelen, die durch den ausgestreckten Arm der Barmherzigkeit gerettet sind.

Wir sagen den Menschen die Hälfte der Wahrheit, die Hälfte, die unserer eigenen Kleinmütigkeit und ihrem Eigendünkel am besten zusagt, und dann wundern wir uns, daß so wenige bekehrt werden, und daß von jenen wenigen so manche abfallen.

Wir sind so schwach um ein Erstaunen darüber zu empfinden, daß unsere halbe Wahrheit nicht eben so gut Erfolg hat als Gottes ganze Wahrheit.

Wo kein Hass der Häresie ist, da ist keine Heiligkeit. Ein Mann, der ein Apostel sein könnte, wird ein Geschwür in der Kirche, weil es ihm an diesem gerechten Abscheu fehlt.

Wir brauchen den heiligen Erzengel Michael, daß er in diesen Tagen der allgemeinen Häresie neue Herzen in uns hineinlegt. Aber die Andacht zum kostbaren Blut mit ihrer Lobpreisung der Kirche und ihrer Verherrlichung der Sakramente wird uns Michaels Herz und die Kraft verleihen, Michaels Schwert zu schwingen. Wer zog sein Schwert mit edlerer Hast oder gebrauchte seinen Sieg mildherziger als jener tapfere Erzengel, dessen Kriegsgeschrei war: „Alles für Gott!“ –
aus: P. Frederick William Faber, Das kostbare Blut oder Der Preis unserer Erlösung, Regensburg,1920, S. 372 – S. 374

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